Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXII (1960)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1960)
- Date
- 1960-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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'6.C. I. B'NE JI9RO«. AV. PORTUGAL 610. CASILLA 2487. 6ANTTAGO-CHIL* BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT 1 S O C I EP A D C U LTUR AL TSR A E LI TA •’ B * NE JISROEL" | ANO XXII — N? 12 SANTIAGO DE CHILE DICIEMBRE 1960 Die dritte Tagung der "Centra" in Montevideo Von RABBINER E. I. LOEWENSTEIN Den Lesern unseres Boletín Informativo ist bekannt, dass urspruenglich vorgesehen war, die Tagung der Centra —der Dachorganisation der Gemeinden und Institutionen zentraleuropaeischen Ursprungs auf diesem Kontinent— in Santiago abzuhalten. Zu unserem lebhaften Bedauern musste fuer dieses Jahr der Tagungsort wegen der Erdbebenkatastrophe nach Montevideo verlegt werden. Als Vertreter unserer Gemeinde nahmen die Herren Dr. Hans Reich, Rabbiner E. I. Loewenstein und Tomás 'Reichmann teil.j Es darf schon jetzt gesagt werden, dass die Leitung der Centra unter der bewaehrten Praesidentschaft von Herrn Rudolf Hirschfeld und der Tatkraft des Herrn Hans Leschnitzer es verstanden hat, diese Tagung organisatorisch und inhaltlich zu einem vollen Erfolg werden zu lassen. Die Delegierten der Gemeinden von Brasilien, Argentinien, Uruguay, Peru und Chile wurden von unseren Montevideoer Freunden mit jener Waerme und Freundschaft empfangen, die wir schon seit langem zu schaetzen die Gelegenheit haben. Dienstag, den 18. November. Die Tagung wurde durch eine Besprechung der aus Brasilien, Argentinien und Chile anwesenden Rabbiner eroeffnet. In ihr wurden zunaechst die Zwecke und Ziele der Arbeitsgemeinschaft lateinamerikanischer Rabbiner festgelegt und die Leitung fuer die kommenden zwei Jahre den Herren Rabbiner Dr. Fritz Winter und dem Unterzeichneten uebertragen. Nach Festlegung eines Arbeitsprogramms, das insbesondere die Interessen der Kleingemeinden beruecksichtigt und Publikationen auf den Gebieten der Synagoge, Schule, Jugend und Erwachsenenbildung und Seelsorge vorsieht, kamen wir zum wichtigsten Punkt dieser Zusammenkunft. Der Oberrabbiner der Congregación Israelita de la República Argentina, Dr. Guillermo Schlesinger, legte ein Projekt vor, das die Schaffung einrs Rabbinerseminars in Buenos Aires zum Ziele hat. Zunaechst wird wegen der bestehenden Schwierigkeiten -<\ur an die Schaffung eines £<S»ßabbiner - Seminars ge- •Z®rrvuie abschliessenden Tmessten an einem minare ln D. s. - ’ .1. vorgenommen wer-*“- in ““ sem Zusammenh.hS weist Rabbiner Dr. E&blC11}®61a]*^ den grossen Man®-* an ■KaD“ binern auf diese1 K°ntmeiJt in und gibt d£ei fügende interessante Ziffern: Argentinien hat bei einer juedischen Bevoelkerung von etwa 350.000 Seelen nur 14 Rabbiner. Grosse Gehieinden mit 3.000 Seelen haben weder Rabbiner noch Kantor. Brasilien hat bei 160.000 Juden nur 12 Rabbiner. Chile mit etwa 40.000 Mitgliedern nur 5 Rabbiner. In der sich ergebenden Debatte stand die ueberwiegende Mehrheit der Anwesenden auf dem Standpunkt, dass ein auf akademischer Grundlage aufgebautes Rabbinerseminar eine Lebensnotwendigkeit fuer die Zukunft des lateinamerikanischen Judentums ist. Wir gaben aber unserer Meinung Ausdruck, dass Mittel und Wege gesucht und gefunden werden muessen, um den Kandidaten zu ermoeglichen, ihre Studien an Ort und Stelle— d. h. in Buenos Aires— zu beginnen und zu vollenden, da immer die Gefahi besteht, dass bei einem Studium ausserhalb Lateinamerikas die Kandidaten aus mannigfachen Gru enden nicht wieder in unsere Laender zurueckkehren. Diese Rabbiner-Arbeitsgemeinschaft diente nicht nur dazu, um