Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIII (1961)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1961)
- Date
- 1961-09-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 BOLETIN INFORMATIVO Septiembre 1961 BESUCH BEI MARK CHAGALL t&fgk 'Sm&j i r«5t. i •-¿rm tmi i m/A \\ * s»; *5. Ai •■ vi m: WeO-« £Tts* •«?-> •vjsr« *•*-' MARC CHAGALL: “GLAESERNE OFFENBARUNG” Die oben abgebildeten Vitreaux sind zwei von den zwoelf Glasfenstern, die der grosse Kuenstler fuer das Hadassa- Hospital in Jerusalem angefertigt hat. Jedes dieser Fenster symbolisiert einen der Staemme Israels, die hier abgebildeten die Staemme Naphtali und Sebulon. Chagall sagt von diesem, seinem Werk: “Das Licht des Himmels ist in diesen Fenstern und ich glaube, den Geist der Ewigkeit in ihnen zu spueren, »Was geschehen ist, kann ich selbst nicht erklaeren. Nur dies weis ich, dass die Arbeit an den Vitreaux meine Geisteshaltung voellig veraendert hat, mich umwarf und mich zwang, mir Rechenschaft ueber mein bisheriges Leben zu geben. Wie ich in Zukunft malen werde, wer kann das sagen. Nur das ist sicher, dass etwas sich in mir veraendert hat, mehr aber weiss ieh selber nicht”. (Text u. Photo: “Time”) Der 'fy'eg von Nizza nach Venedig, dem Domizil von Marc Chagall seit mehr als zehn Jahren, fuehrt an der Kueste entlang durch huegelige'Staedtchen und Doerfer, mit cntzueckenden Gassen und Gaesschen, an Miniaturplaetzen vorbei, mit gotischen Kirchen. Oliven und Orangenhainen. In dieser gottgesegneten Gegend verbrachten Renoir. Matisse, Bonard und andere Groessen der franzoesischen Malerei gute Teile'ihres Lebens. Man faehrt an St. Paul vorbei: einem Staedtchen, das seinen m i ttelalterlichen Charakter bewahrt hat. Die alte gotische Kirche birgt manche Kunstschaetze, darunter eine Statue der Heiligen Jungfrau, die dem Touristenfuehrer nach ihresgleichen nicht in der ganzen Welt hat. Man zollt dem lieben Gott, was ihm zukommt, vergisst aber dabei nicht die irdischen Genuesse. Die Restaurants von St. Paul sind beruehmt an der ganzen Riviera. Gourmets scheuen nicht die Reise von Cannes, Monte Carlo, Nizza und Mentone, um die kulinarischen Kuenste der Koeche von St. Paul zu gemessen. Als unser Chauffeur einen Passanten auf der Strasse nach der Adresse von Chagalls Heim fragte, antwortete er temperamentvoll: “Monsieur Chagall, le peintre? O lala, demandez “Les Collines”. Man sieht schon von weitem den Huegel, von Gruenem umhuellt. Das Auto schlaengelt sich den Kiesweg hinauf, bis an den Eingang zum Haus. Daneben steht ein zweites Gebaeude - Chagalls Studio; ferner eine Garage. Madame Chagall, Tochter eines Anwalts aus dem Kaukasus, von der beruehmten russisch-juedischen Familie Brodsky, begruesst die Ankommenden am Eingang. Chagall ist noch im Studio, kommt aber bald herunter.. Von GERCHON SWET Der Besucher findet sich umringt von Bildern Chagalls, die auf keiner Ausstellung, geschweige denn in Museen oder Galerien zu sehen sind. Eines davon, das eine halbe Wand des Raumes schmueckt stellt eine juedische Hochzeit in der Gegend Chagalls von Vitebsk dar und ist datiert “Faris 1910”. Es ist eines jener Bilder, die seinen Namen in der Welt beruehmt gemacht, haben. Er zeigte es im Juni 1914 kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges in Berlin auf einer Ausstellung, die von der Zeitschrift “Der Sturm” organisiert worden war. Als der Krieg begann. kehrte Chagall nach Russland zurueck, um erst sieben Jahre spaeter, 1921, wieder nach Zentral- und Westeuropa zu kommen. Auf dem Wege nach Paris hielt Chagall sich damals kurz in Berlin aui, wo er Gemaelde wiederfand, die er 1914 dort ausgestellt hatte und die ihn i n z w ischen beruehmt gemacht hatten. Ein anderes Gemaelde in der Villa in Vence zeigt den Maler mit seiner ersten Frau Bella, die waehrend