Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIII (1961)
- Issue
- 12 (Diciembre 1961)
- Date
- 1961-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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REDACCION* 'S.C. I. B'NE JJSttOO. AV. PORTUGAL 610. CASILLA 2487. SAWTMCD-CHJL« BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT S O C I E .D A D CULTURAL ISRAELITA B'NE JISROEL ANO XXIII — N? 12 SANTIAGO DE CHILE Diciembre 1961 DAVID BEN GURION WIEDER AN DER SPITZE Von Dr. Abner Nechushtan, (Tel-Aviv). Zweieinhalb Monate nach den Wahlen zur Knesseth, der Volksvertretung des Staates Israel, die der Mapei am 15. August 42 Abgeordnete statt der frueheren 47 gebracht hatten, ist ihr Vorsitzender, Ben Gurion als alter und neuer Ministerpraesident soeben an die Spitze einer Regierung getreten, die diese Schlappe seiner Mehrheitssozi allsten durchaus wettmachfc. Sie verfuegen im jetzigen Kabinett sogar ueber noch mehr Ministersitze als bisher, 11 von insgesamt 16. Von den uehrigen wurden drei den “Religioes-Nationalen” gegeben, die von Haus aus zwar bürgerlich eingestellt sind, heute dennoch aber von einer bibeltreuen Gruppe linksgerichteter 'Politiker gefuehrt werden. Die restlichen zwei Sitze kamen zur “Partei der Arbeitseinheit”, der Achduth Awoda, Sozialisten, die etwas radikaler als die Mapei orientiert sind. Als vierter Partner trat noch der Arbeiter-Verband der besonders orthodoxen “Agudath - Jisrael” hinzu. Aber da es diese Sonderpartei der Agudisten am 15. August nur auf 1,9% aller abgegebenen Waehlerstimmen gebr acht hatte, musste sie mit einem Unterstaatssekretaer im Rcligionsministerium vo r 1 i e b nehmen. Im Fuer und Wider um eine zunehmend staerkere Ruecksichtnahme auf das ueberlieferte juedische Religionsgesetz hat Ben Gurions grosse Mapei als typische Partei der Mitte ohne festgelegte eigene Stellungnahme stets geschickt nach beiden Seiten laviert. Wird es in der neuen Koalition dieserhalo zu Zwistigkeiten zwischen den. erklaerten Freigeistern der “Arbeitseinheit” und den strikt Religioesen kommen, die sich waehrend der Verhandlungen recht betraechtliche Zugestaendnisse in Streitfragen wie der Stillegung des oeffentlichen Verkehrs am Schabbath als dem alttestamentarischen Ruhetag ausbedungen haben? 6 Konflikte dieser. Art sind im Kabinett selber wie in der Volksvertretung, zwis c h e n den Fraktionen des Regierungslagers rund um die Mapei als dem “ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht”, sifcber zwar nicht von vornherein auszuschliessen. Was indessen diese Gefahr vermindert, ist zunaechst der Umstand, dass weder die “Religioes-Nationalen” wie die Arbeiterparteiler der Agudisteri, beide als bibeltreue Freunde des sozialen Fortschritts grundsaetzlich viel gegen die so- . zialistische Haltung der “Achduth Awoda” einzuwenden haben. Insofern waere es irrefuehrend, etwa nach dem oesterreichischen Schema diesmal von einer “schwarzroten Koalition” Ben Gurions zu sprechen. Zudem aber handelt es sich um eine ausgesprochen “kleine Koalition”, auf einer so knappen parlamentarischen Grundlage, dass den Beteiligten schon deshalb daran gelegen sein wird, etwaige Meinungsverschiedenheiten auf ein Mindestmass zu beschraenken. In den Knessethwahlen sicherte sich die Mapei, unter Einschluss der 4 Sitze einer mit ihr verbundenen Gruppe von Arabern, 46 Mandate; die Partei der “Religioes-Nationalen”, 12 Mandate; die Achduth Awoda, 8 Mandate; die Agudistische Arbeiterpartei, 2 Mandate. Die Regierung verfuegt insgesamt also nur ueber 68 von insgesamt 120 Abgeordneten, also ueber kaum mehr als die Haelfte bezw. die 61 Simmen, die sie gegen Misstrauensvoten der Opposition und ueberhaupt in Abstimmungen