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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1960-04-01 · 4 (Abril, 1960) · p. Seite 13

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXII (1960)
Issue
4 (Abril, 1960)
Date
1960-04-01
Page
Seite 13 (sequence 11)
Language
German
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Abril 1960 BOLETIN INFORMATIVO Landes 13 Hier soll nur von den Veraenderungen gesprochen werden, die im woertlichen Sinne ins Auge fallen. Es sind ihrer genug, um nicht nur den heutigen Besucher, der in den ersten Jahren nach der Staatsgründung im Lande war., aufs Hoechste zu überraschen — sie sind sogar dem alten Jisraeli, sofern er nur überhaupt Augen hat zu sehen, deutlich. Und dabei sind ja viele von ihnen so unmerklich langsam vor sich gegangen, dass sie vom Einheimischen leicht übersehen werden koennen. DAS BEBAUTE LAND Es ist viel grüner geworden das heisst, es ist ein unvergleichlich groesseres Areal bewaessert als vor zehn Jahren. Daher gibt es auch im regenlosen Sommer viel mehr Kulturen, die das Auge erfreuen, als die frühere braune Erde der abgeernteten Felder und das Graubraun des Weidelandes. Hauptsaechlich in der Küstenebene, die man von der Bahn aus gut sieht, wie auch in anderen Teilen des Landes, dem Süden bis Beersheba, gibt es eine Reihe neuer Kulturen, die früher hier unbekannt waren oder nur versuchsweise angebaut worden waren: Die samtgrünen Felder der Erdnüsse, auch zwischen den Reihen der neu angelegten Orangengaerten, die jetzt zwecks Bearbeitung mit dem Traktor viel weiter auseinander gepflanzt werden. — Die Baumwoll ■plantagen mit den schoenen, grossen Blüten und spaeter, vor der Pflücke mit dem Schnee der gesprungenen Samenkapseln. Und die sattgrünen Zuckerrübenfelder. Die kleinen neuen Doerfchen mit ihren gleichartigen Haeuschen stehen jetzt viel dichter beisammen. Vorlaeufig ist der Anblick dieser meist noch kahl dastehenden Haeuserreihen ein aesthetisch unerfreulicher. Und viele Besucher vermerken dies auch. Als mir der dritte oder vierte mit tadelndem Kopfschütteln sagte, wie unschoen er es faende, die Neuankoemmlinge so schlecht unterzubringen, suchte ich zwei alte Fotos heraus, die mein Dorf, Benyamina, in den ersten Jahren nach der Ansiedlung zeigen: Da stehen die winzigen Haeuschen, ein Zimmer und Küche, in Reih und Glied im tiefen Sande, dahinter je ein kleiner Stall, und wieder dahinter ein noch kleineres diskretes Gebaeude. Kein Baum, kein Strauch, keine Elektrizitaet, kein Wasser im Haus. Diese Bilder zeige ich mit einer kurzen Erklaerung und dann weise ich stumm zum Fenster hinaus. Die Besucher verstehen und schweigen. In den etwas aelteren dieser neuen Siedlungen gibt es aüch heute schon Gaerten, Blumen und blühende Kletterpflanzen. Ferner sieht das geübte Auge Schattenbaeume, wenn auch in Miniatur. — Die schnell wachsenden Eukalyptusbaeume sind auf so kleinem Areal nicht zu empfehlen — sie verbrauchten zu viel Naehrstoffe und der Boden ist rarer und kostbarer geworden. Dagegen koennte man mehr Melia agederach anpflanzen den indischen Chinabeerenbaum, der blau blüht, noch viel schneller waechst als der Eukalyptus und in seiner schirmartigen Abart sehr viel Schatten gibt. Er hat auch den Vorteil, dass er im Dezember die Blaetter verliert und uns so die Wintersonne nicht wegnimmt. veraenderte Antlitz des BERGLAND, WEIDE, DUENE Ohne mich in die Diskussion über unsere Forstwirtschaft einmengen