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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1962-03-01 · 3 (Marzo, 1962) · p. Seite 4

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4 BOLETIN INFORMATIVO Marzo 1962 EINER GROSSEN JUEDISCHEN KUENSTLERIN ZUM 80. GERURTSTAGE r ERNST TOLLER Anlaesslich des Erscheinens einer Auswahl seiner Werke (Ernst Toller “Prosa, Briefe, Drama, Gedichte”, mit einem Vorwort von Kurt Hiller, Rowohlt, Oktober 1961) In seinem Vorwort zur Paperback-Auswahl von Ernst Tollers Schriften, weist Kurt Hiiler darauf hin, dass die grosse Dichtung der Welt im Grunde immer eine politische war —• die “Ilias”, die griechischen Tra goedien, Dantes “Divina Comedia”, Shakespeares Dramen, Faust II. Teil, Schiller, Moliere, Heine, Tolstoi, Shaw, etwa im Sinne Platos, dass Kunst den Menschen “besser” machen soll. Hiiler fuehrt diese grossen Namen an, “nicht um Toller durch die Vergleichung zu schaedigen... sondern um die typologische Kategorie zu bezeichnen, der er angehoert”. Es war die gleiche Kategorie der “Tendenzkunst” im weiteren Sinne, der auch die anderen Repraesentanten des literarischen. Expressionismus jener’ Kriegs — und Nachkriegsjahre angehoerten — nur mit einem Unterschied: waehrend sie den Vatermord auf ihre Fahne setzten, hat niemand von ihnen wirklich seinen Vater umgebracht. Ernst Toller dagegen predigte die Revolution — und stieg auf die Barrikaden. Echte Dichtung mag immer politisch sein, aber Dichter sind trotzdem nicht praktische Politiker. Disraeli war ein grosser Staatsmann und ein kleiner Schriftsteller; der grosse Goethe war kein grosser Staatsbeamter; der Fall, da Genie der Dichtung und Dichtung und Staatskunst sich vereinen, hat noch nicht stattgefunden. Ernst Toller war ein Mann des Wartens und der Geduld, trotz der Rolle, die er spielen musste. An der Ausrufung der beiden Raeterepubliken in Muenchen hatte er keinen Anteil, und wenn er sich zum Vorsitzenden des Revolutionaeren Zentrakats machen liess, so wahrscheinlich aus Respekt fuer den inzwischen ermordeten Kurt Eisner. Spaeter wurde er “Kommandant der Roten Armee in Dachau”, aber begann mit dem Befehl nicht zu schiessen, “wenn man nicht etwa unglücklicherweise angegriffen werden sollte”. (Inmanuel Birnbaum, “Juden in der Muenchener Raeterepublik”). “Unabhaengiger” Sozialist und Non-Konformits, fand er sich bald auf der einen Seite von der Mehrheits - Sozialdemokratie angefeindet, auf der anderen Seite von den Komunisten ueberlistet und entmachtet, deren Schreckensregime in Bayern er nicht verhindern konnte. Geiselerschiessungen, Vergewaltigungen, Plünderungen — hilflos und gequaelt versuchte er, Einhalt zu gebieten. “Wann werden die Menschen aufhoeren, einander zu plagen, zu quaelen, zu martern, zu morden”, rief er angesichts der kommunistischen Terrorakte aus. Ernst Toller war ein zarter Lyriker, ein gluehender Humanist, ein fanatischer Kriegsgegner — als Kriegsfreiwilliger hatte er die Front erlebt ein Michael Kohlhaas der sozialen Gerechtigkeit, ein Ethiker, der sich im Morast der politischen Parteien nicht zurecht fand, ein reiner Parsival im Netz der Intriganten und Interessenten, der dafuer mit einer fuenfjaehrigen Festungshaft suehnen musste. “Toller ist waehrend der kurzen Zeit seines Kommandos immer des Glaubens gewesen, alles guetlich schlichten zu koennen”, schrieb der damalige preussische Innenminister Wolfgang Heine zu Tollers Entlastung, und wies auf dessen “Weltfremdheit, Optimismus und Friedensglaeubigkeit” hin. Toller war ein glaeubiger Mensch. Nach der Lektuere seiner “Wandlung” sagte Thomas Mann: “Dies ist eine Art Gebet, dieser Dichter ist auf seine Weise fromm”. Er hatte etwas vom alten Prophetentum an sich, dem ewigen Imperativ des sittlichen “Du sollst”. “Trifft Toller eine Schuld, so ist es die, dass er im Sturm der Ereignisse seinen eigenen Ruf, zu warten, ueberschreien liess”, schrieb Stefan Grossmann 1919 unter dem Titel “Der Hochverraeter Ernst Toller”, eine Arbeit, die als “Marginalie” in die neue Toller — Auswahl aufgenommen wurde. An Dramen enthaelt der Band “Die Wandlung”, “Masse Mensch”, “Die Maschinenstuermer”, deren Hauptgestalten in ihrem Konflikt zwischen denken und tun sein und sollen, autobiographische Zuege tragen, und “Hinkemann”, das dichterisch und dramatisch staerkste. An Lyrischem findet man die Schoenheiten des “Schwalbenbuches” uiyd einige Verse im “Vormorgen”. Am interessantesten jedoch sind die autobiographischen Aufzeichnungen “Eine Jugend in Deutschland” und die “Briefe aus dem Gefaengnis”. Die Autobiographie schliesst im Jahre 1924, mit seiner Entlassung aus der Festungshaft im optimistischen Ton: “Nein, ich war nie allein in diesen fuen Jahren, in der trostlosesten Verlassenheit nie allein. Die Sonne hat mich gtetroestet und der Mond... ein guter Blick, ein Gruss geliebter Menschen, Freundschaft der Kameraden, der Glaube an eine Welt der Gerechtigkeit, der Freiheit, der Menschlichkeit, an eine Welt ohne Angst und ohne Hunger, Ich bin dreissig Jahre. Mein Haar wird grau. Ich bin nicht muede”. Jedoch in seinen Briefen klingen bange Fragen auf, wie diese, die als Motto ueber sein Leben gestellt werden koennte: “Wird der ethische Mensch politischer Mensch, welcher tragischer Weg bleibt ihm erspart”. In einem anderen, an Stefan Zweig gerichteten, heisst es: “Es ist an der Zeit, dass Menschen aus freiem Willen, aus notwendiger Hingabe den Mut finden, die Idee zu leben, der sie gehoeren”. Und 1920 die Feststellung: “Draussen: Blut - Mord - Qual - Hunger... Das drueckt viel schwerer. Und die Ahnung um das Schicksal Europas in den naechsten Jahrzehnten... Ich habe an die erloesende Kraft des Sozialismus geglaubt, vielleicht war das meine “Lebenslue^f”, vielleicht...” Ernst Toller war der juedischste unter dem Expressionisten seiner Zeit, sein Zorn, seine Anklage, sein Pathos, seine ethische Forderung hatten biblisches Format: sein Aussehen war juedisch: “Das schwarze, stahlblau schimmernde Haar verlieh in Verbindung mit der gelblichen Hautfarbe; der edlen Stirn und der wohlgestalteten Nase dem Gesicht einen wirkungsvoll fremdartigen Reiz” (Ernst Niekisch, “Gewagtes Leben”, 1958); und seine Kindheit in Samotschin, Posen, hat ihm sein Judesein frueh bewusst gemacht. “Ich denke an meine fru°- he Jugend, an den Schmerz des Knaben, den die anderen Buben “Jude” schimpften... an die schreckliche Freude, die ich empfand, wenn ich nicht als Jude erkannt wurde... die Tage des Kriegsbeginns, an meinen leidenschaftlichen Wunsch, durch den Einsatz meines Lebens zu beweisen, dass ich Deutscher sei, nichts als Deutscher ... “Aber bin ich nicht auch Jude? Gehoere ich nicht zu jenem Volke, das seit Jahrtausenden verfolgt, gejagt, gemartert, gemordet wird, dessen Propheten den Ruf nach Gerechtigkei in die Welt schrien, den die Elenden und Bedrueckten aufnahmen und weitertrugen fuer alle Zeiten, dessen Tapferste sich nicht beugten und eher starben, als sich untreu zu werden?.. “Und wenn mich einer fragte, wohin ¡ich gtshoere, ich wuerde antworten: eine juedische Mutter hat mich geboren, Deutschland hat mich genaehrt, Europa mich gebildet, imeine Heimat ist die Erde, die Welt mein Vaterland.” Er verliess sein Vaterland, die Welt, 46-jaehrig an einem Strick erhaengt, in einem Hotelzimmer in New York, im Jahre 1939. Wie Kurt Hiiler in seinem Vorwort meint, haben eine Anzahl Faktoren Toller zu diesem Selbstmord getrieben. Einer davon war isicherlicb der Zusammenbruch einer Konzeption, die sich als Illusion entpuppte. 