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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1960-04-01 · 4 (Abril, 1960) · p. Seite 19

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXII (1960)
Issue
4 (Abril, 1960)
Date
1960-04-01
Page
Seite 19 (sequence 17)
Language
German
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Abril 1960 BOLETIN INFORMATIVO 19 iß. n. bVX- Wfo ierren, /(¿tete, ¿e?e*e.. V u (Los Primos) GEDANKEN ZWISCHEN 2 UND 3 Seit alten Tagen besteht eine unerklaerliche Spannung zwischen Deutschtum und dem Geiste Frankreichs. Eine “Hassliebe” koennten wir es nennen, denn Hass und Abneigung gingen stets Hand in Hand mit Bewunderung fuer die geistigen Errungenschaften des Gegners, mit oftmals kritikloser Uebernahme dessen was am charakteristischsten fuer ihn schien^ wiewohl es vielmals gerade das negativste und schaedlichste des fremden Geistesgutes darstellte. Das Anbeten Frankreichs, dass von den deutschen Fuersten und insbesonders von Friedrich dem II von Preussen, dem grossen Rebellen gegen die Einheit des Reiches, bis zur letzten Konsequenz durchgefuehrt wurde, ist ein nicht zu unterschaetzender, retardierender Faktor deutscher Geistesgeschichte. Weniger bekannt hingegen ist der ungeheure Einfluss den Deutschland, das unbekannte “Land der Barbaren” jenseits des Rheines, von jeher auf die Franzosen ausuebte. Wir wollen nicht allzuweit zurueckgehen, sondern im vergangenen Jahrhundert anfangen. Eines der einflussreichsten Buecher das damals in Frankreich erschien titulierte sich “De L’Allemagne”. Verfasserin war Madame de Stael. Madame de Stael hatte Deutschland bereist und gab nun ihre, sehr persoenlichen Endrueck von dieser Reise wieder. Das von ihr gezeichnete Bild des Deutschen als eines reinen, biederen tugendhaften Toren, der in sich Abgruende der Mystik und Poesie traegt, war fuer viele Franzosen der erste Einblick in das deutsche Geistesleben und trug nicht unwesentlich zum Durchbruch der romantischen Stroemung in Paris bei. Verantwortungsb e w u s s t e deutsche Schriftsteller, wiez.B. Heinrich Heine, liefen Sturm gegen das verzerrte Bild, dass dem franzoesischen Leser durch dieses Buch geboten wurde. Auch Goethe, dem der Charakter dieser Dame hinreichend bekannt war, liess sich erst nach langem Zoegern dazu bestimmen, sie zu empfangen. Nichtsdestoweniger wurde dieses Buch zur Bibel Frankreichs, was deutsche Angelegenheiten betraf und sein Einfluss ist unuebersehbar. Spaeter war es die Musik Richard Wagners, die Philosophie Nietzsches und vor allen Dingen die Auffassung Heideggers, die das geistige Leben Frankreichs entscheidend beeinflussen sollten und viel dazu beitrugen, dass Frankreich im 2. Weltkrieg schon erobert war, ehe noch der erste Schussv fiel. , Zwar kaempfte immer eine Elite franzoesischer Geister gegen diese kritiklose Uebernahme von Manifestationen deutschen Gedankengutes, insbesonders, da sie darauf hinweisen konnten, dass derartige Stroemungen in Deutschland selbst auf starken Widerstand stiessen und keineswegs repraesentativ fuer das Beste deutschen Geistes waren. Dennoch war ihnen kein dauernder Erfolg beschieden. Nietzsche wurde zum Allgemeingut des gebildeten Franzosen; Heidegger beeimflusste entscheidend die franzoesische Existenzialphilosophie und Richard Wagner w urde zum musikalischen Abgott der Komponisten, auch wenn sich in den letzten Jahrzehnten starke Gegenstroemungen zeigen sollten. Wieweit diese Assimilation deutschen Geistesgutes geht, zeigt der kuerzlich in Santiago zur Auffuehrung gelangte Film “Les Cousin”. Dieser Streifen, ein Produkt der “Nouvelle vogue”, der