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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1961-01-01 · 1 (Enero, 1961) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIII (1961)
Issue
1 (Enero, 1961)
Date
1961-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Enero 1961 BOLETIN INFORMATIVO 5 QUOD LICET JOVI... An das kategorische Dementi “Falsch, von absoluter Falschheit’’ erinnerte die Antwort Ben Gurions in der Knesset auf die Interpellation ueber die in der Weltpresse verbreitete Nachricht, derzufolge Israel im Begriff sei, eine eigene Atombombe zu fabrizieren. Und zwar sagte er: “Die Nachricht ist falsch, mit Willen oder ohne Willen falsch aufgebracht”. “Es ist allgemein bekannt”, fuegte er hinzu, “dass wir mit Hilfe der nordamerikanischen Regierung in Nachal Rubin einen kleinen Kernreaktor von 1.000 Kilowatt Leistung gebaut haben. Die Entwicklung des Negew, die wir als unsere Hauptaufgabe in der naechsten Generation ansehen, erfordert ausgedehnteste wissenschaftliche Forschung und darum haben wir in Beer Schewa ein Institut der Erforschung unerschlossener Gebiete äufgebaut. Desgleichen sind wir im Begriff, jetzt einen Reaktor mit einer Kapazitaet von 24.000 Kilowatt fuer Forschungszwecke zu bauen, welcher der Industrie, Landwirtschaft, Medizin und Wissenschaft dienen wird und an dem israelische Wissenschaftler und Techniker fuer die Erstellung eines Atomenergie-W erks fuer innerhalb von 10 bis 15 Jahren ausgebildet werden. Der Forschung-Reaktor, den wir augenblicklich im Negew bauen, wird erst binnen 3 bis 4 Jahren fertig sein. Seine Konstruktion wird von israelischen Experten geleitet und es eruebrigt sich, zu unterstreichen, dass er ausschliesslich fuer friedliche Zwecke bestimmt ist und dass seine Benutzung auch Forschern anderer Laender offen stehen wird. Im uebrigen ist er jenem Reaktor aehnlich, den d i e kanadische Regierung geholfen hat, in Indien aufzustellen, wenn auch der unsere eine geringere Kapazitaet aufweist”. Die Erklaerung ist mehr als plausibel. So war sie auch dazu angetan, den Staub, den die Nachricht von der “israelischen Atombombe” aehnlich dem radioaktiven Pilz der wirklichen Atombomben aufgewirbelt hatte, zu verwehen. Am raschsten verfluechtigte sich dabei die Ueberraschung der restlichen Welt, die eigentlich garnicht so gross gewesen war, wie man haette annehmen duerfen. Ihre relative Gleichgueltigkeit laesst sich einerseits dadurch erklaeren, dass es in der Luft liegt, dass die'Atombombe im Laufe der Jahre mehr und mehr aufhoeren wird, Exklusivbesitz einiger Grossmaechte zu sein. Das gewaltsame Eindringen Frankreichs in den sogenannten “Atomklub” oder die Erfindung der “Degusa”-Zentrifuge sind nur zwei augenfaellige Symptome dieser unaufhaltsamen Entwicklung. Andererseits schliesst das geringe Erstaunen der Umwelt ein Kompliment fuer diesen kleinen, kaum mehr als zwei Millionen Einwohner zaehlenden Staat ein, beweist es doch, dass man ihn fuer faehig haelt, diese titanische Aufgabe der modernen Technik zu bewaeltigen. Einige andere Staubpartikel aber sollte man, bevor sie verweht werden, noch zur Analyse in ein Laboratorium fuer Kritik des Zeitgeschehens tragen. Dazu gehoert in erster Linie die Erklaerung des Praesidenten der Vereinigten Arabischen Republik, der auf die Moeglichkeit der Atombombe im Besitze Israels mit einer seiner ueblichen Kriegsdrohungen reagierte. Das waere an und fuer sich nicht der Rede wert, sowohl weil es nicht originell ist, wie auch weil es unglaubhaft klingt, dass ein solch todsicherer Trumpf in den Haenden des Gegners Nassers Interesse an einem dritten Waffengang erhoehen koennte. Was aber wohl bemerkenswert scheint, ist die Tatsache, dass diese Kriegsdrohung die erste oeffentliche Erklaerung des aegyptischen Diktators ist, seit sein Land, dem denkenden Teil der Menschheit zum Spott und Hohn, zum Mitglied des Sicherheitsrats der NU gewaehlt worden ist! Der Sicherheitsrat hat die Aufgabe, der Kriegsgefahr ueberall dort zu steuern, wo