1939 hatte Martin Buber von Gustav Landauer gesagt: “Er hat in der Revolution gekaempft”. Auf Ernst Toller, der die Ermordung Landauers mitansehen musste, trifft das Gleiche zu — aber waehrend Landauer dem Soldatenmob zum Opfer fiel, ging Toher an seinem eigenen Zwiespalt zugrunde. Herbert Freeden In stiller Zurueckgezogenheit beging ein “Stern am Theaterhimmel” von einst, Fritzi Massary, zu Hollywood am 21. Maerz ihren 80. Geburtstag. Diese durch Jahrzehnte hindurch mit Recht bejubelte Kuenstlerin hatte sich nie vor deni Aelterwerden gefuerchtet, und so stand sie sehr lange Zeit auf ganz grosser Hoehe, und durch ihre reife Kunst wurde das Operettenfach zu einer Kunstgattung emporgehoben, die seither kaum wieder erreicht worden ist. Fritzi Massary stammte aus Wien und kam sehr jung nach Berlin, wo sie um 1902 am Berliner Metropol-Theater die ersten Erfolge aufzuweisen hatte. Bald setzte sich ihre starke Persoenlichkeit durch. Gesanglich und darstellerisch sich rasch weiterentwickelnd, spielte diese Fray schon in der Epoche vor dem 1. Weltkriege alle Rivalinnen an die Wand. Selbst der fadeste Operettentext wurde zu einem Vergnuegen, wenn er aus dem Munde dieser Kuenstlerin kam, die eigentlich nicht schoen war, aber eine faszinierende Wirkung auseubte. “Die Massary”, wie man sie volkstuemlich nannte, bereitete durch ihre beispiellose Vortragsweise, ihren oft-geruehmten Charme, auch dann ein aesthetisches Vergnuegen, wenn die betreffende Revue oder Operette nicht reich an Einfaellen oder Ueberraschungen war. Aus London erreicht uns die Nachricht vom Ableben des Paedagogen und Malers Dr. Arthur Galliner. Spross einer Rabbiner-Familie, vereinte dieser bei Kollegen und Schuelern des Frankfurter Philantropin hochangesehene Mann, tiefes juedischen Wissen mit hervorragenden philologischen und germanistischen Kenntnissen. Auf kuenscierischem Gebiet war er gleichermasseri schoepferisch wie didaktisch taetig. Er selbst war ein Schueler des bekannten Malers Philipp Frank und einer der Freunde und Kenner Max Liebermanns, wovon ein im Kauffmann-Veilag erschienenes Buch Zeugnis ablegt. Auf sozialem Gebiet war Dr. Galliner unermuedlich taetig: so war er mehrere Jahre hindurch Praesident der Frankfurt-Loge und in den schweren Monaten der Verschleppung des Rektors und der Mehrzahl der Lehrer fand er sich bereit, das “Die Czardasfuerstin”, “Die Faschingsfee”, “Die Perlen der Cleopatra”, “Die Kaiserin”, “Die Kinokoenigin”, ‘‘Die Frau, die weiss, was sie will”, duerften zu ihren Glanzpartien gehoert haben. Gegen Ende der zwanziger Jahre ging Fritzi Massary zum Schauspiel ueber, und “Die erste Mrs. Selby” wurde ein ganz grosser Triumph. Dann kam die Nazizeit und die Vertreibung der Kuenstlerin nach England, wo sie noch einige Male auftrat. Als aber die Unheilsnachricht vom jaehen Tode des sehr geliebten Gatten, Max Pallenberg, kam, der im Juni 1934 im Flugzeug abstuerzte, sagte die Massary der Buehne Lebewohl, und die kommenden Jahre waren nur noch den grossen und glanzvollen Erinnerungen gewidmet . Oft, in den 23 Jahren seiner Ehe, hat das beruehmte Kuenstlerehepaar zu Gunsten juedischer Wohlfahrt und zu Gunsten der nationalen Fonds fuer Erez Israel Vortragsabende durchgefuehrt; dies entsprang dem juedischen Bewusstsein und Empfinden dieser echten Kuenstler. Eine neue Generation mag den Namen “Massary” kaum noch kennen, doch wer diese Schauspielerin und Saengerin selbst nur ein einziges Mal sehen und hoeren durfte, wird dieses kuenstlerische Erlebnis nicht vergessen und nicht missen moegen. Curt Wilk Philanthropin im Sturm zu steuern. Die Emigration fuehrte in nach London, wo die bedeutendsten Galerien seine Arbeiten ausstellten. In Museen vpn Frankfurt, Kopenhagen und der Fraueninsel bei Konstanz haben Werke seiner Hand fuer immer Platz gefunden. Seine Mitarbeit in der juedischen Presse, der seine vielseitigen Kenntnisse und gepflegter Stil stets zur Zierdegelreichten, fand auch gelegentlich ihren Niederschlag im “Boletín Informativo”, das ihn mit Stolz zu seinen ehrenamtlichen Mitarbeitern zaehlte. Wer das Privileg hatte, Dr. Arthur Galliner zu kennen, und vor allem, wie dies im vorliegenden Falle zutrifft, als Lehrer zu schaetzen, wird ihm fuer immer ein ehrendes Andenken bewahren- HANS KAUFMANN Clases de Acordeonpiano por Isidoro Roisman Artista exclusivo KCA Atención también a domicilio Santa Rosa 1294 Casilla 5236 Fono 496248 (recados) DR. ARTHUR GALLINER, S. L.

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