Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1959-05-01 · 5 (Mayo, 1959) · p. Seite 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXI (1959)
Issue
5 (Mayo, 1959)
Date
1959-05-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/8553624-8557464-9194424--2554-8557567
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Mayo 1959 BOLETIN INFORMATIVO 15 SCHAWUOT UND DAS BUCH DER BUECHER von Rabbiner E. I. Loewenstein ihrer Goetter und Goettinnen. Sie dagegen spricht vom Menschen und seiner Antwort auf die Fragen Gottes. In ihr finden wir keine homerischen Heldengestalten, sondern wir erleben Menschen mit ihren guten und schlechten Eigenschaften, mit ihrer Erfuellung und ihrem Versagen. Keine Nebensaechlichkeiten werden von ihnen berichtet, sondern wir hoeren von ihrem Leben als moralischem Problem. Darum vermag diese Bibel auch noch den Juden wie den Nichtjuden des 20. Jahrhunderts zu ergreifen, weil zu ihm in seiner religioesen und moralischen Krisis gesprochen wird. Der mit seinem schweren Leid und Leiden bis zur Verzweiflung ringende Hiob; Frauen wir Rachel und Hanna, die sich nach Nachkommenschaft sehnen; die in all ihrer Groesse so menschliche Gestalt des Koenigs Davids der in der Stunde seines Triumphes ueber den sterbenden Gegner Schaul seinen Charakter zeigt; der um sein Volk und um seinen Gott mit ihrem Widerspruch in gewaltiger Liebe ringende Jeremia, sie alle und noch viele andere sind Gestalten, die in die Ewigkeit sprechen. Wir sehen Soehne, die gegen ihre Vaeter in Selbstsucht rebellieren und Vaeter, die sich ihnen doch wieder verzeihend zuwenden. Nichts menschliches ist diesem Buch fremd geblieben. Es zeigt uns das Leben mit seinen Stemstunden und seinen Abgruenden. Vor uns steht der Mensch mit seinen Krisen, der sub specie etemitatis Antwort sucht. Sie wird ihm erteilt in der gewaltigen und erschuetternden Rede der Propheten, in der abgemessenen, Konzentrierten Weisheit der Weisen, in der tiefreligioesen, innigen Sprache der Saenger der Psalmen. So spricht dieses Buch zu einem jeden der hoeren will und sein Herz oeffnet. Um dieser Menschlichkeit willen ist es zur Biblia schlechthin, zum Buch der Buecher geworden und sein Traeger zum “Volk des Buches’. Zu den tragischen Erscheinungen unseres Zeitalters der Technik gehoert auch die Tatsache, dass dieses Buch fuer viele aufgehoert hat, lebendig zu sprechen. Sie bemessen den Menschen nur noch danach, wie weit er von der Maschine den bestmoeglichen Gebrauch machen kann. Gegen diese Lebenshaltung protestiert Schavuot. Das Wirkliche am Menschen ist nicht der Koerper mit seinen Sinnen —so wichtig sie auch sind—, sondern der Mensch mit seinen Aufgaben und Verpflichtungen gegenueber denen, mit denen wir leben. Im Mittelpunkt dieses Festes mit seinem Symbol — der Tora—, steht der moralische Mensch. Wo immer um eine bessere Zukunft gerungen wird, wo es um die Ueberwindung der sozialen Ungerechtigkeit geht, hoeren wir den Akzent unserer Bibel heraus. Es ist der Arme, der sozial und geistig Arme, dem geholfen RUECKBLICK und AUSBLICK (Schluss von Seite 13) In unseren Buechern finden wir eine Legende, die von den messianischen Zeiten spricht. In jenen Tagen werden alle ueberlebenden Nationen Bruecken aus Stahl bauen, auf welchen sie ins “Gelobte Land” hinueberziehen werden. Diese