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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1960-09-01 · 9 (Septiembre, 1960) · p. Seite 13

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXII (1960)
Issue
9 (Septiembre, 1960)
Date
1960-09-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Septiembre 1960 BOLETIN INFORMATIVO 13 JUGEND IN UNSERER ZEIT Von Haas Tramer Wir bringen nachfolgend einen Aufsatz den Hans Tramer im “M. B.” in Israel veroeffentlichte und der zu einer der brennendsten Fragen unserer Zeit, zum Problem der Vaeter und Soehne, Stellung nimmt. Das Entstehen der Medinah. die Entwurzelung des europaeischen Judentums, der Aufbau neuer juedischer Gemeinschaften auf diesem Kontinent, hat eine voellig neue Problematik aufgeworfen, die den immer bestehenden Generationenkonflikt verstaerkt und noch schmerzlicher und gefaehrlicher macht. Die Frage, mit der sich Hans Tramer auseinandersetzt ist auch eine Lebensfrage fuer unsere Gemeinschaft . Wir glauben, dass der in diesem Artikel behandelte Komplex auch hier diskutiert werden sollte und wuerden uns freuen, Stellungnahmen unserer Leser dazu veroeffentlichen zu koennen. ’’Vaeter und Soehne”, dieser Begriff selber, wie koennte es unter fortschrittlichen Menschen anders sein, offenbart schon ein Problem an sich. Er beinhaltet das Problem der Uebergabe, der Tradierung, der Abloese, der Neuformung, des Neuaufbaus, alles, was dem Wechsel der Generationen eigen ist, er charakterisiert das Neue, das Andersartige, das Revolutionaere, eben gerade das, was die junge Generation in ihrem Denken und Schaffen von der abtretenden abhebt UEBERGANG ZWISCHEN DEN GENERATIONEN Bei uns Juden, uns Juden dieser Generation, tritt ein Besonderes hinzu. Wir schaffen in bewusster Abkehr von dem Dasein, der Lebensform ’’unserer Vaeter” eine neue Welt für unsere Soehne. Wir sind, in einer wohl bisher niemals so sichtbar gewordenen Form, der Uebergang, die Brücke zwischen den Generationen. Wir haben eine hohe Verpflichtung für die Zukunft übernommen; aber wir haben in gleichem Masse ihr gegenüber auch die Mitgift unserer Vergangenheit, unseres geistigen und Kulturellen Erbes zu verantworten. Was von uns, unserer Generation im allgemeinen gilt, in seinem tiefsten Sinne offenbar wird es der Generation der Vaeter und Soehne, die in Israel lebt und an dem neuen Gemeinwesen der Juden schafft; es ist das Problem der Vaeter, die, von anderen Laendern und Kulturen gepraegt, ihr Erbe weiterreichen sollen, es ist die Frage der Soehne, ob und was sie zu übernehmen bereit sind. DIE REDAKTION Für diejenigen Juden, die aus Europa stammen, verdichtet sich die Frage nach dem, was über alles Jüdische, die Weisheit und das Wissen der Weisen, unsere schriftliche und mündliche Ueberlieferung hinweg als europaeisches Erbe in ihnen lebt. Es ist ein Zusaetzliches, der Anteil der Weltkultur, der in ihnen wirksam ist. Will man diese Wirksamkeit aber erfassen, sie konkretisieren, sie fruchtbar machen und in eine Beziehung zu dem für uns akuten Problem der Vaeter und Soehne setzen, so ist es geboten, sich Rechenschaft darüber abzulegen, was das europaeische Erbe heute, in unserer Zeit und in unserer Welt, darstellt. “EUROPA” — WAS IST ES? Wir gebrauchen unserer Jugend gegenüber den Begriff “Europa”, ohne zu untersuchen, ob die Vorstellung, die wir mit ihm verbinden, noch mit der heutigen Wirklichkeit, den gegenwaertigen Verhaeltnissen und Gegebenheiten übereinstimmt. Wir setzen gewissermassen voraus, dieses Europa in seiner heutigen Form und Gestalt habe ein Erbe zu übergeben, wir meinen, dieses Europa von heute besitze wirkende, auch auf uns wirkende Kraefte, und vergessen allzu leicht, dass das Europa unserer Vorstellung, unserer Erziehung und unserer Kenntnis sich ebenfalls grundlegend geaendert hat. Die Welt lebt in einer Uebergangsperiode, der sich niemand entziehen kann. Wir nicht und so auch nicht der geschichtliche Begriff ’’Europa”. Nur vielleicht laesst sich die Bedeutung des ’’Uebergangs“ und der Wandlung der Welt nach zwei Weltkriegen, im rasenden Fortschritt der Technik, nach den Erfahrungen mit Atombomben, im Wahn der fast universellen Raumbeherrschung, an Europa, auf seinem geschichtlichen und kulturpolitschen Hintergrund, am deutlichsten erkennen. Und in der Tat, was ist das Ergebnis des Uebergangs, dieser Wandlung? Die Angst vor dem Morgen! Eine Generation, die das andere, das geruhsame Europa, die Kultur Europas nur aus dem Schaufenster kennt. Die Illusionen dieser Generation sind Schaufensterillusionen! Das Schaufenster ist der Tauschmarkt für verlorene Illusionen, der Leerraum, den Ersatzillusionen notdürftig dekorieren, — der Umschlagplatz nicht des Lebenswerten, sondern hoechstens des Preisenswerten. Das