Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1959)
- Date
- 1959-12-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 BOLETIN INFORMATIVO Diciembre 1959 DIE JUDEN IN DER SOWJETUNION (EINDRUECKE EINES ISRAELI) Von M. Dolan Ohne Zweifel hat sich die Lage der etwa drei Millionen Juden in "der Sowjetunion in bezug auf Lebenssicherheit und wirtschaftliche Verhaeltnisse seit der Stalin-Aera weitgehend gebessert. Es gibt keine Pogrome und keinen Rassenhass, und ausser gelegentlichen Anrempelungen in entlegenen Doerfern auch nicht das, was antisemitische Einstellung genannt, wird. Wirtschaftlich geht es der Masse der jüdischen Bevoelkerung weit besser als in der vorrevolutionaeren Epoche, als sie, eingepfercht im jüdischen Siedlungsgebiet der Westprovinzen, in unvorstellbarem Elend lebte. Heute ist die jüdische Bevoelkerung in den Wirtschaftsprozess des Landes eingegliedert, sie nimmt an der Besserung des allgemeinen Lebensstandards und dem sozialen Fortschritt mit allen anderen Sowjetbürgern teil. Es gibt nicht mehr jene charakteristische Schicht von “Luftmenschen”, jene armseligen Haendlerexistenzen, die, von Bildung und Fachberufen auf Grund der antijüdischen Gesetzgebung ausgeschlossen, gezwungen waren, sich von zweifelhaften “Luftgeschaeften” zu emaehren. Doch in einem anderen, tragischeren und weit schmerzhafteren Sinn sind die Juden der Sowjetunion heute wieder zu “Luftmenschen” geworden. NATIONALITAET OHNE AUTONOMIE Die jüdische Bevoelkerung der Sowjetunion ist amtlich als besondere Nationalitaet anerkannt; im Pass jedes jüdischen Sowjetbürgers ist in der Rubrik Nationalitaet der Vermerk: “Jewrej” (Jude) eingetragen. Aber im Gegensatz zu allen andern Nationalitaeten darf sich im Leben der jüdischen Volksgemeinschaft ihr vom Staat anerkanntes Volkstum in keiner Weise auswirken. Die Nationalitaetenpolitik der Sowjettregierung gewaehrt den zahlreichen Voelkerschaften des Riesenreichs eine weitreichende kulturelle Autonomie, sie haelt sogar die ruckstaendigen Volksgruppen und Staemme an sich ihres rudimentaeren, halbvergessenen Volkstumes zu erinnern und ihre Sprache und nationale Eigenart zu pflegen. Für manche der asiatischen Volksgruppen haben die sowjetischen Wissenschaftler sogar die Alphabete ihrer primitiven Idiome rekonstruiert damit diese als Amts-und Unterrichtssprache in den betreffenden Gebieten dienen koennen. Seit Beginn der Sowjetherrschaft bis in die vierziger Jahre hinein genoss die jüdische Bevoelkerung die gleiche Behandlung. So gab es eine jiddische Presse, eine hochentwickelte jiddische Literatur ein j i d d i s c h es Theater-und Kunstwesen, ein Erziehungswesen mit jiddischer Unterrrichtssprache. In der Wahnsinnsperiode des alternden Stalin kam dann 1948 der berüchtigte “antikosmopolitische Feldzug”, der in der Hauptsache gegen die Juden gerichtet war, mit den Aerzteprozessen als Kulminationspunkt, und dann die radikale Ausloeschung des gesamten nationalen Kulturlebens der jüdischen Volksgruppe. Die bedeutendsten jüdischen Schriftsteller und Künstler wurden hingerichtet die anderen in Konzentrationslager geschickt. In der Tauwetterperiode nach Stalins Tod wurden zwar einige der ermordeten Schriftsteller und Künstler posthum rehabilitiert und die in Haft gehaltenen ohne formelle Rehabilitierung stillschweigend entlassen. Jegliche jüdische Kulturbetaetigung blieb jedoch untersagt. Heute gibt es in der Sowjetunion keine jüdische Schule, keine Presse, kein Theater, kein jiddisches Buch darf erscheinen, selbst die lediglich die Vergangenheit festhaltenden jüdischen Museen werden von den sonst so museenfreundlichen sowjetischen Behoerden