Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIII (1961)
- Issue
- 6 (Junio, 1961)
- Date
- 1961-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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mm t. _ IIEGACCJONt 6.C. I. B'NE JlSfiOSL AV. PORTUGAL 610. CASILLA 2487. SANTIAGO CHJL« BOLETIN INFORMATIVO M | T T E I L U N GS BLA TT S O C I E p A D -C U LTÜ RAL I S R A E LITA I S R O E L AÑO XXIII — N? 6 BOLETIN INFORMATIVO JUNIO 1961 I-vi. I. ANZ DES von Dr. Abner Nechuschian — Tel Aviv PROZESSES Aus den etwa 30 Zeugen, mit denen der Generalstaatsanwalt seine Anklage anfangs unterbauen wollte, sind an die hundert geworden. Auch die Dokumente, die er dem Gericht unermuedlich vorlegt, haben sich inzwischen zu wahren Bergen gehaeuft; etwa 700 waren es bisher, um die Mitte dieses Monats Mai, und dazu werden nach sicherem Vernehmen weitere 1.000 treten, bis er seine Beweisfuehrung abgeschlossen haben wird. Wahrhaftig, die Richter sind um ihre Aufgabe, sich mit dem riesigen Material vertraut zu machen, je iaengei desto weniger zu beneiden. Immer haeufiger merkt man ihnen ein gewisses Mass vor, Ungeduld an. Und je lueckenloser das blutige Gemaelde wird, das sich aus den Berichten der Ueberlebende und den bei Kriegsende beschlagnahmten Korrespondenzen zwischen Eichmann und seinen Untergebenen, zwischen dem Auswaertigen Amt und dem Reichssicherheitshaupt amt der SS und des SD entrollt, umso haeufiger draengt sich der Oeffentlichkeit hier die Frage auf: wie weit diese Ueberfuelle von “Hintergrund” prozessual und ursaechlich noch im Zusammenhang mit der Schuld des Einen steht, um den es geht. Allerdings, Generalstaatsanwalt Hausner und seine Kollegen setzen das ganze Mass ihrer Sachkunde wie ihres Scharfsinns daran, diesen Zusammenhang wieder und wieder zu wahren. Schon waehrend der vieimonatlichen Vernehmungen durch den Polizeihauptman Less war der Angeklagte in seiner Gefaengniszelle hunderte Male mit Schriftstuecken konfrontiert worden, die nach dem “Betreff” von seiner beruechtigten Abteilung IV B4 ausgingen, seine Unterschrift trugen oder ausdrücklich in seinem Namen signiert worden waren. Es sind die gleichen, jetzt dem Gericht vorliegenden Depeschen, Schnellbriefe usw., in denen er /als allmaechtiger Herr ueber Leben und Tod einzelner Juden auf Anfragen aus Paris, Amsterdam, Polen und den baltischen Laendern die Entscheidung traf — und immer bedeutete seine Entscheidung die Deportierung ins Nichts, ausnahmslos. Bedarf es angesichts desser im Grunde noch weiterer Nachweise, weiterer Tage und Wochen wie diese letzten, die sich wie eine Last von unvergleichlicher Wucht auf die Herzen der Oeffentlichkeit gelegt haben? Aber auf Stimmungen. kann ein Verfahren, dessen historische Bedeutung von massgeblicher Seite oft genug betont worden ist, fueglich keine Ruecksicht nehmen. In den Tageszeitungen dorn i n i e r e n morgens und abends die Stimmungsberichte weiterhin; “Kol Jisroel” der staatliche Rundfunk, steht dem mit den Bandaufnahmen aus dem Gerichtssaal nicht nach. Die Menschen lassen keines dieser vielen Tausende gedruckter Worte aus und haengen am Radio—gewiss nicht aus “sensationsdurstiger” Wissbegier; ^mitunter vielleicht, weil ihnen