Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 6 (Junio, 1959)
- Date
- 1959-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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REDACCION, S.C. I. B'NE JISROHL AV. PORTUGAL 810. CASILLA 2487. SANTIAGO «CHILC BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT SOCvIEpAD CULTUR AL l,S RAEAITA "B’NE JISROEL" AÑO XXI — N<? 6 SANTIAGO DE CHILE Junio 1959 G O ¡L D A MEI R Unueberwindliche technische Schwierigkeiten bei der Drucklegung unserer Zeitung haben uns daran gehindert, ueber den fuer die erste Juni-Haelfte angekuendigten Besuch des Aussenministers Israels, Frau Golda Meir, bereits in der vorliegenden Ausgabe zu berichten. Ihre Ankunft war fuer ein Datum nach unserem Redaktionsschluss vorgesehen; es ist moeglich ,dass trotzdem selbst ihr Abschied von Chile noch kurz vor Erscheinen dieser Juni-Ausgabe stattgefunden hat. So bleiben uns fuers Erste nur drei Dinge zu tun: dem Wunsch Ausdruck zu verleihen, dass der Besuch von Frau Golda Meir erfolgreich sein und die aeusserst freundschaftlichen Beziehungen zwischen Chile und Israel noch weiter ausgestalten moege, ferner unseren Lesern zu versprechen, den durch hoehere Gewalt versaeumten Bericht in der naechsten Ausgabe nachholen zu wollen und schliesslich, sie durch die folgenden Zeilen mit der aussergewoehnlichen Persoenlichkeit, die uns mit ihrem Besuch erfreuen soll, bekannt zu machen. Mit fuenf Jahren fastete Golda Mabowitz, die spaeter Israels Aussenminister Golda Meir werden sollte, einen ganzen Tag fuer die Opfer der zaristischen Progrome. Fuer seine Jahr ueberaus reif war dieses in Russland geborene Kind eine Persoenlichkeit, noch ehe es mit seinen Eltern nach den Vereinigten Staaten auswanderte. Das von der, in der Familie hochverehrten Urgrossmutter so haeufig zitierte Lebensrezept, aus der Not eine Tugend zu machen, wurde fuer das Schulmaedchen in Milwaukee, im Westen der Vereinigten Staaten, bestimmend. Als der Vater seine Tochter zur Ordnung rufen wollte, weil er keine “Volksredner” in der Familie duldet, war er dennoch ebenso fasziniert von der Begeisterung mit welcher seine Zweitaelteste ihre zionistischen Ideale vertrat, wie es ihre jugendlichen Zuhoerer waren. Nach kurzer Taetigkeit als Lehrerin in den U. S. A. wanderte Golda Meyerson, wie sie nach ihrer Heirat hiess, mit ihrem Mann nach Palaestina aus, wo aus der 23jaehrigen eine entschlossenen Landarbeiterin wurde die bereit war, mit ganzer Kraft am Aufbau der neuen Heimat teilzunehmen. Bald jedoch wird sie von der Landwirtschaft und der Gefluegelzucht abberufen. Sie stellt ihre ganze Kraft und ihren Enthusiasmus in den Dienst der Histadruth und ihr Aufgabenkreis als Mitarbeiterin der Gewerkschaften ist ungeheuer gross. Waehrend des Befreiungskrieges steht sie an verantwortlichster Stelle. Einmal kreuzt sie, als Mann verkleidet, die arabischen Linien, um zu versuchen mit Emir Abdullah von Jordanien einen Waffenstillstand zu schliessen. Die Redaktion. “Die Frau, die Israels Verteidigung finanzierte” — so begruesste sie Ben Gurion als Inmitten weltbewegender Geschehnisse begeht das juedische Volk abermals den Tag der Sinaioffenbarung, “die Zeit, da ihm die Lehre geworden”, das Fest der Gesetzgebung. Ueber