Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXII (1960)
- Issue
- 4 (Abril, 1960)
- Date
- 1960-04-01
- Page
- Seite 30 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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30 BOLETIN INFORMATIVO Abril 1960 Dr. Karl Schwartz 75. Geburtstag Ein Tapferer Jude und Franzose ■ (Zum 10. Todestage Leon Blum's) Von.Curt Wilk In Israel, wo er seit 1933 lebt, vollendet Dr. Karl Schwarz, der hervorragende Kunsthistoriker, am 22. April das 75. Lebensjahr. Dr. Karl Schwarz, ein gebuertiger Muenchener, hatte bei Heinrich Woelfflin Kunstgeschichte studiert und frueh ungewoehnliches Interesse an der Sammlung juedischer Kunstgegenstaende genommen. Um das Jahr 1927 gelang es ihm, vom Vorstand der Berliner Juedischen Gemeinde hiermit beauftragt, die bis dahin sehr anspruchslose Kunstsammlung der Gemeinde in ein repraesentatives “Juedisches Museum” umzuwandeln, das dann wuerdige Raeume erhielt, in denen mit viel Muehe zusammengetragenes Material untergebracht werden konnte. Diese juedische Kunststaette wurde bald beruehmt und fand in anderen Gemeinden Deutsch- Tabb, Dr. Der heute in hohem Ansehen stehende Rabbi des “Temple Israel of Hollywood”, Dr. Max Nussbaum, feierte am 4 April den 50. Geburtstag- Viele unserer Menschen erinnern sich seiner aufwuehlenden von flammender nationaler Begeisterung getragenen, Predigten und Volksreden zwischen 1934 und 40 in Berlin, von wo der glaenzende Kanzelredner und zionistische Propagandist nach USA berufen wurde; dies geschah fast im letzten Augenblick einer freien Willensentscheidung. Er, der aus Rumaenien stammte, Jeschiwa-Schueler gewesen war, dann in Breslau am “Jued. Theolog. Seminar” studiert hatte, mit 24 Jahren Prediger NEUE INDUSTRIE¬ PROJEKTE Acht Projekte zur Errichtung von Industriebetrieben wurden vom Handels- und Industrieministerium ausgearbeitet. Sie behandeln Projekte in der plastischen, der chemischen, der Metallindustrie. zur Errichtung eines Grossbetriebs in der Pelzwarenbranche, zur Erzeugung vom Brom u. in der optischen Industrie. Diese Vorschlaege stehen, wie bereits früher ausgearbeitete, den potentiellen Investoren zur Verfügung. Weitere! Vorschlaege sollen folgen. (CANFIT). ABBAU-EINSTELLUNG DER EISENERZE IN MANARA Die Arbeiten zur Entwicklung der Eisenerzgruben in Manara im Galil werden zur Einstellung kom men, nachdem keine Budgetmittel mehr vorhanden sind. Auch im neuen Budget sind keine Mittel dafuer vorgesehen, worueber “Al Hamischmar”, das Blatt des Entwicklungsministers Bentov, Klage Fuehrt. Die Einfuhr von Eisenerzen aus der Tuerkei stellt sich billiger. (CANFIT). lands Nachahmung. Gluecklicherweise konnte ein erheblicher Teil der wertvollen Bilder und anderer Kunstschaetze rechtzeitig vor dem Zugriff der Nazis in Sicherheit gebracht werdend Er selbst, Dr. Schwarz, folgte im Mai 1933 einer Einladung des inzwischen verstorbenen Buergermeisters von Tel Aviv, Meir Dizengoff, nach dort, um die Leitung eines im Werden begriffenen “Juedischen Museums” zu uebemehmen. Aus sehr kleinen Anfaengen schuf er ein bedeutendes Kunstinstitut, dessen Direktor es fuenfzehn Jahre lang gewesen ist. Seinen Bemuehungen um die Sympathien der Buergerschaft von Tel Aviv war ein voller Erfolg beschieden; das Museaum zog Besucher aus dem ganzen Lande an. Mit zahlreichen Kuenstlem Max N ussbaum der Berliner Juedischen Gemeinde wurde, ist in Amerika zur “Reform” ’uebergegangen, in deren Mitte er heute eine fuehrende Rolle spielt. Ihm