Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1959)
- Date
- 1959-12-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Diciembre 1959 BOLETIN INFORMATIVO 9 Die Stadt Haifa vor 75 Jahren Vou Dr. S. Braun Ein Blick auf das moderne Haifa. Tm Jahre 1886 erschien in New York ein Buch, dessen Titel lautete: “Haifa or Life in Modern Palestine” (Haifa oder das Leben im modernen Palaestina). Es enthaelt in Formen von Briefen, die von dem Zionsfreund Sir Lawrence Oliphant geschrieben wurden, Schilderungen von Land und Leuten, insbesondere auch von Haifa, wo der Autor mehrere Jahre gewohnt hat. Sein Haus steht noch heute in der Carmel Ave. schraeg gegenüber der Eggedstation, und traegt oberhalb des Eingangs eine Marmortafel mit der Aufschrift: House of Oliphant. Hn der spaerlichen Literatur über des alte Haifa und seinen Aufschwung von einem armseligen Dorf zur blühenden Stadt nimmt das Buch einen gewichtigen Platz ein. Gestützt auf die Darstellungen von Sir Lawrence sei hier ein Bild von Haifa in der Zeitspanne seiner Metamorphosen gegeben. 1892 lebten in der Stadt unter etwa 8.000 Einwohnern 1.640 Juden. Ihren Kern bildeten die zumeist aus Algerien und Marokko im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts eingewanderten Familien. Erst vom Jahre 1870 ab gesellten sich zu ihnen auch aschkenasische Juden. 1940 zaehlte die Stadt 110.000 Seelen, unter ihnen 62.000 Juden. Heute ist Haifa mit seinen über 2 0 0.0 0 0 Einwohnern die zweitgroesste Stadt Israels. In talmudischer Zeit lag das Dorf Haifa unweit der Vorstadt unserer Tage, Bat Galim, inmitten des Hafengelaendes. Der Beduinenscheich Zahar el Amr, ein maechtiger Rebell, legte seine Hand auf den Norddistrikt Palaestinas, machte sich unabhaengig von der Türkei und erwaehlte Akko zu seiner Residenz. Gegen seine Gewaltherrschaft empoerten sich die Bewohner Haifas. Der Aufstand wurde blutig unterdrückt und das Dorf dem Erdboden gleichgemacht. Zahar el Amr wies den Ueberlebenden ein anderes Wohngebiet an, jenes Areal, das heute die Altstadt darstellt. Die primitiven Haeusergruppen begannen hart am Meeresstrand, der bis zum Jahre 1929 nahe an der Jaffastrasse lag, und fanden ihre Fortsetzung hügelaufwaerts bis zu der Stelle, wo sich in unseren Tagen der Gan Hasikaron und das Stadthaus in ihrer Schoenheit zeigen. Eine dicke Mauer umgab das Dorf, gleichsam als wolle der gestrenge Herr seine Untergebenen gefangen halten. Drohend erhob sich in der Hoehe das Kastell Burdsch es Slam (Feste des Friedens). Nach Zahar el Arms Tode wurde die Besatzung entfernt. Burg .und Mauer zerfielen, und nur kuemerliche. Reste blieben erhalten bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts. Als die Bewohner Haifas ihre Freiheit wiedergewonnen hatten, begann ein neues Kapitel in seiner Geschichte. Das fruchtbare Gebiet, naemlich ostwaerts gegen Akko hin, wurde von fleissigen Haenden kultiviert. Bis zum Kischon hin erstreckten sich die Felder, Gaerten und Dattelhaine. Der Fischfang gab reichlichen Ertrag. Die Bevoelkerung wuchs, das Dorf dehnte sich aus, verblieb freilich in seinem Schmutz und in seiner Enge. Es kam das Jahr 1868. Etwa anderthalb Kilometer entfernt vom Westausgang Alt-Haifas, inmitten eines unbebauten Gebietes, begann sich eine neuartige Siedlung zu entwickeln: die Wuerttemberger Templer Hessen sich dort nieder und schickten sich an eine