Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIII (1961)
- Issue
- 6 (Junio, 1961)
- Date
- 1961-06-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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JUNIO 1961 BOLETIN INFORMATIVO 13 DAVID BEN GURION AUF REISEN Von Dr. ABNER NECHUSHTAN (Tel-Aviv) Mit all der Foermlichkelt, die Staatsmaennern gilt, wenn sie zu Staatsbesuchen ins Ausland reisen, war David Ben Gurion auf dem Flugplatz von Ottawa unlaengst vom kanadischen Ministerpraesidenten, John Diefenbaker empfangen worden, aber ebenso1, mit der Herzlichkeit, die dem freundschaftlichen Verhaeltnis des grossen Landes noerdlich der Vereinigten Staaten und des kleineren Israels seit vielen Jahren entspricht. Und die Tage, die er danach in der Bundeshauptstadt Otawa, in Quebec und Montreal mit formellen Besprechungen ebenso wie mit zwangslosen Zusammenkünften ausgefuellt hatte, bekraeftigten diese Freundschaft noch. Dennoch war man sich hierzulande darueber klar, .sobald die erste Nachricht von der neuen Auslandsreise des israelischen Ministerpraesidenten bekannt wurde, das ihr politischer Schwerpunkt vielmehr in New York liegen werde oder genauer, im Waldorf — Astoiria Hotel, in dem Ben Gurion inzwischen mit dem Praesidenten Kennedy zu einer Besprechung zusammentraf, die vorher in Wash ington wie in Jerusalem betont als “inoffiziell” bezeichnet worden war. Es kann nicht Wundei nehmen, das David Ben Guriön auf eine solche Fuehlungnahme gerade jetzt derartigen Wert gelegt hat. Erstaunlich ist es aber, dass sich der amerikanische Staatspraesident diesem Wunsch am Vorabend seiner Besprechungen mit de Gaulle in Paris und vor allem mit Chruschtschow in Wien nicht verschlossen hat. Allein, im Weissen Haus und im amerikanischen Aussenministerium duerfte man es als zweckmaessig, ja, als wünschenswert angesehen haben, in die Serie hochpolitischer Zwiegespraeche den Mann einzuschalten, der von seinen Bewunderern wie von seinen Gegnern in aller Welt heute als einer der beiden “Truempfe” auf dem nahoestlichen Schachbrett betrachtet wird. Abdel Nasser ist an der Spitze seiner Vereinigten Arabischen Republik d i e zweite Schluesseifigur. Sicherlich war es kein Zufall, dass bisher als einziger saemtlicher Diplomaten dès Bezirks rund um die oestlichen Gestade des Mittelmeers der aegyptische Botschafter Gelegenheit hatte, im White House mit dem neuen Staatsfuehrer der USA zusammenzutreffen. Was er Mr. Kennedy vorgetragen hat, blieb natuerlich geheim, aber dass es dabei nicht zuletzt, nein in erster Linie um die permanente Spannung mit dem Staate Israel ging, liess sich kurz vor Ben Gurions Abflug schon daran erkennen, wie emphatisch der tunesische Staatschef Chabib Bourgiba erst in New York und danach in London gegen die “zionistischen Eindringlinge” in Front getreten war. Es hatte letztlich auch sonst nicht an Indizien dafuer gefehlt, dass die verhaeltnissmaessige Ruhe an den Grenzen Israels in absehbarer Zeit moeglicherweise von neuen Stoerungsversuchen der Araber abge loest werden wird — die Zahl der Grenzwilderer, die aus Aegypten, bezw. 