neuen Welle unter den franzoesischen Filmschaffenden, ist als solches ein kuenstlerisches, soziologisches und geistiges Dokument . Die Handlung, die wohl nur den Rahmen fuer die “geistige Auseinandersetzung darstellt ist unwesentlich. Ein Student aus der Provinz kommt zu seinem Vetter nach Paris, wird von diesem in den wuesten Strudel seines Lebens mit hineingerissen und zerbricht daran. Am Ende steht' der unbeabsichtigte Mord des Parisers an seinem Vetter aus der Provinz. In dem Provinzler sind noch gewisse Zuege des uns vertrauten Frankreichs lebendig. Er ist arbeitsam, rationalistisch, mit ausgepraegtem Familiensinn usw. Aber er ist nur eine Nebenerscheinung. Hauptfigur ist der Vetter aus Paris, der Hohepriester des Nihilismus, der gluecklich-unglueckliche Anbeter deutscher Todessehnsucht und Richard Wagners, sowie der ihn umgebende, gleichgesinnte Kreis. Hand in Hand damit geht ein vielleicht unbewusster Antisemitismus, der sich einem juedischen Kommiltonen gegenueber bemerkbar macht. Aber ganz gleich was sie sind und wollen, alle Figuren sind nur Marionetten des Schicksals. Ohne das die Beteiligten aktiv dazu beitruegen, entwikkeln sich die Situationen, siegt erst scheinbar der Vetter aus Paris ueber den Provinzler (er wird, unverdienterweise, in seinen Examina aprobiert, waehrend der andere Vetter, trotz intensivster Vorbereitung, durchfaellt) und es kommt schliesslich zum tragischen Ende, ein Vetter erschiesst, ohne es zu wollen, den anderen, es ist als ob die Waffe selbststaendig gehandelt haette; der Moerder versinkt in eine Art Stupor — er wollte es ja nicht — er war ein Werkzeug des Schicksals — und der Film endet mit den Klaengen wagnerscher Musik die sowieso fast die ganze Zeit den Film musikalisch untermalt. Schauspielerisch glaenzend Der Sommer ist ueberstanden, die groesste Hitze vorueber. Die Abende werden kuehl, es froestelt einen schon ab und zu, man liebaeugelt mit dem gemuetlichen Kamin. Der Stolz- Moment der altmodischen Wohnung ist gekommen. Beneidet von modernen Departamentisten, die warten muessen, his der Hausmeister genuegend friert, um die Heizung anzubrennen, sitzen wir behaglich am lodernden Feuer. Nicht jeder Kamin ist ein Kamin. Die meisten sind nur Schornsteine, die rauchen muessen, damit es der Volkswirtschaft und uns gut geht. Im Gegensatz dazu duerfen offene Kamine nicht rauchen, wenn sie von uns geschaetzt sein wollen; eine Bedingung, an die sich die wenigsten Kamine gebunden fuehlen.. Man kann daher Kamine in starke, notorische, heimtueckische und Gelegenheitsraucher einteilen. Es soll auch Nichtraucher geben. Der Ursprung der offenen Kaminfeuers ist wohl in England zu suchen, wo er sich ja auch, wie alles, was alt und unpraktisch ist, am laengsten gehalten hat. Kamine und Rheuma haengen eng zusammen. Man kann sich kaum des einen erfreuen, ohne das andere zu haben, da man dabei vorne gebraten und hinten tiefgekuehlt wird. Selbstverstaendlich geht das auch umgekehrt. Weshalb es ratsam ist, vor Kaminen keinen festen Standpunkt zu haben. In gewissem Sinn erleichtert das die davon sprichwoertlich gewordenen Diskussionen. Nachdem das weittragende Auto zusehends Exklusivitaet zu verlieren beginnt, ist es stilvoll und mondaen geworden, die Abende zu Hause vor dem Kamin zu verbringen. Der Film und der englische Kriminalroman haben ein Grossteil zur Popularitaet der Kamine beigetragen. Dort gehoeren sie zur Standardausruestung" des eleganten Milieus, an ihnen wird geliebt (auf weissem Baerenfell), gemordet (in diesem Licht) und meistens getrunken. Wer behauptet, dass man vor einem echten Kamin nur echten Whisdargestellt