Kolonie europaeischem Stil zu errichten. Sie legten eine breite schnurgerade Strasse an, beginnend an dem Weg, der nach Jaffa führt und endend unmittelbar am Fuss des Karmel-Berges. Schattenspendende Baeume trennten den Fahrweg von den Fusspfaden zu seinen beiden Seiten, an denen hübsche ein oder zweistoeckige mit Ziegeln gedeckte Haeuser von einem wohlgepflegten Garten umgeben, daran erinnerten, dass hier nicht die Einheimischen am Werk gewesen. Ueber dem Eingang eines jeden Hauses war ein Bibelvers eingemeissselt. Parallel zu dieser Hauptstrasse, Karmelallee genannt, führte eine schmalere bergan. (Heute die Meir Rotbergstrasse). Die Siedlung umfasste damals rund 60 Haeuser mit 300 Einwohnern. Ausser dem englischen, amerikanischen und deutschen Konsul gab es einen Arzt, einen Architekten und einen Ingenieur. Eine Schule und ein Versammlungs- und Bethaus standen in der Nebenstrasse. Auch ein sauberes Hotel war errichtet worden. Die deutsche Regierung, ursprünglich gegen die Templer, zeigte sich ihnen nach dem Besuch Kaiser Wilhelms II. im Jahre 1898 sehr gewogen und beteiligte sich an den Unterhaltungskosten der Schule mit einem Drittel. Unter den Templern gab es eine Reihe von Kaufleuten, deren Laeden in Haifa waren. Nur ein Geschäeft befand sich in der Kolonie selber; hier konnte alles, was die Siedler brauchten, gekauft werden. Zum Mahlen des Korns diente zuerst eine Windmühle, spaeter kam eine dampfgetriebene Mühle hinzu. Besonders erfolgreich waren die Templer in der Seifensiederei. Die Olivenpflanzungen, welche sich neben den Weingaerten den Berg hinauf zogen, gaben reichlich Rohmaterial zu diesem Gewerbezweig. Die Seife wurde hauptsaechlich nach den Vereinigten Staaten exportiert. Npch New York gingen damals Sendungen im Wert von jaehrlich 50.000 Pfund Sterling. Nicht so günstig waren die Ergebnisse des Weinbaus. Es erwies sich, dass die aus Deutschland mitgebrachten Reben vom Mehltau befallen wurden. Deshalb bestellten die Templer wiederstandsfaehigere aus den USA. Nachhaltig war der Einfluss, den die fleissigen, bescheiden auftretenden deutschen-Kolonisten auf die altansaessige Bevoelkerung ausübten. Man übernahm vieles von den Arbeitsmethoden in Handwerk und im Landbau. Waehrend die reichen Ertraege der Kornfelder im Hauran durch hunderte Kamele nach Haifa befoerdert wurden, nahmen Schiffe im Hafen, der freilich noch keine Aehnlichkeit mit einem modernen Hafen aufwies, fast tagtaeglich das Getreide auf, das ins Ausland verfrachtet wurde. Die Bevoelkerung vermehrte sich zusehends; neue Steinhaeuser wurden nach allen Richtungen der Stadt hin erstellt. Der Bodenwert stieg bald auf das Dreifache des bisher üblichen Preises. Es kehrte Wohlstand bei der Bevoelkerung ein, und allmaehlich wurde Haifa zur bedeutendsten Hafenstadt, waehrend Akko zu einer stagnierenden Kleinstadt herabsank. Eine Neuerung, die besonderes Aufsehen erregte, war die Einführung von Wagen, welche von wohlausgebildeten Handwerkern in der Templer-Kolonie hergestellt wurden. Es sei in diesem Zusammenhang daran erinnert, dass auch der Baron Edmund de Rothschild sich seinerzeit dort seine Chaise anfertigen Hess. Jetzt benutzten bald auch die Araber die ihnen bisher unbekannten Vehikel, und einer ihrer unternehmungsfreudigen Genossen richtete einen regelmaessigen Verkehr nach Akko ein. Eines ordentlich angelegten Fahrwegs man