'dem Küestenstreifen von Gaza in den Negew infiltrieren, vergroesserte sich seit April unter der propagandistischen Begleitmusik rednerischer Attacken, wie sie sich der aegyptisch-syrische Propagandaapparat eine geraume Zeit hindurch vorher erspa r t hatte. Stand es dazu in irgendwelcher Beziehung, dass John Kennedy zur gleichen Zeit in einen Notenwechsel mit dem Koenig Saud, dem Beherrscher Inner Arabiens eingetreten ist? Auch ueber diesen Meinungsaustaus c h wurde selbstredend nichts bekannt; aber dass Saud selben auf einer Tagung der “Arabischen Liga” zur Behandlung der Palaestinafrage “im Lichte der neuesten amerikanischen Informationen” draengt, laesst zweifellos Rueckschluesse auf Kennedys wiederholt erklaerte Absicht zu, dies Problem irgendwie anzupacken. DIE GEFAHR EINER DRITTEN KAMPFRUNDE Zwar sprachen Gewaehrs leute nicht nur im israelischen Regierungslager, sonder sogar auch in Kairo kurz nach dem Amtsantritt John F. Kennedys davon, dass ihm von Ben Gurions Washingtoner Vertre t e r n nicht anders als von den Aegyptern vorgeschla gen worden sei, zu warten, bis er Streitfragen von so unvergleichlich groesserem globalen Schwergewicht wie die Brandherde Laos und Kongo, die Meinungsverschiedenheiten ueber atomare Weltataruestung, Kontrolle usw mit dem sowjetrussischen Gegenspieler geklaert haben wuerde. Aber steht man auf dem Standpunkt, dass der internationale Friede unteilbar ist, so spricht wohl einiges fuer die Annahme, dass in Wien auch ueber den Nahen und Mittleren Osten gesprochen werden wird — und also auch fuer Ben Gurions Wunsch, den amerikanischen Praesidenten, gleichsam zur Vorbereitung dieses Punktes der “Wiener Tagesordnung” mit den in Israel vertretenen Auffassung e n vertraut zu machen. Was hinzu tritt, ist der ln militaerischen Kreisen Israels bekannt gewordene Erfolg des Bemuehens der aegyptischen Generalitaet, die Rueckstaende und Maenget ihrer Streitkraefte auszumerzen, Man warnt in diesen Kreisen beispielsweise davor, das Nassers Luftwaffe heute. — mit Hilfe von ueber 2.000 sowjetischen Technikern und Offizieren — zu einer formidablen Truppe mit 18 Staffeln von Kampfflugzeugen, 9 Staffeln Bombenflugzeuge, mit 3 Staffeln MIG 19 mit Ueberschallgeschwindigk eit usw. ausgebaut worden sei, und dass er zudem jetzt ueber 1.000 moderne Tanks verfuegt. In öffentlichen Ansprachen des Divisionaers Zur, der an der Spitze der israelischen Streitm acht steht, und des Ministerpraesidenten Ben Gurion selber ist wenig Zweifel daran gelassen worden, dass die Aegypter zur Optimalpunkt ihrer Schlagkraft vorgerueckt sind, und schon deshalb versuchen koennten, die Schlappe ihrer Niederlagen vom Kriegsjahr 1948 und waehrend des Sinai-Feldzuges 1956 durch eine neue Kampfrunde wettzumachen. Ma noever von Ausmassen, wie sie hoch nie in Aegypten stattgefunden hatten, wurden in der ersten Maiwoche durchgefuehrt. Und wenn es sich auch von allein versteht, dass die Verteidigungsarmee Ben Gurions-die “Zwa Haganah”— mit entsprechend Intensiv angelegten Manoever- Uebungen auf diese Drohung reagiert hat; es bleibt darum nicht weniger eine Drohung, auf die er den amerikanischen Staatspraesidenten inzwischen zweifellos mit aller Deutlichkeit aufmerksam gemacht hat. Und da Ben Gurion auf seiner Rueckreise als Gast de Gaulles in Paris Station macht, wird er gerade diesen Aspekt, den militaerischen, sicher auch dem Staatschef des besonders eng mit Israel befreundeten Frankreic h s Vorfragen. WIRKLICHKEITSFREMDE * VERMUTUNGEN Eine andere Frage ist es, ob er darueber hinaus auch versucht hat sich mit Vorschlaegen in den