gemeinsame Probleme zu klaeren und ein Arbeitsprogramm fuer die naechsten zwei Jahre vorzubereiten, sondern sie vertiefte auch den warmen menschlichen Kontakt, der sich seit Bestehen der Centra unter den Kollegen dieses Kontinents entwickelt hat. Eroeffnungsfeier am Abend des 1 8. Oktobers. In der stark gefuellten schoenen Synagoge unserer Schwestergemeinde in Montevideo wurde der Kongress eroeffnet. Nach einem Vorspiel und Gesang nahm als Leiter des Aktes und Vor bereiter der Tagung, Herr Hans Leschnitzer das Wort, um den anwesenden Botschafter Israels Herrn Isaac Harkawi und den Botschaftsrat Sarlouis sowie die Delegierten und Gaeste zu begruessen. Nach Worten des Rueckblicks auf die Geschichte der Centra durch den Praesidenten der Gemeinde Dr. Fedor Hirschlaff, sprach Botschafter Harkawi. Er beschaeftigte sich mit dem Wirken der deutschsprachigen Juden hier auf diesem Kontinent und ihrem Verhaeltnis zu Israel. “Bei aller Anerkennung der Unterschiede. die in dieser Generation unter den verschiedenen juedischen Gruppen noch deutlich sind, muss der Weg zur juedischen Einheit gefunden werden. Vor allem ist die Verbindung mit dem Staat Israels lebensnotwendig”. Im Namen der anwesenden Rabbiner begruesste Oberrabbiner Dr. Guillermo Schlesinger die Anwesenden und brachte auch im Aufträge seiner Gemeinde, der Congregación Israelita de la República Argentina, die besten Wuensche fuer den Erfolg des Kongresses zum Ausdruck, der das juedische Gewissen und juedische Bewusstsein staerken moege. Der Gemeinderabbiner Dr. Fritz Winter uebermittelte die Gruesse der Gemeinde Montevideo, des juedischen Weltkongresses sowie auch seiner frueheren Gemeinde Cochabamba. Die Centra ist auf diesem Kontinent der erste Gemeindeverband, aber wir hoffen, dass sich in der Zukunft alle Gemeinden des Kontinents zusammenfinden. Namens der Delegierten sprach Dr. Hans Feuereisen, Sao Paulo, und dankte dem Praesidium der Centra sowie der Nueva Congregación Israelita de Montevideo. “Unsere Aufgabe ist es, die juedische Zukunft zu sichern. Die Juden haben in Lateinamerika ueberall festen Fuss gefasst und die Medinat Israel ist ein maechtiger Faktor. Es gilt unser Erbe in die Haende derer zu geben, die es bewahren sollen: in die Haende unserer Jugend”. Den offiziellen Festvortrag hielt nunmehr Oberrabbiner Pinkus, der das Thema “Gemeinden und Jugendarbeit” behandelte. In drei Kapiteln; Haus und Familie, Gemeinschaft, und juedische Sinngebung, analysierte der Redner interessant und fesselnd die Probleme der juedischen Gegenwart. Abschliessend ergriff der Praesident der Centra, Herr Rudolf Hirschfeld das Wort. Zunaechst sprach er der S. C. I. “B’ne Jisroel” die Anerkennung dafuer aus, dass sie trotz der Erdbebenkatastrophe an dem ursprünglichen Plan diese Tagung in Santiago de Chile durchzufuehren, festgehalten habe. Aber das Sekretariat der Centra habe es fuer richtig gehalten, in diesen schweren Tagen fuer die juedische Gemeinschaft in Chile ihr die Arbeit abzunehmen. Die Tagung wolle die Fragen der gemeinsamen Arbeit fuer die Jugend, fuer unsere Zukunft, unser kulturelles Niveau und anderes mehr behandeln. Die Centra habe keine Doktrin, sondern nur das Gefuehl der Verbundenheit mit dem juedischen Volk und mit Israel. “Unsere Pflicht ist der Aufbau einer starken Diaspora auf der Basis des alten deutschen Judentums, Aber wir haben eine Arbeit zu leisten, die in ein neues lateinamerikanisches Judentum muendet”. Mit dieser erhebenden Feier nahm der dritte Kongress der Centra seinen Anfang. Mittwoch, den 19. Oktober Nach Beginn um 9,30 Uhr gab der Praesident der Centra, Herr Hirschfeld, seinen Arbeitsbericht ueber die vergangene Periode von zwei Jahren. Aus diesem sollen nur die wesentlichsten Tatsachen hervorgehoben werden. Die Centra wurde in die “Federation of Jews from Centraleurope” als Mitglied aufgenommen und hat daher bei der Verteilung von Wiedergutmachungsgeldern einen Betrag erhalten. Weiterhin hat sich die Leitung in den vergangenen zwei Jahren vor allem vier Gebieten gewidmet. 