Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 5 (Mayo, 1959)
- Date
- 1959-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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REDACCION* S.C. I. B'NE JISftOEt. AV. PORTUGAL BIO. CASILLA 8487. SANTIAGO«CHILC BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT SOCIEDAD CULTURAL ISRAELITA B'NE JISROEL AÑO XXI — N«? 5 SANTIAGO DE CHILE Mayo 1959 Der Rechenschaftsbericht des Praesidenten: RUECKBLICK und AUSBLICK Wortlaut der Betrachtungen Dr. Landaus vor der Generalversammlung vom 26. April — "Von der Lösung des Jugendproblems haengt die Zukunft der Gemeinde ab" — Aus einer Emigrantengemeinde wird eine Gemeinde des lateinamerikanischen Judentums —Jugendarbeit auf religioesem, erzieherischem und organisatorischem Gebiet — Kultus, Kultur und Presse — Der Platz der S. C. I. im Jischuw — Gemeindehaus und Sozialarbeit — Beitrag zum Aufbau Israels und zur Rettung der Fluechtlinge: "...die Lage, in der wir selbst vor 20 Jahren waren" — Zum Ausscheiden langjaehriger ehrenamtlicher Mitarbeiter — Aufruf zu den Neuwahlen: "im Glauben an die Zukunft!" ln unserer schnell lebenden Zeit jagt ein Ereignis das andere. Wir glauben, alte Geschichte zu studieren, wenn wir zufaellig eine Zeitung der vergangenen Woche in die Hand bekommen. Die Technik von gestern ist heute antiquiert. Wir haben uns daran gewoehnt, schnell zu leben, auf das Morgen zu blicken und das “Gestern”, ja das “Heute” zu vergessen Sollen wir das? Ist das juedisch? Ist es nicht gerade eine typisch juedische Eigenschaft zurueckzudenken, zurueckzublicken? Haben wir nicht gerade erst gelesen, dass wir uns stets an den Auszug aus Aegypten, an die Befreiung unseres Volkes erinnern sollen? Nur wer die Geschichte seines Volkes stets vor Augen hat, wird sich mit ihm eng verbunden fuehlen. Er wird wissen, dass wir alle Teile eines Koerpers sind, Arterien eines Herzens, Zweige eines Baumes. Er wird die Liebe zum juedischen Volke empfinden, sein juedisches Herz wird fuer alles schlagen, was juedisch ist, er wird Glauben an die Zukunft haben. Wer nie zurueckdenkt, laeuft eine grosse Gefahr, die Gefahr, sich selbst kaum Rechenschaft darueber zu geben, was er tut, nicht zu pruefen, ob richtig ist was er getan hat. Und aus seinen Fehlern, aus seinen Irrtuemern kann man lernen, muss man lernen. Das ist der Grund, meine sehr geehrten Damen und Herren weshalb wir uns jaehrlich innerhalb unserer Gemeinde zusammenfinden, um uns kritisch darueber zu unterhalten, was wir auf dem Gebiete unserer Verwaltungstaetigkeit geleistet, was wir nicht geleistet haben, was wir erreichten und was wir im Interesse unserer Gemeinde und zur Sicherung ihres Fortbestandes noch erreichen muessen. Und damit komme ich sofort zu der Hauptfrage, die die Verwaltungskoerperschaften unserer Gemeinde wie keine andere beschaeftigt hat. Es ist wohl kaum eine Sitzung vergangen, es hat wohl kaum eine Konferenz stattgefunden, in der nicht ein Kardinalpunkt behandelt worden waere, der des Jugendproblems. Wir sind uns dessen bewusst, heute mehr denn je, dass von der Loesung dieser Frage die Zukunft unserer Gemeinde und nicht nur unserer Gemeinde, sondern aller derjenigen abhaengig sein wird, die die gleichen Schicksalsgemeinschaften sind wie wir. Unsere Sociedad Cultural Israelita besteht nunmehr 20 