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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1961-11-01 · 11 (Noviembre, 1961) · p. Seite 19

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIII (1961)
Issue
11 (Noviembre, 1961)
Date
1961-11-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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Noviembre 1961 BOLETIN INFORMATIVO 19 LEO BAECK ZUM GEDAECHTNIS ZUR LAGE »ER JUDEN IN »ER WELT letzten 20 Jahren emporwuchsen, und bei denen Beteiligungen sich als moeglich erwiesen, wird oft unterschaetzt, weil man nur die Riesenunternehmungen sieht. So hat z. B. die Elektroindustrie, die oft mit ganz kleinen Betrieben begann, unserer jungen Generation sehr interessante Moeglichkeiten eroeffnet. Fuer die Beschaeftigung einer grossen Zahl von aelteren Refugee Arbeitnehmern bleiben aber doch die altgewohnten Branchen von der groessten Bedeutung, am meisten vielleicht die Bekleidungs- und Modeindustrie. Nicht vergessen seien hier auch einige sehr erfolgreiche “designers” die sich selbstaendig machen konnten, sowie die Pelzverarbeitung und -konfektion, die zum Teil die Taetigkeit hier unter ihren alten, bekannten Namen mit grossem Erfolg fortgesetzt hat. Der Modeindustrie verwandt ist die Produktion von Handtaschen und feinen Ledererzeugnissen, fuer die sich besonders offenbacher und wiener Industrielle interessieren. Und das bringt uns zu alle dem, was man vielleicht am besten unter “Novel t i e s” zusammenfassen kann, der Produktion von Waren mit relativ niedrigem Einheitspreis, die immer neu und anziehend sein muessen. In der Schuh-Industrie brachten einige der Einwanderer ¡besondere Kenntnisse mit; hier sind grosse Betriebe geschaffen worden. BANKEN, “BROKERS” UND IHRE HELFER Ausser Inhabern oder Leitern groesserer Finanzkonzerne kam eine Anzahl Privatbankiers und Boersenhaendler hierher, die sich auf alte Verbindungen stuetzen konnten. Einige sind in gewissen Teilen des Bank- und zumal des Brokerwesens bedeutsam geworden. Neugruendungen von Banken durch Refugees scheinen allerdings nicht vorgenommen worden zu sein. Einige von ihnen haben durch Ankauf wesentlicher Beteiligungen an kleineren und mittleren Versicherungsgesellschaften Erfolge erzielt. Andere haben “Finance- Companies” geguendet, d. h. Firmen, die Export- und Importgeschaefte finanzieren, sowie kurz- und mittelfristige Diskontierungen und Rediskontierungen vornehmen. Als nach Ende des Krieges die Boersenumsaetze stark stiegen, und der Bedarf fuer costumer-men” auch “account - executives” genannt (zu uebersetzen etwa als Kundenbetreuer oder - Werber), sich stark ausweitete, _ war die Gelegenheit fuer' alle gegeben, die frueher mit Bank oder Boerse zu tun und einen weiten Bekanntenkreis hatten. LANDWIRTSCHAFT Aeltere Organisationen, besonders die “Jewish Agricultural Society” eine Gruendung des Baron de Hirsch- Fonds, hatten schon lange angestrebt, die Beteiligung von Juden an der amerikanischen Landwirtschaft zu (Fortszung von Seite 11) erhoehen; vor dem Jahr 1933 waren etwa 20.000 juedische Familien in der Landwirtschaft taetig. Bis zum Jahr 1944 waren zu diesen 456 Ref u g e efamilien dazugskommen. Eine ganze Anzahl von diesen wurde Huehner-Farmer, oder genauer gesagt, Eierproduzenten. Eine Kolonie von solchen Familien siedelte sich z. B. in Vineland, N. J. an. Der Kapitalaufwand war klein. Anleihen, die uebrigens bald zurueckgezahlt werden konnten, waren durch die eben genannte Gesellschaft erhaeltlich. Zudem konnte mit relativ geringen Leben shaltungskosten gerechnet werden. In den ersten Jahren ging auch alles gut. Im letzten Jahrzehnt aber verschlechterten sich die Verhaeltnisse. Die Eierpreise unterlagen nicht nur grossen Preisschwankungen, sondern