das “Gesetz” ist viel diskutiert worden. Der neue Glaube, der vor fast zweitausend Jahren aus dem Judentum heraus und innerhalb des juedischen Volkes entstanden war, hatte das “Gesetz” als solches verworfen, nicht sofort, aber nach einiger Zeit; man hat dort das “Gesetz” voellig durch den “Glauben” verdraengt. Das Verhaeltnis zwischen dem goettlichen Gesetz und dem juedischen Menschen ist etwa folgendes: Wohl ist Gott der ausschliessliche Gesetzgeber, doch gab Er es nicht aus einem Machtgebot heraus, sondern, damit die Menschen begreifen dass sie ln Gott den Urbegriff aller Sittlichkeit zu erkennen haben, die schoepferische Kraft der sittlichen Weltordnung und des auf Sittlichkeit gerichteten Weltzweckes. Dies ist die juedische Auffassung vom Gottesgesetz. Nicht durch die sinaitische Gesetzgebung erst ist die Sittlichkeit geschaffen; aus ihrem eigenen Wesen und der Beschaffenheit des Menschen entsteht sie. So konnten schon die Alten aussprechen, Abraham, der erste Stammvater, habe bereits alle Sittengesetze beobachtet; seine eigene Gotteserkenntnis ist ihm die Quelle sittlicher Belehrung gewesen. Deshalb unterscheidet unsere muendliche Lehre, der Talmud, zwischen den Vernunftgesetzen, also denjenigen, welche an sich unbedingt und unabhaengig von einer Gesetzgebung “Gesetze” sind, und jesie von einer Reise aus den Staaten zurueckkehrte. Dort hatte sie Menschen, die aus Neugierde gekommen waren, das “Maedchen aus Milwaukee” zu sehen, welches den neuen Juedischen Staat vertrat, zu Begeisterungsstuermen hingerissen. Sie flehte und bat nicht, sie sprach ruhig und ohne jegliches Pathos, aber sie erhielt mehr Gelder, als sie in ihren kuehnsten Traeumen zu verlangen gewagt haette. Spaeter geht sie als erste Botschafterin Israels nach Moskau und gewinnt die Sympathie der Regierung der Sowjetunion, aber nicht nur das, sie stellt den ersten lebendigen Kontakt zwischen den isolierten juedischen Menschen Russlands und der neuen Wirklichkeit Israels her. Von ihrer diplomatischen Taetigkeit zurueckberufen, wird Golda Meir Arbeitsminister Is- (Zum Schawuotfeste) nen ritualen und formalen An Ordnungen, welche erst durch ihre Einsetzung “Gesetze” wurden. So wird im Judentum die freie sittliche Ueberzeugung, welche sich nicht nur auf Autoritaet und die Gesetzgebung stuetzt, noch hoeher gestellt als die Folgsamkeit gegenueber der Autoritaet. Daher lehrt Rabbi Simon ben Lakisch, dass der Fremde, der aus freier Ueberzeugung das Gesetz annehme, in den Augen Gottes hoeher stuende als alle Kinder Israels, die am Berge Sinai gestanden, diese haben Donner und Blitz, den Schofar und die goettlichen Worte vernommen; der Fremde aber, der nichts vernahm^ suchte aus freiem Antrieb die Harmonie mit Gctt und nahm freiwillig das “Joch des Gottesreiches” auf sich. Dieses Sittengesetz hat sich als “kategorischer Imperativ” durch den ihm anhaftenden Wert und die Wuerde, die von ihm ausgeht, erhalten und dem juedischen Volke den hohen moralischen Lebensstandard gegeben, der ihm bis auf den heutigen Tag geblieben ist. Und dies war von Anfang an sein charakteristischer Grundgedanke: Zum Unterschied von allen Voelkern jener Zeit wird der Grundsatz der allgemeinen Rechtsgleichheit verkuendet, fuer den Einheimischen