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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1960-05-01 · 5 (Mayo, 1960) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXII (1960)
Issue
5 (Mayo, 1960)
Date
1960-05-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ftEOACCKM* 6.C. I. fiTNC JICROB. AV. POATUOAL «IO. CASHAA Mit. »AHTWmO •CHIKM S O CI EDA BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT CULTURAL ISRAELITA I S R O E L AÑO XXII — N<? 5 SANTIAGO DE CHILE MAYO 1960 DAS GANZE VOLK IST AUFGERUFEN! Wortlaut des Rechenschaftsberichts des Praesidenten der S.C.I. "B'ne Jisroel”, Dr. Siegfried Landau, vor der Generalversammlung am 24. April I960 Auf der Wacht gegen den Angriff von aussen und gegen die Gleichgueltigkeit von innen — Von Erbe des deutschen Judentums — Elternhaus und Schule — Aus der Arbeit der Gemeinde — "Auch wir waren Sklaven im Lande Aegypten" — Verbundenheit unserer Gemeinde mit dem Staate Israel Meine Damen und Herren: Als ich Ihnen vor einem Jahre den Rechenschaftsbericht fuer die Amtsperiode 1958 - 1959 erstattete, stand die Welt im Zeichen des Kalten Krieges, sah es so aus, als ob der Zusammenprall der beiden grossen Bioecke unvermeidlich waere und wir uns mit Windeseile auf den Abgrund zubewegten. Das Jahr 1959‘I960 hat gluecklicherwelse eine merkliche Entspannung gebracht. Die Welt beginnt an die Moeglichkeit der so oft proklamierten “Koexistenz” zu glauben und die Gefahr der Menschheitsvernichtung scheint noch einmal von uns abgewendet zu sein. In wenigen Wochen werden die fuehrenden Staatsmaenner des Westens und des Ostens sich bei einer neuen Gipfelkonferenz treffen, um zu versuchen, einen Weg zu finden, der allen berechtigten Interessen gerecht wird und die Moeglichkeit, in Frieden miteinander zu leben, in sich birgt. KAMPF UM UEBERLEBEN In dieser Zeit der Beruhigung, der Entspannung, kaempft das juedische Volk den entscheidenden Kampf um sein Ueberleben. Es kaempft diesen Kampf an vielen Fronten. Medinat Israel, ein Sandkorn in einem Meer von Feinden, kaempft ihn gegen die Maechte, die seine Vernichtung proklamiert haben, kaempft ihn gegen eine feindliche Umwelt, die nicht wahrhaben will, dass das juedische Volk heimgefunden hat und seinen angestammten und wieder zum Leben erweckten Boden nie wieder aufgeben wird. Das juedische Volk in der Diaspora steht in diesem Kampf Schulter an Schulter mit Israel und ficht gleichzeitig gegen die -staendig vorhandene Drohung von aussen und die Gleichgueltigkeit von innen. Wir haben uns zu sehr darauf verlassen, dass mit dem grossen historischen Ereignis, mit dem Entstehen der Medinat Israel, die Existenz des juedischen Volkes definitiv gesichert sei. Waehrend wir unsere Gemeinschaften auf diesem Kontinent immer staerker konsolidieren konnten, waehrend wir unsere Organisationen zusammenschlossen, broeckelte es von innen an den Waenden des stolzen Gebaeudes. h’iellten Gleichgueltigkeit und Zufriedenheit unsere Gemeinschaft in truegerischen Schlummer. Bis wir dann, in den letzten Wochen des vergangenen Dezembers, ploetzlich erwachten und feststellen mussten, dass Amalek wieder einmal auf dem Marsch war, dass eine neue antisemitische Welle sich ueber die ganze Welt ergoss, dass selbst diejenigen Laender davon erfasst wurden, die nie zuvor diesen Massenwahn gekannt hatten und unser Volk merken musste, dass es nicht genuegt, Israel materiell und moralisch zu unterstuetzen, sondern dass das ganze Volk — Am Israel — auf gerufen ist, das Werk zu vollenden, das die Pioniere in Israel begonnen haben, dass wir auf der Wacht stehen muessen, um unsere Gemeinschaften, um unsere Brueder gegen den Angriff von aussen, gegen die Gleichgueltigkeit