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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1959-12-01 · 12 (Diciembre, 1959) · p. Seite 25

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXI (1959)
Issue
12 (Diciembre, 1959)
Date
1959-12-01
Page
Seite 25 (sequence 25)
Language
German
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Diciembre 1959 BOLETIN INFORMATIVO 25 DEVONSHIRE STREET 4 Ein Besuch in der Londoner "Wiener Library" und bei Dr. Alfred Wiener, de ¿tea# / ' f. I. z. o. Unser Arbeitsjahr neigt sich seinem Ende zu, bald werden die langen Sommerferien beginnen. Aber Wizoarbeit ruht nicht und, wenn sich auch die Gruppen nicht treffen, so sollte sich doch jede einzelne Chawerah mit den Aufgaben der Wizo beschaeftigen. Die verschiedenen Gruppen haben die Frage “Was kann ich fuer Wizo tun” erfolgreich besprochen. Un doch sind wir sicher, dass aus dem grossen Kreis unserer Wizoschwestem noch manche Anregung kommen koennte. Bitte ueberlegen Sie Alle sich diese Frage und machen Sie uns Vorschlaege! Und bedenken Sie auch unsere Kulturarbeit. Welche Themen interessieren Sie? Moderne Literatur, Musik, Bibelerklaerungen, Israel? Wir wollen nach den Ferien mit einem Kulturprogram beginnen, das in unseren Gruppen eine starke Resonanz finden wird. Wir wollen, dass jede Chawerah aktiv an unseren Bestrebungen teilnimmt. Wir wollen eine starke Einheit bilden. PROGRAMM Wer heute das nette, kleine Haus im Londoner Westen in der Devonshire Street 4 betritt, an dessen Tor ein kleines Schild haengt: “The Wiener Library”, betritt ein Archiv deutscher Schicksalsstationen. Dr. Alfred Wiener, geboren in Potsdam, einer der letzten führenden Repraesentanten der alten Jüdischen Gemeinde zu Berlin, hat aus der Not der Emigration heraus eine Bibliothek geschaffen, die zur Dokumentationszentrale der Schrecken des NS-Regimes wurde. Der freundliche alte Herr mit den stets wachen und beobachtenden Augen, der sein Deutsch nocn so unverfaelscht spricht, als kaeme er just über den Postdamer Platz gewandert, gründete diese Bücherei in den Jahren 1933-1934 in Amsterdam. Sie sollte, so sagt mir Wiener, “ein geistiges Waffenarsenal gegen die Propaganda der Nazis sein”. Schon bald wurde sie weit mehr: eine Bücher-und Dokumentensammlung, die ganz allgemein zur Aufklaerung und zum Humanismus beitraegt. Verbunden mit der Flüchtlingshilfe und den Emigrantenzeitungen fand sie ihre ersten Aufgaben. Das umsichtige und quicke Temperament Dr. Wieners schuf immer neue Perspektiven. Wiener war übrigens Syndikus des Centralvereins von 1914- 1934 in Deutschland gewesen, des den Aelteren noch gut bekannten “CV”. Als junger Wissenschaftler hatte er Dr. Paul Nathan von 1911 bis 1914 wertvolle Dienste als Privatsekretaer getan. Sein eigentliches Arbeitsfeld war die Orientalistik, denn Wiener studierte in Berlin und Heidelberg orientalische Sprachen, Islamkunde und Arabistik. Laechelnd erzaehlt er mir mit seinem trockenen, schlagkraeftigen Humor, wie man 1933 geglaubt habe, dass “Hitler kanalisiert werden” koenne. Wiener, Frontkaempfer des ersten Weltkrieges, hochdekoriert, blieb misstrauisch. Er verlegte 1939 kurz vor Kriegsausbruch d i e Bibliothek nach London. “Das Beispiel Prags war uns zu lehrreich!” So sagt er heute. In London hat die Bücherei jetzt ihr drittes nun wohl endgültiges Domizil gefunden. Wirksam versah sie waehrend des Krieges Regierungen, Exilregierungen und Einzelpersonen mit Von H. G. Sellenthin dokumentarischem Material* Büchern und Zeitschriften über Deutschland und die von den Nazis besetzten Gebiete. Die Wiener Library wurde zu einer Zentrale des Schrifttums über den Nazismus seine ideologischen Voraussetzungen, seine Erscheinungen und Wirkungen. Ausserdem entwickelte sich die Sammlung zur letzten Dokumentationszentrale der grossen Zeit des Judentums in Deutschland, die für die deutsche Geschichte in Richtung auf die Entfaltung der Demokratie eine wesentliche Rolle spielte. Im Rückblick auf zwanzig Jahre aufbauender Taetigkeit in der englischen Hauptstadt kann mir Dr. Wiener von den Anfaengen berichten. Damals begann die Library mit der Aufklaerung über die Intoleranz und die Menschenjaegerei der Nazis und gewann bald auch in dem Kapitel des Kirchenkampfes ein aufschlussreiches Forschungsgebiet, das bis heute eine der