Bruecken werden aber zusammenbrechen unter dem Druck der Millionen von Fussgaengern und Fahrzeugen. Das juedische Volk allein wird eine Bruecke aus Pergament bauen und diese wird alle tragen und sie werden sie sicher ueberqueren. Das ist eine Legende. Aber sie ist zugleich eine poetische Darstellung unserer Jahrtausende waehrenden Geschichte. In ihr liegt eine tiefe Wahrheit. Die Geschichte der Voelker wird weithin durch ihr Streben nach zivilisatorischer Vervollkommung, nach materieller und politischer Sicherheit gekennzeichnet. Israel wurde durch eine Bruecke aus Pergament — durch das Buch der Buecher — ueber die Zeiten und Laender hinweggetragen. Durch sie hat es die Jahrhunderte ueberdauert. Das Buch der Buecher — Bibel ist das griechische Wort fuer Bibliothek — hat das juedische Volk vor den Gefahren der blutigen Verfolgung und des laechelnden Todes der Assimilation bewahrt. Ohne sie wuerde Israel durch persische und babylonische Eroberer vernichtet, durch roemische Lebensart und griechische Philosophie aufgesogen und schliesslich zwischen den Nationen, unter denen wir ein zeitweises Asyl gefunden, zermalmt worden sein. Schawuot ist das Fest, an dem wir — nicht mehr und nicht weniger — den Dank fuer dieses Buch der Buecher abstatten. Es ist ein Monument — kein steinernes und unbewegliches Monument, sondern es erneuert sich staendig, wirkt als eine belebende Kraft. Es hat Zeiten gegeben — auch noch in unseren Tagen—, in denen im Leben unseres Volkes dieses Buch gegenueber anderen Buechern an wirkender Bedeutung verloren hat. Aber zu den Wundern, die sich heute in der juedischen Welt vollziehen, darf auch das erneute Interesse weiter Kreise unseres Volkes fuer dieses Buch der Buecher gezaehlt werden. Auch dies verdanken wir unserer Medinat Israel. Die Bibel-leider klingt dieses Wort in den Ohren vieler so altmodisch-ist nicht nur eine Sammlung von Buechern verschiedenen Inhalts. Sie spiegelt das Leben mit seinen Paradoxien wieder. Das goettliche Buch ist auch das menschlichste aller Buecher. Das Nationale Geschichtsbuch Israels ist zugleich auch jäie universellste aller Schriften. Es spiegelt das Leben eines kleinen Volkes in allen seinen Facetten wieder und richtet sich doch an einen jeden Menschen auf dieser Erde. Es meint den Menschen in seiner Kleinheit und Groesse zugleich. Sein Hauptthema ist der im Ebenbilde Gottes geschaffene Mensch, der zugleich mit der Macht ausgestattet ist, “Schituf” - Partner Gottes in der Schoepfung zu sein. Dieses Buch unterscheidet sich von den heiligen Buechern anderer Voelker des Altertums. Diese berichten von den Heldentaten vor ihrem Abschluss steht, Gewiss haben sie zufaellig die zahlreichen Mahnungen nicht erhalten, denn sonst waere ihr Verhalten unverstaendlich. Daher dieser letzte Appell: Erledigen Sie sofort diese Rueckstaende und ersparen Sie uns unnoetige erneute Mahnungen und Ausgaben. VERWALTUNG Unsere Gemeinde zaehlte am 1. April 1959 unter Beruecksichtigung der Neuaufnahmen und Todesfaelle 1493 Mitglieder-Familien, also 29 mehr als im Vorjahre. Die Zahl der Geburten betrug 25, die Zahl der Sterbefaelle belief sich auf 40, also gluecklicherweise 11 weniger als im vorigen Geschaeftsjahre. Es fanden 5 Trauungen und 25 Barmizwath in unserem Mitgliederkreise statt. Das Direktorium hielt 46 