ein Mitgliedsstaat eine Bedrohung des Friedens denunziert. Zum Wesen seiner Existenz selbst gehoert es zu vermeiden, dass eine Nation die Administration der internationalen, aber darum nicht minder blinden, Justiz in die eigenen Haende nimmt. Um wieviel schwerer wiegt da die diesbezuegliche Verantwortung jener kleinen Auslese von Staaten, die dem Sicherheitsrat selbst angehoeren! Indem Nasser vom ersten Moment an seine Missachtung fuer die Spielregeln der NU zur Schau traegt, bestaetigt er nur von neuem, wie recht nicht nur Israel, sondern auch Jordan, Iran und alle jene hatten, die seine Berufung zum Hueter des Weltfriedens als eine groteske Verirrung brandmarkten. Nicht minder bemerkenswert ist die Haltung des State Department in der diplomatischen Explosion dieser nicht vorhandenen Atombombe. Sie pendelte von “groesster Besorgnis” beim Bekanntwerden dieser im uebrigen zugegebenerweise vom nordamerikanischen Spionagedienst gemachten Entdeckung bis zu einer hoffentlich ebenso grossen Erleichterung 'angesichts der beruhigenden Erklaerüngen des israelischen Regierungschefs. Die Erleichterung empfand man, wie man in Washington erklaerte, sowohl im Hinblick auf d i e beruhigende Wirkung, welche man von der Wahrung des militaerischen Gleichgewichts auf die arabischen Staaten erhoffte, wie auch im Zuge der von allen Grossmaechten akzeptierten Politik -darin sind sich USA und die UdSSR einig-, derzufolge es nicht wünschenswert ist, die Mitgliederzahl des Atomklubs anschwellen zu lassen. Natuerlich handelt es sich dabei nicht nur darum, dass die Grossmaechte sozusagen ihr atomisches Schaefchen schon ins Trockene gebracht haben. Es geht dabei um mehr, unter anderem um die atomare —oder die absolute— Abruestung. Und da muss man anerkennen, dass die jahrelangen Verhandlungen in Genf und New York zwar nicht sehr weit gefuehrt haben, aber doch immerhin zu einem voruebergehenden Abkommen, das die zeitweilige Unterbindung der Versuchs-Explosionen beinhaltet. Nun macht schon Praesident de Gaulle auf diesem Gebiet, wie auf vielen anderen, seine Extratouren und faehrt trotz des roten Lichts von Genf durch auf sein Versuchsfeld in der Sahara, um den Vorsprung der drei Grossen aufzuholen. Die Perspektive, dass nun nach und nach immer mehr Atom-Gladiatoren in die Arena springen, ist natuerlich alles andere als erheiternd. Sie ist nicht nur unerfreulich fuer die Grossmaechte, denen ein einstmals absolutes Geheimnis entgleitet. um sich in einen relativen Vorsprung von diskutiblem Wert zu verwandeln, sie ist es auch fuer die ganze um den Frieden zitternde Mensch heit. Wer wird nicht alles in der Lage sein, auf den bewussten Knopf zu druecken? Mao, der von der Notwendigkeit einer kriegerischen Auseinandersetzung ueberzeugt ist, Nasser, der Gangster des Kalten Krieges, Trujillo, Franco, Castro, Lumumba? Es ist wirklich garnicht auszudenken. Nur. dass vom “nicht ausdenken” die Entwicklung nicht aufgehalten wird. Die Mittel der modernen Kriegsfuehrung und Massenvernichtung werden in den Besitz der mittleren und auch der kleineren Staaten gelangen. Kruschev weiss das und Eisenhower und Ben Gurion und Nasser; alle wissen das. Auch van Delzen ist davon ueberzeugt. Van Delzen ist seines Zeichens Hellseher und residiert in der Residenzstadt den Haag. Wie sich das fuer einen verantwortungsbewussten Hellseher gehoert, hat van Delzen kurz vor Neujahr fuer das Jahr 1961 hellgesehen. Er hat dies sehr ausführlich getan und die Resultate waren eigentlich ziem lieh schwarzseherisch. Was aus seiner erdumspannenden Vision aber in diesem Zusammenhang interessiert, ist die Israel betreffende Prophezeiung, von Agence France Presse folgendermassen widergegeben: “Dieses Land wird wirtschaftlich und militaerisch sehr stark werden und wird bald Kernwaffen besitzen. “Wie man sieht, legt er sich zwar nicht genau in puncto Datum fest, aber es ist offensichtlich, dass er nicht glaubt, wenn dieser Ben Gurion ganz einfach erklaert, sein Land wolle die Atomenergie nur