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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1959-11-01 · 11 (Noviembre, 1959) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXI (1959)
Issue
11 (Noviembre, 1959)
Date
1959-11-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Noviembre 1959 BOLETIN INFORMATIVO 9 467 JAHRE SPAETER Rosch Haschanah 5720 in Madrid (Fofo: 'Time") IcjiSsp« gnpiip -wsiïî. ¡lippis Rosch Haschanah begann in i Madrid eine Stunde spaeter wie anderswo, doch diese Tatsache, die in jeder anderen Gemeinde grosses Aufsehen erregt haette, schien niemanden zu stoeren. Wie es einer der 200 Juden die den grossen Betsaal auf der “Gran Via” fuellten, es ausdrueckte”... haben wir 467 Jahre gewartet, so kommt es auf ein paar Minuten auch nicht an”. Endlich jedoch, am 1. Tischri 5720, konnte der Gottesdienst beginnen und der Vorsitzende der Gemeinde entzuendete feierlich die Ewige Lampe. So wurde die erste Synagoge Madrids eingeweiht, fast 500 Jahre nachdem Ferdinand und Isabella, auf Draengen der Inquisition die Austreibung der Juden aus Spanien angeordnet hatten. Schon im 19. Jahrhundert hatte eine gewisse Rueckwanderung juedischer Elemente nach Spanien begonnen und die Jahre 1933 bis 1945 brachten eine Anzahl von Juden aus Mitteleuropa ins Land, die vor den Deutschen fluechteten. Auch aus Marokko begannen Juden nach Spanien zu kommen. I Waehrend jedoch in den vergangene Jahren in Madrid juedische Gottesdienste nur in improvisierten Raeumen abgehalten wurden, es sei denn, man konnte Raeume des Castellano- Hilton Hotels fuer die Feiertage mieten, begann die Gemeinde um 1955 ernsthaft den Bau einer eigenen Synagoge in Erwaegung zu ziehen. Nach vielen Schwierigkeiten, nicht zuletzt finanzieller Art, wurde die Einrichtung vollendet und die Regierung liess die Gemeinde wissen, dass sie nicht gegen die Installierung eines juedischen Gotteshauses intervenieren, die Taetigkeit der juedischen Organisationen jedoch durch die Polizei ueberwacht wuerde. Und so war auch bei der feierlichen Einweihung des Betsaals ein Polizeibeamter zugegen, der nach dem Gottesdienst dem Gemeindevorstand seinen Glueckwünsch aussprach und dann verschwand, jedoch nicht, ohne dass er vorher noch das Gebet fuer das Staatsoberhaupt gehoert und zur Kenntnis genommen haette. (Nach einer Notiz in “TIME”). ANZEIGEN SCHLUSS AM 30. i xátmtfflM Manfred Wallach G. RADIOS - PLATTENSPIELER SCHALLPLATTEN WASCHMASCHINEN Alle elektr. Haus u. Kiichengeraete Billige Kassapreise - Auch Teilzahlung Serrano 144 - Fono 86873 Albert Lewkawitz' Schrift ueber Schiller Die Bibliotheken der U. S. A. würden, auch wenn man in diesem Lande sonst nichts zu suchen haette, eine Reise lohnen; sie haben auch in Europa nicht ihresgleichen. Selbst die Mittelstaedte verfügen über Buechersammlungen beneidenswerten Ausmasses und über die Mittel, sie staendig durch Neuanschaffungen zu vermehren. Als ich im Vorjahre in San Francisco war, unterhielt die führende Zeitung der Stadt eine heftige Campagne gegen die staedtische Verwaltung mit der Beschuldigung, dass sie ihre Bibliothek vernachlaessige; es gebe dort kaum mehr als ein Buch auf den Kopf der Bevoelkerung —es waren immerhin fast 1 Million Baende. Weit groesser sind natürlich die Bibliotheken in Washington und New York; sie sind im besten Sinne des Wortes international, waehrend die europaeischen Bibliotheken meist ihr Hauptinteresse der Literatur des eigenen Landes widmen und das Ausland nur an der Peripherie berücksichtigen. Bei meinen Besuchen in der New Yorker Public Library kam mir die Habilitationsschrift