Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 2 (Febrero, 1962)
- Date
- 1962-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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REDACCION» é f 6. C, I. G'Nff JISftOCL AV. PORTUGAL CIO. CASILLA A407. 9A»&A<?&«CH1UC BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT 1 s o CI Ep AD CULTURAL I SR A EL ITA " B * N E J 1 SRO EL" t | Ano XXIV N9 2 SANTIAGO DE CHILE Febrero 1962 DIE SCHWARZEN FELSEN VON KORASIM Die Landkarte Israels veraendert sich so schnell, dass man . sich beeilen muss, Schritt zu halten. Wenn man ein paar Monate nicht im Norden des Landes war, und nun von Tiberias die Hoehen nach Rosch Pinah hinauffaehrt, entdeckt man nicht weit vom See und dem “Berg, der Seligpreisungen'’ —nach christlicher Ueberlieferung der Platz der Bergpredigt— einen Weg, der nach Osten abbiegt. Bisher gab es hier, oestlich der Chaussee, nur den undurchd ringlichen Dschungel der gewaltigen Basaltquadern, ein N i emandsland erstarrter Lava. Ploetzlich jedoch windet sich eine Strasse in die Richtung der syrischen Grenze durch das dunkle Steinmeer, eine 6 12 km. lange Strasse, die vom Keren Kayemeth in 70 Tagen angelegt worden Ist und 15.000 IL pro Kilometer gekostet hat. Mit dem Bau dieses Weges hat sich ein Gebiet von 22.000 Dunam erschlossen, das zwar rechtlich zu Israel gehoert hat, praktisch aber nicht zugaenglich war. Aus der Zeit der Bibel traegt es den Namen Korasim. Im Herzen von Israel gelegen, sieht es auf eine Jahrtausende alte Geschichte zurueck. Bereits in der praehistorischen Epoche des Neolithikum gab es hier, wie Funde bezeugen, Siedlungen. Im zweiten Jahrhundert der gegenwaertigen Zeitrechnung scheint es noch einmal zur Bluete gekommen zu sein: Ueberreste einer Synagoge aus jener Zeit, aus schwarzen Basalt gehauen, zeigen fein zacsilierte Saeulen und eine schwungvolle Ornamentik. Der Talmud lobt Korasim fuer sein fruehreifendes Getreide: Kein Wunder, in seiner fruchtbaren, fetten Erde, die bis zu 80 cm. tief ist und reichlich Wasser hat, und unter einer Sonne, deren Strahlen auf dem 50 m unter dem Meeresspiegel gelegenen Boden subtropische Temperaturen ausloesen, gedeiht alles schnell und in Fuelle. Es lohnt sich, die neue Strasse entlangzufahren, auch wenn sie gegenwaertig noch etwas holprig ist. Vor einem tut sich, tief unten, das Butechatal auf: der Jordan glitzert in der Sonne, der hier die Grenze bildet und dann in den Kinereth muendet und ein Delta formt; wie Spielzeuge sehen die Huetten und Haeuser der syrischen Doerfer aus;, Herden weiden auf den wasserreichen Wiesen, und wenn man genauer hinschaut, kann man die syrischen Stellungen erkennen, die noch bis vor nicht langer Zeit die israelischen Fischerboote aaf dem See beschossen haben. Die Doerfer, der Fluss, der See — in einem Farbenspektrum von gruen, gelb und blau, liegen tief unten im Tal. Auf den Hoehen von Korasim sieht es bisher weniger idyllisch aus. Nach dem Bau der Strasse hat der Keren Kayemeth vor ein paar Monaten mit den Urbarmachungsarbeiten begonnen. Die Saeuberung eines Dunam kostet ueber IL. 300. Nur schwere Raupenschlepper von einer Staerke von 250 PS koennen das vulkanische Gestein meistern. Felsbloecke muessen entfernt werden, die bis zu 4 Tonnen schwer sind. 400 - 500 Kubikmeter Steine lasten auf jedem Dunam. Da ein Kubikmeter Basalt zirka 3 Tonnen wiegt, muessen die Maschi- Am Nachmittag, eines der letzten Dezembertage, hatte Tel - Avivs Buergermeister dem grossen Platz, den das