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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1960-03-01 · 6 (Junio, 1960) · p. Seite 12

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXII (1960)
Issue
6 (Junio, 1960)
Date
1960-03-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 BOLETIN INFORMATIVO Marzo 1960 DIE URO TEILT MIT: ZWANGSARBEITER BEI KRUPP Der Vertriebenenminister im Kabinett Adenauer, Theodor Oberlaender, steht seit einigen Monaten, aber nicht zum erstenmal in seiner Nachkriegskarriere, unter schweren Angriffen wegen seiner Verg#ngenheit als nationalsozialistischer Ostpolitiker. Die neue Welle massiver Anklagen ist eindeutig jenseits des Eisernen Vorhanges ausgeloest worden und ist auf die durchsichtigen Zwecke der kommunistischen Hasskampagne gegen die Bundesrepublik und ihre politische Führung abgestimmt. Auch die “Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes” (VVN) in der Bundesrepublik, die sich an dieser Kampagne führend beteiligt, gilt als kommunistisch gesteuert und ist in zwei Bundeslaendem deshalb auch bereits verboten worden. Die propagandistische Abwehr in Bonn begnügt sich da und dort mit solchen Feststellungen in der Meinung, mit dem Hinweis auf oertliche Hintergründe sei der Fall erledigt und ausgestanden. Leute mit weniger automatischen Reflexen allerdings koennen sich damit nicht recht zufriedengeben. Beunruhigung ist bis in das Lager CDU hinein festzustellen— dem Oberlaender seit einigen Jahren angehoert, nachdem er als arrivierter Minister 1955 mit dem BHE gebrochen und vorher schon der Partei seiner ersten Wahl nach dem Krieg, der bayrischen FDP, den Rücken gekehrt hatte; der "Rheinische Merkur”, ein führendes Organ des politischen Katholizismus, hat vor zwei Wochen eine parlamentarische Untersuchung über die Vergangenheit des Vertriebenenministers verlangt. Ausgangspunkt der neuen Angriffe sind die bisher unbewiesenen Behauptungen, dass Oberlaender mitverantwortlich sei für Pogrome, die sich im Anschluss an die Besetzung Lembergs Anfang Juli 1951 durch deutsche Truppen ereignet haben sollen und bei denen, je nach Quelle, 30 polnische Intellektuelle oder sogar ein paar Nationalisten umgebracht worden sein sollen. Der Vorgang ist nicht recht zu durchschauen. Oberlaender erklaert—■ und Berichte deutscher Soldaten und auslaendischer neutraler Korrespondenten aus jenen Tagen unterstützen ihn darin—•, das die Sowjets selber, bevor sie Lemberg raeumten, ein graessliches Massaker in den Gefaengnissen der Stadt angerichtet haetten und dass jene Morde, 2400 an der Zahl aehnlich wie im Falle Katyn, nun den Deutschen zur Last gelegt würden. So wie der Einmarsch in Lemberg “ein erhebendes Gefühl”, so sei der Anblick der Leichen in den Gefaengniskellem sein furchtbarstes Kriegserlebnis gewesen, aeusserte Oberlaender dazu kürzlich vor der Presse. Oberlaender war damals Offizier, nach seiner Darstellung Dolmetscher, Ausbilder und “Sachverstaendiger für fremdes Volkstum” in einer von den Deutschen aufgestellten Einheit ukrainischer Freiwilliger, die den poetischen Namen “Nachtigall” trug. Waehrend der Anwesenheit dieser Einheit in Lemberg im Sommer 1941 soll nach Oberlaender weder ein Schuss gefallen, noch soll ihm auch nur eine einzige Unrechthandung seiner Soldaten bekannt geworden sein. Nach einer Reihe