Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXII (1960)
- Issue
- 8 (Agosto, 1960)
- Date
- 1960-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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#4V. PURIUltHUIIIQ. - - - - — - - CAS.UUA2487. SANTIAGO-CH 11.8 MITTEILUNGSBLATT BOLETIN INFORMATIVO REDACCION* S.C. I. B'NE JISROSL AV. PORTUGAL. 610. S O CV1 E P A D C u LTU RAL lvS RAEAITA "B'NE JISR O E L " AÑO XII — N? 8_SANTIAGO DE CHILE_ AGOSTO 1960 EINE NEUE GENERATION - MIT DEN ALTEN METHODEN? An den versc hiedensten Brennpunkten der internationalen Aktualitaet sind in der letzten Zeit Menschen in den Vordergrund getreten, die ihrem Alter nach einer neuen Generation angehoeren. Die Fuehrer der kubanischen Revolution, angefangen mit den Gebruedern Castro, die neuen Maenner um Kruschev, Patrice Lumumba und seine Leute an der Spitze des zu einer heissumstrittenen Unabhaengigkeit erwachten Kongo, der Berliner Buergermeister Willy Brand als Kanzler-Kandidat der deutschen Sozialdemokratie fuer die Bundesrepublik, sie sind nur einige aus der Liste, an deren prominentester Stelle heute die noch nicht 50-jaehrigen Kandidaten Kennedy und Nixon im Kampf um die Praesidentschaft der U. S. A. stehen. Ende einer Epoche? Gewiss fehlt es nicht an Leuten, welche die Nominierung der demokratischen und republikanischen Parteitage mit einem leicht bedenklichen Stirnrunzeln zur Kenntnis nahmen und die Frage aufwarfen, ob den Kandidaten bei ihrer “grossen Jugend” nicht etwa die notwendige Erfahrung und Reife fehlen koenne, die zur Fuehrung der leitenden Macht der freien Welt unerlaesslich ist. Im Hinblick jedoch auf die katastrophalen Niederlagen, die der greise und kranke General in acht Jahren Praesidentschaft seinem Land und seinen Veibuendeten eingebracht hat, duerfte man aber eine an dieser Politik erworbene Erfahrung nur schwerlich' als Aktivum werten. Und es besteht auch sicher kein Zweifel, dass Nixon seine enge Assoziation mit Eisenhower als Belastung ansieht und zumindest bei dem Thema Aussenpolitik versuchen wird, neue Toene anzuschlagen. Auch die von Moskau in Szene gesetzte Hetze gegen Nixon kann nur durch den Wunsch erklaert werden, sein Prestige bei dem amerikanischen Waehler zu heben und dadurch zur Wahl eines Praesidenten beizutragen, der wie kein Zweiter dazu geeignet scheint, in dem von Eisenhower eingeschlagenen Fahrwasser werter zu segeln. Hat docte-Kruschev selbst kuerzlich in einer seiner spontan-unbedachten Aeusserungen zugegeben, dgss noch kein Aussenminister der Sowjet-Union soviel Erfolgeeingebracht hat wie... Grom^ko?, nein, weit gefehlt!, wie Foster Düllos. “Wir brauchten gamichts zu tun”, sagte er, ebenso unkonventionell wie treffend “nur auf seinen naechsten Fehler warten!”. Fuer alle, die an eine Zukunft der freien Welt glauben und auf sie hoffen, kann also ein Kurswechsel ihrer fuehrenden Nation nur notwendig erscheinen, und es ist gerade die relative “Jugend” und “Unerfahrenheit” der beiden moeglichen Kapitaene, die a prima vista eine solche Hoffnung zu rechtfertigen scheint. Nur wenn, wie Walter Lippman dies zum Ausdruck brachte, der Golfspieler durch einen Schachspieler abgeloest wird, bestehen Aussichten, diese Epoche der Irrungen und Wirrungen zu ueberwinden. Entstehung und Struktur der beiden “Formeln” Solange Kennedy noch um seine Nominierung innerhalb des Rahmens seiner eigenen Partei kaempfte, legte er einen sehr starken Akzent auf die Notwendigkeit eines solchen radikalen Neubeginns. Das heisst, dass .er sich nicht damit begnuegte, die Abloesung der republikanischen Herschaft durch die demokratische als Notwendigkeit