des zweiten Weltkrieges in New York gestorben ist. Chagall tritt ein, mit zwei praechtigen gedruckten Alben seiner Bibel-Litographien unter dem Arm. “Nehmen Sie diese Baende bitte mit nach Israel. Uebergeben Sie ein Exemplar Ben Zwi das andere Ben Gurion. Und lesen Sie, was ich da in die Widmung geschrieben habe”, explodiert er, froehlich lachend. An diesem Morgen hatte er in der jiddischen Tageszeitung, die Chagall aus Paris bekommt, ueber Ben Gurions Rede zur Eroeffnung des Zionistenkongresses in Jerusalem gelesen. Nach diesem Bericht hatte der Ministerpraesident dort erklaert, alle Juden, die nicht nach Israel auswandern, seien “gottlos”. “Bitte, lesen Sie” - lachte Chagall animiert.-. Die Widmung war in Jiddisch geschrieben und lautete: “Teurer Ben Gurion: Dies ist ein Geschenk fuer Sie, unseren grossen Juden. Sie sagten, wie ich in der Zeitung las, dass Juden ausserhalb Israels gottlos sind. So sag ich Ihnen, dass ich einen Gott im Herzen habe, und dass dieser Gott ein juedischer Gott ist, was Sie aus meinen Bibel-Illustrationen ersehen koennen.— Marc Cagall”. Die Fahrt im Auto von Nizza nach Venedig dauert etwa eine halbe Stunde, aber Chagall verlaesst sein Heim nur selten. Er geht auch kaum nach dem Zentrum dieses rom a n tischen suedfranzoesischen Ortes hinunter. Oft ist er bis spaet Abends in seinem Studio taetig und keiner hat Zutritt dorthin, nicht einmal seine Gattin, solange er an einer neuen Schoepfung arbeitet. “Ich arbeite schwer” — klagte er mir. “Ich habe zwoelf Vitragen, die zwoelf Staemme Israels, fuer die Synagogen des Hadassa Medical Centers in Ein Karim bei Jerusalem zu schaffen. Das ist eine schwere Arbeit. Ich kann es nur in Rheims tuen, wo sich die aeltesten und besten Werkstaetten fuer V i t r a g e n befinden. Man giesst die Glassformen nach meinen Entwuerfen; doch die Farben muss ich selbst auftragen und das verlangt Muehe und Konzentration. Ich bin auch nicht mehr der Juengste, mein Freund. Ich habe auch noch einige Vitragen fuer die Kathedrale in Metz zu machen. Bevor ich mit alledem fertig bin, kann ich nicht nach Israel gehen. Ich kann nicht mit leeren Haenden dorthin kommen. Hoffentlich werde ich bis Ende des Sommers fertig. Dann werde ich die zwoelf Staemme Israels, die ich uebrigens nicht als Figuren sondern als Symbole darstelle, vielleicht selber nach Israel bringen und eine Weile dort bleiben”. “Nur eine Weile? Warum nicht ganz? Ist es denn am Karmel oder in Safed oder Zichron Jacob zum Beispiel weniger schoen als in Venedig?” “Ja, ja, Sie haben recht. Ich moechte unter den Meinigen sterben. Aber” —lachte der Schalk wieder aus ihm—” Sie werden zugeben, dass ich in Is/ael nicht eine so ruhige Atmosphaere finden kann, wie ich, ein mueder Jude sie brauche. Unsere Juden sind geraeuschvoll, lieben den ‘‘Tummel”, und ich bevorzuge ein stilles Gebet. Ich bin auch nicht sicher, ob ich dort werde arbeiten koennen. Gewiss ist es dort lustiger, froehlicher, lebendiger fuer mich als hier und um wieviel lustiger. Hier habe ich bei allem dennoch zu viele Besucher. Es ist schmeichelhaft, auch angenehm, aber so ermuedend”. In diesen zwei Stunden die wir mit Chagall in seiner Villa verbrachten, hoerte das Telephon nicht zu laeuten auf. Madame Chagall fuehrte die Gespraeche in franzoesisch oder englisch, mit mir sprach sie russisch und mit meiner Frau deutsch. Chagall bedient sich am liebsten des Jiddischen; nur zwischendurch sprach auch er russisch oder franzoesisch. Als wir ankamen, trafen wir dort einen Gast aus Paris, einen prominenten Anwalt der franzoesischen Kuenstlerwelt, der als Hobby fotografiert, Waehrend einer halben Stunde machte er etwa zwei Dutzend Fotografien von Chagall, von den Bildern in der Villa, von den Gaesten. Er wird nach New York fahren und die Bilder dort als Chagall Album