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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1960-12-01 · 12 (Diciembre, 1960) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXII (1960)
Issue
12 (Diciembre, 1960)
Date
1960-12-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Diciembre I960 BOLETIN INFORMATIVO 7 'HCHOU4AS BtoTÂMCâ GUATEMALA 9»f El SALVA 00A Krisis im Karibischen Meer “Ihr habt es gut, denn ihr seid weit vom Schuss!”. Die Formulierung mochte naiv sein, aber wer aus Europa in den fuenf ziger Jahren zu Besuch nach Chile kam, brachte sie in der einen oder anderen Form zum Ausdruck. Wir fragten uns manchmal, ob es in der Aera der ferngelenkten Kernwaffen ueberhaupt noch Laender geben kann, die “weit vom Schuss” liegen. Wir versuchten zu ergruenden, inwieweit die Kriegspsychose berechtigt war und entdeckten sehr oft dass die Angst vor dem Dritten Weltkrieg sich nicht immer nur von w i r k 1 ichen Konfliktstoffen naehrte —wenn es auch daran wahrhaftig nicht mangelte—, sondern sehr oft vom Erlebnis des Zweiten Krieges, Vom Anblick der Schlagbaeume, des Stacheldrahts oder selbst von fast belanglosen, aber emotionell geladenen, persoenlichen Eindruecken. Das hat sich geaendert. Die Angst vor dem Kriege ueberschattet nicht mehr das Denken des Europaeers. Wenn man bedenkt, dass in diesem Jahre der U-2 Zwischenfall vorkam, d i e Gipfelkonferenz: in Paris scheiterte und die Vereinten Nationen eine, gelinde gesagt, turbulente Sitzungsperiode durchfuehren, so findet man die Vermutung, dass die tatsaechlichen Gefahren garnicht so entscheidend fuer die Gefuehle von Angst oder Sicherheit sind, nur erwiesen. Psychologen werden das bestaetigen. Die einen werden, e m p o r g e tragen von den hochwallenden Wogen des Wirtschaftswunders, die Perspektive fuer den Abgrund verloren haben. Andere moegen die Augen verschliessen. Oder sie glauben nicht mehr an den Wolf, gegen den jahraus jahrein Alarm geblasen worden ist. Vielleicht belegen sogar ausserdem die Tatsachen diesen Stimmungswechsel insofern, als sich allmaehlich die Ueberzeugung durchsetzt, dass ein Kernwaffenkrieg wirklich unmoeglich ist. Kruschews Draengen auf “friedliche Koexistenz” kann darauf hindeuten, dass selbst die Staatsmaenner das langsam begreifen. Wie dem auch sei, seit sie mit Comet IV, Caravelle oder Boeing 707 in der Haelfte Zeit ankommen, sagen die Besucher nicht mehr: “Ihr habt es gut”. Un darin haben sie nicht so unrecht DIE LETZTEN EREIGNISSE Im Karibischen Meer haben nur auf dramatische Weise deutlich gemacht, dass es in Latein-Amerika bebt. Noch mag es so aussehen, als wuerde nur der Boden unter den Fuessen unpopulaerer Regierungen wackeln, aber diesmal handelt es sich um mehr. Um mehr auch als um Risse in der politischen Oberflaeche. Selbst die gremialen Vulkane, die hier und dort ausbrechen, um anscheinend wieder zu erkalten, deuten nur auf einen kochenden und brodelnden Umbruch im tiefsten Wirtschaft! ichen und sozialstrukturellen Erdinnern hin. Das Epizentrum dieses Bebens: die Sierra Maestra, Kuba. Um dies zu verstehen, bedurfte es nicht der Anklage der Paesidenten Ydigoras von Guatemala und Somoza von Nicaragua. Fidel Castro leugnet es gar nicht, stammt doch von ihm oder einem seiner engsten Gefolgsleute das Wort, dass die Anden die Sierra Maestra Südamerikas seien. Die Gegenmassnahmen aber, das heisst die Entsendung amerikanischer Kriegsschiffe in die karibischen Gewaesser durch den Praesidenten Eisenhower scheint darauf hinzudeuten, dass man das Ausmass und vor allem, den wahren Charakter dieser Krise nicht richtig verstanden hat. Sehen wir