benoetigt. Hinzu kommt hier noch, dass sich die “Araber der Mapei” mit ihren 4 Sitzen fast in einer Schluesselposition befinden. Und das ist nicht nur ein Kuriosum, sondern ein Politicum. Man wird es gewiss nur zu begruessen haben, wenn dieser Zufall dazu fuehren sollte, dass die nach wie vor vom Militaer geleitete Verwaltung in den Landesbezirken, in denen die arabische Minderheit wohnt, kuenftig liberaler gehandhabt wird. Dieses Regime ist hier im Lande nicht nur von “Fraternisierungs-Schwaermern” oft ais zu wenig elastisch bemaengelt worden, und auch ais wirkungslos, da es die Entstehung einer echten staatsbürgerlichen Gesinnung der arabischen Minoritaet bis zur Stunde eher verhindert zu haben scheint. EIN VERWICKELTES KOALITIONSABKOMMEN Auch von Erfordernis, besagtes Militaerregime in den “arabischen Distrikten” abzubauen, ist reichlich in den Verhandlungen gesp ochen worden, mit denen der Staats praesident d-n Finanzminister Levi Eschkol, Ben Gurions engen Parteifreund, vor etwa 8 Wochen beauftragt hatte, nachdem der “Grosse alte Mann” beim Versuch gescheitert .war, selber eine Regierung zu bilden. Das zwischen Herrn Eschkoi und den vier beteiligten Parteien schliesslich vereinbart0 Grundsatzprogramm ist ein verwickeltes recht umfangreiches Schriftstück. Es entbindet die Gruppen der Unterzeichner im Abgeordnetenhaus mehr oder minder vom Fraktionszwang bei Ent Scheidungen ueber behoerdli che Massnahmen, die jenes fuer unsere arabischen Mitbuerger bestehende Verwaltungs-System betr e f f e n. Ebenso wurden Ausnahmen von der “kollektiven Verantwortung”, zu Mehrheitsbeschluessen des Kabinetts und den entsprechenden Gesetzes antraegen in der Knesseth zu stehen, auch fupr eine Reihe anderes Streitpunkte verabredet, die von den einen oder anderen Verhandlungspartnern des Finanzministers auf Tapet gebracht worden und von ihnen als “Fragen des Gewissens” bezeichnet worden sind. So wird es den Ministern und Abgeordneten der “Achduth Awoda” freistehen, sich der Stimme zu enthalten, wenn in Zukunft wieder Waffenverkaeufe an die Bundesrepublik Deutschland zur Diskussion stehen sollten. Einvernehmlich wurde dagegen neben den Konzessionen religioeser Natur, auf die ich schon hingewiesen habe, vor allem ein gewisses Mass ministerieller und parlamentarischer Kontrolle ueber den militaerischen Apparat erzielt, dem Ben Immer wieder zeigt uns die Geschichte ausserordentlichinteressante Parallelen, wobei die Vorgaengerin der aktuellen Epoche, auch wenn sie Jahrtausende zurueckliegt, eines Tages von einer neuen Welle der Sympathie emporgehoben wird. Chanukka hatte ein solches Schicksal: Lange Zeit hindurch ist dieser Halbfeiertag vor allem in Westeuropa wenig beachtet worden; bestenfalls nahm man Kenntnis vom Wunder des Oelkruegleins, waehrend der heroische Freiheitskampf der Makkabaeer dem Durc.hschnittjudem noch um die Jahrhundertwende wenig bedeutete. Erst die Renaissance des juedischen Volkes mit der Erfassung weiter Teile der Weltjudenheit durch die zionistische Bewegung hatte den hohen religioes sittlichen Kampf der Makkabaeer fuer juedische Ehre wiederum ins rechte Licht gerueckt. Als einst die Syrer die Herrschaft ueber Erez Israel antraten, bestand bei den Juden nicht mehr die Einheit des ■ Geisteslebens in der alten, ungebrochenen Form. Den Freunden ernster Lebensordnung, welche in der Pflege und Nacheiferung des juedisch-nationalen Gesetzes Gurion als Sicherheitsminister weiterhin vorstehen wird. Dies Zugestaendnis liess er sich von den Radikalen der ’’Partei der Arbeitseinheit’ abringen, zumeist Gruppen- Kommandanten der juedischen Freiwilligen-Verbaende Palaestinas in den Jahren vor der Staatsgruendung, fruehersn Offizieren, die