Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1959)
- Date
- 1959-09-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Septiembre 1959 BOLETIN INFORMATIVO 19 Der Wahlkampf hat in Israel begonnen von Dr. Abner Nechuschtan (Tel Aviv) Die Wahlen zur Knesseth, der 120-koepfigen Volksvertretung des Staates Israel, sind erst Anfang November faellig, aber der Kampf der Parteien laeuft schon auf vollen Touren. Das haengt vornehmlich mit den Massendemostrationen zusammen, die dies Land hier kuerzlich zwei unruhige Wochen lang aufgescheucht hatten. In fast allen politischen Lagern sucht man diese Vorkommnisse jetzt agitatorisch bis aufs letzte auszuwerten. Allgemeines Liebeswerben um die "Nichteuropaeer" Das heisst: ploetzlich umwirbt man allerorten die sog. “sefardischen” Juden, zu denen sich die bettelarmen, aufs hoechste bemitleidenswerten Einwanderer aus Marokko rechnen, die ihrem Herzen unlaengst erst in Haifa und spaeter auch anderwaerts so stuermisch Luft gemacht hatten. Mit Recht oder Unrecht glauben sich saemtliche dieser Sefarden bis herauf zu ihren wohlhabenden Familien —und deren Zahl ist erfreulich hoch— von den “Aschkenasen” benachteiligt, von denen die meisten vor Jahrzehnten als junge Idealisten oder auch unter dem Druck zaristischer Verfolgungen hierher gestroemt waren. Juedische Kleingewerbetreibende aus Polen waren diesen russischen Juden nach dem Ende des ersten Weltkrieges gefolgt, und in den Dreissiger Jahren die juedische n Mittelstaendler aus Deutschland —alles mithin Ost— und Mitteleuropaeer, “Aschkenasen” nach der hebraeischen Bezeichnung— im Gegensatz zu den spaeten Nachfahren derer, die bis an die Schwelle der Neuzeit glanzvoll in Spanien gelebt hatten, aber auch der Massen, die in Nordafrika und dem Nahen Orient ein Elendsdasein inmitten ihrer arabischen Herren gefuehrt hatten. Verallgemeinernd werden sie saemtlich, wie gesagt, “Sefarden” genannt, zu deutsch “Spanier”. Ihre Wortfuehrer sind nach den letzten Zwischenfallen nachdruecklich mit der Forderung aufgetreten, ihnen ebenso wie in sozialer und berufswirtschaftlicher Hinsicht so auch in der neu zu waehlenden Knesseth staerker als bisher Rechnung zu tragen. Gegen “rassische Diskriminierung” wenden sie sich, will sagen dagegen, dass sich im oeffentlichen Leben wie in den verschiedensten Erwerbszweigen, in Stadt und Land, die meisten Schluesselpositionen in den Haenden der “Europaeer” befinden, von denen sie mitunter gar als “Schwarze” beschimpft werden. Ein Volkstribun mit seinen Widerspruechen Und dieses Draengen besagter Sefarden findet seinen Niederschlag jetzt tatsaechlich in den Programmen der Parteien saemtlicher Richtungen, von links nach rechts, von den Kommunisten ueber David Ben Gurions mehrheitssozialistische Partei und die “National-Religioesen” bis zur “Cheruth” (“Freiheitspartei”), die ihr Vorsitzender Menachem Begin mit dem ganzen Reservoir seiner militanten aussen— und innenpolitischen Schlagworte in den Wahlkampf fuehrt. In der Volksvertretung hatte er sich mit 15 Abgeordneten im Sommer 1955 zur zweitstaerksten Fraktion entwickelt; der Mapai war es damals wieder einmal misslungen, ihr erklaertes Ziel einer absoluten parlamentarischen Mehrheit zu erreichen. Sie hatte es damals nur auf 40 Sitze gebracht und war deshalb darauf angewiesen gewesen, u. a. mit den beiden links an sie grenzenden Fraktionen in die Koalition zu gehen: mit den 10 Abgeordneten der “Partei der Arbeitseinheit”, einer Gruppe unter der Fuehrung radikal gestimmter Freischaerler - Komandeure aus Israels “vorstaatlicher” Zeit, und mit den 8 Vertretern der viertelkommunistischen “Mapam” (“Einheitspartei der Arbeiter”). Gegen das “verrottete System” dieser “Regierung der Arbeiterfront” wettert besagter Begin, jeder Zoll ein Volkstribun klassischen Kalibers, seit Wochen ungehemmt unter starkem Zulauf der Masse in den Einwandererdoerfen der Sefarden. Obwohl aktenkundig ist, dass er Sohn einer alten polnisch - juedischen Familie ist, liess er in diesen Doerfem das Geruecht in Umlauf setzen, dass eine seiner Grossmuetter aus Marokko stamme... Was er als Program anbietet, einerseits weitgehende Steuemachlaesse und andererseits ein genau so einschneidendes Mehr an sozialen Leistungen, einerseits Friede mit den Arabern und andererseits die irredentistische Losung einer “Wiederherstellung des juedischen Staates in seinen historischen Grenzen”, bis tief nach Jordanien und evtl, nach Syrien hinein; es ist zwar ein Mischmasch voller Widersprueche, wie man sieht. Dennoch scheint er seine Stunde jetzt tatsaechlich fuer gekommen zu halten. Allerdings wuerde er, um eine Regierung bilden zu koennen, selbst