Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIII (1961)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1961)
- Date
- 1961-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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m ^REDACCION, f 8. C. 1. B NE JJSTTOCL AV. PORTUGAL 610. CASILLA 2487. SANTIAGO-CHIL8 BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT 1 SO CI E PA D CULTURAL ISRAELITA '* B‘NE JISROEL" 1 AÑO XXIII — N? 9 SANTIAGO DE CHILE Septiembre 1961 DAS BUCH DER BUECHER UND DER MENSCH Von Rabbiner E. Loswenstein Wenn die Tage der Feste .»des juedischen Jahresbeginns vorueber sind, oeffnen wir wiederum das Buch, das in der Literatur der Welt nicht seinesgleichen hat. Es beginnt mit der Schoepfung des Universums und endet mit dem Babylonischen Exil, das grundlegend fuer die mtmm ^33 ^ry wm<P ¡&S&'" ,<<i ■m-’ mm 'i® HggggiggilS W*W; r-M ■ 11 :• -m*. ti ' Rosh Haschanah — Der Tag des Gerichtes (Glasfenster im Oberrabbinat in Jerusalem) Entwicklung unserer Galutgeschichte wurde. Es umfasst nur einen kleinen Ausschnitt aus der Geschichte der Menschheit und wurde doch zum Buch der Buecher in der Synagoge, in der Kirche und wichtig fuer die Moschee. Kein anderes Literaturwerkt ist so oft kommen tiert worden und so ueber alle Welt verbreitet. Bis auf unsere Tage ist es der “Baum des Lebens” fuer alle diejenigen, die noch nicht verlernt haben, sich in seine Botschaft zu vertiefen. Auch fuer unsere Zeit enthaelt das Buch der Buecher —unsere Bibel— die Antwort auf Fragen, die die Menschheit quaelen. Wir muessen sie nur zu lesen verstehen. Warum —so wird seit uralten Zeiten gefragt— beginnt dieses Buch mit dem Schoepfungsbericht? Warum erzaehlt es uns von Adam und Eva, Kain und Abel und dem Turmbau zu Babel? Warum beginnt es nicht mit dem Auszug aus Aegypten, dem Bericht ueber die Geburt Israels als Volk? Es ist eine bewusste Absicht. Die Tora ist kein Textbuch der juedischen Geschichte. Sie ist keine Chronik, sowie sie auch kein Lehrbuch der Biologie, der Geologie oder Naturwissenschaft sein will. Sie will uns fundamentale Ideen ueber Gott, Mensch und Welt verkuenden. In diesen ersten Kapiteln vernehmen wir die Grundlagen juedischer Weltanschauung. Von Philo, dem Alexandriner, bis Franz Rosenzweig, Martin Buber und Abraham I. Heschel in unseren Tagen schoepft die juedische Gedankenwelt aus ihnen. Nachdem sie uns ueber Gott, seine Schoepfung und den Menschen Grundlegendes mitgeteilt hat, wird berichtet, wie ein Volk von Gott auserwaehlt und zum “heiligen Volk” wurde. Nur unter diesem Gesichtspunkt behandelt sie die Geschichte der Vaeter. Die Auswahl wird unter denen getroffen, die dem Idealbild des Menschen am naechsten kommen. Welches ist das Idealbild? Der Bericht ueber die Erschaffung des Menschen ist verschieden von dem aller anderen Schdepfungen in den fuenf vorangehenden Tagen: “Es sprach Gott: Machen wir den Menschen in unserem Bilde nach unserem Gleichnis”. Und mit Recht erlaeutert der spanisch-juedische Bibelkommentator David Kimcho (1160-1235): “Um der Wuerde des Menschen willen und zu seiner Ehre wurde er als letzter geschaffen, um kund (Fortsetzung Seite 6) GOTTES DAS WELTKOENIGTUM (Juedische Neujahrsgedanken) “Der Ewige regiert, der Ewige hat regiert, der Ewige wird regieren immer und ewig”. (Aus dem Morgengebet des Rosch Haschana- Festes). Das juedische