und hervorragend inszeniert, ist dieser Film ausserordentlich gefaehrlich. Erstens bietet er ein Bild von einer Geistesverfassung die wir als eine Apotheose des Nihilismus bezeichnen koennten und welche die schlimmsten Folgen haben kann. Wir alle wissen, dass aus diesem Geist der Nazismus in Deutschland gross wurde. Er wirkt, dank der aussergewoehnlich guten Darstellung und Regie in nicht wiedergutzumachender Weise auf die empfaenglichen Gemueter der Zuschauer, insbesonders auf diejenigen, die gewoehnt sind ihre Geisteshaltung aus Paris zu beziehen. Und das sind nicht wenige. Sollte dieser Film wirklich ein Bild der gegenwaertigen Haltung der Universitaetsjugend Frankreichs darstellen, stehen wir am Vorabend von Ereignissen die sich nicht abky trinken duerfe, treibt allerdings den Snobismus auf die Spitze. Die Hauptsache bei einem rentablen Kamin ist, dass er angeht. Man sollte ihn daher mit guten Worten, reichlichem Kleinholz und evtl., etwas Petroleum mindestens eine halbe Stunde vor Ankunft der Abendgaeste bearbeiten, da er uns sonst einer tueckischen Blamage -aussetzt und im geraeucherten Effektmoment statt Waerme, nur eine hoehnische Rauchschwade, ins Zimmer blaest. Ein Kamin will, wie eine Frau, zart und liebevoll behandelt sein. Er leuchtet und strahlt, wenn man ihm gute Dinge bester Qualitaet reicht und gibt sich sproede und ungehalten, wollte man ihn mit Abfall und billigen Kram abspeisen. Er will, wie eine Evastochter, verwoehnt, gehaetschelt und stets beachtet sein, sonst geht er aus oder brennt vor Wut ein Loch in den besten Perserteppich. Man ist also als Kaminfeuerwerker pausenlos beschaeftigt, absorbiert und dadurch innerlich der Welt entrueckt. Was wiederum den medizinischen Wert des Kamines in unserem ueberhetzten Hochdruck Leben beweist. Der effektive Heizwert eines Kamines ist dubios. Es waere fast beleidigend und unstandesgemaess, von ihm eine so funktionelle Leistung zu erwarten. Was ein rechter, echter Kamin ist, der heizt nicht, er repraesentiert. Wer glaubt, er sei effektiv nuetzlich, verdient nicht, ihn zu besitzen und beweist hoechstens seinen totalen Mangel an vornehmer Lebensart. Es ist ja gerade der sublime Reiz des offenen Feuers, dass es sinn- und zwecklos im Kamine lodert, ohne sich dienstbar machen zu lassen. Jeder bessere Kamin, der auf sich haelt, wuerde indigniert sofort ausgehen, wollte man etwa Suppe auf seiner Glut koehen. Darum ist ihm also so etwas wie dienstliche Arbeitsleistung nicht zumuten. Er ist, wie eine schoene Frau, mehr zum Anschauen da als zur praktischen Verwendung. sehen lassen, aber in jedem Falle Furcht erregen sollten. Anscheinend hat Frankreich seine Niederlage im zweiten Weltkrieg nicht verwunden. Dass es von anderen Laendem befreit wurde und zu einer “Macht” von ihren Gnaden geworden ist, hat im franzoesischen Volk tiefe Spuren hinterlassen. Aus diesem Film wuerde hervorgehen, dass die Jugend Frankreichs sich mit dem Zusammenbruch der ihnen stets heiligen Ideen der “Gloire” und der “Grande Nation” nicht abfinden konnte und nun, um aus diesem Chaos herauszugelangen, sich den Idealen des damaligen Siegers zuwendet. All dies zu einem Zeitpunkt wo eben diese Verirrungen in Deutschland selbst scheinbar endgueltig besiegt sind. Welche Ironie des Schicksals. H. E. BLINDE KINDER IN ISRAEL bedürfen Eurer Freundschaft und Hilfe Unter.stuetzt das Blindenheim in Jerusalem Asociación de los Amigos de los Ciegos Israelitas "TORMEI - OÍT Portugal 810 Casilla 2487 ANZEIGEN ANNAHME für das BOLETIN INFORMATIVO Nueva York 52 - Of. 412 - Tel. 87765 K.g.

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