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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1960-11-01 · 11 (Noviembre, 1960) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXII (1960)
Issue
11 (Noviembre, 1960)
Date
1960-11-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Noviembre 1960 BOLETIN INFORMATIVO 9 Umschwung in U. S. A. Der Triumph des Senators .Tohn Kennedy ueber den republikanischen Kandid a t e n ist das bedeutendste Ereignis der letzten Wochen. Im Hinblick auf die entscheidende Rolle, die die Vereinigten Staaten in der Welt spielen gehoert die Person ihres Praesidenten nicht zu den “internen politischen Angelegenheiten”, sondern geht alle an. Wehn darueber hinaus nicht nur die Person wechselt, sondern auch eine der beiden traditionellen Parteien die Macht verlaesst und die andere nach acht Jahren Verbannung in der Opposition ins Weisse Haus zurueckkehrt, so sind die Bedingungen fuer eine jener Begebenheiten zugegen, deren Tragweite fuers erste nicht abzusehen sind. Wenn das amerikanische Volk sich fuer die Demokratische Partei und fuer Kennedy entschieden hat, so bedeutet das in erster Linie eine Absage fuer Eisenhower und seine Regierung, mit der Nixon vom Amt des Vizepresidenten aus so eng identifiziert war. Der amerikanische Waehler hat sich zwei Mal geirrt —und seinen Irrtum teuer bezahlt, er und mit ihm die gesamte freie Welt— aber beim dritten Mal hat er KRISE BEI Ein Teil des europaeischen Automobilmarkts befindet sich in Schwierigkeiten, seit Detroit sich entschlossen hat, in der Produktion “kompakter”, das heisst, mittelgrosser Wagen zu konkurrieren. Am heftigsten betrifft diese Krise bisher die “Regie Nationale Renault”, die sich zur Schliessung eines ihrer Werke gezwungen sah. Wie erinnerlich, handelt es sich dabei um die gleiche Firma, die im vergangenen Jahre vor den arabischen Boykottforderungen kapitulierte und, in vertragsbruechiger Weise die Lieferungen an die Kaiser-Frazer-Werke in Haifa einstellte. Der Erfolg, den sich Renault dabei auf dem arabischen Markt versprach, ist also, wie man sieht, entweder ausgeblieben oder war jedenfalls unzulaenglich, um den sinkenden Absatz ihrer Produkte in anderen Laendern zu kompensieren. Es waere natuerlich haltlos, wenn man behaupten wollte, dass derselbe auf den Gegenboykott der juedischen Abnehmer, vor allem in U. S. A., zurueckzufuehren ist. Soweit es einen solchen ueberhaupt diesen fatalen Irrtum zugegeben. Man kann heute noch ueber Eisenhowers ¡Faehigkeiten und Rolle als General im Zweiten Weltrieg diskutieren. wie dies seine Waffenkollegen Montgomery und Alanbrcoke tun. Vom vernichtenden Urteil ueber seine Faehigkeiten und Rolle als Praesident der fuehrenden westlichen Macht in dieser kritischen Epoche koennte ihn aber nur der Respekt vor seinem Alter oder dem Amt, das er innehatte, bewahren. Kennedy hat als Kandidat recht viel versprochen. Die kommenden Monate und Jahre werden zeigen, wieviel er davon imstande ist, zu halten. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben und den Prinzen nicht, bevor er als Koenig gewaltet hat. Die Geschichte und unsere bitteren zeitgenoessischen Erfahrungen haben uns schon zu viele belehrenden Enttaeuschungen erteilt. Fuer seine unermuedliche Kampagne jedoch, die in solch grossem Masse zum Ende der republikanischen ■ Administration beigetragen hat, gebuehrt ihm schon heute der Dank all jener, die noch an die Zukunft der freien Welt glauben. RENAULT gegeben hat, ist es spontan und individuell und haengt von dem Stolz und der Wuerde eines jeden einzelnen Juden ab, da sich unsere kollektiven Instanzen aus vielen Gruenden bis zum heutigen Tage noch nicht entschlossen haben, die Formel “Boykott gegen Boykott” offiziell zu proklamieren. Andere r s e i t s gibt es sehr gute Gruende, darunter auch statistisch fundierte, um