vorerst entraten da man am Strand entlang auf glattem Sand dahinfuhr, sowohl nach Norden als auch nach Süden. Nur nach Nazaret hin wurde eine Strasse gebaut und dadurch die Moeglichkeit geschaffen, von Haifa bis zum Kineretsee per Wagen zu gelangen. Zu den Anlagekosten trugen die Templer 1000 Dollar bei, waerend die Araber ihre Geldsaecke verschlossen hielten obgleich sie die Hauptnutzniesser waren. Immerhin trug die menschliche und wirtschaftliche Verbindung zwischen den Deutschen und den Alteingesessenen —sowohl Christen und Muselmanen, als auch luden— ihre Früchte. Das Misstrauen und die Unfreundlichkeit, mit denen man anfangs den Fremdlingen begegnet war, schwand zusehends und machte warmherziger Zuneigung Platz. Und beide Teile fanden dabei ihre Vorteile. Die Deutschen lernten soweit Arabisch sprechen, dass sie sich verstaendigen konnten, waehrend die Eingeborenen in ihrer Mehrheit es nur dahin brachten. Guten Morgen oder Guten Abend zu sagen. Es gab eine Gemeinschaft in Haifa, die zwar fern der Stadt hoch oben auf des Berges Gipfel lebte* sich aber seit sieben Jahrhunderten als Herrin des Karmelgebietes betrachtete. Das waren die Karmeliter in ihrem Kloster, welches gleich einer starken Feste in die Küstenebene hinabschaut. Mit all ihren Versuchen, durch Predigten und Zuspruch von Mensch zu Mensch Einfluss auf die Bevoelkerung zu gewinnen, hatten die Moenche weit weniger Erfolg als die Templer, denen Proselytenmacherei fern lag, und die durch ihre taegliche Arbeit und ihr honoriges Verhalten mit den Eingeborenen zu freundschaftlichem Einvernehmen kamen. Als Sir Lawrence seine Briefe schrieb, ahnte er bereits, wie bald sich Haifa als Hafen- und Handelsstadt entwickeln werde. Er sah die ersten Kolonien in ihrem Werden: Jessud - Hamaala, Rasch Pina, Sichron Jakob, Rischon Lezion, Ekron Gedera, Ness iona, Petach Tikwa, Die Siedler erwiesen sich als Menschen von Mut, Ausdauer und gutem Willen ihrem Leben eine kopernikanische Wendung zu geben und Bauern zu werden. In jenen Jahren warnte man in weiten Kreisen der westeuropaeischen Juden vor einer Einwanderung nach Palaesüna. Man glaubte nicht daran, dass Juden sich zur Landwirtschaft eigneten und man hielt das Land für unfruchtbar und gefahrentraechtig. Mit allem Nachdruck versuchte Sir Lawrence diese Einwaende zu widerlegen. Wenn Palaestina rückstaendig geblieden sei, so meinte er, trage allein die türkische Regierung die Schuld daran, weil sie sich entschieden gegen jeden Fortschritt wehre. Wie richtig er gesehen hatte, das zeigte sich eineinhalb Jahrzehnte nach seinem Tode. 1905 wurde die Bahnlinie Haifa-Damaskus (Hedschasbahn) gebaut, nach der bereits 1892 in Betrieb genommenen Strecke Jerusalem- Jaffa. 1909 war das Geburtsjahr von Herzlija. Drei Jahre spaeter legte man den Grundstein zum Technikum und gab damit den ersten Anstoss zu umfangreichen Bodenkaeufen und zur Planung weiterer Stadtviertel. Sie konnten freilich erst entstehen, als der erste Weltkrieg zu Ende war. Wie stürmisch dann die Entwicklung erfolgte, des waren wir und sind wir noch Zeugen, insbesondere alle diejenigen deutschen Juden, die nach 1933 zur Alija schritten. (J. Wochenschau). BLINDE KINDER IN ISRAEL bedürfen Eurer Freundschaft und Hilfe fl Unterstuetzt das Blindenheim in Jerusalem Asociación de los Amigos de los Ciegos Israelitas "TORMEI - OR" Portugal 810 Casilla 2487