Sitzungen ab und die Repraesentanz kam zu 10 Beratungen zusammen, abgesehen von zahlreichen Sitzungen der einzelnen Kommissionen. Bevor ich meinen Bericht schliesse, ist es mir ein besonderes Beduerfnis, allen unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern, besonders meinen Kollegen im Direktorium und der Repraesentanz meinen verbindlichsten und aufrichtigsten Dank fuer ihre so interessevolle, kameradschaftliche Mitarbeit bei der Fuehrung der Gemeindegeschaefte auszusprechen. Waehrend des letzten Geschärft jahres sind zwei Mitglieder des Direktoriums aus ihren Aemtern ausgeschieden, die Herren Helmuth Heinemann und Dr. Hermann Lehmann. Beide, —ersterer in seiner Eigenschaft als Tesorero und letzterer als zeitweiliger Praesident der Repraesentanz und spaeter als Generalsekretaer— haben sich grosse Verdienste um unsere Gemeinde erworben, der sie ihre grossen Faehigkeiten jederzeit dienstbar gemacht haben, wofuer wir ihnen ganz besonders dankbar sind. Sie werden aus dem Stimmzettel ersehen, dass vier unserer bisherigen bewaehrten Mitarbeiter, die Herren Heimann Abramczyk, Adolf Ebstein, Alfred Feldmann und Siegfried Hollaender nicht mehr kandidieren. Diese vier Namen sind in unserer Gemeinde zu einem Begriff geworden. Jeder kennt sie, jeder schaetzt sie. Was sie in jahrzehntelanger Arbeit fuer unsere S. C. I. geleistet haben, wissen nicht nur ihre engsten Mitarbeiter, sondern alle unsere Mitglieder. Wer wuesste nicht, was ein Abramczyk fuer den Kultus, ein Feldmann fuer unsere Verwaltung, ein Ebstein und ein Hollaender fuer unsere zionistischen Fonds geleistet haben, um nur die Hauptgebiete ihrer umfangreichen Gemeindetaetigkeit zu erwaehnen. Ihre ganze Persoenlichkeit haben unsere vier Freunde fuer unsere S. C. I. und das ganze juedische Volk eingesetzt und haben sich damit unvergessliche, unvergaengliche Verd i e n s t e erworben. Kein Wort des Dankes kann zum Ausdruck bringen, was sie geleistet haben. Sie selbst, wissen es und das soll ihnen eine innere Befriedigung geben. Bei anderer Gelegenheit werden wir unseren persoenlichen Dank diesen so wertvollen Mitarbeitern aussprechen. Heute sei nur eine Bitte gestattet: sie moegen ihre grosse Erfahrung, ihren so klugen Rat und ihre Mitarbeit zum Wohle unserer Gemeinde auch in Zukunft immer zur Verfuegung stellen, wann und wo auch immer man ihrer benoetigt. Mein Dank gilt weiter allen Beamten unserer Gemeinde, den Herren Rabbinern, dem Herrn Kantor, allen Herren des Kultus, den Mitgliedern des Chors den Damen und Herren der Verwaltung, die ihre besten Kraefte und Kenntnisse gern zur Verfuegung stellten, um die umfangreiche, teilweise nicht leichte und teilweise auch nicht immer angenehme Arbeit zu bewaeltigen. Die Ansprueche, die wir an unsere Mitarbeiter stellen mussten, sind keine geringen. Dafuer, dass diesen Anspruechen immer liebevoll entsprochen wurde, dafuer gilt mein besonderer Dank. Meine verehrten Damen und Herren, ich glaube, Ihnen mit meinen Darlegungen einen Ueberblick ueber das gegeben zu haben, was die Gemeindearbeit im verflossenen Jahre bedeutete. Als Mitglieder unserer Gemeinde sind Sie die berufene hoechste Instanz, um die Arbeit zu beurteilen, um das anzuerkennen, was nach Ihrer Ansicht richtig gemacht wurde, um zu kritisieren, was zu bemaengeln ist und um