Spezialitaeten der Bibliothek geblieben ist. Eine" wertvolle Hilfskraft war damals Dr. Kurt Zielenciger, der stellvertretende Pressechef von Berlin, für Dr. Wiener, der leider nicht nach London mit übergesiedelt war und spaeter im KZ Bergen-Belsen umkam. Die Bibliothek wuchs weiter an und gewann oeffentliches Interesse in vielen Laendern. Heute steht die Sammlung zur deutschen Zeitgeschichte wohl einzig in der Welt da. Bis zum Kriegsende sammelte die Bücherei urkundlich belegtes Material über Deutschland und sogar aus Deutschland, das über die Schweiz und zunaechst auch die USA beschafft werden konnte. Zwischendurch übernahm Dr. Wiener wichtige Aufgaben in Bermuda, und in den Jahren 1940 bis 1945 in den USA, waehrend seine Bibliothek in London weiter taetig war. Aus 30.000 Buchbaenden sind inzwischen 50.000 geworden. Archive und Zeitschriftensammlungen. Fotomaterial und Kopiensammlung wuchsen. Im 13, Jahre erscheint jetzt das Bulletin der “Wiener Library”. 1945 enstand die Frage, ob die Bibliothek ihre Aufgabe erfüllt hatte. Ob sie eventuell eine Art literarisches Museums werden sollte. Aber nun stellte sich heraus, dass somit in London ein Korpus atf Zeitgeschichte und Geschichte des Judentums vor allem in Deutschland entstanden war, den es nirgends mehr auf dem Kontinent gab. Will man heute etwas . über jüdische Kultur in Deutschland vor 1958 erfahren, so muss man zu Dr. Wiener nach London fahren. In Deutschland hatten die Nazis recht gründliche Arbeit getan. Den sechs Millionen Menschen in Europa, die ermordet wurden, folgten kulturelle Zeugnisse, die verschwanden oder auf den Scheiterhaufen kamen. Dr. Wiener laechelt nachdenklich, ein Mann ohne Hass und Ressentiments. “Unsere eigentliche Aufgabe ist nicht die Erforschung und Darstellung jüdischer Kultur”, so sagt er mir, “wir moechten ganz allgemein und in der bescheidenen Weise des leisen Wortes für das Menschenrecht in der ganzen Welt, vor allem auch in Deutschland wirken”. Dr. Wiener und die bekannte Leiterin seiner Forschungsabteilung, Frau Dr. Eva Reichmann, die das wertvolle Buch “Flucht in den Hass” schrieb, bekennen sich zu einer “Internationale des Herzens”. Hass ist einem Manne wie Wiener ein fremdes Gefühl, obwohl er oder weil er die Aufdekkung der Wahrheit liebt. Die Bibliothek, in der wertvolle Kraefte wie die Berliner Bibliothekarin Wolff wirken, gibt heute jeden Tag zahlreiche Auskünfte und Anregungen zur Materialienaufarbeitung der Vergangenheit. Mit Hilfe der Claims Conference führt sie wichtige Forschungsaufgaben durch. So eine Dokumentation des gesamten Nürnberger Prozesses und seines noch lange nicht bewaeltigten Materials. Weiter Untersuchungen über die Lage der Flüchtlinge in Holland von 1933- 1939. Fortlaufend erschienen die Kataloge der Wiener Library mit teilweise erster bibliographischer Darstellung von Zeitgeschichttiteln. Im Fahrstuhl des Hauses verabschieden wir uns. Der alte Herr ist in seiner Gründlichkeit und seiner Unmittelbarkeit ein Potsdamer geblieben, in einem guten konservativen Sinne. Aber er ist vom Geiste des Weltbürgertums Alexander von Humboldts; ein Londoner Weltmann. Ein Mann, GRUPPE HENRIETA SZOLD Donnerstag 17.12.59. nachm. 5 Uhr. GRUPPE GOLDA MEIR Montag, 4. Jan. 60. abends 9 Uhr. GRUPPE HAHNAH MAISEL Dienstag, 5. Jan. 60. nachm. 5 Uhr. GRUPPE AHAWAH Mittwoch, 6. Jan. 60. nachm. 5 Uhr. bei dem das Bildnis Dr. Leo Baecks, des grossen rabbinischen Weisen, nicht nur an der Wand haengt. Und einen Wunsch hat mein Gastgeber auch noch, als ich ihn danach frage: die Verfolgten von gestern, auch die überlebenden jüdischen Menschen, moechten sich doch in staerkerem Mass als bisher bewusst sein, dass sie mit der “Wiener Library” einen Schatz be- Abschlussnach mittag Abschlussabend Ort wird noch bekanntgegeben. Abschlussnachmittag Abschlusstee im Garten von Ilse Bab.. sitzen, der auch und im wesentlichen ihren Interessen dient. “Wir überlegen immer wieder”, so sagt mir Dr. Wiener, “wie wir die Kontakte zwischen den von der Unmenschlichkeit des NS-Regimes Betroffenen noch verbessern koennen und auch zu uns und der sie betreffenden Literatur festigen koennen”. (Jüdische-Sozialarbeit). LARITEX LTDA. Fábrica de Tejidos Finos Carmen 790 - Fono 397633 Erzeugung feinster Damen — u. 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