die Tendenz war niedergehend, waehrend die Kosten nicht annaehernd fielen. In manchen Jahren verschwanden die Gewinne ganz. Gluecklicherweise stieg aber wenigstens der Wert des Grundbesitzes. Eine ganze Anzahl der Betriebsinhaber hat aufgegeben oder ist im Begriff es zu tun. Weit besser sieht es mit den “dairy-farmern” aus, die 7.. B. im mittleren Hudsontal und in den Catskills juedischen Einwanderern gehoeren. Zum Teil vertraut mit Landwirtschaft und Viehhandel, pachteten sie zunaechst Farmen und betrieben etwas Viehhandel nebenbei. Im Sommer kam dazu ein bescheidener Pensionsbetrieb. Der Krieg mit seiner Fleischknappheit half ihnen auf manche Weise. Diese Farmen sind jetzt vollstaendig mechanisiert und es scheint ihnen im ganzen gut zu gehen. Aus den urspruenglichen Pachtungen ist Eigentum geworden, und weitere Farmen sind von den urspruenglichen Paechtern hinzugekauft worden, Hier sind auch die Soehne in dem Betrieb geblieben und haben ihn zum Teil uebernommen. REFUGEES ALS ANGESTELLTE UND ARBEITER Bei aller guenstigen Entwicklung fuer viele juedische Intellektuelle und Unternehmer aller Art rechnen wir damit, dass heute von etwa 90.000 Erwerbstaetigen in unserer Gruppe vielleicht ein Drittel bis zwei Fuenftel Arbeitnehmer im eigentlichen Bitte ' - gen Sie bei Ihren Einkaeufen unsere Inserenten Sinne sind. Soweit Refugees in Branchen arbeiten, die einen besonderen Auftrieb haben, kann man annehmen, dass ihr Einkommen den allgemeinen Lohndurchschnitt wese ntlich ueberschreitet. Leider ist in zwei grossen Wirtschaftszweigen, in denen, zumal ein groesserer Teil unserer aelteren, auch weiblichen Angestellten arbeitet, der Aufschwung nicht so guenstig wie in den meisten anderen; das ist der Einzelhandel und die Konfektion. Im Durchschnitt ist das Einkommen der Lohn- und Gell a 11 empfaenger zwischen 1940 und 1959 um das dreieinhalbfache das Realeinkommen unter Beruecksichtigung der Entwertung der Kaufkraft um etwa 75% gestiegen. WAS WEITER? Auf Grund oft recht lückenhaften Materials haben wir versucht, berufliche Eingliederung und wirtschaftliche Leistung unserer Einwanderung in ihrer Entwicklung durch 20 bis 25 Jahre in den Vereinigten Staaten darzustellen. Was liegt im Schosse der Zukunft? Manche frueheren Einwanderergruppen haben die ursprüngliche Sprache und Lebensweise recht lange bewahrt. Das ist von unserer Gruppe wohl nicht zu erwarten. Gewiss schaetzen viele Familien das Kulturgut, das sie aus der alten Heimat mitbrachten, sehr hoch. Auch unsere in deutscher Sprache erscheinende Presse, vor allem der “Aufbau” leisten grosse und wertvolle Arbeit. Auf unsere junge Generation jedoch, auf die schliesslich alles ankommt, haben Schule, Kriegsdienst und Beruf eingewirkt, vielleicht noch tiefer als die fruehen Erlebnisse der Hitlerverfolgungen selbst. Was lebendig bleiben duerfte, ist die Erinnerung an die Umstaende und die wohlwollenden Menschen, sowohl Juden wie zahlreiche Christen, die wirksam und guetig unserem Dasein und unseren Bemuehungen eine Grundlage und unserer Gruppe ein neues weites Feld fuer praktische Arbeit und geistige Betaetigung eroeffnet haben. (“M. B”) Am 28. Marcheschwan, der damals, 1956, auf den 2. November fiel, jaehrt sich zum 5. Male der Todestag von Rabb. Dr. Leo Baeck. Ein grosser anglikanischer Geistlicher, ein Verehrer Leo Baecks, der Reverend und Dekan der St. Pauls-Kathedrale zu London, W. R. Matthews, hat einmal gesagt, dass all das Schaffen dieses Mannes von zwei Faktoren bestimmt worden sei, naemiich von der modernen Wissenschaft und dem juedischen Glauben. Kuerzer kann der Inhalt dieses ausserordentlichen Lebens nicht Umrissen werden. Wissenschaft: Leo Baeck, von dem Prof. Ismar Elbogen einmal sagte, dass er in seinen