von innen zu verteidigen. CHILE REAGIERT BEISPIELHAFT Es erfuellt uns mit Genugtuung, dass wir in diesem Kampf gegen den aeusseren Feind nicht allein stehen*. In allen Laendern der freien Welt haben die Regierungen, die massgebenden «Persoenlichkeiten, die geistige Elite, diese Angriffe auf das Schaerfste verdammt und Massnahmen getroffen, dass aus diesen antisemitischen Uebergriffen sich nicht so beklagenswerte Folgen entwickeln, wie wir sie nur zu gut kennen. Es ist fuer uns eine besondere Freude, feststellen zu koennen, dass Chile in beispielhaftester Weise reagiert hat, dass — eine noch nie dagewesene Tatsache -— das Parlament eine gemeinsame, einstimmig approbierte Resolution aller Parteien angenommen hat, welche derartige Uebergriffe auf das Energischste verdammte und die verantwortlichen Behoerden alles taten, um zu verhindern, dass der gute Name der chilenischen Demokratie geschaendet werde. Dennoch hat diese Welle vielleicht auch ein positives Ergebnis gezeitigt. Nicht darin allein sollten wir es sehen, dass das Weltgewissen wachgeruettelt wurde, son_ dem in erster Linie darin, dass unser eigenes Volk erwachte, dass wir wieder einmal merkten, dass Jude sein mehr ist als die Erfuellung unserer materiellen Verpflichtungen der Medinah gegenueber, sondern dass wir einer Schicksals— und Lebensgemeinschaft angehoeren, die von den Tagen der Propheten bis zu uns reicht, dass wir Traeger eines Erbes sind, welches wir unseren Kindern weitergeben muessen. DER BRENNPUNKT UNSERER PROBLEME Meine Damen und Herren: Wenn wir in diesem Moment Bilanz ziehen, muessen wir feststellen, dass wir dieses Erbe zwar uebernommen haben und es besitzen. Wir muessen aber gleichzeitig fragen: Haben wir unser Moeglichstes getan, um dieses Erbe weiter zu geben, das Emst Simon “Die Erbschaft des deutschen Judentums an Sauberkeit, Klarheit, Zuverlaessigkeit und Faehigkeit zu organisieren” genannt hat? Ist es uns gelungen, Menschen heranzuziehen, die nach uns Traeger des Judentums in diesem Land, in dieser Gemeinde sein werden? Hier stehen wir am Brennpunkt aller Probleme, sind wir am Kern der Lebensfrage unserer Gemeinschaft. Alle unsere Anstrengungen, alle ideellen und materiellen Opfer, die wir bringen moegen, alle organisatorischen Verbesserungen, die wir einfuehren, sind nur dann sinnvoll, wenn es uns gelingt, die Jugend zu interessieren, unseren jungen Menschen das Judentum vorzuleben und es ihnen nahe zu bringen, ihnen einen klaren juedischen Lebensinhalt zu geben, sie zu bewussten stolzen Juden zu machen . RELIGIONSSCHULE Mit dieser Aufgabe muss so frueh wie moeglich begonnen werden. Die Jugend muss im fruehsten Alter mit den Gemeinden, mit unserem Volke, in der Religionsschule Kontakt bekommen. Wir haben auch in diesem Jahre den Religionsunterricht wieder in zwei Gruppen abgehalten. Die eine Gruppe wurde in unserem Gemeindehaus unterrichtet, die andere — fuer die Kinder des Sektors Providencia, Los Leones, El Golf — in den Raeumen, die uns die Firma Julio Wiener y Cia. auch diesmal freundlicherweise zur Verfuegung stelle. An den sieben Kursen der Religionsschule, die von unseren Herren Rabbinen und Herrn Abraham Maguenzo geleitet wurden, nahmen insgesamt 87 Kinder im Alter von 7-13 Jahren teil. Obwohl es uns mit Befriedigung erfuellt, dass wir in der Lage waren, 87 unserer Kinder das Judentum naeher bringen zu koennen, bedauern wir gleichzeitig ausserordentlich, dass es nur 87 von den vielen, vielen Kindern im religionsschulpflichtigen Alter waren, und dass so zahlreiche Kinder nicht oder nur sporadisch erfasst werden konnten. Vergessen Sie nicht, meine Damen und Herren, dass dem Religionsunterricht mindestens die gleiche Bedeutung zukommt