zu wollen, kann ich doch feststellen, dass man die etwa vierzig Millionen Baeume; die in diesem Jahrzehnt gepflanzt wurden, sehr wohl bemerkt, ja dass, besonders im Galil, viele der kahlen Hoehen schon deutlich übergrünt sind. Dass man fast ausschliesslich Foeren anpflanzte, kann ich nicht gut heissen, weil diese besonders langsam wachsen. Aber wie im mer -— auch unser Bergland sieht ganz anders aus als früher. Dass in Judaea vielfach die alten arabischen Terrassen verfallen sind, wird ebenso zu Unrecht bedauert, wie die Kahlheit der neuen Doerfer. Unsere Leute sind nun einmal keine Fellachen im guten wie im schlechten Sinne, man muss mit Gegebenem rechnen. Ein Gerstenfeld auf einer schmalen Terrasse von vielleicht 30 Quadratmetern, das hunderte von Arbeitsstunden erfordert mit der Haue, der blossen Hand, der Sichel, ist heute nicht mehr zeitgemaess. Solch intensive, geradezu zaertliche Bodenbearbeitung wie die der Fellachen koennen wir von unseren Neueinwanderern nicht erwarten. —• Vielfach wurden schon, wo der Boden es erlaubt, neue breite Terrassen geschaffen, zum Teil mit dem Bulldozer, die maschinell bearbeitet werden koennen und rationell sind. Groesstenteils werden diese mit Kernobst und Gemüse bepflanzt. Die Weide ist auf amerikanische Art verbessert worden, womoeglich umgepflügt und neu besäet wo das wegen der Felsen nicht anging wurde mit der Haue um diese und um Gestrüpp herum aufgelockert und ein wenig versaet. Die neuen, widerstandsfaehigen und dem Klima angemessenen, dabei aber ertragreicheren Grassorten kommen von der Grasfarm in Aschkelon, einem ausgezeichneten Regierungsunternehmen, wo der Samen gezogen und an die Viehbesitzer abgegeben wird. Und die Dünen, unser Wüstenersatz, verschwinden langsam. In meiner Gegend, landeinwaerts von Caesarea, aber bis an den Strand heran, war einst der fruchtbarste Teil dieses Landes. Die herrlichen Gaerten der Gegend wurden sogar von roemischen Dichtern als einzigartig besungen. In den langten dunklen Jahrhunderten, wo dieser Teil der Küstenebene menschenleer geworden war, flog der Meersand vom Strande ungehindert landeinwaerts, namentlich im Herbst und Winter, wenn die starken Westwinde wehen. Stand da ein einsamer Busch, ein Baum, eine Saeule — der Sand legte sich sanft herum und bildete bald einen Berg. So entstanden die Dünen. Heute kann man diesen Sand nicht mehr wegbringen,' nicht einmal mit dem Bulldozer, un zu der guten Erde darunter zu gelangen. Aber man kann ihn beoflanzen ’ und so langsam wieder für die Kultur gewinnen, vor allem das immer weiter Landeinwaerts - Wandern hemmen. Zuerst machte man das mit bestimmten Graesern und Buschwerk, und dann, nachdem Versuche hier in Jisrael gezeigt haben, dass dieser Baum der geeignetste für den j Zweck ist, mit Acacia longifolia dem im Februar und Maerz schoen dot-! tergelb blühenden Baum mit den langen Rispen, die aber im Ge- Von Paula Arnold gensatz zu den aehnlichen Blüten der nahe verwandten Mimose keinen Duft haben. So werden die Dünen gefestigt und übergrünt. Auch dies ist gut mit dem freien Auge zu sehen, wenn auch noch vielfach der nackte Sand hervorlugt. GAERTEN und ALLEEN Nicht nur die Zahl der Hausgaerten in Stadt und Land hat zugenommen •— auch kleine und grosse oeffentliche Gaerten manchmal hervorragende Leistungen des Landschaftsgaertners, erfreuen uns allenthalben, nicht einmal nur in den Staedten. Wir denken an das Scherzwort des' Bürgermeisters von Ramat-Gan, den