Neujahrsfest hat mannigfache Bezeichnungen: Es ist nicht nur der “Tag des Gedaechtnisses” (der am haeufigsten wiederkehrende Name), weil Gott Seines Volkes zum Guten gedenken moege; der juedische Jahresanfang, erster Tag der “zehn Tage der Umkehr”, gilt auch als “himmlischer Gerichtstag”, an dem der Ewige alle Weltbewohner an Seinem Angesichte vorueberziehen laesst. Nach der Meinung des grossen Rabbi Elieser ben Hykanos (Ende des I. Jahrhunderts) ist Rosch Haschana auch der Tag der Weltschoepfung und der Erschaffung des ersten Menschen, und in den “Koenigsgebeten” im Mussaf oder Zusatzgebete wird das “Weltkoenigtum Gottes” verherrlicht. In weihevoller Stimmung, unterschiedlich von der Gewohnheit des Werktages, wird das Gebet “Olenu Teschabeach” in den Mittelpunkt gerueckt und feierlich rezitiert: “Wir aber beugen das Knie, werfen uns nieder, danken dem Koenig aller Koenige, dem Heiligen, gelobt sei Er. dass Er den Himmel ausgebreitet und die Erde begruendet, Seiner Ehre Sitz ist im Von Curt Wilk Himmel droben und die Staette Seiner Macht in den hoechsten Hoehen”. Zu Beginn dieser Worte werfen sich Vorbeter und Gemeinde ehrfurchtsvoll zu Boden, dem “Koenig der Koenige” ihre Huldigung darbringend, die ausdruecken soll, dass der juedische Mensch niemals das Knie vor einem Menschen beugt, und sei dieser ein noch so maechtiger Herrscher. Und in dem sich anschliessenden Gebete finden sich die erhabenen Worte des Propheten Secharja, mit denen jeder juedische Gottesdienst abgeschlo s s e n wird: “Der Ewige wird Koenig sein ueber die ganze Erde; an jenem Tage wird der Ewige einzig sein und Sein Name Einiger”. Martin Buber sprach, einmal aus, dass die Errichtung der goettlichen Herrschaft ueber die Welt das Ziel des biblischen Messianismus ist. Diese messianische Zeit erscheint dem juedischen Menschen als die Vollendung der Geschichte, ater nicht als eine Durchbrechung der Naturgesetze. Der Weltenkoenig will Seine Welt nicht zwingen, denn jedes Geschoepf hat die freie Wahl, das “Joch des Gottesreiches” auf sich zu nehmen. Hier eroeffnen sich Perspektiven und Hoffnungen fuer die gesamte Menschheit: An einem fernen Versoehnungsfeste Aller wird Gott nur einen Namen tragen, den jederman versteht. Doch, um zu dieser Stunde zu gelangen, muessen Menschen Aufruettlung und Erleuchtung erfahren, und jeder moderne Fortschritt, z. B. die Schaffung der “Vereinten Nationen”, kann zur Staerkung der menschlichen Zukunftshoffnungen beitragen. Ein Weiser hat einmal die Humanitaet als die Tochter der “Gottesherrschaft” bezeichnet; doch ganz gewiss hat der Glaube an die allgemeine Humanitaet in den letzten fuenf Jahrzehnten Erschuetterungen erfahren. Der juedische Gedanke vom “Weltkoenigtum Gottes”, von der unteilbaren Wahrheit dem unteilbaren Recht und dem einen unteilbaren Frieden, einmal anerkannt, muss auch die letzten Spuren von Leibeigenschaft, Skia V e r e i und Unduldsamkeit beseitigen. Der eine Weltenherrscher, der Natur und Weltenraum geschaffen, wird und kann dem menschlichen Forscherdrang keine Hindernisse in den Weg legen, und der Mensch, von Gott mit Vernunft begnadet, wird immer neue Wunder an Himmel und Erde entdecken, zur Ausbreitung der Gottesherrschaft beitragen. Aber der “Weltenkoenig” ist auch der hoechste Richter: “Recht und Gerechtigkeit sind die Grundpfeiler des Gottesthrones”. Auf die (Fortsetzung Seite 6)