Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXII (1960)
- Issue
- 2 (Febrero, 1960)
- Date
- 1960-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Il H^ju REDACCION* S.C. I. S’NE JISROEL AV. PORTUGAL. 810. CASILLA 2487. SANTIAGO «CHILS BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT Iso CI EDAD CULTURAL ISRAELITA "B'NE JISROEL" J AÑO XXII — N° 2 SANTIAGO DE CHILE FEBRERO 1960 Eine Warnung an die Menschheit Der Virus in “Asiatische Gehirngrippe” hat die englische Presse die Geisteskrankheit genannt, die der antijuedische Virus in wenigen Tagen von Koeln nach Mailand, New York, Melbourne, Bogotá, London und selbst in das bisher stets immune Holland getragen hat. Natuerlich konnte auch in Chile der Typder von der Natur etwas klaeglich bedachter Subjekte nicht fehlen, die einer solchen Infektion rasch zum Opfer fallen. Bis Redaktionsschluss waren allerdings die "Heldentaten" dieser Elemente ebenso jaemmerlich wie ihre Urheber und im Moment legt nur das eine oder andere auf Haeuserwaende geschmierte Hakenkreuz —meist verkehrt herum, wie auch auf der Armbinde des hier abgebildeten “Uebermenschen”— davon Zeugnis ab. Eine kurze Schlaegerei auf der Plaza Brasil endete mit der Ankunft der Polizei und ein mit Kreide bewaffneter Schnoesel wanderte dank der energischen Haltung einer juedischen Dame vom sonnigen Strand in Salinas ins duestere Polizei-Quartier von Viña del Mar. Eine organisierte Gruppe trat am 4. Januar auf dem Allgemeinen Friedhof in Erscheinung, wo sie auf dem Denkmal zu Ehren der am 5. September 1938 gefallenen Nazi- Studenten eine Hakenkreuzfahne hinterliessen. Am folgenden Tage hissten sie einen ebensolchen Fetzen in San Antonio 559, wo die 2. Ortsgruppe der Nationalistisch - Voelkischen Partei (Partido Nacionalista Popular) ihren Sitz hat. Beide Stofflappen wurden von der Polizei entfernt. Diese ominoese “Parte i” muss zusammen mit der “Revolutionaeren National-Syndikalistischen Bewegung” (Movimiento Revolucionario Nacional Sindicalista) als Erbin der N. S. Bewegung in Chile angesehen werden. Ihre Geschichte beginnt im Jahre 1932 mit der Gruendung des “Movimiento Nacional Socialista” unter Fuehrung von Jorge González von Marées. Die Ausbildung der “Sturm-Truppen” (Tropas Nazistas de Asalto) unterstand dem General i. R. Carlos Vergara Montero und fuehrte zur Entstehung einer Elite und Fuehrerschicht, von deren intellektuellen und sonstigen Qualitaeten unsere Illustration beredtes Zeugnis ablegt. Im Jahre 1938 erachteten sie den Moment zu einer “schlagartigen” Handlung fuer gekommen und hetzten ihre beste Jugend in einen bewaffneten Putsch, der vom damaligen Praesidenten Arturo Alessandri Palma mit aller Energie niedergeschlagen wurde. Die im Gebaeude des Seguro Obrero gefallenen 62 Jugendlichen werden von den hiesigen Nazis und Faschisten als Maertyrer verehrt. González von Marées trat nach dem Kriege der Liberalen Partei bei und fuehrte 1952 die Propaganda-Abteilung in der Wahlkampagne des Praesidentschaftskandida ten Arturo Matte Larrain, der bekanntlich ein Schwiegersohn des ehemaligen Praesidenten Arturo Alessandri Palma (und ein Schwager des jetzigen Praesidenten) ist. Auch seine Partei konnte sich nie von dem vernichtenden Schlag des 5. September 1938 erholen und ging bereits im Jahre 1942, noch in der Epoche der deutschen