Jahre. Viele von denen, die sie einmal gegruendet haben, sind nicht mehr und nehmen einen Ehrenplatz in den Annalen unserer Gemeinde ein. Wir, die wir die Ehre haben, die Geschicke unserer Gemeinschaft viele Jahre zu leiten, wissen, dass es darauf ankommt, die Sociedad Cultural Israelita “Bne Jisroel”, die einmal von Emigranten gegruendet wurde, zu einer Gemeinde des lateinamerikanischen Judentums umzuformen. Nur wenn das gelingt, wird sie ueber die Generation ihrer Gruender hinaus bestehen koennen. Alles, worueber ich Ihnen jetzt zu berichten habe, dient der Loesung dieser Frage. JUGEND UND RELIGION Ein altes Wort sagt, dass wir nicht fuer die Schule, sondern fuer das Leben lernen. Aber in der Schule muessen wir lernen, auch wenn der Erfolg erst Jahrzehnte spaeter sichtbar wird. Die Schule formt aus den Kindern einen Menschen. Wir sind Juden und wollen Juden bleiben. Dies ist nur moeglich, wenn unsere Kinder von frueh auf juedischen Religionsunterricht geniessen, wenn sie zu ehrlichen aufrechten Juden erzogen werden, die mit Freude lernen, die ihr Judesein lieben und wissen, worin die Werte des Judentums bestehen. Die Eltern unserer Kinder, die Verantwortlichen fuer ihre Erziehung, muessen uns bei Erreichung dieses Zieles helfen. Sie duerfen nicht nur auf ihre Kinder Ruecksicht nehmen. Von uns aus ist alles getan worden, um Eltern und Kindern weitgehend entgegenzukommen, um die oertlichen und zeitlichen Schwierigkeiten zu beheben. Da die Mehrheit der hiesigen Schulen sowohl am Vormittag wie am Nachmittag Unterricht erteilt, haben wir leider nur die Moeglichkeit, einmal in der Woche Kurse von 90 Minuten abzuhalten, im Gemeindehaus und in Raeumen Providencia, die uns die Firma Julio Wiener y Cia. dankenswerterweise zur Verlegung gestellt hat. Wir sind uns darueber im Klaren, dass derartige Minimalkurse nur zu minimalsten Kenntnissen fuehren koennen. Wir mussten also Wege suchen, um unsere Kinder auch ausserhalb dieser Kurse juedisch zu erfassen. Als den wichtigsten Beitrag betrachten wir Jugendgottesdienste, die im vergangenen Jahre nach langen Vorbereitungen erstmalig von der Jugend fuer die Jugend aus Anlass von Feiertagen (Jom Kippur und Chanukka) stattgefunden haben. Wir haben zwar schon in frueheren Jahren Jugendgottesdienste durchgefuehrt. Da diese aber am Schabbat-Nachmittag stattfanden, &n dem ein grosser Teil unserer Kinder sie mehr interessierende Beschaeftigungen haben, hatten sie nicht den gewuenschten Erfolg. Umso erfreulicher war der aussergewoehnlich gute Besuch der beiden erwaehnten Feiertagsgottesdienste. Fuer jeden, der die Freude hatte, an ihnen teilzunehmen und das Interesse der Jugendlichen zu beobachten, war es eine wahre Genugtuung. Auch bei dem Filialgottesdienst im Marconi hat in den Nachmittagsstunden des Jom Kippur ein Jugendlicher das Wort an die Kinder gerichtet und weitgehenden Widerhall bei ihnen gefunden. Jugendliche muessen selbst vorbeten, Jugendliche muessen selbst Ansprachen halten, Jugendliche muessen die hebraeischen Texte in spanischer Sprache erlaeutern, den Inhalt unserer Gebete erklaeren und die jugendlichen Zuhoerer mit unserer religioesen Welt vertraut machen. Ermutigt durch diesen Erfolg und in Erkenntnis der Tatsache, dass man fuer Jugendliche den Gottesdienst so gestalten muss, dass er ihnen etwas gibt, beabsichtigen