von Dr. Albert Lewkowitz in die Haende, durch die er sich im fahre 1910 als Privatdozent an der Universitaet Breslau qualifiziert hatte. Seine hervorragende Taetigkeit als Dozent am Breslauer Rabbiner- Seminar ist in allgemeiner Erinnerung. Er lehrte am Seminar bis in die Hitlerzeit, wurde in Theresienstadt interniert, gehoerte zu der kleinen Gruppe, die im letzten Kriegsjahre auf Grund einer internationalen Vereinbarung nach der Schweiz entlassen wurde, und ist wenige Jahre spaeter, 1952, in Israel gestorben. Seine Habilitationsschrift war mir unbekannt geblieben, obwohl sie gerade in der Zeit geschrieben wurde, in der mein persoenlicher Kontakt mit Von Erich Bry dem unvergesslichen Manne begonnen hatte —es war im Jahre 1910. Damals besuchten wir beide die Seminare der Professoren Kühnemann und Hoenigswald; Kühnemann las über Plato— oder vielmehr: er wollte über Plato lesen, aber er kam niemals weiter als bis zu Anaxagoras; und Hoenigswald las wirklich über Kant. Dr. Lewkowitz fiel sofort durch sein weit ueberlegenes Wissen und seine glaenzende Begabung auf; er war ja in Wirklichkeit nicht der Schüler, sondern der Mitarbeiter der beiden Professoren. Eine Frucht dieser Jahre war diese schoene Arbeit Dr. Lewkowitz’ “Hegels Aesthetik im Verhaeltnis zu Schiller” (Leipzig 1910). Der Verfasser stellte sich mit dieser Schrift in die erste Reihe derjenigen Neukantianer, die Schiller von einer neuen Seite zeigten als den Schüler und den Verkünder Kants, als den Fortbildner seiner Ideen und als notwendiges Zwischenglied zwischen Kant und Hegel. Er wies nach, dass die Freiheitsidee Schillers von Kants Gedankenwelt unterbaut war. “Durch Kant”, so sagte er, ‘ist Schiller der Dichter der Freiheit geworden”. Das ist freilich nicht woertlich zu verstehen: Schillers Freiheitsidee ist viel aelter als seine Bekanntschaft mit den Werken Kants;" sie flammte schon in den Raeubern, seinem Erstlingswerke, auf und ist dann in allen seinen Werken wieder zu finden. Schiller hat d i e komplizierte Gedankenwelt Kants gerade deshalb so gut und rasch verstanden, weil er sie von ihrem wahren Zentrum, der Freiheitsidee, erfasste, die auch das Zentrum seines eigenen Lebens war. Aber erst durch die Beschaeftigung mit Kants Werken, besonders der “Kritik der Urteilskraft” ist die Freiheitsidee bei ihm zur vollen Reife gelangt; Kant zeigte ihm den Weg zur Verwirklichung des Freiheitsgedankens. Wir sehen das in seinen “Briefen über die aesthetische Erziehung des Menschen”, die die beste Frucht der Beschaeftigung mit Kant waren und eine Fülle von neuen Einsichten boten. Diese Einsichten zeigten sich in seinem dichterischen Schaffen. In seiner vdr-kantischen Periode hatte er die Freiheit für eine wunderbare Idee gehalten, die aber in der Wirklichkeit nicht durchzuführen sei; alle seine Freiheitshelden dieser Zeit gehen tragisch zugrunde —sei es nun Karl Moor oder Ferdinand (Kabale und Liebe)*oder der Marquis Posa. Aber nachdem Kant ihm gezeigt hatte, dass die Freiheit auch auf Erden ihre Staette finden koennte, entstand “Wilhelm Teil”, des Dichters letztes und reifstes Werk. Dr. Lewkowift zeigte in seiner Schrift, dass die philosophische Arbeit Schillers weit über sein eigenes Schaffen hinaus ihre Wirkungen auf andere Wissensgebiete hatte. Er konnte zusammenfassend sagen: “Alles Bedeutende, nicht nur auf dem Gebiete der Philosophie sondern auch der literarischen Kritik, der Geschichtsforschung und selbst der Naturwissenschaft jener Tage beruht bewusst oder unbewusst auf Kants “Kritik der Urteilskraft” und Schillers philosophischen Abhandlungen, besonders seinen