anderer Darstellungen aber kam es nach der Besetzung Lembergs durch die Deutschen zu grauenhaften Ausschreitungen und Massenexekutionen, an denen die SS, aber auch Ukrainer beteiligt gewesen sein sollen. Alexander Dallin der das Standardwerk über die "Deutsche Herrschaft in Russland” (deutsch 1958) geschrieben hat, erwaehnt in diesem Zusammenhang sogar ausdrücklich das “Regiment Nachtigall”, scheint sich aber heute von seiner Darstellung in diesem Punkt zu distanzieren. Ob in Lemberg hintereinander Russen, Ukrainer und Deutsche gegen Polen und Juden gewütet haben, ob Oberlaenders Einheit dabei eine Rolle gespielt hat oder nicht und welches Oberlaenders spezifische Verantwortung war, das alles ist heute noch nicht oder nicht mehr voellig eindeutig festzustellen. Auf Anregung Oberlaenders hat sich vor einigen Tagen ein internationaler Ausschuss, dem fünf nichtdeutsche Mitglieder der “Union des Résistants pour une Europe unie” (URPE) angehoeren, an die Arbeit gemacht, um Licht in diese Vorgaenge zu bringen und Klarheit über Oberlaenders Rolle zu erhalten. Der Ausschuss will die Resultate seiner Recherchen in einigen Monaten bekanntgeben. Am guten Willen der Beteiligten zu einer objektiven Wahrheitsfindung wird hier nicht gezweifelt. Es gibt freilich Leute in Bonn, die eine parlamentarische Untersuchungsinstanz als noch weniger befangen vorgezogen haetten. Eine Untersuchung auf solcher Ebene ist jedoch bisher auch von der Opposition in Bonn nicht gefordert worden. Sie gilt als ein heikles und riskiertes Unterfangen, weniger wegen der vergangenen Dinge, die dabei wieder an die Oeffentlichkeit kommen koennten, als weil man fürchtet, damit die Geschaefte der kommunistischen Propaganda zu besorgen. Die SPD hat sich denn auch bisher damit begnügt, oeffentlich den Rücktritt Oberlaenders zu fordern, hat aber damit kein Gehoer gefunden. In einigen CDU-Kreisen, die Oberlendes ebenfalls als Belastung empfinden, wird von einer parlamentarischen Aktion abgeraten, weil man dort nicht gerne in eine Situation kaeme, wo man aus parteipolitischen Gründen zu einer Solidaritaetsdemostration gezwungen sein koennte. Man nimmt dort nicht an, wie übrigens auch anscheinend bei der SPD nicht, dass Oberlaender durch die Ereignisse in Lemberg selber und durch seine Taetigkeit bei den ukrainischen “Nachtigallen” schwer belastet wird. Die Bonner Staatsanwaltschaft, der das Belastungsmaterial gegen Oberlaender vorliegt, hat bisher von sich aus kein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Eine andere Frage ist es, wie der Ostlandpolitiker Oberlaender nach allem, was über ihn bekannt und in letzte Zeit wieder in die oeffentliche Eroerterung gerückt ist, in die heutige politische Landschaft der Bundesrepublik passt. Oberlaender war als junger Student schon an der Seite Hitlers marschiert, naemlich bereits im Jahre 1923 bei der Münchner Erhebung. Als er dann erst 1933 der NSDAP beitrat, scheinen sich Parteiinstanzen dafür verwendet zu haben, dass ihm für jenen frühen Beweis seiner politischen Neigung der “Blutorden” verliehen werde; er erhielt ihn jedoch nicht. In der NSDAP wurde Oberlaender Mitglied des “Gaustabes” Erich Kochs in Ostpreussen, erhielt den Rang eines SA - Obersturmführers und trug entsprechende Uniform und wirkte als Leiter des “Bundes deutscher Osten”, der sich dem “Volkstumskampf’ im polnisch-deutschen Grenzraum widmete. Laut Faksimile einer Parteikorrespondenz aus den dreisiger Jahren wurde ihm “erfolgreiche Arbeit auf wissenschaftlicher Grundlage für den kulturellen Grenzkampf gegen Polen und die baltischen Staaten” attestiert. Als Professor für Ostkunde, im besonderen für osteuropaeische Wirtschaft in Koenigsberg, spaeter in Prag, hat er in einer Reihe von Organen der Volkstumskaempfer jener Zeit Ansichten geaeussert, die zum mindesten in ihrem Vokabular den Blubo Theorien der Nazi taeuschend aehnlich waren. Da ist die Rede von der “rassischen Ueberlegenheit” der Deutschen über die osteuropaeischen V o e 1 k e r, davon dass “fremdes Blut” auf die Dauer “nicht die Ehre haben darf, deutschen Boden zu bebauen” (!) usw. usf. In einem Aufsatz, der 1940 nach dem Feldzug in Polen unter seinem Namen in der Zeitschrift “Neues Bauerntum” erschien, wird eine “restlose Eindeutschung der Ostgebiete” gefordert, das heisst die “voellige Aus- und Umsiedlung” der fremden Elemente, wobei ‘eine einmalige Haerte besser als ein durch Generationen waehrender Kleinkampf” sei; zum Sieg des Volkstums gehoere die “Reinhaltung der Rasse, eine starke biologische Kraft, eine feste Bindung an den Boden und eine eigenvoelkische dichte agrarische Unterschicht mit tiefstem Gemeinschaftsgefühl”. Oberlaender hat 1954 dazu erklärt, der Artikel, dem diese letzten Zitate entstammen, sei auf hoehere Weisung groeblich veraendert worden; ehemalige Mitglieder der Redaktion haben das mit Eid bestaetigt, ohne dass allerdings bekannt waere, was im einzelnen geaendert wurde. Oberlaender selbst will von diesen Aenderungen erst nach dem Krieg erfahren haben, obwohl er nach 1940 noch eine ganze Weile lang in nationalsozialistischem Sjnne Volkstumsfragen betreute. Er stellt im übrigen solchen Zeugnissen rassischer Denkweise andere Aufsaetze aus seiner Feder gegenüber, zum Beispiel einen aus dem Jahre 1934 (“Der neue Weg”), wo er das Prinzip des friedlichen Zusammenlebens versch i e d e n e r Rassen in Gebieten mit gemischter Bevoelkerung statuierte. Die eingentliche Entlastung glaubt Oberlaender jedoch in seinem Verhalten vom Herbst 1941 an zu finden. Er verfasste verschiedene Denkschriften, in denen er die nationalsozialistische Besetzungspolitik namentlich in der Ukraine entschieden kritisierte, weil sie die eingesessene Bevoelkerung den deutschen Okkupanten entfremde, Feindseligkeit schaffe und damit “die Gewinnung hoechster Ernaehrungsüberschüsse” i m besetzten Gebiet behindere; spaeter aeusserte er sich noch entschiedener für eine Politik der Partnerschaft mit den Slawen, für tolerantere Kulturpolitik und für eine Agrarreform im In den letzten Tagen des vergangenen Jahres ist ein Abkommen zwischen der Claims Conference und der Firma Krupp zustandegekommen, wonach auch Krupp, aehnlich wie frueher I. G. Farben, juedische KZ-Haeftlinge, die fuer Krupp Zwangsarbeit geleistet hatten, ohne Anerkennung einer Rechtspflicht fuer die ausgestandenen Leiden entschaedigen will. Voraussetzung fuer die Beruecksichtigung ist Haft in einem KZ und Zwangsarbeit bei Krupp oder einer Tochtergesellschaft. Im Abkommen sind Lager und Werke nicht genannt, doch kommen vornehmlich drei in Frage: Markstaedt-Fuenfteichen, Essen- Nach dem Oesterreichischen Gewerblichen - Selbstaendigen - Pensionsversichertengesetz (GSPVG) von 1957 und 1959 haben ehemals in Oesterreich selbstaendig taetig gewesene Verfolgte genau wie Angestellte und Arbeiter die Moegüchkeit eine Invaliden- oder Altersrente zu erhalten. Vorlaeufig wird eine Rentenzahlung nach diesem Gesetz nur an Anspruchsberechtigte, die in Oesterreich leben, geleistet. Das Committee for Jewish Claims on Austria erwartet aber zuversichtlich, dass auch die Rentenzahlung an Anspruchsberechtigte in das Ausland durchgesetzt werden wird. In der Zwi- Die Anmeldefrist fuer dieses Gesetz ist bis zum 31. Dezember 1960 verlaengert worden. Um die Moeglichkeit der Abfertigung der Antraege per Schiffspost wahrzunehmen, wird An- Osten. Dallin würdigt diese Kritik in seinem Buch positiv. Sie brachte Oberlaender bei Himmler in Ungnade und hatte seine Entlassung aus der Wehrmacht zur Folge. Oberlaender pflegt sich von diesem Augenblick an als eine Art Verfolgter des Regimes zu bezeichnen, den seine Parteigenossen ins KZ sperren und sogar hinrichten lassen wollten. Es geschah ihm jedoch nichts, vielmehr durfte er nach seinen Frontjahren als Professor und Ordinarius in Prag rekonvaleszente SS - Soldaten-Studenten in Ostkunde akademisch unterrichten. Wie tief und grundsaetzlich die durch den Augenschein in der Humboldstrasse und Berlin-Neukoelln. Anders als bei IG-Farben haben bei Krupp auch weibliche Haeftlinge Zwangsarbeit geleistet. Die Durchfuehrung des Abkommens ist der Compensation Treuhand GmbH, in Frankfurt-Main, Staufenstr. 29a, uebertragen worden. Antraege muessen spaetestens bis zum 31. Dezember 1960 in Frankfurt-Main eingegangen sein. Die URO steht den Anspruchsberechtigten in ihrem Buero, Presidente Rios 26, Of. 12, Montag bis Freitag von 15 bis 17 Uhr, zur Beratung und Antragsaufnahme zur Verfuegung. schenzeit wird allen Anspruchberechtigten empfohlen in Briefform die Zuerkennung der Pension bei der. Pensionsversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft Wien IX, Berggasse 16 zu beantragen und, soweit sie die oesterreichische Staatsangehoerigkeit besitzen, dort um Bewilligung des Auslandsaufenthaltes einzukommen. Fuer naehere Auskuenfte: URO, Presidente Rios 26, Of. 12 Montag bis "Freitag von 15 bis 17 Uhr. spruchsberechtigten em p f o h le n, Ihre Antraege so rasch wie moeglich einzureichen. Ukraine bewirkte Konversion des nationalsozialistischen Ostpolitikers Oberlaender war, entzieht sich heute der Beurteilung; nach dem Krieg hat er sich einer internationalen moralischen Erweckungsbewegung angeschlossen und geniesst in ihren Reihen offenbar Vertrauen. Für Bonn stellt sich heute in erster Linie allerdings die politische, vor allem auch aussenpolitische Frage, ob die Belastung durch die Vergangenheit dieses Ministers für das Bundeskabinett tragbar ist im Hinblick auf das Verhaeltnis zu Polen wie auch im Hinblick auf moegliche kritische Fragen westlicher Partner. (“Neue Zürcher Zeitung”). ALFREDO BERLINER Fábrica de Confecciones finas para Señoras Abrigos Trajes 2 piezas Chaquetones Santiago Marcoleta 250 Casilla 6046 (dentro Mercado Pdte. Ríos) Tel. 36143 Oesterreichische Sozialversicherungsrente fuer ehemals selbstaendige Gewerbetreibende Oesterreichisches Kriegs und verfolgungssachschaeden - Gesetz URO SANTIAGO Presidente Ríos 26, Of. 12.

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