wie fuer den Fremden. “Einerlei Gesetz fuer Alle”, ist die oberste Forderung. Unser “Zehnwort” vom Sinai, das als grundlegende Lehre von allem Zeremonialgesetzlichen schweigt, verkuendet, bevor es den Ruhetag, den Schabbat, ausruft, “Sechs Tage sollst Du arbeiten und all Dein Werk verrichten”. Dieser Satz allein, von seiner Bedeutung als raels und leistet einen entscheidenden Beitrag zur reibungslosen Absorbierung der Einwanderer. Heute ist sie der erste weibliche Aus senminister der Welt. In vielen Laendern, mit langer freiheitlicher und fortschrittlicher Tradition haben die Frauen schwer zu kaempfen gehabt, ehe sie verantwortliche Aemter bekleiden durften und selbst heute ist kein Fall bekannt, wo man einer Frau ein so wichtiges Ministerium anvertraut haette. Das kleine, neue Israel, hat sich auch auf diesem Gebiet als bahnbrechend erwiesen. Es konnte dies aber tun, weil es sich eben um Golda Meir handelte, eine der bemerkenswertesten Persoenlichkeiten Israels, Wegbereiterin fuer ihr Land, ihr Volk und ihr Geschlecht. Grundlage allen Wirtschaftslebens ganz abgesehen, wuerde genuegen, so sagte einmal Rabb. Nehemia A. Nobel s. A., die ueberragende Einzigartigkeit des Sinaigesetzes in der gesamten Religionsgeschichte der Menschheit zu sichern. Auch vom Schabbat gilt, was von unserer Thora gesagt wird, dass ’’sie nicht im Himmel zu suchen sei”. Thora, unsere Lehre, das juedische Lebensgesetz, sie stammen aus ueberirdischen Bezirken, aber sie suchen den irdischen Bezirk des Daseins. Vor elf Jahren war mit der Anerkennung eines souveraenen juedischen Staates dem Wunsch nach Wiedergutmachung eines historischen Unrechts Ausdruck verliehen worden. Das juedische Volk muss aber noch mehr erwarten, und dies ist der letzte und tiefste Gedanke von Schawuot: Die Wiederanerkennung des Sinaigesetzes als Lebensgrundlage der in Israel erstrebten “Neuen Gesellschaftsordnung”. Dies ist die Voraussetzung fuer die Verwirklichung des “Gottesreiches auf Erden”, dieses letzten Zieles aller Bemuehungen, die gipfeln sollen im Aufbau einer gerechten, sittlichen und sozialen Menschheit. Eine Lehre wie die juedische, welche “die gute Tat” hoeher stellt als jede Art von “Bekenntnis” und die absolute Gleichheit Aller vor dem Gesetz lehrt, ist nicht nur in vergangenen Zeiten Schoepfer des Monotheismus gewesen, sondern wird auch in Gegenwart und Zukunft entscheidenden Einfluss auf das Zusammenleben der Voelker in einer besseren Welt nehmen muessen. Deshalb duerfen wir von einer “Weltgesetzgebung” am Sinai sprechen. Neuer Gemeindevorstand In der ersten Sitzung des neugewaehlten Repraesentanten-Kollegiums wurde zunaechst einstimmig Herr Dr. Landau durch Akklamation zum Gemeindepraesidenten gewaehlt. Alsdann wurden ebenfalls einstimmig und durch Akklamation folgende Herren zu Mitgliedern des neuen Vorstandes bestimmt: Kurt Hofmann, Curt Isaac, Alejandro Lande, Dr. Boris Levy, Dr. Hans Reich und Walter Schueftan. Diese haben die Vorstandsaemter wie folgt verteilt: Präsident: Dr. Siegfried Landau Vize-Präsident: Alejandro Lande General-Sekretär: Dr. Hans Reich stellv. Sekretär: Curt Isaac Schatzmeister: Dr. Boris Levy stellv. Schatzmeister: Kurt Hofmann Beisitzer: Walter Schueftan Weltgesetzgebung CURT WILK.