Waffenerfolge, schmaehlich ein. In den ersten Nachkriegsjahren schien es, dass sich die dispersen Unverbesserlichen in der A. Ch. A. (Acción Chilena Anticomunista) zu sammeln versuchten, die von dem notorischen Antisemiten Arturo Olavarria Bravo ins Leben gerufen wurde. Die Teilnahme ehrlicher demokratischer Elemente (u. a. der Sozialist Agustín Alvarez Villablanca) an der Fuehrung dieser organisatorischen Missgeburt vereitelten jedoch diese Absichten. Als die Initiative im Kampf gegen die Kommunisten dann von der Regierung González Videla selbst ergriffen wurde, war es ganz aus mit der A. Ch. A.— Begeisterung und die Bewegung geriet Ende der 40er Jahre in Vergessenheit. Inzwischen war unter Fuehrung von Jorge Prat Echáurren, spaeter Finanzminister und Praesident der “Banco del Estado’ in der Regierung Ibá- Chile nez, die Zeitschrift “Estanquero” zum ideologischen Sprachrohr des Faschismus in Chile geworden, in der es auch nicht an gelegentlichen antijuedischen Entgleisungen fehlte. Als die jungen Herren von “Estanquero” jedoch vom Regime des General Ibänez mit grosszuegigen Pfruenden bedacht wurden, legte sich ihr “revolutionaerer” Elan und das Blatt stellte sein Erscheinen ein. Andere Nazis, die waehrend der Wahlkampagne des General Ibänez Morgenluft gewittert hatten und -verschiedene Parteien, wie vor allem die “Partido Agrario Laborista” unterwanderten, wurden von den demokratischen Elementen aus der engsten Umgebung des Generals (del Pedregal, Rosetti, Fenner) gebremst. Der Ideologe der Partei und des Faschismus in Chile, der Senator Guillermo Izquierdo Araya, dem man anrechnen muss, dass seine Reden immer frei von antijuedischen Ingredienzen waren, ist sogar seit einigen Jahren Gast bei den Feiern zur Unabhaengigkeit des Staates Israel und hat als parlamentarischer Fuehrer der Partido Nacional Populär (ehemals “Agrario Laborista’; nicht verwechseln mit “Nacionalista Populär”) die Erklaerung des Senats gegen den Antisemitismus mitunterzeichnet. Im Jahre 1958 ereignete sich die Ku-Kux-Klan Episode mit der Verhaftung der vier Synagogenattentaeter Unter Fuehrung von Franz Pfeifer, die dann aufgrund der Ausserkraftsetzung des Gesetzes zur Verteidigung der Demokratie auf freien Fuss gesetzt wurden. Steckbrief Ermutigt durch die weltweite Ansteckung, die der Virus der antijuedischen Gehimgrippe verursacht hat, haben sich in den letzten Wochen die “alten Hunde”, wie sich die hiesigen “alten Kaempfer” bezeichnenderweise selbst nennen, neu gruppiert. Sie treffen sich am letzten Freitag jeden Monats in San Antonio 559 unter Fuehrung ihres “Duce” Jorge Zamorano Fuenzalida, 30 Jahre, Elektrotechniker. Der Schriftfuehrer ist Cesar Bas- Im Namen der Regierung Israels gab Justizminister Pinchas Rosen am 5. Januar eine offizielle Erklaerung vor der Knesset ab, von der uns die folgende zusammengefasste Version vorliegt: “Die Regierung von Israel und das Volk von Israel verfolgen mit groesster Aufmerksamkeit alle Geschehnisse, die unsere Brueder in den Laendern der Zerstreuung betreffen . Wir sind erschuettert und entsetzt ueber die Hasskundgebungen und die Aufhetzung, die letzthin in Deutschland ausbrachen und sich von dort auf andere Laender erstreckt haben. Es ist wahr, dass diese Verhetzung, deren widerwaertigste Aeusserung im Wiederaufleben des Hakenkreuzes, welches vom