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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1960-09-01 · 9 (Septiembre, 1960) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXII (1960)
Issue
9 (Septiembre, 1960)
Date
1960-09-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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.^REDACCION» _ ' S. C. I. B’NE JlSñO®. AV. PORTUGAL 610. CASILLA 6487. SANTJASO-CHILt BOLETIN MITT S O CIE DAD CULTURAL ISRAELITA B ' N E JISROEL AÑO XXII — N° 10 SANTIAGO DE CHILE Septiembre 1960 DIE BINDUNG ISAAKS ODER DIE PRUEFUNG ABRAHAMS Von Rabbiner Manfred In allen Zeiten hat die biblische Erzaehlung von der Bindung Isaaks grosse Schwierigkeiten verursacht. Wenn schon einsichtige und verstaendige Maenner der Vergangenheit um den wahren Sinngehalt gerungen haben, um vieviel mehr erst die heutigen modernen Wissenschaftler Theologen und Philosophen. Von den Maennern des Talmuds und Midrasch ueber die mittelalterlic h e n Religionsphilosophen bis zu den modernsten und bekanntesten Theologen unserer Zeit hat es interessante und tiefsinnige Deutungen fuer dieses biblische Kapitel gegeben. In all diesen Interpretationen stand im Vordergrund der Betrachtung die sogenannte falsch uebersetzte Opferung Isaaks. Mit anderen Worten ging es allen Deutern um die Idee des Opfers, des Menschenopfers und seiner kategorischen Ablehnung, die die Bibel im 22. Kapitel des I. Buchs Moses mitteilt. Geht es wirklich nur um diese Ablehnung des Menschenopfers? Ist es nur eine Kampfansage gegen die damalige heidnische Umwelt, die zur Besaenftigung ihrer Goetter allzeit bereit gewesen ist, auch den Menschen als Opfer darzubringen? Vielleicht duerfte es einmal angebracht sein, das Augenmerk auf die Einleitung dieses so bekannten und beruehmten Textes zu lenken. Im ersten Satz heisst es: “Und nach diesen Begebenheiten pruefte Gott Abraham”. Klar und deutlich wird hier also der Gedanke der Pruefung eines Menschen zum Ausdruck gebracht. Wozu diese Pruefung?, so fragen wir. Und wir versuchen zu antworten: Gott wollte feststellen, welche Art Mensch Abraham sei, ob er wuerdig der grossen Aufgabe sei, die er ihm zugedacht hatte, ob er der Mann waere. der bereit sei, als Pionier einen voellig neuen Lebensweg zu bestreiten, den Gott der Menschheit geben wollte. Gott wollte sicher sein, ob dieser Mensch im Stande sei, der Welt eine Lehre zu uebermitteln, dass Er nicht nur der des Himmels, der Sterne und Zeiten ist, das heiss d, der Gott der Natur —das war auch schon den heidnischen Naturreligionen bekannt— sondern dass er auch der Gott der Erde, der Herr des Lebens des Einzelnen wie der gesamten Menschheit ist. Das heisst der “Gott der Geschichte”. So waehlte Er Abraham aus, Vater eines Volkes zu werden, das diese Botschaft in allen Teilen der Welt kuenden sollte. Wahrlich, das war keine leichte Aufgabe, dazu gerufen zu werden. In der Tat, es war die schwerste aller Aufgaben und deshalb musste Gott die Pruefung vornehmen, um sicher zu sein, dass Abraham wirklich der richtige Mann fuer diese verantwortungsvolle Aufgabe ist. Wenn Abraham versagen wuerde, wuerden alle Plaene, die Er fuer die Menschheit geschmiedet hatte, fehl schlagen. Und so hing alles von dem in der Pruefung Stehenden ab. Es galt zu erkennen, ob das in Abraham gesetzte Vertrauen gerechtfertigt ist, oder ob er — in seiner freien Willensentscheidung — das von ihm Geforderte ablehnt. Abraham Ein von der Glückei von Hameln (1646-1724) erzaehltes