anzunehmen, dass die Reaktion auf die feige Kapitulation der Regie Nationale Renault vor Nassers Boykott-Buero eine Rolle bei dem Niedergang dieser Firma spielt. Wie dem auch sei, ist der Anlass willkommen, der tiefen Genugtuung ueber die Schwierigkeiten, in der sich diese Firma befindet, Ausdruck zu verleihen. Darueber hinaus scheint es auch am Platz, wieder einmal das Fuer und Wider eines organisierten Gegenboykotts abzuwaegen. Selbst wenn die Entscheidung wie bisher, erneut ablehnend sein sollte, so kann schon die Debatte allein ln der juedischen Oeffentlichkeit den Willen staerken, sich gegen Diskriminierung aktiver zur Wehr zu setzen. ANZEIGEN ANNAHME für das BOLETIN INFORMATIVO Nueva York 52 - Of. 412 - Tel- 87765 Dieses Jahr 1960 hat eine lawinenartige Verschiebung des Krisenzentrums dieser mit Krisen reich gesegneten Welt gebracht. Ein Kontinent, Afrika, hat die Weltpresse mit einer unerschoepflichen Sturmflut von Schlagzeilen versehen. Fuer die Generation, die noch in Deutschland die Schule besuchte, waren Livingstone und Stanley, die weissen Maenner, die als Erste bis ins Herz des dunklen Erdteils vordrangen, noch die wichtigsten begrif liehen Assoziationen mit seinen fernen Mysterien. Die Jugend, die heute hier nicht nur zu lernen, sondern taeglich umzulernen hat, erlebt eine Explosion mit, in deren Verlauf die Nkrumahs und die Sekou Toures im Herzen New Yorks im Zentrum der Aufmerksamk eit stehen, nicht um ihrer exotischen Erscheinung willen, sondern ob ihrer gewichtigen Stimme in den Beratungen ueber die Erhaltung des Friedens in der Welt. Im Zuge dieser (Entwicklung hat sich auch der schier unaufhoerlich Konflikt in Algier bedenklich verschaerlt. Die Hoffnungen, dass de Gaulle ihm ein Ende setzen ALGIER koennte, sind so gut wie geschwunden. Zwar haelt er die von faschistischen und kolonialistischen Wahnideen besessenen Siedler im Zaum und es ist ihm auch gelungen, das Vertrauen eines gewissen Teils der Mohammedanischen Bevoelkerung zu gewinnen, aber die Alternative, die franzoesischen Waffen zum Sieg oder die franzoesische Politik zu einem Kompromiss zu fuehren, steht nach wie vor offen. Inzwischen verstaerfcen sich die Anzeichen, dass zu der Un~ terstuetzung, die die Aufstaendischen von Tunis und Marokko einerseits und von Aegypten andererseits erhalten, sich eine staendig wachsende sowjetrussische und chinesische Hilfe gesellen wird. Zur Begruendung ihrer Hilfeleistung fuer die Aufstaendischen berufen sie sich alle auf das Recht der Selbstbestimmung, das Ende der kolonialen Epoche und des Imperialismus. Waehrend aber Tunis und Marokko, selbst ehemalige franzoesische Kolonien, immer noch bereit scheinen, an einem Ausgleich mitzuarbeiten, lassen die arabischen und kommunistischen Staaten in ihrer extremistischen Sprache keinen Zweifel daran, dass sie nur auf eine franzoesische Kapitulation hinwirken. Zu den Gruenden, die hierfuer auf der Hand liegen —Yerschaerf u n g der Spannungen, Schwaechung der westlichen Verteidigung— kommt einer hinzu, auf den nicht oft genug hingewiesen wird. E3 handelt sich um die Angst, die dis arabischen Potentaten vor dem Einfluss haben, den die ungeheuren Etdoelvorkommen in der Sahara auf die Weltmarktpreise haben werden, wenn ihre' Prospektion und Foerderimg: im Rhythmus der letzten Jahre1 weitergehen sollte. Der Weg von der Sahara nach Frankreich. und in die westlich)© Welt fuehrt aber ueber Algier und eine den Arabern und den Sowjets verbundene Regierung koennte, aus kommerziellen oder strategischen Gruenden, den Transport dies schwarzen Goldes komtnsMiffren, SO' wie Nasser nach Gmtduenken die Schifffahrt durch den von dem franzoesischen Ingenieur Lesseps geteuften Suez-Kanal konftrol literem kann. NOBEL-PREISE 1960 Die Geschichte des Nobelpreis’ ist reich an Kontroversen. Der Skandal um den inzwischen