Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1959)
- Date
- 1959-12-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Diciembre 1959 BOLETIN INFORMATIVO ANNE FRANK Wir haben den Werdegang dieses Maedels in vier Dimensionen miterlebt. Einmal als Schicksalsgenossen, die ein Zufall vor dem Letzten bewahrt hat. Sodann, 1952, als Leser dieses einzigartigen Tagebuchs. Wenige Jahre spaeter, wiederum plastisch, im Theater. Und jetzt im Film. Sehr vieles ist schon ueber sie gesagt worden. Man hat mit der Frage begonnen: “Was waere aus diesem Maedel geworden, wenn nicht...?” Und man ist bis zu dem Mysterium vorgedrungen, dass der grauenhafte Tod von sechs Millionen Juden die Menschen nicht so erschuettert hat wie dieses Einzelschicksal; dass keiner der ermordeten .Schriftsteller oder Historiker, Journalisten oder Kuenstler so beredtes Zeugnis hinterlassen hat vom Zusammenbruch ihrer Welt wie diese Halbwuechsige. Es ist daher nicht der Moment, bei diesem faszinierenden Geheimnis zu verweilen. Ausserdem ist es einer kuehlen Beurteilung des Films auch nicht zutraeglich, erfordert doch eine solche gewiss, den Film vom Erlebnis selbst geistig zu isolieren. Einem Schicksalsgenossen, der wie gesagt, das Leben der Anne Frank irgendwie —und sei es auch “nur” vor einer brennenden Synagoge oder im Anblick einer groehlenden SS-Kolonne— in der ersten der vier Dimensionen miterlebt hat, ist dies jedoch wohl kaum moeglich. So wie ein Erlebnis zum Buch, zum Theaterstueck, zum Film wurde, so wird auch wieder Buch und Theater und Film zum Erlebnis . Damit waere aber auch schon das Hauptsaechliche gesagt. Trotz der Millionenauflage des in zwoelf Sprachen uebersetzten Buches und trotz tausender von Theaterauffuehrungen in dreissig Laendem, ist es —abgesehen von der TV in Nordamerika— dem Film vorbehal- Von Hans Kaufmann ten, ein Thema universell zu verbreiten. Nur er vermag, es zum Erlebnis der “Massen” machen. Diese verantwortungsvolle Aufgabe hat der Regisseur George Stevens in meisterhafter Weise vollbracht. Ebenso gebuehrt hoechstes Lob dem Ehepaar Goodrich-Hackett, die als Drehbuchautoren ein grosses Geschick in der Ausnutzung der Moeglichkeiten des Films an den Tag legten, vergleichbar nur dem, das sie bei der Ueberwindung der vom Theater auferlegten Begrenzung bewiesen. Hervorragend die Fotografie —intelligenterweise in schwarz - weiss gehalten— von William C. Mellor und Jack Cardiff. Ausgezeichnet die Darsteller, unter denen Millie Perkins (Anne) und Joseph Schildkraut (Vater Frank) sie als “Entdeckung” des Regisseurs (welcher u. a. auch seinerzeit Liz Taylor fuer den Film entdeckt hat) und er als Veteran aus mehr als tausend Broadway-Auffuehrungen, huérfanos 874 ».ONES I IVI FILM verdienen hervorgehoben zu werden. Der Schauplatz des Geschehens ist bei diesem Stueck bekanntlich aussergewoehnlich statisch. Es ist ein Epos des Eingesperrtseins, der Abgeschnittenheit von der Welt, der Projektion einer Gruppe von acht Menschen auf ein mathematisches Minimum von Quadratmetern. Das macht es fuer das Theater besonders geeignet und stellt den Filmregisseur vor gewaltige Aufgaben. Ein Film muss Bewegung, Aussenwelt, Dynamik haben, um mehr zu sein als fotografiertes Theater. Wir haben in den letzten Jahren zwei Filme gesehen, bei denen Drehbuchautor und Regisseur vor einer aehnlichen Aufgabe standen. Der eine war “Twelve angry men” (Doce hombres en pugna), bei dem ganz konsequent der Weg des Theaters beschritten wurde. Wenn man auch nicht bestreiten kann, dass damit gewisse Haupteffekte, wie besonders die sich staendig steigernde Konzentration auf die Diskussion, blendend herausgeholt wurden, so bleibt doch die Frage bestehen, ob eine volle Auswertung der filmischen Moeglichkeiten, etwa im Stil von “Justice est faite” (Y se hizo justicia), dem Stueck nicht zum Vorteil gereicht haette. Der andere war “Separate tables” (Mesas separadas), bei dem die Beschraenkung auf die Buehne —anders kann man dieses kleine Hotel auf der Leinwand garnicht nennen— ganz ohne Diskussion sowohl das gute Thema wie die blendende Darstellung weitgehend beeintraechtigte. Dagegen ist es Stevens im Verein mit Goodrich - Hackett absolut gelungen, einen Film zu drehen, der nicht nur die Wirkung des Theaterstuecks erhaelt, sondern die der Kamera zugaenglichen Dimensionen einbezieht. Gelegentliche Blikke aus dem Fenster, auf Strassen und Grachten, oder auch nur auf die vorbeiziehenden Wolken; ein Schwarm von kreischenden Moewen, die im Vorbeihuschen den Fluegelschlag der Freiheit und der Weite der Welt in der Enge des Hinterhauses spueren lassen; der Wechsel der Jahreszeiten; mit wenigen grossartig gefuehrten Pinselstrichen wird so das Werk auf einer Ebene wiedergegeben, die seiner Verfasserin ' und Hauptperson einerseits und den Erfordernissen und Moeglichkeiten der modernsten der Kuenste gleichermassen gerecht wird. Dabei muss ganz besonders anerkannt werden, dass diese Einbeziehung der Aussenwelt das zentrale Thema der Abgeschlossenheit, gegen das es naturgemaess .konspiriert, nicht verdunkelt, sondern im Gegenteil sei es durch Kontrastierung, sei es durch ein “ineinander— und ueberfliessen” der Geraeusche im Hinterhaus und des Laerms auf der Strasse, unterstreicht und schlaglichtartig erhellt. Gewiss fehlt es nicht an Details, die vielleicht eine Kritik rechtfertigen koennten. Da ist zum Beispiel der Radio-Apparat, der im Theater nicht und im Film ja in Erscheinung tritt. Er ermoeglicht zwar die wunderbare Gegenüberstellung der beiden Ansprachen: die des Irren im Sportpalast von Berlin, wie er im Paroxysmus unartikulierte Drohungen kreischt und die des grossen Staatsmanns aus London, der die Schlacht von El Alamein kommentiert: “Das ist natuerlich noch nicht das Ende; es ist noch nicht einmal der Anfang vom Ende, aber es ist endlich das Ende vom Anfang”. Andererseits verdirbt dieses Radio die dramatische Wirkung des Moments, in dem die Eingeschlossenen die Landung der Alliierten in Normandie erfahren, zweifellos die staerkste Stelle des Stuecks im Theater, wo die Meldung von der erschuetterten und erschuetternden Miep ueberbracht wird. Es waere also vielleicht besser gewesen, in diesem Punkt der im Theater gesammelten Erfahrung zu folgen; zumindest bleibt es unerfindlich, warum man dieses Element —den Radioapparat— nicht vor allem auf der Buehne auch einbezogen hatte, wo es als einzig moegliches als Verbindung zur Aussenwelt einige zusaetzliche Perspektiven eroeffnet haette. Eine weitere wichtige Frage, die immer wieder zum Nachdenken Anlass geben wird, ist wohl die, inwieweit das Thema eine juedische bezw, eine menschliche Tragoedie schlechthin darstellt. Uns wird es sicher immer wieder in erster Linie als juedisches Drama ansprechen. Wer das Stueck z. B. in Paris gesehen hat, kann bezeugen —und das kann weder eine Uebe rraschung noch eine Offenbarung darstellen—, dass das dortige Publikum von der Botschaft des Widerstands, des Kampfes und der Freiheit angesprochen wird. Aus Deutschland wird berichtet, dass es Beschaemung hervorg e r u f e n hat und die verpoente Debatte ueber die Schuld aktualisiert hat. Fuer ein unvoreingenommenes Publikum wie das hiesige ist es aber sicher vor allem andern ein Poem von reinem Glauben an das Gute, von aufkeimender Liebe, von Angst und Hunger, von Entsagung und Idealismus, von der Ohnmacht der Wahrheit und der Gewalt des Hasses, von menschlicher Groesse und ebenso von menschlicher Schwaeche. Darin liegt auch zweifellos die universelle Wirkung des Stuecks und sein bleibender Wert; das ist eine der moeglichen Erklaerungen dafuer, wieso dieses juedische Drama zu einer Botschaft an alle Menschen geworden ist. ELEGANTE TISCH - UND BETTWAESCHE Zusammenstellen von Aussteuern, jede Art von eleganten Handarbeiten sowie Aufzeichnen zum Selbststicken. EVA BREYER, Avda. El Bosque (Norte) 0151, Dep. B Telefon: 481483 zwischen 9 und 5 Uhr