Maerchen, scheint aufden ersten Blick fast ersschrekkend in seiner extremen Konsequenz. Da erzaehlt sie von einem Koenigssohn, der nach 13 jaehriger Lehre in der Fremde zu seinem Vater zurueckkehrt und nun in einer einzigen Nacht lernen soll den wahren Freund von dem falschen zu unterscheiden. Um diese so wichtige Lehre ihm gar schnell und deutlich zu geben, veranlasst der Vater seinen Sohn, einen Mord vorzutaeuschen, um durch dieses Spiel die Treue seiner Diener zu pruefen. Die Reaktion der Diener auf den ihnen erzaehlten Mord ist auch wirklich verschieden und lehrreich. Der erste Diener verstoesst den Pseudomoerder. Er will nichts mit dem Verbrechen zu tun haben. Ihm gleicht auch der zweite. Nur der dritte Diener hat Bedenken. Er empfindet die Qual der sich widersprechenden - Pflichten — und findet eine sich eigentlich widersprechende Loesung. Ohne selbst an dem Verdecken der Tat mitzutun, verweigert er ihm dennoch nicht seinen schuetzenden Beistand — wenn auch nur aus einer gewissen Entfernung. Und als dann das Spiel dieses vorgetaeuschten Mordes aufgedeckt, folgt der ueberraschende Urteilsspruch des koeniglichen Vaters. Die zwei Diener, welche dem Koenigssohn nach seinem Vergehen nicht beistehen wollten, werden verstossen— waehrend der dritte Diener, welcher, wenigstens aus gehaette versagen koennen — und keiner haette ihn deswegen tadeln koennen — denn auch er war ja nur ein menschliches Wesen, aber er hat nicht versagt, er hat die Pruefung bestanden und Gottes Segen dafuer erlangt. “Und Deine Nachkommen sollen mit allen Voelkern der Welt gesegnet werden.” Es gibt Zeiten im menschlichen Leben, wo Dinge geschehen, die der Mensch nicht versteht. Krankheit, Fehlschlaege, Erfolge, Liebe, sie alle scheinen wie so viel andere Geheimnisse unverstaendlich und unerklaerlich. Und doch kommt ploetzlich der Augenblick des Erkenwisser Entfernung, dem Moerder die Hilfe nicht verweigert, Dank und Ehre dafuer erfaehrt. Und auf die so recht gestellte Frage des Sohnes nach dem Sinn dieses ueberraschenden Urteils, hoert er die Antwort: “Es ist besser, dass Du alle Deine ungetreuen Diener erschlaegst, damit Dein Kammerdiener aus einem halben Freund Dir ein ganzer Freund werde.” Die Betonung in diesem Maerchen liegt natuerlich nicht in der Haerte, welche den Dienern gezeigt wird, die vorsichtig und aengstlich jeder Gefahr der Beruehrung mit dem Boesen ausweichen wollen. Der Kerngedanke dieses Maerchens ist die Milde, ja eigentlich das Ignorieren der Untat, verbunden mit der aktiven Hilfe, zu welcher der wahre Freund ermutigt wird, und ermutigt wird eigentlich dadurch, dass die Aengstlichkeit ge straft, dass Haerte und Ausstossung mit Haerte und Ausstossung vergolten — und der Mut, furchtlos dem Suender beizustehen, als wahrer Glaube an Menschenliebe und Freundschaft erklaert wird. Dieses kurze Maerchen, welches die Glueckel von Hameln ihren Kindern erzaehlt, ist eine indirekte Antwort auf die sie beschaeftigende Frage nach den Wegen Gottes, welche sie in den einleitenden Worten zu ihrer Lebensgeschichte schon aufgeworfen hatte. Doch dort hatte sie diese Frage nach den Wegen Gottes so ausdruecklich gestellt, dass sie auf eine klare und eindeutige Antwort verzichten Lubliner nens, wie wenn ein Licht vor den Augen aufleuchtet, wenn wir uns vergegenwaertigen, was Pruefung ist. Jene Art Pruefung, die uns erkennen laesst, welcher Art Mensch wir sind. Akeda ist ausgewaehlte Lektuere fuer Rosch Haschono und gleichzeitig finden wir den Text im Gebetbuch