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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1960-12-01 · 12 (Diciembre, 1960) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXII (1960)
Issue
12 (Diciembre, 1960)
Date
1960-12-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Diciembre 1960 BOLETIN INFORMATIVO 5 JUDÂ MÂKKABI (ZU CHANUKKA 5721) Von Curt Wilk Die Geschichte des juedischen Volkes ist vorwiegend eine Geschichte geistiger und religioeser Kaempfe und deshalb nicht ueberreich an Kriegshelden und Feldherren ganz grossen Formates. Die Helden des Judentums sind meist Lehrer und Propheten, Weise und Gesetzgeber. Umso leuchtender steht die fast einzigartige Gestalt Juda Makkabis dar, des Mannes, der den Syrerkoenig Antiochus Epiphanes besiegt und das juedische Volk von dem schweren Drucke der Fremdherrschaft im zweiten Jahrhundert vor der neuen Aerea befreit hatte. Es ist nicht noetig, wenn man Juda Makkabi charakterisieren will, die einzelnen Schlachten und Siege aufzuzaehlen, weil sie nicht das Wesentliche dessen sind, was von seiner Persoenlichkeit und seinem Wirken im Volksbewusstsein haften blieb. Wesentlicher und charakteristischer ist vielmehr der Sinn seiner Heldentaten, ihre innere Begruendung. Nur, weil es nicht anders ging, nur weil die bittere Notwendigkeit das Gesetz des Handelns ihm aufzwang, war er Feldherr und Schlachtenlenker geworden. Als Sohn des Hohepriesters Mathitjahu fuehlte er sich vor allem als geistiger und religioeser Volksfuehrer. Dies kommt am deutlichsten dadurch zum Ausdruck, dass das zentrale Ereignis, das von der Epoche der Makkabaeersiege im Bewusstsein der Juden zu unvergaenglicher E r i n n e rung festgehalten wurde, letzten Endes nicht die militaerischen Erfolge waren, sondern die religioese Kroenung der Siege durch das Wunder des Oellaempchens bei der Wiedereinweihung des Tempels nach der Befreiung des Landes. Und hierin liegt die symbolhafte Gjoesse und Bedeutung der Figur Juda Makka¬ bis, dass er beide Elemente in sich vereinigte, dass er Krieger sein konnte, aber aus religiocsen, geistigen Motiven, dass er Schlachten schlagen konnte, jedoch zum Ruhme Gottes und der juedischen Kultur. Diese Synthese in ihm ist urjuedisch, spezifisch - juedisch. Die Essenz des Judentums liegt in der Zusammenfassung von Lehre, Geist, Kultur, doch mit bewusster Einstellung auf das Diesseitige, mit dem Willen zur Realisierung der juedischen Ideale auf dieser Erde, Bin Mann wann «r sein* LUFTHANSA mit allen Mitteln der historischen Entwicklung, mit den Mitteln der Politik. Dies war das Geheimnis der unvergeslichen Figur Juda Makkabis und seiner faszinierenden Wirkung auf das Gedaechtnis seines juedischen Volkes; nicht, dass er Krieger und Feldherr war, macht ihn unsterblich, »sondern, dass er dies im Dienste der juedischen Ilee war, macht ihn zum Repraesentanten und Vorbild juedischer Wesensart. Die besten Kraefte im Staate Israel sind diejenigen, die, gleich Juda Makkabi auf dem Boden der Wirklichkeit stehend, nach den hoechsten Zielen streben, die nationale juedische Kultur in den Mittelpunkt der praktischen Aufbauarbeit stellen, ueber den Realitaeten des Lebens nicht die erhabenen Gedanken des Judentums und ueber den grossen Ideen von juedischer Religiositaet nicht das Diesseits vergessen mit den Pflichten des Alltages, der harten Arbeit im Dienste des Volkes und des Landes. |Eine neue juedische Jugend, auch ausserhalb des juedischen Landes, begreift besser als vielleicht in frueheren Generationen, was der letzte und tiefste Sinn der Kaempfe ist, die einst Juda Makkabi fuer seine Nation und zur Ehre Gottes durchfuehren musste, naemlich Volk und Land dem Ideal naeherzubringen, das zu allen Zeiten lautete: Der gerechte und soziale juedische Staat und das Gerechtigkeit uebende und suchende juedische Volk. Die Vernichtung des Warschauer Ghettos Zur Veroeffenilichung des Siroop-Berichis Nach der Liquidierung des Warschauer Ghettos im Frühling 1943 stellte der SS- Generai Jürgen Stroop einen dokumentarischen B e r i c ht über seine Vernichtungsaktion zusammen. Eines der drei Originalexemplare wurde Himmler überreicht; eines behielt der direkte Vorgesetzte Stroops, der SS-Ober - gruppenführer und General der Polizei Krüger in Krakau; das dritte Exemplar blieb im Besitz von Stroop. In gotischer Zierschrift steht auf dem Titelblatt: “Es gibt keinen jüdischen Wohnbezirk in Warschau mehr”. Dann folgt eine Liste der Gefallenen und Verwundeten auf deutscher Seite, eine Liste aller eingesetzten Einheiten, ein Gesamtbericht Stroops und Abschriften der Meldungen, die Stroop jeden Tag per Fernschreiber an Krüger nach Krakau übermittelte. Den Beschluss bilden 54 Photographien, sorgfaeltig versehen mit Legenden in Sütterlin-tSchrift. Da heisst es zum Beispiel: “Mit Gewalt aus Bunkern hervorgeholt”, “Abschaum der Menschheit”, “Im Kampfe vernichtete Banditen”, “Abtransport von Juden”, “Die Banditen entziehen sich der Festnahme durch Absprung”,. “So sieht es im ehern, jüdischen Wohnbezirk nach der Vernichtung aus”. Stroop wurde 1947 von einem amerikanischen Gericht ln Dachau wegen Geiselerschiessungen in Griechenland zum Tode verurteilt, dann aber an Polen ausgeliefert. Als Kriegsverbrecher wurde er am 8. September 1951 in Warschau hingerichte. Sein in Leder gebundener Bericht lag in den Nürnberger Prozessen, aber auch in den polnischen Verfahren gegen Stroop auf. In diesen Wochen hat nun der Luchterhand-Verlag eine Faksimile-Ausgabe des einmaligen Dok uments herausgegeben, versehen mit einer Einleitung des Polen Andrzej Wirth*. Er beschraenkt sich auf knappste Angaben und unterlaesst es in seiner Zurückhaltung auch, Stroops Aktion als dunklen Schlusspunkt der Geschichte des Warschauer Ghettos zu bezeichnen. Das Ghetto in Warschau wurde im Oktober und November 1940 errichtet, zuerst getarnt als Quarantaene. Im Sommer 1941 war die Ziegelmauer um den Bezirk fertig gebaut. Rund 400.000 Juden draengten sich in dem Quartier, in dem früher nur 160.000 Menschen gelebt hatten. Neu eingelieferte Juden aus dem Generalgouvernement schleppten Seuchen ein. Mit der systematischen Abschnürung und Aushungerung wuchs die Sterblichkeit. Der Dokumentarfilm “Mein Kampf” enthaelt Aufnahmen aus deutschen Archiven über das grauenvolle V e r loeschen menschlichen Lebens im Ghetto, wo trotz allem Elend der Alltag mit Arbeit und selbst mit Vergnügen weiterging. Am 22. Juli 1942 begann die “Umsiedlung” der Warschauer Juden, das heisst die Liquidierung in Konzentrationslagern wie Treblinka. Bis zum 3. Oktober 1942 waren 310.000 Bewohner aus dem Ghetto wegtransportiert worden. Am 18. Januar 1943 kam es zum ersten Widerstand gegen den Abtransport — die Juden wussten, wohin die Eisenbahnwagen führten. Deportierte zogen unerwartet die Waffen, schossen auf die SS und die Miliz und tauchten wieder im Ghetto unter Die Transporte hoerten auf: aber im Februar gab Himmler den Befehl zur Zerstoerung des Ghettos. Am 17. April traf Stroop in Warschau ein, und zwei Tage spaeter begann das blutige Zerstoerungswerk, dessen Ausgang zum vornherein feststand, in dem aber die Juden, unterstützt von polnisehen Widerstandskaempfern, voll Todesverachtung und letzter Entschlossenheit den denkwürdigen Kampf gegen ihre Henker führten. Einen knappen Monat spaeter, am 16. Mai, meldete Stroop im Tagesbericht an Krüger: “Es wurden 180 Juden, Banditen und Untermenschen vernichtet. Das ehemalige jüdische Wohnviertel in Warschau besteht nicht mehr. Mit der Sprengung der Warschauer Synagoge wurde die Grossaktion um 20 Uhr 15 beendet... Gesamtzahl der erfassten und nach weislich vernichteten Juden betraegt insgesamt 56.065. Keine eigenen Verluste”. Die stereotypen Meldungen über den Ablauf der “Ghettoaktion” geben in ihrer Monotonie erst die aus Zerstoerungswut, Rassendünkel und sturer Disziplin gemischte Haltung dieser Kriegsverbrecher wieder. “Wiederum wurde eine grosse Anzahl an Banditen und Untermenschen mit erfasst” — das sind polnische Patrioten und Juden, die man zuvor schon ins tiefste Elend gestossen hat. Beflissen heisst es am 8. Mai: “Nach gemachten Aussagen sollen sieh noch etwa 3.000 bis 4.00© Juden in den unterirdischen Loeetoerm,, Kanaelen und Bunkern aufhalten. Der Unterzeichnete' ist entschlossen, die Ctrossaktion nicht eher zu beenden, bis auch der letzte Jude vernichtet ist”. Die Vernichtung durch Feuer wird der Sprengung mit viel Munition vorgezogen: “Die einzige und beste Methode zur Vernichtung der Juden ist daher immer noch die Anlegung von Braenden”. Die Juden und Polen werden durch die Hitze von Stock zu Stock und schliesslich auf die Baikone getrieben, von denen sie sich in die Strassen stürzen. Die Photos geben darüber Aufschluss. Dokumente aus den dunkelsten Tagen des Dritten Reichs sind im Kampf gegen die Vergesslichkeit wirkungsvoller als die meisten schriftstellerischen Versuche, in denen Vergangenes geklaert und bewaeltigt wird. Der Stroop-Bericht, gebunden in schwarzes, genarbtes Leder, die Blaetter mit Büttenrand und die kalligraphische Sorgfalt von Titel und Bildlegenden zeigen erschreckend deutlich, wie benachbart Biederkeit und systematisches Verbrechertum hier sind. Die Sütterlin-Schrift unter den Photos und die von Tag zu Tag wachsende Zahl vernichteter Juden weisen auf einen Zwiespalt im Bild unserer Zeit hin, der in diesem Dokument die Dimensionen eines Albdrucks hat. (“Neue Zuercher Zeitung”) HÂNS Einziges Speziaigeschaeft für Autoradios und Autoantennen REPARATUREN AV. ANTONIO VARAS 2597 — TELEFON 4175* GOSSELS

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