Prozess der “Nahostpolitischen Klaerung” einzuschalten, der unter der Fuehrung des Aussenministers Dean Rusk mittlerweile angekurbelt zu sein scheint. Vor Ben Gurions Abflug wurde von findigen Korrespondenten viel ueber seihe Absicht, den amerikanischen Staatsmann fuer eine neue Garantieerklaerung 'des status quo zu interessieren, zwischen Jerusalem und den westlichen Hauptstaedten hin und hergekabelt. Es ist aber mehr als unwahrscheinlich, dass sich der israelische Ministerpraesident in New York ernsthaft fuer eine solche Idee eingesetzt haben sollte. Ebenso wie die Dekla ration, mit der Amerika, England und Frankreich im Jahre 1950 fuer die Unverletzlichkeit der israelischen und arabischen Grenzen eintra' ten, wuerde auch eine Erneuerung dieses Versprechens anno 1961 reine Ma kulatur sein, solange sich die Sowjetunion der ' Mitunterzeichnung entziehen wird, Chruschtschow aber koiennte nur mitmachen, wenn er die schon zur Tradition gewordene araberpolitische Linie des Kreml verliesse. Da sich Praesident Kennedy ohne Zweifel keiner Illusion darueber hingibt, wuerde er dem Vorschlag Ben Gurions, sich in Wien fuer ein solch west-oestliches Abkomm e n einzusetzen, nur entnommen haben, dass er es mit einem Phantasten zu tun hat — woraus sich ergibt, dass der israelische Ministerpraesident als lebenslange^ Realist ueber diesen Gegenstand in New Yojrk geschwiegen haben duerfte. Von aehnilicher Wirklichkeitsfremdheit war vor Ben Gurions Abreise eine zw’eite Vermutung, er werde Kennedy zu keiner neuen Garantiezusage auffordern, die nicht mehr als ein Stueck Papier söi, aber ein westoestliches Waffenembargo Vorschlägen. Niemand weiss aus vielfacher , Erfahrung besser als der Ministerpraesident, dass sich nur die westlichen Grossmaechte an das Verbot halten wuerden, militaerisches Ruestungsgut an die Laender des Nahen Ostens zu liefern, nicht aber die Russen und ihre Vasallen im Ostblock. Etwas weniger unwahrscheinlich mag es sein, dass Ben Gurion mit dem Praesidenten ueber das schwierige Thema der arabischen Fluechtlingsfrage verhandelt hat, das die naechste Plenarsitzung der Vereinten Nationen im Herbst beschäftigen wird. Doch ist kaum anzunehmen, dass Mr. Kennedy in einem nichtamtlichen und von ihm ueberdies auf eine Stunde begrenzten Gespraech in diesen komplizierten Gegenstand “eingestiegen” sein wird. Die israel. Presse zur Reise Ben Durions Die Bedeutung der Auslandsreisen Ben Gurion und- Golda Meirs wird in der Presse Israel mit Kommentaren gewuerdigt, von denen die im Folgenden wiedergegebenen Zeugnis ab legen: “Dawar”: Von der Nachricht, dass Ben Gurion die Einladung der Regierung Ottawa annimmt und Kanada besuchen will, ist die Oeffentlichkeit angenehm überrascht. Im Besuch des Ministerpräsidenten liegt eine Kulmination der freundschaft liehen Beziehungen und der Zusammenarbeit zwischen Israel und Kanada. Die Bereitschaft Kanadas in den Tagen der liberalen Regierung ist noch in unserer Erinnerung, erst dem Jischuw und dann unserem Staate die Waffen zur Verfügung zu stellen, die wir von anderer Seite damais nicht bekommen konnten. Wir haben auch die Hilfe des kanadischen Aussenministers Lester Pearson nicht vergessen, zur Zeit der Sinai-Aktion den Konflikt zwischen den USA und Israel beizulegen. Auch die jetzige Regierung Kanadas erwies sich kürzlich in der UNO, als die