ein Besucher vor vielen Jahren fragte, als noch Dizengoff Bürgermeister des von ihm begründeten Tel-Aviv war; “wie kommt es, dass in dem kleinen Ramat-Gan so viele oeffentliche Gaerten sind, und in Tel-Aviv so gut wie keine?” — Der Bürgermeister antwortete augenzwinkernd: “Gleich anfangs haben Dizengoff und ich es miteinander ausgemacht •—• er macht keine Gaerten und ich mache kein Meer”. — Tatsache ist ja, dass Tel-Aviv an seinem Strand einen gewissen Gartenersatz und an dem weiten Meer eine sehr grosse Lunge zum Atmen für die grosse Stadt hat. Trotzdem ist es traurig, dass so wenig oeffentliche Gaerten und so winzig kleine Hausgaerten in diesem einst als Gartenstadt gedachten Haeusermeer vorhanden sind. Jerusalem ist hier besonders unter der Aegide des zu früh verstorbenen Bürgermeisters Agron vorbildlich geworden. Das berühmte “Loch” mitten in der Stadt, ein in den Felsen gesprengter Bauplatz, der nicht verwendet wurde und verwahrlost dalag, ist in den charmanten Garten mit der Riesenmenorah verwandelt worden. Der ausgedehnte Mamillah-Friedhof, wo ebenfalls inmitten der Neustadt ein wüster Raum brach lag, ist zum Park gemacht worden; natürlich ist der Graeber enthaltende kleine Teil unberührt geblieben. Auch der Rosengarten in Talpioth ist zu nennen. —- Ausserhalb, oder besser, am Rande der Stadt liegen schoene Anlagen, die an sich interessant sind und ausserdem einen weiten Blick gewaehren — die neu ausgegrabenen Synhedriongraeber mit ihren Kieswegen und Zierbüschen, und der Bibel-Tiergarten. Haifa hat eine Menge herrlicher oeffentlicher Gaerten, sowohl auf dem Hadar wie auf dem Carmel. Ferner ist in Haifa etwas getan worden und wird noch fortgeführt, das wohl zur Nachahmung empfohlen werden kann: An vielen kleinen Ecken und sonstigen freien Plaetzen, die sich in einer steilen Gebirgstadt be-' sonders oft finden, werden kleine Parks mit Ruhebaenken oder, wo tunlich, mit Kinderspielplaetzen angelegt. Es sind erquickliche Plaetzchen, oft mitten in der düsteren Altstadt. Eine schoene Sitte, die sich h,erausgebildet hat, ist es, Gaerten statt Denkmaeler zu stiften. Wir nennen den herrlichen Rothschildpark in Sichron, den Weizmanngarten in Rehovoth die Anlagen auf dem Herzlberg in Jerusalem, den besonders schoenen kleinen Garten in Haifa, auf einem Platz mit bestrikkender Aussicht, der früher von Militaerbaracken benutzt war und unseren Kriegsgefallenen gewidmet ist, und die ebenfalls den Kriegern der Stadt gewidmeten Anlagen auf dem Gipfel oberhalb Safed, von wo aus man bis zum Kineret und darüber hinaus sieht. Alle Strassen in Jisrael haben vierfache Baumreihen bekommen . Auch hier bin ich nicht damit einverstanden, dass diese überall Eukalyptus sind, aber da der Eukalyptus immergrün und sehr schnellwüchsig ist, will ich nichts dagegen sagen. ARCHITEKTUR Die Veraenderungen im Bauwesen sind wohl dem Besucher am auffaelligsten. Da haben wir einige fast Hochbauten zu nennende in den Staedten — die “Histadrutburg” in Tel-Aviv, das Solei Bone-Haus in Haifa und andere. Da sind die vorlaeufig nicht allzu erfreulichen neuen Wohnhausbauten mit vier- und fünfstoeckigen Haeusern, architektonisch wenig glücklich, manchmal durch Buntheit ein wenig gehoben. Namentlich die um Jerusalem herum sind sehr haesslich... Allerdings gilt auch für diese, was von den neuen Dorfbauten gesagt wurde: sobald sie mit Grün umgeben sein werden, wird ihr Anblick erfreulicher sein. In Bat Galim (Haifa) zum