taegliche Leben, die Erfahrungen/die Gefühlshaltung der Generation der heute Zwanzig- und Dreissigjaehrigen stimmt mit dem, was wir die Kultur Europas nennen, ja, was sie darüber von Kathedern hoeren, in Büchern lesen, nicht mehr überein! Nun waere es einfach, das als ein Generationenproblem hinzustellen. Dem ist aber nicht so! Tiefgreifende Wandlungen haben sich vollzogen, die jedwedes Erbe fragwürdig machen. Wandlungen, die für die Zukunft der menschlichen Daseinsformen von noch nicht absehbarer Bedeutung sein werden. Denn mit Europa, das im geistigen und im politischen Sinne ein Machtzentrum der Welt war und es nicht mehr ist, sinkt die europaeische Ordnung der Welt — gut oder schlecht wie sie war — dahin; und es ist noch nicht abzusehen, zu welcher neuen Ordnung sich die Teile dieser unserer Welt zusammenfügen werden. Jedenfalls: Europa, als Begriff ist in Frage gestellt. Was wir als ’’Europa”, seine Kunst, seine Kultur, seine Lebensauffassung, gelernt haben, z.T. noch kennengelernt und erfahren haben, existiert nicht mehr. Was wir sehen, sind Fassaden, tote Steine, Erinnerungen oder — Nachahmungen . MASSENKULTUR Georges Bernanos, der franzoesische Dichter und Kulturphilosoph, hat 1944 in einer Streitschrift “Wider die Roboter” von "einer Weltverschwoerung gegen jedes innere Leben” gesprochen, als deren Ergebnis sich ihm der fortschreitende Kulturverfall unserer heutigen Zeit und Zivilisation darstellte. In diesem Sinne hat sich auch Europa dem ’’Zeitgeist” unterworfen. Was es heute aufzuweisen hat, und was sich heute noch europaeische Kultur nennt, ist gefiltert durch die Erfordernisse einer Massenkultur! Auf fast allen Gebieten hat der "menschliche Faktor” heute seinen Wert eingebüsst. Der Fortschritt der Technik verweist ihn auf einen zweiten oder meist noch recht untergeordneteren Platz. Der Mensch, das Individuum, der Einzelne wird von den Politikern, den Geschaeftsleuten, den Militaers, den Journalisten and sogar von den Erziehern, von der ganzen “Welt der Organisation” als ein Objekt betrachtet, mit dem man beliebig verfahren kann. Daher erstrebt man auch eine moeglichst funktionelle Rationalisierung all seiner Gebrauchsgegenstaende, seiner Wohnung, seiner Kleidung, des Ansehens seiner Staedte, — mit dem Ziel einer “totalen” Entindividualisierung. UM DEN KERN DES MENSCHLICHEN Damit aber waechst die Sorge um das Humane im menschlichen Leben ins Gigantische . Diese Gefahren sind für den Bestand der Menschheit,‘einer Kulturmenschheit, gewiss noch entscheidender als alle Gefaehrdungen aeusserer Art in unserer Atom- und Wasserstoffbombenzeit. Was hier nicht eindringlich genug unterstrichen werden kann, sind die Gefahren, die im beispiellosen Aufstieg der wirtschaftliehen und technischen Maechte den Kern des Menschlichen von innen her, verborgener, schleichender, tükkischer bedrohen. Unter diesem Aspekt ist das europaeische Erbe in Frage gestellt. Deshalb auch ist das, was in den Menschen von heute, den jungen Menschen vorgeht, kein Generationenproblem in dem uns gewohnten Sinne. Es ist nicht der relativ einfache Gegensatz der J u g e n.d zur Vaterwelt, wie wir ihn kannten. Er hat nichts von einem Protest gegen die Bürgerlichkeit, die Klein- oder Spiessbürgerlichkeit der Eltern an sich. Ja im Gegenteil, die Angst vor dem Morgen, die Sehnsucht nach Geborgensein erzeugt bei den jungen Menschen geradezu einen Hang nach Kleinbürgerlichkeit. Sie sehnen sich nach Geborgenheit in Liebe, Ehe, Familie, — nach der eigenen Wohnung mit ihrem Jugend begeisternden Kitsch. Es ist sßzusagen ein Protest ohne Gegner! Und was hier vor sich geht, ist etwas viel Tragischeres. Die Beziehung zur aelteren Generation, zur Welt der Vaeter ist nicht frei von Hass; Hass auf diejenigen, die nur Scherben, Trümmer als Erbe übergeben haben. Wie haette es auch anders sein koennen nach Gaskammern, nach Hiroshima, in Zeiten des Kalten Krieges? Für diese Jugend beben die Fundamente ihres Seins, alle Werte des Lebens sind in Frage gestellt, eine totale Umwertung der Begriffe hat stattgefunden, die Leitbilder sind ihr verloren gegangen, das bisher Verehrungswürdige, das Unantastbare hat für sie an Geltung verloren. Diese Jugend, die Generation von heute steht auf allen Gebieten vor Neuland. Man zeigt ihr eine Fassade, man lehrt sie Werte der Vergangenheit, aber es bietet sich eine Gegenwart an, für die sich noch kein Gesetz gefunden hat, und in der sie keine Lehrer und keine Vorbilder hat. Sie steht allein und zittert, zittert vor Angst und Einsamkeit. Angst ist das Problem unserer Zeit. Angst, die die Einsamkeit im Gefolge hat. ’FORTSETZUNG SEITE 15) Fischteich im Galil es " : Fruehling in Israel «§ Wmm ¡¡¡¡g¡p¡| ÄS §ÊËÊÊÊ

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