geschlossen. Es gibt keine jiddischen Gemeinden, keine Organisationen irgendwelcher Art, keinen Club, keinen Verein, kurz keinerlei oeffentlich-gesellschaftliche Aeusserung jüdischen Volkstums. Das Millionenvolk der Juden in der Sowjetunion ist zu einer amorphen Masse geworden, ohne Vertretung und ohne Adresse. Das einzige, was geblieden ist, sind einige wenige Synagogen in den grossen Staedten. In vielen Provinzstaedten mit starker jüdischer Bevoelkerung werden die Syanagogen nach und nach geschlossen. Selbst Gottesdienste in Privatwohnungen werden nicht erlaubt. Dies alles, obwohl Artikel 124 der Sowjetverfassung die Religionsfreiheit gewaehrleistet. ES FEHLT AN RITUALIEN In Moskau besteht noch von den früher 28 Synagogen eine grosse Hauptsynag oge in der Naehe der Chmelnitzki-Strasse und zwei oder drei kleinere Bethaeuser in den Vororten. Die Gottesdienste finden dort ungestoert statt. Der Hauptsynagoge ist auch eine kleine Talmud-schule angegliedert, in der 13 Seminaristen dem Thora- Studium nachgehen dürfen. Doch werden die Andaechtigen nicht mit den notwendigen Ritualien beliefert, die für einen ordnungsgemaessen jüdischen Gottesdienst unentbehrlich sind, wie Gebetbücher, Bibeln, Gebettücher und Gebetriemen, Palmenstraeusse, Gesangbücher für das Pessachfest. 1956 durfte zum ersten Male ein Gebetbuch erscheinen, das aber nur in einer laecherlich geringen Zahl von Exemplaren gedruckt wurde, die binnen weniger Tage vergriffen waren. Eine Sendung von Gebetbüchern und Bibelexemplaren, welche amerikanisch-jüdische Organisationen in die Sowjetunion schickten, wurde zwar nicht zurückgewiesen, ist aber nie verteilt worden. Wenn sich ein auslaendischer Besucher in die Moskauer Synagoge verirrt, so wird er sofort von einer Gruppe von Betern umringt, die nur eine einzige Frage haben: ob er nicht zufaellig ein überflüssiges Bibelexempler b e i sich habe, dass er ihnen überlassen koenne. In Moskau ist eine hebraeische Bibel eine Raritaet, die kaum mit Gold aufzuwiegen ist. Die Synagogen erhalten natürlich keinerlei Staatszuschüsse und müssen von den Spenden der Beter unterhalten werden. Das gilt dem Buchstaben des Gesetzes nach theoretisch auch für alle anderen Bekenntnisse. Aber immerhin existieren von 46.000 christlichen Kirchen und 50.000 Priestern vor der Oktober - Revolution heute* noch 20.000Kirchen mit 35.000 Geistlichen; in bezug auf Moscheen ist das Verhaeltnis wahrscheinlich noch günstiger. Es gibt eine Reihe von christlichen und muselmanischen Priesterseminaren und Akademien, die jaehrlich von Hunderten von Geistlichen absolviert werden. Es ist unwahrscheinlich, dass die Mittel hierzu allein von den Glaeubigen, ohne, vielleicht versteckte, staatliche Zuschüsse aufi gebracht werden. Der orthodoxe Patriarch, der Metropolit, der Grossmufti sind staatlich anerkannte Würdentraeger, die gelegentlich an offiziellen Empfaengen teilnehmen und die Erklaerungen im Namen ihrer Kirchengemeinschaften abgeben koennen. Der Rabbiner von Moskau, I. L. Lewin, gilt zwar für die Juden als geistliches Haupt der Judenheit in der Sowjetunion, hat aber keinerlei offiziellen Status und wird amtlich nur als Rabbiner in einem Bethaus angesehen. Eine Ueberraschung erlebten die Juden in der Sowjetunion vor kurzem, als aus Anlass des hundertsten Geburtstages des jiddischen Volksdichters Scholem Alejchem, eines volkstümlichen Humoristen, der Freuden und Leiden des kleinen Mannes beschrieb und daher im sowjetischen Literaturhimmel persona grata ist, eine Briefmarke mit seinem Bildnis erschien. Auch eine Anthologie seiner Schriften in jiddischer Sprache und eine sechsbaendige Ausgabe seiner Werke wurden