hinzustellen, sondern darueber hinaus die einer Generation durch die naechste, ueberlieferter Methoden durch neue forderte. Innerhalb seiner eigenen Partei kaempfte er gegen das “Boss”-System und die Partei-Maschinerie der lokalen Haeuptlinge und ueberrannte sie sowohl in den Staaten wie in der Konvention. Das Schlagwort von den “Neuen Grenzen” soll in dieser atomischelektronisch-duesengetriebenen Weltraumaera der Abwendung von der Vergangenheit und dem Blick auf weite Horizonte den notwendigen mystischen Ausdruck verleihen. Wieweit diese Anzeichen einer neuen Haltung zu wirklichen Hoffnungen berechtigt, wird die Zukunft zeigen; leider fehlt es aber bereits heute schon nicht an bedenklichen Symptomen, die zu Zweifeln an ihrem wirklichen Ernst berechtigen. Das markanteste unter ihnen ist die Nominierung des Senators fuer Texas, Lyndon Johnson, als Kandidat fuer die Vize-Praesidentschaft. Johnson ist der typische Repraesentant der Suedstaaten-“Demokraten”, deren wichtigste politische Aspiration die Verhinderung des Fortschritts der farbigen Buerger der U. S. A. ist. Gewiss ist es von einem rein wahltechnischen Standpunkt aus schwer zu bestreiten, dass die Sicherstellung der Stimmen des Suedens fuer die Partei durch Johnson garantiert wird, von der hoeheren Warte der notwendigen Erneuerung aus gesehen ist diese Ernennung aber eine Abdankung a priori. Johnson stellt sich nicht an “Neue Grenzen”, er haelt noch an den bald 100 Jahre alten Grenzen des Sezessionskrieges Wacht. Nixon haette nicht der ausgekochte Politiker sein-»Öen, der er unbestreitbar ist, w\nn er nicht diese inneren Wied» rsprueche der demokratische1!! Kandidatur meisterhaft ausgenuetzt haette. So inszenierte er auf dem republikanischen Parteitag einen wahren Ansturm auf die programmatische Plattform des konservativen Fluegels —aus dem er selbst, nebenbei gesagt, vor acht Jahren hervorging—, akzeptierte saemtliche prinzipiellen Forderungen seines einzig moeglichen Rivalen Rockefeller, akzeptierte vielleicht darueber hinaus noch einen Wechsel auf vier oder aeht Jahre Faelligkeit im Werte einer zukuenftigen Kandidatur und war am Schluss konsequent genug, vor die liberale Fassade seiner Kandidatur nicht neben sich einen reaktionaeren Partner zu stellen, der eventuell die Einheit der Partei haette symbolisieren koennen, sondern den gleichfalls politisch Liberalen Cabot Lodge. Damit hat er in erster Linie erreicht, dass die Praesidentschaftsformel der Grossunternehmer, die die Republikanische Partei nun einmal repraesentiert, fuer liberale und progressive Waehler anziehender erscheint als die traditionelle Kandidatur des Manns von der Strasse. Ferner hat er seine Position unter der farbigen Bevoelkerung konsolidiert, indem er die Kapitulation Kennedys vor den Suedstaaten- Reaktionaeren konsequent durch seinen persoenlichen Einsatz fuer die Verbesserung des Programms kontrastierte, soweit es die “Civil Rights” betrifft. Und im Rennen um die entscheidenden Wahlstimmen des Staates New York —aus dem naechstwichtigen Staate Kalifornien stammt er selbst— hat er anstandslos den Preis gezahlt, den Nelson Rockefeller fuer seine Unterstuetzung gefordert hatte. Darueber hinaus hat seine Partei dem Israel-Problem eine sehr prominente Stelle in der Plattform eingeraeumt, die natuerlich zum Teil darauf zurueckzufuehren ist, dass die juedischen Waehler auf diesen Punkt zweifellos empfindlich reagieren. Nahost-Politik der U. S. A. Der diesbezuegliche Passus aus der programmatischen Erklaerung lautet: “Im Mittleren Osten werden wir fortfahren, die Integritaet und Unabhaengigkeit aller Staaten dieser Region zu