es ihm bis heute nicht ganz verziehen haben, dass und wie er sie um die Zeit des Israelisch-arabischen Krieges (1948-49) kaltstellte, und jetzt vielleicht also hoffen, ihre Fachkenntnisse von damals und ihre militaerischen Auffassungen auf dem Weg ueber diese “zivile Kontrolle” wieder zur Geltung bringen zu koennen. Ferner hat es diese gleiche sozialistische Partei auch durchgesetzt, dass das Finanzministerium den Schwer punkt von indirekten Steuern, die auf die Konsumkraft der breiten Massen druecken, auf direkte Steuern in staerkerer progressiver Steigerung als bisher verlagern wird; was sich schon am 2. November als Ben Gurion dem Parlament seine neue Koalition vorstellte, darin angekuendie wesentlichste Aufgabe sahen, traten die Verehrer des Griechentums mit ihrer gelockerten Moral und der Freude am behaglichen Lebensgenuss entgegen. Auch die juedischen Menschen, die Theodor Herzl vor nunmehr 64 Jahren aus unwuerdiger Assimilationssucht her ausriss, indem er sie vom “Judenstaat” ueberzeugte, strebten, gleich den Makkabaeern, nach nationaler Selbstbefreiung. Damals, um 1897, begann man, Chanukka besser zu verstehen, indem man die Bemuehungen in jener fernen Zeit, sich dem Hellenismus anzupassen, mit den Angleichungsbestrebungen des 19. Jahrhunderts verglich, deren absolutes Scheitern von vielen unserer Menschen allerdings erst im Augenblick des grossen politischen Zusammenbruches von 1933 erkannt worden ist. In jenen Tagen wurden juedische Menschen darueber belehrt, dass juedische Geschichte, will sie lebensfaehig sein, nur auf juedisch-nationalen und juedisch-geistigen Traditionen weiterentwickeltwerden kann. Chanukka ruft uns eine digt hat, dass sein Finanzminister gleichzeitig Meldungen ueber eine 8%ige Erhoehung der Einkommensteuer in die Tagespresse lanzierte. LEVI ESCHKOL “N OBELPREIS WUERDIG” Wahrscheinlich wird cs aber der jetzigen Volkstuemlichkeit des “Regierungsmachers” Levi Eschkol keinen Abbruch tun, dass er die Steuerschraube erneut, und noch dazu in diesem Moment, mit so ruecksichtsloser Eile anziehen will. Die Ueberlegenheit, ¡mit der er fast zwei Monate lang nach rechts und links verhandelt hat, sucht in der dreizehnjaehrigen Geschichte des Staates Israel mit seinen nun zehn Regierungen ihresgleichen. Ben Gurion erklaerte, dieser Tage, Eschkol waere wert, einen “Israelischen Nobelpreis” zu erhalten, wenn es ihn gaebe. Diese Worte sind gewiss verstaendlich, als Lob des Vorsitzenden der Partei, die der Finanzminister nun aus ihrem “Tief” zur frueheren Vormachtsstellung zurueckgefuehrt hat. Aber auch Kreise weit aus- TAGEN der heroischen Epochen juedischer Geschichte ins Gedaechtnis zurueck. Die Makkabaeer, welche waehrend der Verfolgungen, die sie erleiden mussten, so Unsaeglich-Trauriges erlebten, sind zum Inbegriff eines Typus von Freiheitskaempfern geworden, die auf eine neue juedische Jugend den denkbar-tiefsten Eindruck machen. Die in Israel heranwachsende oder sich fuer dort vorbereitende juedische Jugend fuehlt sich der Makkabaeerzeit besonders innig verbunden, weil sie in den Helden von einst die glueckliche Verbindung von juedischen Nationalstolz mit Aufopferung fuer die Ideen des Judentums erblickt. Auf den militaerischen Sieg war am 25. Kislev des Jahres 164 die Reinigung des Tempels von den heidnischen Greueln gefolgt. Auch der im Kampfe wiedererstandene juedische Staat von heute, Medinat Israel, will Volk und Land von fremden Einfluessen, die juedischem Fuehlen und juedischem Denken widersprechen, freihalten. Damit hat sich der tiefe Sinn des Glaubenskrieges der Makkabaeer auch fuer unsere Zeit erschlossen. (Fortsetzung Seite 6) VOM SINN DES MAKKABAEER - KAMPFES ZU DEN CHANUKKA Von Curt Wilk