gelang es, aus einer tief in assimilatorischen Gedankengaengen wurzelnden Gemeinde eine der lebendigsten, in engster Verbindung mit dem Aufbau von Israel stehenden, amerikanischen Grossgemeinden zu machen, die ueber zahlreiche Moeglichkeiten verfuegt, an Juden heranzukommen, die gewissermassen an der Peripherie des Judeseins leben. Dr. Max Nussbaum wurde auch in der nichtjuedischen Oeffentlichkeit durch die von seiner Seite aus erfolgte Aufnahme prominenter Filmkuent- ERWEITERUNG DER “PRI-SUKAR” FABRIK Die Zuckerfabrik, “Pri Sukar” will ihren Betrieb vergroessern und einer Produktionskapazität von 8.000 Tonnen pro Jahr gegenüber einer bisherigen von 6.000 Tonnen gelangen. Die Erweiterungs arbeiten sollen in Baelde beginnen. Durch die Erweiterung soll der Spesensatz bei der Produktion um IL. 70.— pro Tonne ermaessigt werden Gleichzeitig geht der Kapitalaufwand pro je 1000 Tonnen Produktionskapazitaet wesentlich zurück und wird sich .auf IL. 700.000 senken, waehrend bei der Zuckerfabrik in Afulle IL. 1 Million für je 1000 Tonnen Produktionskapazitaet eingesetzt sind. Doch auch in Afulle werden aehnliche Plaene jetzt ausgearbeitet . (CANFIT) STARKE REDUKTION FUER EL AL-GRUPPEN FLUEGE Die I.A.T.A., die internationale Vereinigung für Flugtransport, bewilligte auf ihrer kürzlich beendeten Tagung in Honolulu der El Al eine Preisreduktion bis zu 50% für Gruppenflüge (mindestens 25 Personen) von und nach Europa. (CANFIT). von Rang bekannt, mit vielen von ihnen befreundet, steht Dr. Karl Schwarz auch nach seiner Pensionierung der neuen Museumsleitung mit Rat und Tat zur Seite. Mit juedischem und echt-kuenstlerischem Enthusiasmus traegt er weiterhin zur Vervollstaendigung der Sammlungen bei. Sein im Jahre 1928 erschienenes Buch “Die Juden in der Kunst” fand grosse Verbreitung, und so, wie er einst in Deutschland in juedischen Zeitungen und Zeitschriften Abhandlungen ueber Kunst und Kuenstler zu veroeffentlichen pflegte, so setzte er diese Taetigkeit in Erez Israel fort. Besonders in unserem Kulturkreise sollte das Werk dieses Mannes, im Dienste des juedischen Volkes und der Kunst, stets gewuerdigt werden. 50 Jahre ler ins Judentums bekannt. An vielen wissenschaftlichen Institutionen und juedischen Verbaenden wirkt er mit, mit jugendlicher Begeisterung immer neue Aufgaben uebemehmend. Seine Popularitaet ueber Kaliforniens Grenzen hinaus ist ausserordentlich gross. Niemand, der ihn in letzter Zeit sah, glaubt ihm ohne weiteres die fuenfzig Jahre, die er jetzt vollendet. Moege seine jue. disch-nationale und religooese Arbeit weiterhin von Erfolg geforoent sein, ihm selbst die tiefste Befriedigung gewaehren und zur Festigung spezifisch-juedischer Religiositaet in Nordamerika beitragen.. MIZPEH RAMON NICHT NUR GROSSARTIG, SONDERN AUCH GRUEN Die Reisenden nach Eilat konnten bisher die grandiose Sicht von Mizpeh Ramón auf den grossen Krater (Machtesch Hagadol) geniessen, jedoch war die Betrachtung der Gewalt des Einflusses der Naturkraefte in tausenden von Jahren nicht durch den Blick auf lebendiges gruenes Spriessen der Gegenwart gemildert. Jetzt hat das Arbeitsministerium die Anlage des ersten Kilometers eines baumbewachsenen Boulevards bewilligt. (CANFIT). IL 1,2 MILLIARDEN FUER DIE INDUSTRIE Es müssen in den naechsten vier Jahren IL 1,2 Milliarden in der Industrie investiert werden, erklaerte Handels-und Industrieminister Sapir Um, mit Hilfe der neuen Industriebetriebe das Loch in der Devisenbilanz in Hoehe von rund 200 Millionen