am Schluss des Morgengebetes, das fromme Juden taeglich zu sprechen pflegen. Warum hat man dieser Erzaehlung einen so bedeutenden Platz im juedischen Leben eingeraeumt? Am Rosch Haschono wird er oeffentlich verlesen und uns allen der zentrale Gedanke des juedimusste, und es ihr fast uebermuetig erschien, da Antwort zu geben, wo selbst Moses Gott selbst gefragt, und auch ihm mehr Hinweis als Antwort gegeben wurde. Aber diese Frage, die in in ihrer deutlich ausgesprochenen Klarheit ohne eindeutige Antwort blieb, kehrt immer wieder; auch die Unzuverlaessigkeit im Urteil des aeusseren Erfolgs, auch die Zweifel an dem Recht der Gerechten, an dem Wissen der Weisen und an dem Glueck der Gluecklichen — all diese scheinbar beruhigenden Antworten steigern die Spannung mehr als dass sie sie loesen. Aber all’ diese Fragen, nach dem Recht und Unrecht, nach Lohn und Strafe — wenn sie nicht in so anspruchsvoller Klarheit formuliert, sondern in die Sprache des Maerchens verkleidet sind, zeigen dann doch etwas Mutzusprechendes, indem sie das Ignorieren des Vergehens empfehlen und dann bedingungslos Milde und Guete auch als das Tor zur Rueckkehr des Suenders proklamieren. Rech- und Unrecht, Lohn und Strafe — das sind eben Fragen des “goettlichen Gerichtes” — waehrend es des Menschen Pflicht ist, Milde, Nachsicht und Vergeben zu ueben. Die Frage nach den goettlichen Wegen hat also ihre Antwort gefunden, wenn sie anspruchsloser, und nur auf die menschlichen Pflichten bezogen, gestellt wird. I I Die von der Glueckel aufgeworfene Frage und ihre sehen Glaubens erneut zugerufen. Wir stehen in einem Examen, in einer goettlichen Pruefung. An einem jeden Tag des Jahres spricht es der Jude allein zu sich selbst und gibt sich darueber Rechenschaft, dass menschliches Leben einer taeglichen Pruefung unterliegt. Alles Leben ist ein Testwir alle sind Abraham und jeder Tag unseres Lebens kann von uns eine Akeda hoechster Einsatzbereitschaft erfordern. Die Erzaehlung die Bindung Isaaks ist die Erzaehlung des groessten Tests, den die Menschheitsgeschichte kennt. Antwort scheint noch etwas von der Unruhe des Sabbatianismus an sich zu haben, ueber welchen sie dort auch Interessantes erzaehlt. Dieselbe Frage wird in viel staerkerer Betonung und entschiedener Klarheit beantwortet, als Moses Mendelsohn — uebrigens der Schueler und Freund von Gluekkels Urenkel Dr. Aron Gumpers Emmerich — im Kampf um die bürgerliche Verbesserung der Juden, sie wieder aufgreift, wo sie dann nicht unabhaengig ist von den Diskussionen um die Kriminalreform, welche besonders in den 70er und 80er Jahren des 18. Jahrhunderts sehr rege waren. Hier versucht Mendelssohn — wie vor ihm schon Luzatto — Wesentliches ueber ein mehr differenziertes Beurteilen der Verbrechen beizutragen — aber mehr noch, und mit absoluter Entschiedenheit, proklamiert er Milde und Vergeben als den goettlichen Weg, welcher den Menschen auch im Verhalten zum Suender und Verbrecher verpflichtet — und eigentlich der einzige Weg, diesen zur Selbsterkenntnis und Reue zu fuehren. Dieses Ignorieren der Untat durch die Gesellschaft — wie es einige in diesen Diskussionen zur Kriminalreform nur bei ganz wenigen Vergehen, wie z. B. Kindesmord, vorgeschlagen — und diese Betonung der Milde als der wirksamsten Macht, war einem Mendelssohn Moeglich, weil ihm die Harmlosigkeit der Verbrechen ueberzeu- (FORTSETZUNG SEITE 5) UEBER DIE MACHT DER VERZEIHUNG Voll Jacob Kellne*

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