unterstuetzen, einschliesslich Israels und der Vereinigten Arabischen Republik”. Das ist natuerlich nicht sehr viel, gewiss weit davon entfernt, konstruktive oder ideenreiche Politik genannt werden zu koennen und sowohl die Praeposition des “werden wir fortfahren” wie die aengstliche Einbeziehung der V. A. R. mindern den Wert der Geste sehr erheblich. Daran gemessen, erscheint die Aeuserung Kennedys einfallsreicher und dynamischer, wenn er sagt, das er den Vorsatz hat* das Herannahen des Moments, in dem die Araber Israel werden anerkennen muessen, zu beschleunigen. Aber selbst hier fehlt der abschwaechende Nachsatz nicht, der da lautet, dass er die arabische Empfindlichkeit gegen Einmischung fremder Maechte in ihre Probleme nicht verletzen will. Natuerlich ist es noch verfrueht, aus diesen ersten “statements” definitive Rueckschluesse ziehen zu wollen. Im weiteren Verlauf der Wahlkampagne werden beide Kandidaten noch unendlich viel Gelegenheit haben, zu den entscheidenden Problemen Stellung zu nehmen und ganz ohne Zweifel haben sie sehr bewusst noch viele Pfeile im Koecher gelassen, statt sie vor der Zeit abzuschiessen. Die beiden Positionen Inwieweit sich dabei zwei klare Positionen auf internationalem Gebiet abzeichnen werden, muss man noch dahingestellt bleiben lassen. Die bisherigen Formulierungen waren nicht nur zu allgemein gehalten, sondern sich auch einander zu aehnlich, um die Hoffnung zu naehren, dass einer der beiden Kandidaten der Mann sein koennte, derKhruschev die Initiative zu entreissen vermag. Dass Kennedy sich ueber diese Notwendigkeit im Klaren ist, bewies er in der Rede, in der er die Kandidatur vor der Partei-Konvention akzeptierte, indem er einige fuer die Epoche fundamentale Fragen aufwarf, wie z. B. die, ob Amerika, um mit den Sowjets Schritt zu halten, die Gegenwart der Zukunft opfern muss. Leider blieb er jede Antwort, auf diese und alle anderen von ihm selbst gestellten Fragen, in diesem Moment schuldig. Kuba? Ein Kurswechsel! Lateinamerika? Eine neue Politik! Wirtschaftshilfe? Nicht in Funktion unserer Politik, sondern der Beduerfnisse der Voelker, denen sie gewaehrt wird! Alles sehr schoen und richtig, aber das Wie hat er noch nicht aufgezeigt und nur die Antwort darauf macht einen Politiker zu einem Staatsmann. Nixon seinerseits hat bisher den Akzent mehr auf die innenpolitischen Fragen gelegt. Damit erreicht er drei Dinge: Er schneidet die Probleme an, die wahrscheinlich in letzter Instanz bei den Wahlen selbst den Ausschlag geben werden; er schiebt den bitteren Augenblick hinaus, in dem er sich irgendwie von dem Fiasko der Eisenhowei-Aussenpolitik, fuer die er mitverantwortlich ist, wird distanzieren muessen; schliesslich greift er die Demokraten von Beginn an dort an, wo er sie am verwundbarsten glaubt, Kein Wohlfahrtsstaat, kein Sozialismus, keine neuen Steuern!, predigt er und fordert die Waehler auf, durch die Foerderung des Privatuntemehmens im Paradies der Freien Wirtschaft an ihrem persoenlichen Wohlstand zu arbeiten. Auch hier muss gesagt werden, dass er bisher nicht nur nicht gesagt hat, wie das freie Unternehmertum seinen Siegeszug fortsetzen soll und wie etwa der Bankrott der Landwirtschaftsaniert werden kann, sondern dass er darueber hinaus bisher ganz im Negativen stekken geblieben ist, die Position der Demokraten, so wie er sie (Fortsetzung Seite 4) Donnerstag den 1.'September 1960 Abends 20.30 Uhr im Gemeindehaus Avda. Portugal 810 Spricht Herr SENATOR JOACHIM LIPSCHITZ , t # , * ' * Senator des Inneren und Praesident des Wiedergutmachungsamtes der Stadt Berlin ueber den STAND DER WIEDERGUTMACHUNG Eintritt frei