Blut von Millionen Menschen befleckt ist, besteht, weder die Politik der Regierung dieser Laender noch die Einstellung ihrer kultivierten Menschen ausdrueckt. Wir haben deren Ablehnung vernommen und die Forderung, diesen Krebsschaden des Judenhasses auszumerzen, ueber. all dort, wo diese Ablehnung und diese Forderung ausgesprochen wurden. Aber dieser moralische Ansporn darf die Beurteilung des Problems in seiner ganzen Tragweite nicht abschwaechen. Die Geschichte hat bewiesen, dass dieser schmachvollen Verderbnis mit aeusserster Entschlossenheit entgegengetreten werden muss und dass sie radikal und mit allen Mitteln ausgemerzt werden muss, bevor aus den Handlungen vereinzelter verbrecherischer Elemente eine Katastrophe fuer-ganze Nationen und fuer die gesamte Menschheit wird”. Im gleichen Sinne liegen Stellungnahmen des “Juedischen Welt Kongress” und der “Anti Diffamation League” der B’ne Brith Loge vor, decourt Morales, 38 Jahre, Lehrer; Chef des “Schwarzen Bataillons’ der bewusste Franz Pfeifer. In San Miguel steht ein gewisser Elias Riquelme an der Spitze, in Verein mit Eduardo Barras und Enrique Valenzuela. Vermutlich ist auch der unfehlbare Rodolfo von Gotschlich dort zu finden. Sprachrohre dieses Konkubinats von M. R. N. S. und Partido Nacionalista Popular ist das Hetzblaettchen “Bandera Negra” und einige Wandzeitungen; Pfeifer soll die Absicht haben, ein Blatt mit dem Namen “Ataque” (Goebbels besass den “Angriff”) herauszubringen. Zu ihren ren politische Leiter in Europa ganz besonders in Bonn vorstellig wurden. So ist vor allem der Weltkongress an den deutschen Aussen minister Heinrich von Brentano mit den folgenden Forderungen herangetreten: 1. ) Eine umfassende Untersuchung der neonazistischen Gruppen durchzufuehren; ihrer Zusammensetzung, Umtriebe, Finanzierung und internationalen Verbindungen, sowie ihrer Einflussnahme in allen deutschen Staaten und im Bund. 2. ) Das Ergebnis dieser Untersuchung den anderen Regierungen des Westens weiterzuleiten. 3. ) Massnahmen zur antinazistischen Erziehung der deutschen Jugend zu treffen und Schulen und Universitaeten zur Aufklaerung ueber die Nazizeit und ihre Folgen fuer Deutschland und die Welt anzuhalten. 4. ) Die Entfernung der Nazis aus fuehrenden Stellungen der Verwaltung, Gerichtsbarkeit und Erziehungswesen zu gewaehrleisten. 5. ) Eine Untersuchung ueber die Rechtsmittel anzustrengen, die zur Haftbarmachung und Aburteilung der straffreien Kriegsverbrecher angewandt worden sind, unter besonderer Beruecksichtigung des Umstands, dass die bisher gezeigte Milde die augenblickliche neonazistische Welle gefoerdert hat, und 6. ) Eine Untersuchung der Pensions . Zahlungen an alte Nazis anzuordnen, sowie ueber die Verwendung dieser Zahlungen zur Finanzierung neonazistischer Aktivitaeten. Symbolen gehoert ausser dem Hakenkreuz auch zwei gekreuzte Pfeile, nach dem Mus. ter der balkanischen Pfeilkreuzler. Die Gruppe ist klein und umfasst hoechstens einige 200 Fanatiker. Die Organisation ist schwach und ihre Leiter groesstenteils vorbestrafte Elemente, arbeitslose Faulenzer und Geistesschwache. Bisher sind alle ihre Schurkereien im Meer der allgemeinen Verachtung und der eigenen Laecherlichkeit untergegangen. Aber sie sehen es als ihre Aufgabe an, der chilenischen Gesellschaft den Krebsschaden des Nazismus einzuimpfen.