Konzertgebaeude, ein modernes Museum und das National t h e a t e r “Habima” saeumen, ¡feierlich den Namen des Philharmonischen Orchesters gegeben. Am Abend erhoben sich die viertausend Menschen, die zum Galakonzert gekommen waren, als das Orchester mit der “Hatikva” einsetzte, der Hymne des juedischen Staates. Damit hatte das Jubilaeum dieses Klangkoerpers seinen Anfang genommen. DURCH DREI KONZERTSAELE Als er vor 25 Jahren vom unvergesslichen Bron i s 1 a w Hubermann ins Leben gerufen wurde, sprach man erwartungsvollen Wohlwollen und einiger Skepsis von den “Tel-Aviver Stadtmusikanten”, 72 Musikern, zumeist aus Deutschland, die das nationalsozialistische Reg i m e von ihren Konzertpulten in Berlin, Muenchen, Duesseidorf usw. verjagt hatte. - Violinisten, Cellisten, Kontrabassisten verschiedenster musikalischer Traditionen - und wohl auch Qualitaeten-, die sich in ihrer neuen Heimat Zusammenschlüssen und zu bewaehren suchten. Aber schon als ihr erstes Konzert im Januar 1936 unter der Stabfuehrung keines Geringeren als Arturo Toscaninis stattfand, zeigte sich, dass diesem Versuch denkbar Von Herbert Freeden nen also pro Dunam ca. 1.500 Tonnen von Felsen entfernen. Wohin damit ist kein leichtes Problem, da nur ein kleiner Teil sich kommerziell verwerten laesst, wie etwa im gemahlenen Zustand als Zusatz fuer Gefluegelfutter oder fuer Marmorarbeiten. Das Rothschild-Mausoleum in Sichron Jaakov ist aus Korasim-Marmor gebaut. Der groesste Teil des Gesteins wird an Ort und Stelle in Mauern oder Terrassen aufgeschichtet, und das gibt dem neuen Gebiet seine b e s o n d e re Note: kleine, schwarz-erdige Felder, von hohen Steinwaellen umsaeumt. Bisher sind auf diese Weise 600 Dunam frei gemacht worden, von einem landwirtschaftlichen Potential von insgesamt 8.000 Dunam. Der Boden eignet sich besonders fuer subtropische beste Aussichten des Gelingens gegeben warlen. Zwar musste als Konzertsaal zunaechst noch eine Ausstellungshalle im Norden Tel- Avivs herhalten, die kaum mehr als eine geraeumige Holzbaracke war, und die entsprechend schlechte Akustik fuehrte in den Proben und bei dem Eroeffnungskonzert selbst wiederholt zu gelinden Verzweiflungsausbruechen des Maestro, den insbesondere das Zwitschern der Sperlinge in den Dachsparren irritierte, - aber doch kam er ein Jahr spaeter wieder -, und als in weiterer Folge im Jahre 1939 zum ersten Male Beethovens Neunte Symphonie gespielt werden konnte, hatte das junge Orchester die ersten Kinderkrankheiten sichtlich —oder vielmehr hoerbar— ueberwunden. Doch dauerte es noch Jahre, bis es aus dem Provisorium jener Messehalle in einem einigermassen adaequaten Konzertsaal im Stadtinnern Tel-Avivs uebersiedeln konnte. Den 5000 Abonnenten, die es kurz vor Ausbruch des letzten Weltkrieges bereits hatte, ist aus dieser Zeit vornehmlich der Besuch Leonard Bernsteins unvergesslich geblieben, der mit der 2. Symphonie Gustav Mahlers als Dirigent — wie als Solist am Fluegel mit Gershwin’s “Rhapsodie in Blue” konzertierte, und ebenso die Gastspiele so Juehrender Violinisten wie Isaac Stern und Jascha Heifetz. Nach dem Kriege folgte, Fruechte, fuer Gemuese und fuer Wein, der hier einen Monat frueher reift als im uebrigen Teil des Landes. Besonders gut sind die Chancen fuer Tomaten, die auf den Markt zu .einer Zeit gebracht werden koennen. wenn sie noch eine Raritaet sind. Ein Dunam dieses Bodens duerfte 4-5 Tonnen Tomaten tragen. Menschen und Maschinen geben Korasim ein Bild der Geschaeftigkeit einer Fabrik. Steine