Beispiel sehen sie mit den kleinen Rasenplaetzen dazwischen und den schon hoch gewachsenen Baeumen recht nett aus. Es waere freilich eine Verordnung noetig, wie sie in Europa überall besteht, dass Badewannen und Gerümpel nicht auf den von der Strasse sichtbaren Balkons aufzuhaengen sind. Auch in den alten Doerfern einschliesslich der Kibbuzim sind Veraenderungen baulicher Natur vor sich gegangen, alle durchaus erfreulich. Man baut schoener und zweckmaessiger, man baut alte Haeuser auf gefaellige Art um, und vielfach sind oeffentliche und halboeffentliche Bauten, wie Gemeindehaeuser, Kulturzentren, Versammlungssaele, Schulen, Banken, Postgebaeude entstanden, die gradezu eine Zierde sind, alle mit gut gepflegten Vorgaerten. Ein besonderes Kapitel sind die herrlichen Hochschulbauten in Haifa (Technion) und Jerusalem (Universitaet). Die Architekten waren in der glücklichen Lage ein ausserordentlich günstiges Terrain zur Verfügung zu haben, in Haifa noch dazu mit der Aussicht aufs Meer. Es ist schon viel darüber gesprochen worden, dass diese luxurioesen Bauten einem armen, kleinen Staate, wie wir es sind, nicht entsprechen. Darauf wird erwidert, dass die meist amerikanischen Spender auf dem Prunk und der Raumverschwendung bestehen. Es ist für den Aussenstehenden schwer zu beurteilen, ob dies unvereinbar ist. Indessen geht diese Eroerterung über den Rahmen unseres Themas hinaus. Wunderschoen ist die Universitaet, ebenso das Technion, und auch das Weizmann-Institut, zumal das freilich unter flachem Gelaende leidet. In mehreren Staedten sind schoene, vorbildliche Spitaeler, Konzertraeume und Museen gebaut worden, grossenteils mit Hilfe von Spenden. Bisher das eindrucksvollste ist wohl das Mann-Auditorium in Tel-Aviv. DIE TIERWELT Auch hier sind grosse Veraenderungen zum Guten vor sich gegangen — und wirklich ist dies unser, der jüdischen Kolonisation Verdienst. Mit dem Austrocknen der Sümpfe und der Bekaempfung der Anophelesmücke überhaupt ist die Malaria verschwunden —• ein Segen, von dem viel zu wenig Aufhebens gemacht wird. Ferner — auf einem ganz anderen Gebiete, sozusagen umgekehrt — haben sich die Tierschutz - und Naturschutz-Gesellschaften den Behoerden gegenüber solange unangenehm bemerkbar gemacht, bis eine Reihe Naturschutzgebiete errichtet wurden, das berühmteste in einer Ecke des ehemaligen Hulesees, der bis auf diese Zuflucht für Wasservoegel, Ottern und anderes Getier jetzt ausgetrocknet ist. Abgesehen von diesen Gebieten haben sich unsere Voegel ganz von selbst, das heisst ohne unser absichtliches Zutun, unendlich vermehrt, weil wir so viel Wasser aus der Tiefe gebracht, soviel bebautes Land neu geschaffen und namentlich so viele Baeume gepflanzt und Gaerten angelegt haben. Wo früher nur der Aasgeier kreiste, leben jetzt Dutzende von Vogelarten, und viele tausende von Individuen erfreuen Auge und Ohr und sind meist auch sehr nützlich. Ja, viele Voegel, die früher nur voruebergehend im Lande weilten, fanden, bei uns sei es gut und sind aus “Touristen” Einwohner geworden, die bei uns nisten. — Ferner wurde ein vernünftiges Jagdgesetz geschaffen — das englische beruhte auf englischen Verhaeltnissen —, und die schoene Gazelle, die fast ausgestorben war, ist uns erhalten geblieben. Freilich stiftet sie jetzt viel Schaden und ihre Zahl wird wohl eingedaemmt werden müssen. “M. B.” Ludwig Schwerin; Wadi Hamam im Gali!.

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