Augen der gebildetste Mensch des heutigen Europa sei, verband den profunden Reichtum seines enormen juedischen Wissens mit moderner Weltweisheit, die es ihm ermoeglichte, Vorlesungen von "hohem Niveau auch vor nichtjuedischer Oeffentlichkeit durchzufuehren, oftmals in seinem klassischen Oxford-Englisch. Und juedischer Glaube: Den Naziverbrechern, die ihn im allerletzten Augenblick vernichten wollten, (er ist dann wunderbar gerettet worden, um fuer elf glueckliche Jahre noch wirken zu koennen), hielt er die Worte entgegen: “Ich bin seit langem im Reiche Gottes verwurzelt”. Es spricht fuer die Reife der verantwortlichen juedischen Menschen in Deutschland waehrend der Schicksalsstunden von 1933, dass sie einmuetig, unterschiedslos, Orthodoxe und Liberale, Zionisten und Nichtzionisten, ihn an die Spitze der Gesamtheit beriefen, nicht, weil er ein sehr gelehrter Rabbiner war und nicht, weil er seit etwa zehn Jahren bereits eine Reihe der wichtig sten oeffentlichen Aemter bekleidet hatte, sondern, weil er die grosse ethische Persoenlichkeit war, der man sich restlos, ohne jeden Vorbehalt, anzuvertrauen berechtigt fuehlte. Es war der ewige Gottsucher, der tief-glaeubige Leo Baeck, dem man die schwerste Last uebertrug. In der harten Stunde der Bewaehrung ist Leo Baeck ueber die Kraft hinausgewachsen. Mutig sagte er zu den Gestapoagenten, die ihn zu Anfang 1943 aus seiner Wohnung herauszerrten, um ihn zu deportieren: “Tun Sie dies jetzt, so werde ich mich auf der Strasse dem oeffent-!ich widersetzen. Kommen Sie jedoch in 2 Stunden zurueck, nachdem ich noch manches habe ordnen koennen, so gehe ich ohne aeusseren Widerstand mit Ihnen. Heimlich hielt er in Theresienstadt philosophische Vortraege vor Hunderten und vermochte in seiner klaren und schlichten Art eine Lebensweisheit zu verkuenden, die auch einfache Menschen troesten konnte. In der Stunde der Befreiung wollten die Russen den befreiten juedischen Gefangenen eine besondere Genugtuung bereiten, damit diese Vergeltung an ihren Feinden ueben koennten. Doch Leo Baeck warf sich dazwischen: “Tut dies nicht, vergreift Euch nicht an Jenen; uebergebt sie der Justiz”. Er war immer der Meinung, dass sich der Kreis der Gerechtigkeit erst dann schliesse, wenn Denjenigen Hilfe zuteil wird, die als Einzelne Anderen geholfen hatten. Und hiernach handelte er als ein Patriarch von ungewoehnlicher geistiger Lebendigkeit bis in sein 84.Lebensjahr. “An seinen Niederlagen stirbt kein Volk, und aus seinen-Siegen gewinnt kein Land neues Leben”. Dies war einer seiner letzten klugen Aussprueche. Nicht, um Personenkult zu treiben, hat man das wunderbare Institut der Forschung und Geschichtsdarstellung nach ihm benannt, sondern, weil er der letzte grosse Repraesentant des einstigen deutschen Judentums gewesen ist. Doch keine schoenere Ehrung konnte es fuer den grossen alten Mann geben als die Schaffung des “Leo Baeck Instituts”. Rabb. Prof. Alexander Altmann, der sehr bedeutende Vertreter der Orthodoxie, der gewiss in vielen religioesen Fragen mit Rabb. Leo Baeck nicht uebereinstimmen Konnte, sagte von ihm: “In Leo Baeck sind Humanismus und Judentum in einer so natürlichen und reifen Vereinigung verbunden, die kaum uebertroffen werden kann. In ihm fand das oesöndere Erbe des liberalen deutschen Judentums seinen charakteristischen Vertreter. Heute gehoert Leo Baeck dem ganzen Weltjudentum”. Es ist die gesamte juedische Welt, die seiner auch jetzt, zur fuenften Jahrzeit, gedenkt. V CURT WILK BLINDE KINDER IN ISRAEL bedürfen Eurer Freundschaft und Hilfe Unterstuetzt das Blindenheim in Jerusalem Asociación de los Amigos de los Ciegos Israelitas "TORMEI - OR" Portugal 810. Casilla 2487 76^471

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