werden abgeschleppt, mehr Felder blossgelegt, die ersten Baeume fuer einen Wald gepflanzt; und im Zentrum der Arbeit stehen die Vorbereitungen fuer die erste Siedlung. Die Haeuser sind im Bau, die meisten schon fast fertiggestellt - feste Zementhaeuser, die sich gut in die Landschaft einfuegen und unter um aus dem immer reichhaltiger gewordenen Repertoire nur diese Hoehepunkte zu nennen, zum ersten Mal Mahlers “Lied von der Erde”, wieder unter der Leitung Leonard Bernsteins und der Mitwirkung Jenie Toureis, und etwas spaeter, im Sommer 1951, eine erste Konzertreise der Philharmoniker nach den U.S.A. und Kanada. Als sich der zweite Konzertsaal ungeachtet seiner 1100 Sitze als ebenso ungenuegend wie vorher der erste erwies, konnte das Orchester vor nun etwa 5 Jahren die ¡jetzige endgueitige Staette seines Wirkens beziehen: das “Hechal Hatarbuth”, — den “Tempel der Kultur”, der unweit der “Habimah” nach dem Muster der Londoner Royal Festival- Hall errichtet wurde, mit seinem grosszuegig gestalteten Saal, dem Frederic Mann — Auditorium, auf den Namen des Maezens aus Philadelphia, der den Bau ermoeglicht hatte. Zu den Konzerten traten Auffuehrungen von Opern mit voller Buehnenausstattung und erstrangigen auslaendischen Kraeften. Man spielte in gewissen Abstaenden Verdis “Falstaff”, Mozarts “Figaros Hochzeit” und kuerzlich Rossinis “Italienerin in Algier”, unter der Stabfuehrung von Carlo Maria Giulini. Im Herbst 1959 konnte das Orchester Triumphe auf einer Welt-Tournee feiern, die es nach Frankreich, England denen bereits das Kulturhaus. der Ess- Saal und die Speicher sind. Eine Nachalgruppe (Pionierjugend) wird in Kuerze erwartet; die jungen Menschen werden nach einer Unterbrechung von vielen Jahrhunderten die ersten Siedler von Korasim sein. Das Erschliessungs - Programm sieht im ganzen vier Doerfer vor, drei landwirtschaftliche Siedlungen und weiter unten am See ein Fischerdorf. Es ist geplant,. die neue Strasse weiter bis nach Kapernaum zu legen, das einstmal die Schwesterstadt des biblischen Korasim war; auf diese Weise wird das Gesamtgebiet im Norden des Kinereth-Sees, das immer wieder die Szene blutiger Grenzzwischenfaelle war. bebaut, besiedelt, bevoelkert. den U.S.A., noch Kanada, Jar pan und Indien fuehrte. Mittlerweile hatte die Zahl seiner Abonnenten hier' im Lande die Rekordziffer von 25000 erreicht. MUSIK MIT VORBEHALTEN: WAGNER UND RICHARD STRAUSS Mit welchen Schwierigkeiten dieses Orchester von Beginn an bis zur Stunde zu kaempfen hat, laesst sich daran erkennen, dass ihm keine Moeglichkeit gegeben worden ist, die Ouvertüren Richard Wagners und die symphonischen Schoepfun.- gen von Richard Strauss in seinen Spielplan 'aufzunehmen. Zwar hatte es Toscanini im April 1937 mit der Drohung, andernfalls abzureisen, durchgesetzt, die Vorspiele zum 1. und 3. Akt des “Lohengrin” zu dirigieren, (und die oeffentliehen Proteste, die von den Eiferern vorausgesagt worden waren, waren ausgeblieben) — doch war und blieb das eine Ausnahme von Grundsatz, auf die Kompositionen der zwei deutschen Tondichter zu verzichten, yon denen dem Einen, Richard Wagner, seine thematische Naehe zu den Ideen des Pan-Germanismus, ja, Nationalsozialismus, und dem Anderen, Richard Strauss, sein Mitlaeufertum in den Zeit des Dritten Reiches als zeitweiliger Praesident der von Goebbels geschaffenen R e i c h s m usikkammer vernebelt wird, (Fortsetzung Seite 11) DAS ERSTE VIERTELJAHRHUNDERT DER PHILHARMONIKER ISRAELS Von Dr. Abner Nechushtan (Tel—Aviv)