Dollar durch eine Ausweitung des Exports auf 300 bis 320 Millionen Dollar zu erreichen. Das Pfund dürfe nicht abgewertet werden und die Stabilitaet der Wirtschaft und des Preisniveaus sei eine der Voraussetzungen zur Mobilisierung weiterer Investitionen. (CANFIT). Voz zehn Jahren, starb zu Paris León Blum kurz vor Vollendung des 70. Lebensjahres. Mit ihm ging ein grosser Politiker dahin, der durch Jahrzehnte an der Spitze der sozialistischen .Arbeiterschaft Frankreichs gestanden hatte, drei male Ministerpraesident gewesen war und den besten internationalen Ruf besass. Seine Persoenlichkeit genoss das hoechste Ansehen auch bei anderen Parteien, in den weitesten Volksschichten, weil sein schlichtes, von hohen Menschheitsidealen erfuelltes Wesen, eine Aufrichtigkeit und sein iefempfundenes Bewusstsein, ein ganzer Franzose zu sein, wie er zeitlebens ein ganzer Jude gewesen, die Umweit beeindruckten. Es war zum ersten Male in der Geschichte Frankreichs, dass ein Jude an der Spitze der Regierung stand; dies war, als er 1936 die “Volksfront- Regierung” bildete, die von verhaeltnismaessig langer Dauer war. Die aussenpolitische Entwicklung vermochte er freilich nicht aufzuhalten, und Frankreichs Zusammenbruch im Jahre 1940 lieferte auch ihn den Landes - und Hochverraetem um den Marschall Pétain aus und damit, schliesslich den Nazis, die den alten Mann zwischen 1942 und 45 von Lager zu Lager, von Kerker zu Kerker schleppten. Auf wunderbare Weise ueberstand León Blum alle Demuetigungen und Leiden, wurde von den Siegern befreit und kehrte in Mai 1945 im Triumph nach Paris zurueck, um noch zwei Male fuer kuerzere Zeit die Geschicke seines Landes zu leiten. Das franzoesische Volk dankte und huldigte ihm als einem seiner grossen Soehne, die zü wirklichen Opfern bereit sind. Aber León Blum war auch ein grosser Sohn des juedischen Volkes. Schon im Jahre 1924 nahm er an Besprechungen wegen der Teilnahme der franzoesischen Sozialisten am Palaestinaaufbau teil und stand seither mit der zionistischen Fuehrung in engsten Kontakt, Grossartig waren sein Auftreten und seine Rede auf der Gruendungsversammlung der “Jewish Agency” zu Zuerich im August 1929, wo er ein stolzes Bekenntnis zum Judentum und zu Erez Israel ablegte. Zu des Sozialisten grossen Menschheitsidealen geh o e r t e auch die Verwirklichung der zionistischen Idee, der er treu ergeben war. Gern betonte er seine Freundschaft zu Maennem wie Chaim Weizmann und Nahum Sokolow, und damals, in Zuerich, sagte er woertlich: “Ich fuehle mich ganz als Franzose und gleichzeitig fuehle ich mich als Jude. Ich habe niemals bemerkt, dass es zwischen diesen beiden Teilen meines Bewusstseins einen Gegensatz, einen, wenn auch noch so geringen, Widderspruch gegeben haette”. León Blum war Mitglied des franzoesischen “Pro-Palaestina - Comités”, und eine Kolonie im Norden Israels (Kfar Blum) traegt seinen Namen. Er war die Verkoerperung eines freiheitsliebenden Menschen, der treu und uneigennützig seinem Lande diente und sich seiner engen Bindung an sein juedsiches Volk bewusst war. In ihm, dem Sozialisten, war das Erbe der juedischen Vaeter lebendig, und dies gab ihm auch den Halt, seinen Feinden zu Widerstehen. Noch einmal, 1947, in den Tagen der Entstehung Israels, setzte er seine ganze Persoenlichkeit fuer die Entscheidung der “Vereinten Nationen” zu Gunsten eines juedischen Staates ein. Ein Leben im Dienste der Menschheitsideale fand hiermit seine ruhmreiche Kroenung). CURT WILK. CURT WILK.. V