vom Staatsverlag herausgegeben. Viele glaubten mit einem Aufatmen, darin eine Kursaenderung zu sehen. Doch bald stellte sich das Ganze als ein Trick heraus, Von der Auflage wurden naemlich für den Verbrauch im Lande nur ganz wenige Exemplare freigegeben, die über Nacht vergriffen waren, waehrend der groesste Teil der Auflage nach dem Ausland geschickt wurde, so nach Nordamerika, Argentinien, Israel, wo Exemplare in jeder Menge zu haben sind. Als Judas Makkabaeus im Jahre 164 vor unserer Zeitrechnung nach seinen Siegen über die Seleuciden die reügioese und geistige Freiheit wiederhergestellt hatte, proklamierte er eine jaehrliche Gedenkfeier des Sieges und der Neueinweihung des Tempels in Jerusalem. Es ist eine schoene Sitte, dass an dem so entstandenen Chanukka- Fest eine Fackel in der Heimat der Makkabaer entzündet und nach Jerusalem zur Einweihung des Lichterfestes gebracht wird. Die iHeimat der Makkabaer heisst Modiin, und man hat ein weites Gebiet um das kleine Doerfchen dieses Namens offiziell “Bezirk Modiin” genannt. Das Dorf selbst lag an der Stelle des heutigen Araberdorfes El Midje, das direkt an der Grenze Jordaniens neben dem Niemandsland liegt, durch das jetzt in der Gegend von Lod und dem Kinderdorf Ben Schemen der Grenzfrieden geschützt werden soll. Dies war der Ort, in dem der Priester Matatjahu, ein Nachkomme Hasmons, mit seinen fünf “Makkabaeersoehnen” lebte und den Auftakt zu der Revolte gegen die Aufzwingung der griechischen Staatsreligion durch die seleucidisch-syrische Regierung gab. Der Ort liegt in dem Hügelland zwischen dem Gebirge von Judaea. Durch ihn führte die Strasse über das aus der Joschua-Geschichte bekannte Tal Ajalon hinauf nach Jerusalem. Auf dieser Herrstrasse waren die syrischen Eroberer nach Judaea gezogen. Hier bei Modiin stand das Man koennte diese Politik begreifen, wenn sie auf eine voellige Assimilierung der sowjetischen Juden an ihre Wirtsvoelker hinzielte. Das widerspraeche zwar der konsequenten Linie der sowjetischen Nationalitaetenpolitik, welche die nationalen Eigenarten ihrer Voelkerschaften keineswegs vertuschen, sondern nachdrücklich foerdern und pflegen will. Aber es steckte darin immerhin eine gewisse Logik. Doch in Wahrheit wirkt der jetzige Kurs der Sowjetpolitik einer vollen Integration der jüdischen Bevoelkerung in den Sowjetstaat scharf entgegen. Die Juden werden aus den obersten Parteigremien, aus dem diplomatischen Dienst, aus allen mit der Landesverteidigung i n Zusammenhang stehenden Institutionen, aus den Schlüsselstellungen der grossen Wirtschatskonzerne, viel auch von Universitaeten und Technischen Hochschulen systematisch verdraengt. Nur in der Atomwissenschaft scheint man vorlaeufig die Mitarbeit von Juden noch zu benoetigen. So sind die Juden wieder “Luftmenschen” geworden: des eigenen kulturellen Mutterbodens beraubt, finden sie auch keinen Eingang als voll gleichberechtigte Bürger in das Gesamtgefüge der Sowjetgesellschaft. Kein Wunder, dass die nie erloschene Sehnsucht der russischen Juden nach volklichem Eigenleben durch diese Diskriminierungen wieder Nahrung gewinnt, und merkwürdigerweise ist auch bei der Jugend eine Art praechtige Familienmausoleum das Simon Makkabi für die Familie im Jahre 140 v. Chr. baute. Im 1. Makkabaeerbuch, Kap. 13—30 und in Flavius Josephus “Juedischen Altertümern” ist beschrieben, wie dieser mit sieben Pyramiden und grossen Saeulen geschmückte Bau von einer Anhoehe ins Land ragte und allen Seefahrern vom Meer aus sichtbar war. Das Mausoleum ist noch nicht von den Archaeologen gefunden und darf nicht mit dem aus spaeterer Zeit stammenden roemischen Mausoleum in dem unweit