verstorbenen Pasternak, im Jahre 1958, war vielleicht der juengste, aber sicherlich nicht der letzte bei diesem Ereignis, das naturgemaess alljaehrlich die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich zieht. Nur selten aber wurden zwei Entscheidungen, oder besser gesagt, zwei Unterlassungen mit einer solchen Gleichgueltigkeit aufgenommen wie in diesem Jahre. Die erste betrifft den Friedenspreis, der vakant erklaer» werden musste. Wenn sich darueber niemand aufgeregt hat, so doch sicher nur, weit diese Entscheidung sehr weise und natuerlich anmutet. Warum hat sich aber niemand darueber aufgehalten dass dieses Fehlen von ernsthaften Kandidaten ln den Friedensbemuehungen ein gewaltiges Memento ist? Vor fuenfzig Jahren wurde der Preis fuer Chemie oder Physik aufgrund von Entdekkungen verliehen, die heute zum Pensum eines Mittelschuelers gehoeren, wenn er versetzt werden will. Die Forschungen, die heute Anrecht auf diese Auszeichnung in einer der wissenschaftlichen Fakultaeten verleihen, sind dem normalen Sterblichen nicht mehr verstaendlich. Aber fuer den Friedenspreis mangelt es an Kandidaten! Die andere Entscheidung, die eines Kommentars bedurft haette, betrifft den Nobelpreis fuer Medizin. Dabei sollen die zweifellos bedeutenden Verdienste der beiden Preistraeger, die einem Laien ohnehin nicht zugaenglich sind, garnicht in die Debatte gezerrt werden. Was aber im Laufe der Jahre immer unverstaendlicher wird, ist die Tatsache, dass der rettende Engel der Kinder vor der Geissei der Polio, Dr. Jonas Salk. ihn wieder nicht erhalten hat. Solange der Impfstoff, der seinen Namen traegt, noch neu wajr, schien es ein Gebot der Vorsicht, die Resultate abzuwarten. Als ein Laboratorium ihn in vorschriftswidriger Form auf den Markt brachte, sah man diese Notwendigkeit, Vorsicht walten zu lassen, bestaetigt. Inzwischen sind aber Jahre vergangen. Ueber die Wirksamkeit der Anti-Polio-Impfung gibt es keine Diskussion mehr. Sie wird in den 5 Kontinenten verwandt. Millionen DIE GROSS Unter dieser Ueberschrift geisselt die “Jerusalem Post” die Kuemmerlichkeit, mit der die oesterreichische Regierung die Opfer der Naziherrschaft entschaedigen will und vergleicht mit Ihr die relative Geschwindigkeit und Grosszuegigkeit, mit der sich die gegenwaertige Bonner Regierung ihrer moralischen Verantwortung fuer die Untaten ihrer Vorgaenger bewusst wurde. Man muesse dabei bedenken, faehrt die “J, P.” aus. dass die westdeutsche Regierung dem Staate Oesterreich alle jene grossen Fabrikanlagen, die waehrend der Navon Kindern sind von dieser furchtbaren Krankheit verschont geblieben, Abermillionen von Eltern von der quaelenden Furcht davor. Die Tatsache, dass es Inzwischen bereits modernere und bessere Impfstoffe gibt, mit lebendigem Virus oder in Pillenform, schmaelert keineswegs das Verdienst des Dr. Jonas Salk. Er war der Bahnbrecher. Er erzielte den schwersten, den ersten, Erfolg. Sein Name wird fuer immer mit dieser Wohltat verbunden bleiben. Es waere absurd, die Schwedische Akademie des Antisemitismus bezieh t i g e n zu wollen. Dazu hat sie schon zu vielen Juden den Nobel- Preis verliehen. Aber die Frage, wann sie Salk das Monument errichten wird, dass er neben Pasteur, Koch, Ehrlich und Fleming verdient, sie bleibt offen. E SCHULD zizeit errichtet wurden, unter der Voraussetzung ueberlassen hat, dass der Gegenwert an die Opfer der oesterreichischen Nazis zur Auszahlung gelangen sollte. Ausserdem darf man unter keinen Umstaenden vergesen, dass Oesterreich eine wahre Welt- Lehranstalt fuer den Antisemitismus gewesen ist, wo die rabiatesten Judenhasser, unter ihnen Hitler und Eichmann, ihre Ideologie lernten. Oesterreich taete wohl daran, fuer die Ausloeschung des Schandmals auf seiner nationalen Ehre zu sorgen. ATSCHEKA.

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