verlegen. Chagall zeigte mir ein praechtiges Album von Fotografien, das in Deutschland unter dem Titel “Antlitz des Ruhmes” herausgegeben worden ist, darunter auch ein Bild seiner verstorbenen ersten Frau Bella. Es laeutet. Man bringt Blumen. Heute ist Neujahr. Wieder klingelt es —ein Blumenkorb, pompoese Schokoladen— Bombonieren. Bevor die Tucr sich hinter dem Boten geschlossen hat, hoert man ein Autosignal. Eine Gruppe Besucher kommt herein, um die Bilder zu besichtigen, die auf keiner Chagall Ausstellung zu sehen sind. “Ich werde diese Bilder nie verkaufen” —sagte er mir. “Geld brauche ich nicht mehr. Nach meinem Tode werden meine Frau und Tochter, (die Gattin des sch w eizer Kunsthaendlers Franz Mayer) mit diesen Bildern tun, was sie fuer noetig halten. Sie einem Museum in Tel Aviv oder Jerusalem uebergeben? Moeglich. Ins Grab werde ich sie nicht mitnehmen. Wenn sie etwas wert sind, so wird sich schon ein Platz finden, wo man sie haben will, in Israel oder sonstwo”, Und wieder kehrt er zum Thema Ben Gurion zurueck. Man fuehlt, dass es ihn besciiaeftigt. Er hoert nicht auf, darueber zu reden. “Er findet sich nicht zurecht in der Kunst” —sagt Chagall ueber Israels Ministerpraesidenten. “Aber er ist faehig, ein Kunst werk zu begreifen, wenn es ihn interessiert. Wenn ich so mit Ihnen rede, packt mich die Sehnsucht nach ihm und dem originellen Geplauder seiner Pola. Ich erinnere mich, wie Meir Dizengoff einmal in Paris zu mir kam”. “Chagall” —sagte er— “ich verstehe garnichts von Kunst. Aber man sagt mir, dass Sie ein grosser Maler sind. Helfen Sie mir, in Tel Aviv ein Museum zu gruenden”. — “Welchen Charme besäss Dizengoff. Ich half ihm. Ich gab ihm einige mei - ner Bilder fuer sein Museum. Der verstorbene Sprinzak bat mich um ein Bild fuer die Knesset. Ich schickte es ihm, aber es haengt im Museum und nicht in der Knesset. Kaddisch Luz wollte, dass ich im neuen Knessetgebaeude die Waende bemale. Im Grunde, weiss ich nicht, was man dort von mir will. Der Architekt sollte zu mir kommen und die Sache mit mir besprechen. Ich habe seither nichts davon gehoert. Kommende Woche fahre ich nach Rheims, die Vitragen zu machen. Werde ich es schaffen, sie fertig zu stellen, so werde ich nach Israel kommen. Vorlaeufig gruessen Sie alle und sagen Sie Ben Gurion, dass ich einen Gott im Herzen habe”. (Semana Israelita) Wir entnehmen den "Deutschen Kulturnachrichten": TAGEBUCH DER ANNE FRANK Das, “Tagebuch der Anne Frank” hat die hoechste Auflage aller Taschenbücher erreicht, die in den letzten fünfzehn Jahren in Deutschland erschienen sind. Es wurde in der Fischer-Bücherei des S. Fischer Verlages, Frankfurt, herausgegeben und erzielte bis Juni 1961 eine Auflage von 778.000 Exemplaren. Auch die. Geschichten und Ereignisse aus dem. Hinterhaus”, autgezeichnet von Anne Frank, erschienen im S. Fischer Verlag. DAS GESAMTWERK SIGMUND FREUDS Die Rechte an der Gesamtausgabe von Freuds Werken hat der S. Fischer Verlag in Frankfurt übernommen. Die Ausgabe, die nun beim Fischer Verlag vollstaendig vorliegt, umfasst in 17 Baenden alle Schriften und Anfsaetzejdie Sigmund Freud verceffentlieh hat. Die Schriften aus dem Nachlass, die den Jahrzehnten zwischen 1892 und 1939 entstammen, sind in einem Band zusammengefasst. Der Index der gesamten Ausgabe, der als Band 18 erscheinen ivird, befindet sich in Vorbereitung. Ferner ivurde bei Fischer der Sammeiband “Das Unbewusste” von S. Freud 1960 in der Reihe der Paperback-Ausgaben herausgegeben. Als Taschenbücher hat der Fischer Verlag in den letzten Jahren die folgenden Schriften von Sigmund Freud vorgelegt: “Totem und Tabu”, “Abriss der Psychoanalyse. Das Unbehagen in der Kultur” mit einer Rede von Thomas Mann als Nachwort, “Der Witz und seine Beziehung zum Unbeioussten” und, “Zur Psychopathologie des Alltagslebens”.