Briefen über die aesthetische Erziehung des Menschen”. So soll in diesen Tagen, in denen der 200. Geburtstag Schillers gefeiert wird, auch der Name von Albert Lewkowitz seine Stelle finden, der in einer Zeit, in der der Glanz der Schiller’schen Dichtung vorübergehend zu verblassen schien, den grossen Mann in einem neuen, unvergaenglichen Lichte erscheinen liess. Londoner Tagung der Weltvertretung der Juden aus Deutschland Der Council of Jews from Germany, die Vertretung der aus Deutschland ausgewanderten Juden in aller Welt, hielt am 8. September 1959 eine internationale Tagung in London unter dem Vorsitz seines Praesidenten, Dr. S. Moses, Jerusalem, ab, zu der zahlreiche Vertreter aus Israel, Nordamerika und europaeischen Laendern erschienen waren. Den Verhandlungen war eine Tagung des vom Council gegruendeten Leo Baeck Institutes vorausgegangen. In ihr wurden weitreichende Plaene fuer den Ausbau der wissenschaftlichen Arbeit des Institutes eroertert, das sich die Erforschung und Darstellung der Geschichte der deutschen Juden zur Aufgabe gemacht hat. Ausser Finanz —und Organisationsfragen, unter anderem dem Anschluss suedamerikanischer Gruppen an den Council, wurden insbesondere Probleme der Wiedergutmachung behandelt. Ueber sie berichtete Dr. Walter Breslauer, London, Vize-Praesident des Council, und es wurde die nachstehende .Entschliessung einstimmig angenommen: Der Council hat es begruesst, dass in Besprechungen des Vorsitzenden der Claims Conference mit dem Bundeskanzler, dem Bundesfinanzminister und den Ministerpraesidenten und Ministern der Laender von allen Beteiligten die Notwendigkeit anerkannt wurde, die Wiedergutmachung nach den Worten des Bundeskanzlers “so schnell und so gut wie moeglich durchzufuehren”. DerCouncil hofft, dass diese Erklaerungen sich in der Praxis der Behoerden bald auswirken werden. Der Council begruesst mit Befriedigung die Verwaltungsvereinbarung der deutschen Laender vom 23. Juni 1959 ueber die Durchfuehrung der Entschaedigungsgesetzgebung. Er gibt der Erwartung Ausdruck, dass der Bund und die Laender die notwendigen Massnahmen treffen, um sicherzustellen, dass die Behoerden aller Laender nunmehr diese Vereinbarung zur Richtschnur ihrer Praxis nehmen. Der Council hofft, dass die Laender im Einvernehmen mit dem Wiedergutmachungsausschuss des Bundestags weiterhin bemueht sein werden, Schritt fuer Schritt Haerten, die sich in Zukunft ergeben sollten, durch weitere Verwaltungsvereinbarungen zu beseitigen und die Durchfuehrung des Gesetzes nach dem Willen des Gesetzgebers sicherzustellen. W iederaufbau Synagoge Die Synagoge und der alte juedische Friedhof in Worms waren die aeltesten in Deutschland und haben somit eine ausserordentliche histo rische Bedeutung. Die Synagoge wurde im Jahre 1034 erbaut und fiel den Novemberausschreitungen des Jahres 1938 zum Opfer. Die deutsche Regierung, gemeinsam mit der Regierung von Rheinland-Pfalz und der Stadt Worms, beschlossen diese Synagoge jetzt wieder aufzubauen und aus diesem Werk ein Symbol des Bemuehens um Wiedergutmachung und Versoehnung der in Worms. zu machen. Sie schickten daher Einladungen mit beiliegendem Festprogramm an alle juedischen Institutionen und in der Welt verstreuten ehemaligen in Worms ansaessigen Juden. Diese Einladungen waren vom Bürgermeister Voelker und dem Vorsitzenden der juedischen Gemeinde unterschrieben und betonten das Interesse an dem Wiederaufbau einer deutsch-juedischen Zusammenarbeit. Die offizielle Grundsteinlegung fand am 27. September dieses Jahres statt.

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