zu friedlichen Zwecken entwickeln. Nun ist es zwar nicht vornehm, einen Regierungschef der Unaufrichtigkeit zu bezichtigen, aber in diesem Falle kann man kaum van Delzen, sondern hoechstens seiner Glaskugel einen Vorwurf machen. Da die Unterstellung aber jetzt schon einmal zur Debatte steht, ist es wohl erlaubt, den Gedanken weiterzuspinnen: Gesetzt der Fall, es ist etwas an der Sache dran. Erstens einmal haette BG es auch dann abstreiten muessen, weil es ohne Zweifel ein militaerisches Geheimnis ist. Und zweitens haette er es abstreiten muessen, weil man sich bei einem Eingestaendnis einem unertraeglichen internationalen Druck ausgesetzt haette. Einem Druck von zwei Seiten, ausgeuebt von jenen, die die Atombombe schon haben —weil sie sie haben— und von jenen, die sie noch nicht haben... —weil sie sie nicht haben. Es wird nicht mitgeteilt, ob die Glaskugel des Herrn van Delzen nur zukuenftige Tatsachen aufzeigt oder auch deren Gruende. Sollte letzteres der Fall sein —bei Glaskugeln in der Aera der elektronischen Gehirne soll man wissen!, koennten sie sich etwa auf folgende Ueberlegungen stuetzen: Frueher oder spaeter werden mehr Laender Kernwaffen besitzen, als dies heute der Fall ist. Ein Land wie Israel, von zahlenmaessig ueberlegenen Todfeinden umringt, kann sich nicht den Luxus erlauben, in dieser Entwicklung zurueckzubleiben. Der Besitz qualitativ hochstehender Waffen, von denen man selbstver staendlich keinen Gebrauch zu machen hofft und am allerwenigsten zu Zwecken des Angriffs, stellt aber dem nicht nur potentiellen, sondern erklaerten Gegner gegenueber ein unentbehrliches Mittel der Abschreckung dar. Abschreckung. Bei diesem Stichwort angelangt, wird es ploetzlich klar, wie wenig originell der Gedankengang ist. Das ist doch das A und O der von Foster Dulles gepraegten und von Herter fortgefuehrten Aussenpolitik der USA! Wir sind ein friedfertiges Volk, aber wir brauchen A-Bomben (und H- Bomben), um den moeglichen Angreifer abzuschrecken. Man mag ueber diese Politik denken, wie man will, aber es hat sich bis heute noch keine bessere herausgestellt. Man stelle sich die Sowjet-Union im Besitz von Kernwaffen vor und die USA mit Kanonen aus dem Zweiten Weltkrieg. Oder Aegypten mit Atombomben und Israel mit Maschinengewehrpistolen. Die These des State Department ist schon richtig. Aber fuer USA. Und Grossbritannien. Und vielleicht morgen fuer Frankreich. Und eventuell uebermorgen fuer alle NATO-Staaten. Aber Israel? Da stellen die im allgemeinen gut unterrichteten Kreise sofort groesste Besorgnis fest. Warum? Es gibt nicht sehr viel Erklaerungen fuer diesen Widerspruch. Eine lautet: Quod licet jovi, non licet bovi. Die andere muss man in der schier ruehrend anmutenden Fuersorge der Regierung Eisenhower fuer die arabischen Belange suchen. Wenn dieses Regime in einer Sache konsequent war, so in dieser: mi,t Khruschev um die Gunst der Araber zu buhlen. Und dieses eine Mal uebertrumpfte sogar Washington Moskau —dass Nasser sich nicht dafuer bedankt hat, ist eben Kuenstlerpech—: Der .amerikanische Spionagedienst entdeckte die israelische Bombe und haengte die Sache an die grosse Glocke, wie wenn es die selbstverstaendlichste Sache der Welt sei, dass ein solcher Rapport mit Pauken und Trompeten veroeffentlicht wird. Und das State Department wartete nicht etwa den Moment ab, etwaige Besorgnis der, ach so bedrohten, Araber verstaendnisvoll zu teilen, nein: man kam ihnen zuvor und redete ihnen diese Besorgnis ueberhaupt erst ein. Das strategische Gleichgewicht koennte in Unordnung geraten. Bekanntlich wird das strategische Gleichgewicht seit Jahr und Tag dadurch gepflegt, dass der Sowjetblock Waffen in rauhen Mengen an die VAR liefert und die USA in der Praxis ein Embargo gegen Israel aufrechterhaelt. Zur allgemeinen Erleichterung sagte BG jedoch: “Die Nachricht ist falsch”. Der “Alte” ist eben nicht so leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. ATSCHEKA

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