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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1961-10-01 · 10 (Octubre, 1961) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIII (1961)
Issue
10 (Octubre, 1961)
Date
1961-10-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Octubre 1961 BOLETIN INFORMATIVO 9 VOR DER SCHULE KLEINKINDERFUERSORGE IN ISRAEL Eine der bedeutungsvollsten' Erscheinungen in der modernen Geschichte ist sicher das Aufleben einer Nation und ihrer alten Sprache. Diese Nation, Israel, umfasst Juden, die als sie in das Land zurueckkehrten 70 verschiedene Muttersprachen hatten. Sie drueckten sich nicht nur in verschiedenen Sprachen aus, sondern hatten bis dahin auch in einer anderen kulturellen Welt gelebt. Neben dem Aufbau eines neuen Staates war es noetig, verschiedene Kulturen miteinander zu verschmelzen, die sich soweit voneinander unterschieden, wie sich unsere Lebensweise etwa von der der Voelker des Mittelalters unterscheidet. EINE ERSTE BRUECKE Schule und Kindergarten sind die Mittel, die helfen, jenes Ziel zu erreichen. Wenn wir auch wissen, dass es in unserer Generation nur teilv/eise erreicht werden kann, so sind wir doch gluecklich, dazu beizutragen, den Grundstein zu einem neuen Aufbau zu legen. Der “he- Draeische Kindergarten” bildet die erste Bruecke zwischen Menschen verschiedener Kulturen und Sprachen. Ihm wird im Lande grosse Aufmerksamkeit geschenkt, weil eine gute Anpassung des Kindes im Kindergarten eine Garantie fuer eine wünschenswerte kulturelle Verschmelzung in der Zukunft ist. Der erste hebraeische Kindergarten in Israel wurde 1898 in Rischon le Zion eroeffnet. Kurz danach wurde eine Anzahl von Kinder - gaerten in allen Teilen des Landes gegruendet. Diese fruehen Kindergaerten dienten hauptsaechlich der Vorbereitung auf die Schule. Ihre Einrichtung war primitiv. Die Kinder sassen wie in der Schule auf Baenken, lernten hier zuerst den Gebrauch des neuen Hebraeisch und wurden in die Anfangsgruende des Lesens, Schreibens und Rechnens eingefuehrt. Die Unterrichtsmethoden und die allgemeine Atmosphaere waren ziemlich starr. HERGEBRACHTE METHODEN Mit dem Eintreffen von Kindergaertnerinnen, die aus dem Pestalozzi-Froebel-Haus in Berlin kamen, aenderte sich die Methode. Nach und nach wurde auch fuer geeignetere Einrichtungen gesorgt. Der Ton lag auf der Technik des Froebel-Kindergartens, besonders auf den Froebelschen Beschaeftigungen (Zeichnen, Flechten, Falten usw.). Froebels sehr fortschrittliche Idee, die Selbsttaetigkeit und die individuelle Entwicklung des Kindes zu foerdern, trat noch nicht in Erscheinung. Der tägliche Stundenplan sah die Benutzung verschiedener Gegenstaende aus der Umgebung des Kindes und, ferner seine alltaeglichen Erlebnisse als Grundlage fuer diese Beschaef tigung vor. Bestimmte Zeiten waren fuer Gespraeche, fuer Geschichtenerzaehlen und das Lernen von Reimen angesetzt, und daran mussten alle Kinder teilnehmen. Einige Jahre spaeter gewannen die Ideen von Maria Montessori und Decortly grossen Einfluss auf Israels Kindergaerten. Die Methoden wurden veraendert, die Einrichtungen mehr den Bedürfnissen der Kinder angepasst, die Atmosphaere eine fuer den Kindergarten passende, die nichts mit einer “Schule” zu tun hatte. Noch spaeter entwickelte sich eine andere, aus den Vereinigten Staaten stammende fortschrittliche Methode. Alle diese Ideen foerderten den hebraeischen Kindergarten . GRUNDLAGE FUER EINE NEUE GESELLSCHAFT Als die Zahl der Kindergaerten wuchs und Kindergaertnerinnenseminare g egruendet wurden, galt es zu ueberlegen, wie man in Israel alle diese wichtigen Ideen verwerten sollte. Wir mussten sie den Bedingungen unseres Landes anpassen und sie mit unseren eigenen Erziehungsprinzipien und unseren kulturellen Zielen