wie dem Unterricht in Fremdsprachen, Handfertigkeit oder der Ausbildung gesellschaftlicher Umgangsformen. Ist doch der Religionsunterricht oft genug die einzige Gelegenheit, dem Kind juedisches Wissen und Liebe zu unseren Traditionen und unserem Volke zu vermitteln. Ich moechte daher nicht ver_ fehlen, einen neuerlichen Appell an alle Eltern zu richten, ihre Kinder anzuhalten, am Religionsunterricht teilzunehmen, sich an den Jugendgottesdiensten zu beteiligen, um so das Wissen und die Freude an juedischen Dingen zu erwerben, die fuer sie als Juden unerlaesslich sind. Geben Sie Ihren Kindern eine juedische Basis. Setzen Sie sich nicht dem Vorwurf aus, den Ihnen Ihre Kinder in reiferem Alter machen koennten, dass sie das Judentum nicht fuehlen, weil ihnen ihre Eltern hierzu in ihrer Jugend die Moeglichkeit nicht gegeben haben. BARM IZWAH UND BATHMIZWAH Leider glauben viele unserer Freunde, dass die juedisch-religioese Erziehung mit der Barmizwah aufhoert. Werden wir uns einmal darueber klar, dass sie damit erst beginnt, denn erst in diesem Augenblick tritt der junge Jude verantwortlich und bewusst seinen juedischen Lebensweg an. Was er als Kind an Wissen spielend in sich aufnahm, scll er bei fortschreitender geistiger Reife erweitern, erfassen, vertiefen. Die Barmizwah, der feierlichste Moment im Leben eines jeden juedischen Jungen, wird von ihm als Einschnitt betrachtet, wuehlt ihn auf und lenkt seine Gedanken zu unseren Werten. Es liegt an uns, diese Sternstunde im Leben eines jeden Barmizwa auszunutzen und in der Zeit, die auf die eigentliche Zeremonie folgt, juedische Saat zu saeen. Dies in der Hoffnung, dass sie sich auf dem durch dieses Erlebnis vorberei_ teten Boden gut entwickeln moege. Daher meine Bitte an alle diejenigen Eltern, deren Soehne vor der Barmizwah stehen: Lassen Sie den Kontakt Ihrer Kinder mit unserem religioesen Leben nicht mit der Barmizwah enden, sondern sorgen Sie dafuer, dass Ihre Kinder unsere Post —Barmizwah— Kurse besuchen, an den Jugendgottesdiensten teilnehmen, und dass sie durch das einmalige religioese Erlebnis fuer ihr spaeteres Leben mit unseren juedischen religioesen Werten und Idealen verbunden bleiben. So hoffen wir, dass sich diese Post —Barmizwah— Kurse, an denen in diesem Jahre unter der Leitung unserer Herren Rabbiner etwa 20 Jugendliche teilnahmen, immer weiter vergroessern werden, und dass es eine Ehrenpflicht fuer jeden Barmizwah ist, sich daran zu beteiligen. Erlauben Sie mir nun, meine Damen und Herren, ein Wort zur Bath-Mizwg: Wir wissen, dass die Bath- Mizwa, eine wie Professor Simon sagt “Positive Reform”, schon in vielen Gemeinden Realitaet ist. Die juedische Frau, die juedische Mutter, der die Erziehung der Kinder in dem Alter obliegt, in dem sie Eindruecke fuer ihr ganzes Leben in sich aufnehmen, ist heute mehr denn je dazu bestimmt, die Zukunft unseres Volkes zu garantieren, da sie den Kern und Mittelpunkt des juedischen Hauses darstellt. Wir halten es daher fuer unerlaesslich, unsere jungen Maed_ chen auf die Rolle vorzubereiten, die ihnen eines Tages zufallen wird, ihnen das geistige Werkzeug zu geben, mit dem sie spaeter in Haus und Beruf ihr Judentum Vorleben koennen. Obwohl wir im vergangenen Jahre die Bath-Mizwoth mangels genuegender Anmeldungen nicht durchfuehren konnten, haben wir den Mut nicht verloren, haben wir unsere Bemuehungen fortgesetzt und koennen zu unserer Freude feststellen, dass wir in wenigen -Tagen in einem feierlichen Freitag-Abend-Gottesdienst die erste Bath-Mizwah veranstalten werden. Wir glauben, damit den jungen Maedchen ein positives Erlebnis auf ihren Lebensweg (Fortsetzung Seite 5)

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