gelegenen Masor verwechselt werden. Bei dem heute uns nicht zugaenglichen Modiin gibt es lediglich eine lange Reihe von neun in dem Felsen gehauenen Graebern mit Rollsteinen zum Verschluss der Eingaenge, die man gewoehnlich als “Makkabaeergraeber” bezeichnet. In ihrer Umgebung befinden sich auch Weinkeller aus der Makabaeerzeit. Aehnliche antike Residuen, dazu etliche Zisternen, befinden sich auch nicht weit davon entfernt, z. B. in den Waldhoehen nahe dem schon in der Bibel erwaehnten Orte Gimso und nahe der Aussichtsstelle, die durch ein Erinnerungsmal für unsere im Kriege 1948 gefallenen Soldaten gekennzeichnet wird. An diesem Platz, der spaeter, im 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, durch den Tanaiten Nachum aus Gimso, den Lehrer Rabbi Akibas, und seinen berühmten Wahlspruch “gam su letowa” auch unter dem Namen “Gamsu” bekannt wurde, kann national - kultureller Renaissanceprozess zu beobachten. STATISTISCHE TRICKS Die ofizielle Sowjetpropaganda laeugnet natürlich entrüstet jegliche Diskriminierung. Auf die Frage, warum es keine kulturelle Autonomie für die jüdische Volksgruppe gebe, lautet die Antwort immer, dass die nicht territorial konzentrierten Juden selbst nicht daran interessiert seien und man niemanden zu seinem Glück zwingen koenne. Um diese den Tatsachen widersprechende Behauptung statistisch zu untermauern, wird bei der jetzt in der Sowjetunion stattfindenden Volkszaehlung von den Befragten bei der Frage nach ihrer Voklszugehoerigkeit und Muttersprache nicht die Vorlage ihres Personalausweises verlangt, in welchem ja Nationalitaet und Sprache vermerkt sind. Es ist anzunehmen, dass viele, Juden von dieser Befragungsmethode Gebrauch machen und ein fach aus Existenzangst ihre Nationalitaet und Muttersprache als russisch, ukrainisch, lituanisch, weiss russisch, und so weiter angegeben werden. Denn unter den geschilderten Umstaenden hat für sie der Vermerk “Jude” im Pass keine andere Bedeutung als die des gelben Flecks. Dann wird man vor der Weltmeinung statistisch nachweisen koennen, dass es erstens überhaupt nur wenig Juden in der Sowjetunion gibt und dass auch diese wenigen keinen Wert auf ihre Muttersprache legen. man sich besonders gut einen landschaftlichen Eindruck der klassischen Makkabaerheimat verschaffen. Nach Osten blickt man auf Modiin, nach Westen auf den 500 Dunam umfassenden Herzlwald, eine Erneuerung des in der Makkabaeerzeit reichen Waldbestandes dieser Gegend. Nicht weit vom Herzlwald befindet sich die historische Stelle von Hadita, etwa 1 km noerdlich von Ben Schemen. Bis zum jüdisch-arabischen Kriege befand sich an dieser Stelle das arabische Dorf El Hadita. Seit 1950 wohnen dort Neueinwanderer in ihrem Dorf Hadit. Sie erneuern die uralte Tradition eines jüdischen Siedlungspunktes, der als “Chadata” schon in der Liste der durch Thutmosis III, eroberten Staedte im Tempel von Karnak aufgezeichnet ist, der nach der Darstellung der Mischna auch zur Zeit Joschuas von einer Mauer umgeben war, in dem sich Juden nach der Heimkehr aus Babylon niederliessen und der auch in der Erhebung gegen die Roemer im Jahre 66 eine Rolle spielte. Im 1. Makkabaeerbuch, Kap. 12, 38 wird uns erzaehlt :“Und Simon baute die Burg Adida in der Schephelah und machte sie fest und bewahrte sie mit starken Toren”. Schephelah ist der griechische Name der Küstenebene, die hier in hügeliges Gebirgsvorland übergeht. Ihr Hauptort ist Lod (griechisch “Lydda” und “Diospolis”), ebenfalls einer der Orte, in denen nicht nur der Widerstand gegen (Fortsetzung Seite 23) ("Frankfurter Allgemeine”. Die Heimat der Makkabaeer — ARCHAEOLOGISCH GESEHEN — Von Fritz Berger