das Gewissen zuraunt, dass sie sich selber, nicht aber ihre Naechsten gerettet haben, und immer aus der Unruhe, die sie gepackt hat. Hier und da wurde oeffentlich darueber diskutiert, ob die Kinder, wenn sie so unbeschreibliche Greuel erfahren, nicht schwere seelische. Wunden fuer ihr ganzes ferneres Leben davontragen werden; aber auch sie treibt es offenbar, das Ganze unbescho.enigt kennenzulernen. Wer so, wie Ministerpraesident Ben Gurion, vor dem Beginn des Prozesses davon gesprochen hatte, dass er die Gemueter all derer entgiften werde, die jene Katastrophe innerlich noch nicht verarbeitet haben, wird vom bisherigen Stimmungsgang der Zeitungsleser und Radiohoerer hier im Lande zum mindesten bis jetzt Luegen gestraft. Dies aber heisst nicht, dass man sich bereits ein fertiges Urteil gebildet haette. Wer mit Verwandten, Freunden dieser Tage ueber den Widerhall spricht, den die Enthuellungen des Prozesses ausgelcest ha b e n, —wer spraeche nicht darueber?— oder auf der Strasse, in Autobussen und Cafes derartige Unterhaltungen auffaengt, stoesst regelmaessig nach wenigen, stereotypen Saetzen auf ein beklommenes Verstummen. Es uebersteigt die Vorstellungskraft, und damit die Urteilskraft gewoehn lieh Sterblicher zunaechst, was ein Zeuge nach dem anderen im Jerusalemer Gerichtssaal an Eindruecken, Erlebnissen darstellt. Sechs Millionen Tote: es war bei allen, gerade wegen der Unvorstellbarkeit ) der riesigen Ziffer, eher ein I abstrakter Begriff gewesen. Jetzt fuellt sich dieser Raum fuer die Vielen, die es nicht am eigenen Leib durchgemacht oder es halb und halb auch wohl schon wieder vergessen hatten, bestuerzend mit der Hoelle der Ghetti, der Vernichtungslaeger, der Tddesmaersche... Wie war so etwas moeglich? Vor allem der Ha kenkreuzzug gegen Kinder, “die meistgef ue rehteten Feinde des Dritten Reiches” als die sie Zivia Lubetkin von der Fuehrerschaft der Warschauer Ghettokaempfer bezeichnete, fuehrte zu dieser fassungslosen Frage. Und es sei keineswegs verschwiegen, wie sich die Unfaehigkeit, daraufeine Antwort zu erteilen, eine geschlagene Woche (hindurch als schwere Krise des Vertrauens an das menschliche im Menscher niederschlug, oder, um es noch deutlicher zu sagen, an das menschliche im deutschen Menschen. Der Nationalsozialismus, so etwas hatte man bis dahin angenommen, lasse sich aus dem Zusammenfluss zufaelliger Umstaende notfalls als eine Art nationaler Massenpsy chose erklaeren. Gesetzt aber, es sei so; wie konnten sich die Himmler, Heydrich, Eichmann und ihre namenlosen Schergen selbst unter der Wirkung einer solchen Hypnose so weit vergessen? Eine andere, ebenso verfaengliche Frage, bezog sich auf die seit langem in Deutschland immer wieder vertretene Behauptung, dass die Untaten den Millionen hinter den Fronten und hinter den Staetten der Vernichtung unbekannt gewesen seien- Jetzt erfuhr man von Dutzenden, die sich damals in Frankreich, Belgien, Holland, Daenemark, Norwegen befunden und verborgen gehalten hatten, das ihren nichtjuedischen Nachbarn und darueber hinaus hunderten ja tausenden von Widerstandskaempfern, im Grunde also wohl der gesamten Bevölkerung dieser Laender die meisten Einzelheiten der “totalen Loesung der