Flüchtlingsfrage zur Sprache kam als hilfreich. Ben Gurions Besuch wird diese Freundschaft gew’iss noch vertiefen. In einem halben Jahr wird in New York die 16. UNO- Vollversammlung stattfinden und sich u. a. auch wieder mit der Flüchtlingsfrage befassen. Wh müssen daher jetzt bereits unsere Freunde mobilisieren. Dieser Aufklärungsaktion dient sowohl Golda Meirs Reise nach Skandinavien, wie ihr Ben Gurions Reise nach Kanada dienen wird. Vielleicht wird er bei dieser Gelegenheit auch die USA besuchen und mit der dortigen Judenheit wieder in Kontakt kommen können. “Haboker”: Zur weiteren Vertiefung der freundschaftlichen Beziehungen war die liebenswürdige Einladung des kanadischen Ministerpräsidenten Diefenbaker Ben Gurion umso willkommener, als sie zu günstiger Zeit kam. Sollte sich auch Präsident Kennedy entschlossen, Ben Gurion bei dieser Gelegenheit einzuladen, würde er gewiss auch gern nach Washington fahren, was zur Klärung von Meinungsverschiedenheiten beitragen könnte, wogegen es zwischen Israel und Kanada nie Meinungsdifferenzen gegeben hat. Da auch der Präsident Tunesiens beide Hauptstädte Nordamerikas besucht hat. würde das Ausbleiben einer Einladung Kennedys an Ben Gurion einer unliebsamen politischen D e m o n stration gleichkommen. Leider war die Publizität, die Ben Gurions vorigem Besuch in Amerika gegeben wurde, sowohl bezüglich seines Zusammentreffens mit Eisenhower wie auch mit Adenauer nicht zufriedenstellend, und diesmal sollte mehr auf die richtige Publizierung geachtet werden. Angesichts dieser Erfahrungen wird Ben Burion diesmal seine Erklärungen wohl vorsichtiger formulieren. Auch die Afrika-Ratschläge, die Ben Gurion dem USA-Präsidenten gab, wurden nicht gerade freundlich kommentiert. Hoffentlich wird die Partei Ben Gurions verstehen, dass sich der Besuchdes Ministerpräsidenten in Amerika nicht dazu eignet, hier in der Wahlkampagne parte ipolitisch ausgenützt zu werden, denn das würde auch den dortigen offiziellen Gastgebern peinlich sein. “Jerusalem . Post” widmet einen Leitartikel dem Besuch des Aussenminister Frau Golda Meir in den fünf skandinavischen Staaten — Dänem a r k, Island, Norwegen, Schweden und Finnland — der am Sonntag seinen Anfang nahm: In ihrer Rede in der Knes set am 20. März, als der Aussenminister diese Besuchsreise bekannt gab. erklärte Frau Golda Meir, dass es ihr Privileg sei, diesen Völkern die tiefe Dankbarkeit des jüdischen Volkes zum Ausdruck zu bringen, dass die skandinavischen Völker im /weiten Weltkrieg so viel getan hatten, um Juden zu retten. Frau Golda Meir hofft, dass solche auf Gegenseitigkeit beruhenden Besuche viel dazu beitragen können, die engen Freundschaftsbande zu stärken und weitere gemeinsame Arbeit, besonders auch im Rahmen der UNO zu fördern. Sicherlich wird der Aussenminister auch den Dank Israels für die stets bereite Hilfestellung, der skandinavischen Staaten in der UNO, basiert auf dem Verständnis für Israel, zum Ausdruck bringen. Die gemeinsamen Interessen kommen auch zum Ausdruck bei den Kampf; um die Freiheit der Meere, wie dies sich ausdrückt’in der Forderung auf die freie und unbeschränkte Durchfahrt des Suezkanals. Schliesslich betont die “Jerusalem Post” noch die guten Handelsbeziehungen zu den skandinavischen Staaten, die sich in einem Handels-Wert von 60 Millionen Dollar im Jahre ausdrücken.