wir, im kommenden Jahre diese Jugendgottesdienste regelmaessig einmal monatlich durchzufuehren und ich bitte schon jetzt unsere Eltern, uns zu helfen und ihre Kinder zu regelmaessiger Teilnahme zu veranlassen. Im kommenden Jahre beabsichtigen wir eine Neueinfuehrung, von deren Erfolg wir ueberzeugt sind, wenn wir mit der Unterstuetzung der Eltern rechnen koennen. Wir wollen fuer diejenigen Kinder, die ausser am Sonntag Vormittag auch noch in der Woche fuer Unterrichtszwecke Freizeit haben, einen Iwritkurs einrichten. Wir gehen dabei von der Tatsache aus, dass die gegenwaertig zur Verfuegung stehende knappe Zeit nur ermoeglicht unsere Schueler im hebraeischen Lesen ohne ausreichendes Verstaendnis des Textes zu unterrichten. Durch den Iwritkurs soll dieses Verstaendnis ermoeglicht werden. Ich hoffe, dass wir bei diesem Vorhaben auf Ihre Unterstuetzung rechnen koennen. Die sogenannten Post-Barmizwah-Kurse hatten in frueheren Jahren nur geringen Erfolg, da sie am Schabbat-Nachmittag stattfanden. Wir haben infolgedessen eine Aenderung insofern eintreten lassen, als wir die Kurse in verschiedenen Raeumen und zu verschiedenen Stunden (Mittwochs und am Freitag-Abend nach dem Gottesdienst) abhielten. So war es uns moeglich, 26 Jungens nach der Barmizwah zu erfassen. Da das laufende Jahr ein durch Barmizwahfeiern glücklicherweise reich gesegnetes ist, duerfen wir erwarten, dass die Teilnehmerzahl stark zunehmen wird. Und unsere Toechter? Wir werden uns bemuehen das Problem der Basmizwah zu loesen. Herr Professor Emst Simon, an dessen leider viel zu kurzen Besuch in Santiago Sie sich sicher alle bestens erinnern, hat in einer seiner Reden zum Ausdruck gebracht, dass er die Basmizwah fuer eine positive Reform haelt. Dieser Standpunkt wird erfreulicherweise in unserer Gemeinde weitgehendst geteilt. Der gewuenschte Erfolg kann sich aber nur dann einstellen, wenn unsere Maedchen vor der Feier an einem etwa halbjaehrigen Kurs teilnehmen. Die Basmizwah soll nicht nur eine Gelegenheit fuer eine “Vida Social” sein. Ihr Zweck ist und muss die Vertiefung der Kenntnisse des Judentums und die innige Verknuepfung unserer Toechter mit unserem religioesen und nationalen Leben sein. JUGENDORGANISATIONEN Unser Interesse galt wie stets allen juedischen Jugend-Organisationen, sowohl den chaluzischen wie den allgemein juedischen. Den chalüzisch organisierten Jugendgruppen konnten wir in erster Linie nur finanzielle Unterstuetzung, besonders fuer ihre Ferienlaeger gewaehren. Unter den bestehenden allgemein juedischen Institutionen waren es vor allem das Centro Universitario Judio und die Ivria, mit denen wir aktiv verbunden sind. Der “Cuj” haelt seine regelmaessigen Zusammenkuenfte in unserem Hause ab und es ist ein stolzer Anblick, die zahlreichen Jugendlichen, die sich hauptsaechlich aus Studentenkreisen rekrutieren, in unserem Hause versammelt zu sehen. In der Leitung der Ivria wirken mehrere Mitglieder unserer Gemeinde mit. Es muss leider festgestellt werden, dass in beiden Organisationen die Zahl der Jugendlichen aus unserem Sektor nicht sehr gross ist. Es gibt zu viele die von jeglicher aktiven Teilnahme am juedischen Leben Abstand halten. Und dabei ist es doch von besonderer Wichtigkeit, gerade in dieser Generation wachsam zu bleiben und alles zu tun, um (Fortsetzung Seite 10)