einmal davon ab, dass die an diesem Mannoever beteiligten Regierungen von USA, Guatemala und Nicaragua vertraglich verpflichtet waren, die Angelegenheit der Organisation der Amerikanischen Staaten vorzutragen. Vergessen wir, dass es so etwas wie die Vereinigten Nationen gibt, deren Schlichtungsinstanzen von Eisenhower hoch in Ehren gehalten werden, wenn nicht gerade die Interessen der USA auf dem Spiele stehen. Uebersehen wir, dass die durch NATO den Vertrag von Rio de Janeiro, und andere regionale Buendnisse alliierte Maechte ein Recht darauf hatten, vorher informiert zu werden. Und machen wir schliesslich kein Aufhebens davon, dass Lateinamerika allergisch auf diese an den “big stick” erinnernden Kraeftedemonstrationen reagiert. Dann bleiben immerhin, nach diesen wohl nicht ganz unerheblichen gedanklichen Konzessionen, noch zwei Moeglichkeiten offen. Die zweite ist folgende: die Flotte der Vereinigten Staaten soll garnicht den Praesidenten von Guatemala und den Marionetten-Diktator von Nacaragua schuetzen, sondern einen casus belli mit Kuba provozieren. Die Alternative ist zwar nicht ganz von der Hand zu weisen, erscheint aber zumindest haarstraeubend riskant. Bleibt noch als naechstliegende, die erste Moeglichkeit und das ist folgende: Eisenhower, oder besser gesagt Herter, denn Eisenhower spielte waehrend der Krise Golf in Augusta und Nixon sonnte sich auf Nassau, Herter also glaubt allen Ernstes, die Marine der USA koenne in diesem Konflikt eine entscheidende Rolle spielen. Nur ein solcher Irrtum koennte seine Handlung entschuldigen. Aber der Irrtum, fuer den gibt es keine Entschuldigung. Denn wer sich etwa einbildet, Castro wollte seine Revolution mittels eines Expeditionsheeres exportieren auf Schiffen, die sich im Golf von Honduras zum Gefecht stellen, der glaubt an Gespenster. Die Gefahr die in Amerika demokratische Praesidenten oder despotische Machthaber zugleich bedroht, kommt nicht von der See. Sie naehrt sich von innen, von der feudalen Landwirtschaft, vom Analphabetismus, von dem Elend der “Callampa”- Vorstaedte, von der Stagnation der Wirtschaft. Sie naehrt sich von der Unterer - naehrung. Das moegliche Heer von Castro sind die mehr als hundert Millionen Lateinamerikaner, die sich allabendlich hungrig schlafen legen. Keinesfalls ist es logisch, die Flotte gegen sie einzusetzen. In Salvador wurde vor wenigen Wochen der Praesident Lemus fruehmorgens aus dem Bett geholt und in ein Flugzeug verfrachtet. Die Junta, welche die Macht uebernommen hat, ist bisher von dem Rest der Staaten Amerikas nicht anerkannt worden. Warum? Man fuerchtet, dass sie fuer Castro Sympathieen uebrig hat, oder sogar etwas mehr als dies. So einfach kann ein Umschwung vor sich gehen. Das potentielle Heer der Hungrigen musste noch nicht einmal marschieren. In Venezuela scheidet eine Partei, die immer rechts von der Acción Democrática des Praesidenten Betancourt gestanden hat, aus der Regierung aus. Kaum in der Opposition, schlaegt ihr Fuehrer Toene an, wie sie bisher nur in La Habana erklungen sind. In Ecuador hat sich der wandlungsfaehige Praesident Velaco Ibarra einen Innenminister herangeholt, dessen bisherige Laufbahn zumindest nicht der eines erprobten Demokraten entspricht Brasilien hat mit gewaltiger Mehrheit einen neuen Praesidenten gewaehlt, der in puncto Prinzipien ein unbeschriebenes Blatt ist. Paz Estenssoro ist in Bolivien zum zweiten Male Praesident. Waehrend seiner ersten Praesidentschaft gab er den des Lesens und Schreibens nicht m a e c h t igen Eingeborenen Waffen in die Hand und bildete eine Volksmiliz zu einer Zeit, da Castros Heldenbrust