Judenfrage” “fast von Beginn an bekannt gewesen waren. Und die Deutschen sollten es nicht gewusst haben? Etwas begannen sich diese Schatten zu lichten, als sich im weiteren Verlauf der Zeugenverne h m u n g e n herausstellte, dass es an Helfern auch unter den Deutschen nicht gefehlt hatte. Den von Schikanen und bald danach von massenweisen Hinrichtungen bedrohten Juden des polnischen Dorfes Ciechanow stellte sich “Bernard Kessler, ein Reichsdeutscher, und einer der vornehmsten, selbstl o s e s t e n Maenner, die sich ueberhaupt denken lassen” zur Verlegung; einer der Zeugen sprach davon, mit Worten des Dankes. Als sich die Staatsanwaltschaft, nach dem Abschluss der Serie ihrer Zeugenaussagen ueber die Geschehnisse in Osteuropa den westlichen Okkupationslaendern der Wehrmacht zuwandte, war die Rede vom Verhalten der zwei leitenden Bevollmaechtigten Hitlers in Daenemark, des SS-Obersten Karl Werner Best und des Sicherheits-Polizei-Kommandanten D’. Mildner, vor allem aber des Flotten-Attaches der deutschen Botschaft in Kopenhagen G. F. Duckwitz. Best und Dr. Mildner zoegerten zwar gleichfalls, als Eichmanns Behoerde anordnetc, dass die 7.700 daenischen Juden aufgegriffen und verschleppt werden sollten. Aber nachdem sie sich beim Auswaertigen Amt in Berlin Rueckendeckung geholt hatten, Hessen sie ihre Bedenken weitgehend fallen — und um die juedische Bevoelkerung Daenemarks waere es geschehen gewesen, wenn der Flotten-Attache Duckwitz sie von diesem Beschluss nicht rechtzeitig unterrichtet haette. Wie sich aus den Dokumenten ergiebt, die dem Gericht in diesem Zusammenhang Vorlagen, tobte Eichmann, als er erfuhr, dass sich der groesste Teil dieser Juden nach Schweden gerettet hatte und “verlangte den Kopf K. Bests”; von Duckwitz hatte er glücklicherweise nichts gewusst. Hoch klingt das Lied von diesem braven Mann, der heute als Beamter des Bundes - Aussenministeriums in Bonn Dienst tut. DEM ENDE DES PROZESSES ENTGEGEN Soeben verlautet, dass der Prozess vielleicht schon gegen Ende Juni zu Ende gehen wird. Zur Beschleunigung traegt vor allem bei, dass die vom Verteidiger, Dr. Servatius namhaft gemachten Zeugen — bisher sind es 10 — im Einvernehmen zwischen ihm und dem Gericht kommissarisch in der Bundesrepublik und in Oesterreich vernommen werden koennen. Die Frage, ob einigen von ihnen freies Geleit nach und in Israel, ungeachtet belastender Tatsachen aus ihrer Vergangenheit gewaehrt werden sollte, hatte jn Ben Gurions Regierung zu einem zugespitzten Disput und zu einer Kampfabstimmung gefuehrt, die mit einer Mehrheit von nur einer Stimme zugunsten dieser Immunitaet , auslief. Wahrscheinlich aber werden auch die beiden, Dr. Wilhelm Hoettl vom frueheren Reichs- Sicherheitsha u p t a m t upd Walter Huppenkothen von der Abteilung 4E der Gestapo, Vernehmungen in Oesterreich, bezw. in Westdeutschland vorziehen, sofern sie sich nicht ueberhaupt weigern werden, ein gutes Wort fuer ihren Komplizen einzulegen. Seife Gottesdienstkaiender . 3 Monatsspiegel . 5 Der Verteidiger Eichmanns .... . 7 Deutschland und der Eichmann Prozess 9 Hetzpropaganda Moskaus . 11 David Ben Gurion auf Reisen . 13 La Voz Infantil . 17 Die israelische Presse schreibt . 19 Israel-Umschau . 23