1). Der Jugendarbeit. Dabei wurden vor allem die beiden internationalen Jugendtreffen in Piriäpolis (Uruguay) und Campo de Jordao (Brasilien) durchgefuehrt. 2). Der Finanzierung bezw. Unterstuetzung von Gemeinden. 3). Dem zu schaffenden Rabbinerseminar in Buenos Aires. 4). An der Loesung von in Buenos Aires unter Gemeinden aufgetretenen Problemen mitgewirkt. Mit dem Geld, das uns in Aussicht gestellt worden ist, sollen Jugendlager, die Kulturarbeit, die Kleingemeinden unterstuetzt werden, soWie ein Jugendfuehrer fuer die nichtchaluzische Jugend in unseren Gemeinden mitfinanziert werden. Dann sind auch Kulturwochen in Aussicht genommen, in denen hervorragende Persoenlichkeiten des juedischen Lebens in den der Centra angeschlossenen Gemeinden sprechen sollen. Nach diesen nur die wesentlichsten Punkte wiedergebenden Ausfuehrungen schloss Herr Hirschfeld seinen mit grossem Beifall von allen Anwesenden aufgenommenen Bericht in der Hoffnung, dass es uns gelingen moege, unsere Gemeinden, die Religionsgemeinden sind und bleiben sollen, zu einem dynamischen und integralen Bestandteil des lateinamerikanischen Judentums werden zu lassen. In der Generaldebatte, die straff und geschickt von dem Delegierten unserer Gemeinde, Dr. Hans Reich geleitet wurde, kam die allgemeine Anerkennung fuer die von Herrn Dr. Rudolf Hirschfeld und seiner Exekutive geleistete Arbeit zum Ausdruck. In der Debatte selbst wurden vor allem Schwierigkeiten unserer Gemeinden und Institutionen in Buenos Aires behandelt. In einer der Resolutionen fand der Verlauf dieser Debatte seinen Niederschlag, indem die Pflicht eines jeden Juden, einer Gemeinde anzugehoeren, als fuer die Zugehoerigkeit zum Judentum unerlaesslich betrachtet wurde. An diesem Nachmittag fand auch die Jugendtagung des “Frente Juvenil Judío Sud Americano” statt, an der neben unserem Delegierten Temas Reichmann auch der Unterzeichnete teilnahm. Ais wesentliches Ergebnis darf hervorgehoben werden, dass auch in den Sommerferien 1961 ein Jugendlager stattfinden wird, fuer das diesmal Mar del Plata (Argentinien) vorgesehen ist und an dem etwa 60 Jugendliche aus den der Centra angeschlossenen Gemeinden und Jugendorganisationen teilnehmen sollen. Dieser Tag wurde mit einem Besuch des Jugendheims der Agrupación Juvenil der Gemeinde Montevideo fortgesetzt und fand seinen schoenen Abschluss durch einen Empfang im Hause des Vorstandsmitgliedes unserer Schwestergemeinde in Montevideo, Fritz Schwedt und seiner Gattin, der alle Teilnehmer am Kongress in freundschaftlicher Unterhaltung zusammenfuehrte. Donnerstag, den 20. Oktober Am Vormittag hoerten wir zwei hochinteressante Referate die, von den Herren Dr. Alfred Hirschberg, Sao Paulo und Dr. Hardy Swarsensky zum Thema “Wir und unsere Umwelt” gehalten wurden. Vielleicht wird es nach Erhalt des Protokolls moeglich sein, Auszuege aus diesen beiden Vortraegen den Lesern des B. I. zur Kenntnis zu geben. Es fiel sowohl in den Referaten wie auch in der Debatte auf, welch ganz andersartige innere Entwicklung die spanisch sprechenden Laender einerseits und Brasilien andererseits genommen haben. Waehrend unsere Freunde in Brasilien fuer weitgehende aktive —auch politische— Teilnahme am Leben der Laender unseres Wohnsitzes eintraten, wurde dies von den Delegierten der spanisch sprechenden Laender nicht so weitgehend befuerwortet. (Fortsetzung Seite 4)