verbinden. Abgesehen von der allgemeinen Aufgabe — die Erziehung des jungen Kindes in Uebereinstimmung mit den verschiedenen Stufen seines Wachstums—, besteht eine spezielle in Israel: Die Einfuehrung unserer Kinder in die hebraeische Kultur und Sprache, in die juedische Religion und in das landwirtschaftliche und industrielle Leben: Werte, die nicht den natuerlichen Hintergrund des Einwanderers und auch aller Eingesessenen bilden. Da Israel ein Einwanderungsland ist, hat es mit den praktischen sozialen und gefuehlsmaessigen Problemen einer eingewanderten Bevoelkerung zu rechnen. viele Einwanderer, von ihrer Heimat und ihrer Kultur losgerissen, fuehlen sich oft von den “modernen Einrichtungen” enttaeuscht und sind ueber die Organisationen, die Verwaltung und das lange Warten in den Aemtern usw, erbittert. Die innere Spannung, manche Minde rwertigkeitsgefuehle und das Gefuehl der Unsicherheit seitens der Eltern haben einen Einfluss auf die Kinder. Eltern, in ihren eigenen Problemen befangen und bemueht eine passende Arbeit und Wohnung zu finden, sind oft unfaehig, ihren Kindern die friedliche Atmosphaere zu schaffen, die fuer die gesunde Entwicklung der Heranwachsenden so wichtig ist. Darum ist in Israel der Kindergarten von grundlegender Bedeutung. Er legt den Grundstein fuer eine neue Gesellschaft von gesunden, freien Menschen in ihrem eigenen Lande. Er ist, im Gegensatz zu frueher, in einem gesonderten Gebaeude untergebracht. Die Kindergaertnerin ist von der Leitung der Elementarschule unabhaengig. Der Kindergarten besteht in der Regel aus zwei Gruppen, von denen jede ungefaehr 40 Kinder umfasst. Einige wenige Kindergaerten bestehen aus drei bis vier Gruppen. Alle israelischen Erziehungsbehoerden sind der Ansicht, dass die Gruppen um so kleiner sein sollten, je Von Rose Moeller (Haifa) Chanukka wird natuerlich im Kindergarten gefeiert Kinder bei den Vorarbeiten fuer das traditionelle Feiertagsgebaeck juenger die Kinder sind, und dass es das Ideal waere, fuer jede Gruppe ein eigenes Haus zu haben. Geldliche Schwierigkeiten zwingen jedoch haeufig dazu, mehrere Gruppen in einem Gebaeude zu vereinigen oder auch ungeeignete Kaeume fuer einen Kindergarten zu mieten. LEHREN UND LERNEN Im allgemeinen wird heute im Kindergarten kein schulmaessiges Lernen gepflegt, doch sind verschiedene Materialien vorhanden, um das Kind zu einer selbststaendigen schoepferischen Taetigkeit anzuregen. Man ist besonders in religioes geführten Kindergaerten sehr bemueht, den Kindern historische und religioese Symbole verstaendlich zu machen. Dabei wird die Methode “Lernen durch Taetigkeit" angewandt. Die Kindergartenkinder sind schon etwa 14 Tage vor den juedischen Festtagen an deren Vorbereitung beteiligt. Im taeglichen Leben des hebraeischen Kindergartens spiegelt sich juedisches Geschehen der Vergangenheit und der Gegenwart. Die Kinder zeigen ihr Interesse an diesen Dingen in ihren Phantasiespielen und den verschiedenen Beschaeftigungen, der moderne Kindergarten ist reich an Materialien, mit denen die Kinder ihr Innenleben zum Ausdruck bringen können: Malen, Formen mit Ton, Holzarbeiten usw. KINDERGARTENZWANG Das Gesetz über den Schulzwang in Israel (1953) hat auch ein Jahr Kindergartenerziehung für alle fünfjaehrigen Kinder vorgesehen. Die Bezirksverwaltungen sind verantwortlich für die Durchführung dieses Gesetzes; in neuen, noch nicht selbstaendigen Siedlungen (Kibbutzim) traegt die Staatsregierung die Verantwortung. Die Einrichtungen sind in den einzelnen Landesteilen verschieden. Das haengt jeweils von den wirtschaftlichen Verhaeltnissen ab. Private Kindergaerten und Einrichtungen von Frauenorganisationen sorgen in der Hauptsache für die jüngeren Kinder. Im Schuljahr 1958/59 gab es 2052 Kindergaerten in Israel, die, von 78.499 Kindern