Neuanregungen zu geben. Wir scheiden mit dem Bewusstsein aus unseren Aemtern, das Beste gewollt und alles getan zu haben, was fuer den Weiterausbau unserer Gemeinde und fuer deren Zukunft notwendig ist. Moegen das neue Direktorium, die neue Repraesentanz und alle neuen ehrenamtlichen Mitglieder groessere Erfolge aufzuweisen haben. Das ist unser aller sehnlichster Wunsch fuer unsere Gemeinde. VOR DEN NEUWAHLEN ~~ Sehr verehrte Damen und Herren! Wir stehen vor der Neuwahl zur Repraesentanz. Am Anfang meiner Darlegungen, als ich zum Jugendproblem sprach, habe ich darauf hingewiesen, dass die Jugend erfasst werden muss, das heisst, dass man sie fuer unsere Gemeinde und die allmaehliche Ueberleitung unserer Emigranten-Gemeinde in eine werden soll. Dazu verpflichtet ihn, dass er als Partner Gottes an der Schoepfung in seinem Ebenbilde geschaffen wurde. Die moderne Wissenschaft hat viele Wunder vollbacht. Aber sie kann nicht an die Stelle der Religion treten. Beide koennen sich nur ergaenzen. Eine Welt ohne Wissenschaft ist voller Aberglaube. Aber eine Welt ohne Religion ist ohne Seele und moralische Kraft. Beide haben ihren Platz im Leben. Die einen haben es mit dem “Wie” des Lebens zu tun, die anderen mit dem “Warum’. Wissenschaft sucht nach der Ursache, Religion nach dem Sinn alles Daseins. Nur die Suche nach einer Antwort auf beide Fragen kann die Voraussetzung fuer ein schoenes aber auch menschen-wuerdiges Dasein schaffen. Darum bleiben die 14 Buecher unserer Bibel auch fuer die Zukunft, was sie in der Vergangenheit waren: das Buch der Buecher. allgemein juedische lateinamerikanische Gemeinde interessieren muss. Es genuegt aber nicht, von der Notwendigkeit zu sprechen, unsere Jugend fuer unsere Gemeindearbeit zu interessieren. Wir muessen sie an den Arbeiten selbst aktiv teilnehmen lassen. Wenn sie einmal bei dieser Arbeit sind, werden sie sich mit den juedischen Gemeindeproblemen beschaeftigen und mit ihrem jugendlichen Temperament, ihrer jugendlichen Begeisterung und ihren noch unverbrauchten Kraeften in ihnen aufgehen. Nur dann, wenn neue junge Menschen sich bereit finden, mitzuarbeiten, wird der Bestand unserer Gemeinden fuer weitere Generationen gesichert sein. Zu unserer Freude hat sich eine Gruppe dieser juengeren Generation zusammengefunden und dahin gewirkt, dass sich eine groessere Anzahl neuer Kandidaten Ihnen zur Wahl stellt. Wir danken ihnen fuer diesen Beweis jued i s c h e n Verantwortungsgefuehls und erhoffen von ihnen nach erfolgter Wahl neue Anregungen fuer unsere gemeinsame Arbeit. Sie, meine verehrten Freunde, bitte ich: bleiben Sie treue Mitglieder unserer Gemeinde. B z e u g e n Sie Ihr aktives Interesse durch Ihre Mitarbeit, durch Anregungen, durch konstruktive Kritik. Nehmen Sie an den Veranstaltungen Ihrer Gemeinde Anteil, seien Sie religioeser, nationaler oder kultureller Natur, Helfen Sie bei der Arbeit fuer den Staat Israel. Denken Sie stets daran, dass wir alle Teile eines Koerpers, Arterien eines Herzens, Zweige eines Baumes sind. Dann wird jeder die Liebe zum juedischen Volke empfinden, sein Herz wird fuer alles schlagen, was juedisch ist, er wird Glauben haben an sich, an seine Zukunft, an die Zukunft unserer Gemeinde und an die Zukunft unseres Staates Israel.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.