noch kein Bart zierte. Soll man die Beispiele fortfuehren? An Stoff fehlt es nicht. CHILE, EINE DEMOKRA TISCHE OASE Auf der anderen Seite gibt es Immer noch eine ganze Reihe Staaten, die wie ehedem unter dem Stiefel eines Despoten schmachten: Paraguay mit Stroessner. Trujilloland mit Trujillo in seiner Hauptstadt Trujillostadt. Nicaragua mit Somoza junior. Am Schulbeispiel Batista sah man, dass auf einem solchen tropischen Naehrboden der Unterdrückung, der Korruption und des Hasses die Baerte Castros besonders ueppig wachsen. Inmitten dieser dramatischen und konfliktgeladenen Alternative zwischen Diktatur und Diktatur ist Chile eine der wenigen demokratischen Oasen. Die Erdbeben, die das Land heimsuchen, waren bisher nur tektonischer Natur. Die politische Oberflaeche dagegen, von gelegentlichen Erschuetterungen abgesehen, macht den ruhigen und geordneten Eindruck eines wohlbegruendeten Rechts Staates, mit einer seit langem eingespielten Teilung der Gewalten, einem der Politik fernstehenden Heer und einer soliden demokratischen freiheitlichen Tradition. Ein liberaler aufgeklaerter und aussergewoehnlich faehiger Praesident steht einer ernsten Regierung vor und die Presse unterstuetzt oder attackiert seine Massnahmen in Ausuebung der von der Verfassung garantierten Meinungsfreiheit. Ein Idyll? Ja und nein. Aus der Naehe gesehen, entspricht diese nur mit dem Begriff “West-europa” zu definierende Situation keineswegs einer adaequaten Infra Struktur. Das Einkommen per capita in Chile gehoert zwar nicht zu den niedrigsten in Lateinamerika, waere aber mit US$ 180 im Jahr selbst dann entsetzlich niedrig, wenn die Verteilung gerecht waere. Und man braucht kein Parteigaenger Castros zu sein, um sich zu der Wahrheit zu bekennen, dass dem nicht so ist. In seinem ausserordentlich aufschlussreichen Exposé vor dem Parlament definierte Finanzminister Eduardo Figueroa das Dilemma: “Wir muessen das grundlegende (Karte: "El Mercurio") Problem der Neuverteilung des Nationaleinkommens zugunsten der minderbeguenstigten Klassen in Angriff nehmen. Ohne dies entschlossen und gerecht zu tun, koennte man nur schwerlich den sozialen Frieden festigen, den alle Chilenen ersehnen”. Die Moeglichkeit dieser Neuverteilung haengt von dem Maasse ab, in welchem durch Mobilmachung aller zur Verfuegung stehenden inneren und aeusseren Hilfsquellen die Produktion angekurbelt werden kann. Bisher waechst Chile zu langsam. Einem Geburtenueberschuss von 200.000 Menschen pro Jahr, das heisst 3% der Bevoelkerung, steht eine Wachstumsrate des Nationaleinkommens gegenueber, das die offizielle Statistik ebenfalls mit 3% veranschlagt. Nur wenn es gelingt, diese Parltaet. zu brechen, kann an Stelle der Stagnierung von Fortschritt die Rede sein. Das Ziel ist, auf 5,5% jaehrlich zu kommen. Dabei gilt es noch auserdem, den schweren Schlag zu ueberwinden, den die Naturkatastrophe vom Mai dieses Jahres in den Solarplexus der Forst- und Agrarproduktion des Landes versetzt hat. Finazminister Figueroa sagt: “Chile sieht sich einer Herausforderung gegenueber. Entweder waechst es rascher, indem es neue Quellen produktiver Arbeit eroeffnet oder es steigt auf die letzten Stufen der Unterentwicklung hinab”. Hinzuzufuegen, dass es auf Äen letzten Stufen der Unterentwicklung keinen Rechtsstaat, keine Teilung der Gewalten, keine Freiheit, kein rein profesionelles Heer und keine Demokratie geben kann, Ist nicht Sache des Finanzministers. Aber jedermann weiss, dass es in einem solchen Stadium ist, in dem ein Batista handeln kann. Oder ein Castro. ATSCHEKA

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