besucht, 2543 Angestellte beschaeftigten. “WELTLICHE” UND RELI¬ GIOESE KINDERGAERTEN Die verschiedenen Erziehungseinrichtungen sind teils freireligiös (“weltlich”), teils ortho dox-religiös geführt. Die Feiertage werden selbstverstaendlich in allen Kindergaerten vorbereitet und gefeiert. Im orthodoxen Kindergaerten werden alle religiösen Vorschriften streng beachtet. Das Erzaehlen bi- Dlischer Geschichten wird früh begonnen und gepflegt. Die Kindergaertnerinnen suchen durch ihr eigenes Beispiel den Kindern religiöses Verhalten vorzuleben; beispielsweise lassen sie die Kinder beobachten, wie die Gesetze des Sabbats durchgeführt werden. Der Unterschied zwischen der “weltlichen” (freireligiösen) und der orthodoxen Erziehung liegt hauptsaechlich in der verschiedenen Auslegung der jüdischen und der allgemeingültigen Werte, soweit sie das Leben des Kindes berühren. In der “weltlichen” Erziehung steht der nationale Faktor im Vordergrund. EINGEWOEHNUNG UND... Jedes kleine Kind braucht Ermutigung für seine Entwicklung; das gilt besonders für Kinder, die in den ersten Jahren ihres Lebens in einer gleichgültigen Umgebung gelebt haben. Die ersten drei Monate sind die schwersten, für die Erzieher wie für die Kinder. Wenn unter den Kindern sog. “Oldtimers" sind, d. h. Kinder, die bereits etwa ein Jahr im Lande leben, helf en diese den Neuangekommenen, sich in die ihnen fremde Umgebung einzugewöhnen und die neue Sprache zu erlernen. Wenn die ganze Kindergruppe neu ist, ist die Situation für Erzieher und Kinder weit schwieriger. Die erste Verstaendigung zwischen menschlichen Wesen ist hier wie überall die Sprache der Liebe. Diese Sprache drückt sich in physischen Gebaerden wie Streicheln, Liebkosen usw. aus. Wenn dadurch erst ein Band der Liebe und Sympathie begründet ist, bemüht sich das Kind, die Sprache der geliebten Kindergaertnerin zu verstehen. Es fühlt, dass dies etwas Wichtiges für es selbst ist. Alles, was die Erzieherin in den ersten Wochen zu einem Kind spricht, hat immer etwas mit seinen ganz persönlichen Bedürfnissen zu tun. Das Kind fühlt, dass diesse Worte ihm körperliche und seelische Hilfe bringen. Das sind die ersten Schritte zu weiterem Sich verstehen. Was die Kindergaertnerin zum Kinde sagt, muss kurz und deutlich sein und wird mit entsprechenden Gesten begleitet. Versteht das Kind erst einmal, was die Erzieherin sagt, so wird sie es durch Fragen zu weiterem Sprechen ermutigen, z. B. “Was bringst du mir da? Wo hast du den Hammer gefunden?”. Die v e r s chiedenen Beschaeftigungen im Kindergarten helfen dem Kinde, neue Ausdrücke zu lernen. IDENTIFIKATION Die Kindergaertnerin ist Beobachter und Leiter bei dieser Arbeit mit Kindern, sie kann nicht, wie in einem Dur chschnittskindergarten, die meiste Zeit nur beobachtend dabeistehen, nicht immer warten, bis die Kinder Fragen stellen, weil die meisten von ihnen ermutigt werden müssen. Im Kindergarten erfahren sie das erste Mal, dass es einen Platz gibt, an dem ein Erwachsener keine andere Aufgabe hat, als ihnen zur Verfügung zu stehen. Die meisten von ihnen haben vorher niemals soviel Aufmerksamkeit erlebt. Zuerst sind sie darüber erstaunt und v/issen nicht, was und wie sie fragen können. Darum ist es die besondere Aufgabe, die Kinder nach dieser Richtung hin zu beeinflussen. Um —wieder— ein Beispiel zu geben: die Kindergaertnerin wird, an einem Tisch sitzend, mit Ton modellieren oder auf dem Fussboden mit Bausteinen spielen. Alle diese Taetigkeiten sind den Kindern neu; sie fangen an, sich für das zu interessieren, was der Erwachsene tut. Durch die Erforschung der Umwelt auf haeufig wiederholten Spaziergaengen werden sich die Beobachtungsgabe und das Wissen der Kinder erweitern. (Fortsetzung Seite 12)

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