beim denkbar groessten Stimmengewinn seiner “Cheruth” auf ein koalitionspoliitschen Z u s a mmengehen beispielsweise mit den zwei Fraktionen des religioesen Lagers (zusammen bisher 17 Mandate) und dem Buergerblock der “Allgemeinen Zionisten (bisher 13 Knessethsitze) angewiesen sein. Und doch laesst er —wohlberechnend— den sprachlichen Zauber des Alten Testamente mit dem Motto Gott hat uns von der Cheruth zur Macht auserlesen” auf seine sefardischen Hoerer wirken, die traditionsgebunden genug sind, dass ihnen dies pseudoreligioese Pathos eingeht, ohne die Blasphemie einer solchen wahlagitatorischen Bemuehung des Allmaechtigen zu begreifen. Auch kleinere "Systemstuerzer" tauchen auf Doch wittern auch Einzelgaenger und Splittergruppen, die im hiesigen innenpolitischen Leben bisher niemals in Erscheinung getreten waren, Morgenluft im Hinblick auf das allgemeine Kotaumachen vor den “Nicht-Europaeern”. Um einen frueheren Parteifreund, ja, Intimus Ben Gurions, den an sich hochintelligenten, seit Jahren aber in seinen Nonconformismus versessenen Elieser Livneh scharte sich ein Kreis anderer intellektueller Michael Kohlhaas-Naturen als “Das Neue Regime”, Freidenker und streng Gesetzestreue wortgewandte Anwaelte und andere ehrgeizige Aussenseiter in buntscheckigem Durcheinander. Noch fragwuerdiger ist es um die Neugruendung eines jungen, uebrigens aus einer deutsch-juedischen Familie stammenden Journalisten bestellt, Uri Avneri’s, der seit Jahren als Herausgeber der raffiniert sensationsluesternen Wochenzeitschrift “Haolam Haseh” (“Diese Welt”) zweifelhaften Ruf geniesst, aber immerhin dauernd von sich reden macht. Er tat sich mit Herrn Jellinz-Mor zusammen, demselben Terroristenfuehrer aus den letzten Jahren der englischen Mandatsverwaltung, der dann im Spaetherbst 1948 beschuldigt wurde, die Ermordung des schwedischen Grafen Folks Bernadotte organisiert zu haben, des damaligen Palaestina-Schlichters der United Nations. (Aus “Gruenden der Staatsraison” verlief die Angelegenheit im Sand — leider!) Spaeter hatten sich selbst Jellin— Mor’s Freunde von ihm mit der Erklaerung losgesagt, er habe Gelder seiner Terrorgruppe unterschlagen. Jetzt stehen die Beiden, Uri Avneri und Jellin-Mor, an der Spitze einer Zwergpartei des Namens “Semitische Aktion”. Auch sie erstreben wie Livneh und sein Kreis den Sturz des verhassten, von Ben Gurion gefuehrten Regimes. Da sie —rassenkundlich— zwar “Semiten” sind, darum aber —r eligioes oder volksgeschichtlich— noch lange keine Juden oder laengst keine Juden mehr, wie sie meinen, wollen sie ausserdem der zionistischen Bewegung und sogar dem Weltjudentum radikal den Ruecken kehren, natuerlich ohne eine Antwort darauf zu geben, was ohne den Einstrom von Spendengeldern der ausländischen Juden finanziell und wirtschaftlich aus dem Kleinstaat Israel werden wuerde. Mit den arabischen Nachbarlaendern glauben sie sich nach ihrem Verzicht auf jede “weltjuedische Bindung” als stammesverwandte Semiten im Handumdrehen verstaendigen zu koennen. Ben Gurion fuer Wahlreform nach englischem Vorbild Dem von all diesen —und anderen— Seiten derart eingeleiteten Generalangriff ihrer Parteifeinde suchen die Ben Gurionschen Mehrheitssozialisten vor allem natuerlich mit der seit drei Jahrzehnten immer gleich massiven Geschlossenheit ihrer Anhaenger zu begegnen, die auf dem flachen Land, in den allbekannten Kibbuzim (Gemeinschaftssiedlungen) und ebenso in der staedtischen Arbeiterschaft hunderttausende von Getreuen umfassen. Zugleich aber propagiert die Mapai als weiteren hervorstechenden Punkt ihres Wahlprogramms den Uebergang des bisherigen Systems der Proportionalwahlen —mit Landeslisten— zum Wahlsystem nach Bezirken, mehr oder minder nach englischem Muster. Damit hofft Ben Gurion, in der Knesseth dem Stoerungselement allzu vieler kleiner Abgeordneten-Gruppen einen Riegel vorschieben, und die parlamentarische Grundlage seiner Partei als der ohnedies groessten des Staates entsprechend noch stabiler machen zu koennen. Aber ohne Zweifel ist er sich dessen bewusst, dass nicht die Splittergruppen seine wirklichen Gegner sind. Moeglicherweise werden sich die naechsten Wahlen zum entscheidenden Duell zwischen ihm und dem fuehrenden unter seinen Widersachern zuspitzen, dem geschworenen Sozialistenhasser Menachem Begin, den der Mimsterpraesident in seinem Parteiblatt, der Tageszeitung “Davar”, dieser Tage als “juedische Neuauflage Adolf Hitlers” bezeichnen liess nicht mehr und nicht weniger... iMsHss Äff WzM ■ mm wodSaasv-' ¡¡til Bauten fuer die Gegenwart die auch schon in die Zukunft ragen. lii mm mm. in WM mm mm ÉÜÉ1I mm wkm -V ' ' i» MMi «s§ ii»i§ liilÄ