Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1959-04-01 · 4 (Abril, 1959) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXI (1959)
Issue
4 (Abril, 1959)
Date
1959-04-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/8553624-8557464-9194419--2511-8557525
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

«COACCION. S.C. I. B’NE JISnOEU AV. PORTUGAL 810. CASILLA 2487. SANTIAGO«CH1LK BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT SOCIEDAD CULTURAL l,S RAEilTA " B ' N E J I S R O E L" AÑO XXI — N? 4 SANTIAGO DE CHILE ABRIL 1959 DER FUENFTE BECHER von Rabbiner Manfred Lubliner Seit langen Zeiten ziert die Sedertafel ein vollgefuellter Becher Wein, der nicht geleert wird. Fuer eine der populaersten biblischen Gestalten ist er bestimmt, die als Gast sehnsuchtsvoll von einer jeden juedischen Familie an diesen Abenden erwartet wird. Der geheimnisvolle Besucher ist der grosse Wundertaeter, der Prophet Elia, der im Leben unseres Volkes eine besondere Rolle gespielt hat. Taeglich werden wir an ihn erinnert, wenn wir im Tischgebet den Bittspruch sprechen: “Allbarmherziger, sende uns Elia den Propheten, dass er uns gute Botschaft verkuende, Heil und Aufrichtung bringe”. In den Sedernaechten erwartet unser Volk diesen seltsamen Gottesboten, den Kuender des Friedens fuer unser Volk und fuer die gesamte Menschheit. Und heute mehr denn je! Denn, wenn unsere haeuslichen Wohnraeume durch jene Kerzen im hellen Glanz erstrahlen, die zarte Frauenhaende mit tiefster Inbrunst entzuenden, so wird diese Helligkeit doch ein wenig ueberschattet, weil unser Herz nicht ganz frei von einem gewissen Gefuehl der Bangigkeit und Sorge fuer unsere Zukunft ist. Zu gross ist die Unruhe, die Spannung in der Welt. Der seit Jahren andauernde “kalte Krieg” hat eine noch kaeltere Weltstimmung hervorgerufen. Es ist eiskalt geworden. Die menschlichen Herzen beginnen zu erstarren. Das Weltgespraech, das die Grossen fuehren, ist hart und scharf wie des Messers Schneide. Grosse Entscheidungen stehen bevor, die die gesamte Menschheit, die einzelnen Voelker und schliesslich den Menschen selbst angehen. Auch wir Juden, die wir ja in dieser grossen Welt leben, sehen mit Spannung diesen Entscheidungen entgegen. Und doch, schwere Schicksalsstunden in der langen Weltgeschichte hat es des oefteren schon gegeben, unser Volk hat sie bewusst erlebt und wider aller Erwarten sogar ueberlebt. Worin besteht das Geheimnis dieses Ueberlebens? Welches ist die Kraft oder sind die Kraefte, die uns in allen Katastrophen erhalten haben? Es ist eine Frage, die nicht zum ersten Mal gestellt worden ist. Jede Zeitepoche hat sie sich vorgelegt und hat eine Antwort zu geben versucht. Der aeussere Druck, so sagen die einen, das nationale Bewusstsein, die Treue zur Schicksalsgemeinschaft, meinen die anderen. Schliesslich, so sagen die dritten, ist es die religioese Lebensauffassung, die uns von der physischen und geistigen Vernichtung bewahrt haben soll. Ueberpruefen wir ein wenig diese Auffasung. Schon Theodor Herzl sprach einmal davon, “dass der aeussere Feind der eiserne Reifen der Nation ist”. Mit anderen Worten, die Umwelt hilft uns gegen ihren Willen zu ueberleben. Es bedarf keiner besonderen Beweise, dass dieser Ausspruch eine gewisse Wahrheit enthaelt. Aber ein Zusammenschluss einer Gemeinschaft, die nur auf Zwang gegen den gemeinsamen aeusseren Feind gegruendet ist kann auf die Dauer keine Festigkeit zeigen und sicherlich nicht dann, wenn der Druck nachlaesst oder gar nicht mehr verspuert wird. Man hat das nationale Gefuehl als etwas gemeinsam Bindendes angesehen. Zweifellos hat es im juedischen Menschen bewusst oder unbewusst gelebt, die Sehnsucht nach der alten Heimat ist seit den Tagen des babylonischen Exils in unserem Volke lebendig gewesen. In den Gebeten, Gedichten oder Liedern hat sie ihren tiefen Ausdruck gefunden und dem Volk von Geschlecht zu Geschlecht soviel Kraft gegeben, dass es die Faehigkeit besessen hat, in unseren Tagen das grosse Wunder, die Sehnsucht zu einer Realitaet wieder werden zu lassen. Aber die nationale Idee allein hat sicherlich nicht die juedische Gemeinschaft in ihrem fast zweitausendjaehrigen Exil vor dem Untergang bewahrt. Auch die Treue zur sogenannten Schicksalsgemeinschaft, so sehr uns auch die Anerkennung unserer moralischen Haltung schmeicheln koennte, kann nicht ausschliesslich die Kraft gewesen sein, um uns aus den vielen Weltkatastrophen als Ueberlebende hervorgehen zu lassen. Unser Schicksal war hart, schwer, leidvoll, traenenreich und nur die seelich Staerksten haben es mit Liebe und Treue getragen. Die Schwaecheren — und das ist nur natuerlich und menschlich — haben versucht, dem Schicksal zu entrinnen, um sich ihr Leben in der Flucht aus der Gemeinschaft leichter zu gestalten. Fuer diese Behauptung braucht es keines Beweises. Im Leben der Voelker wechseln schnell Glueck und Unglueck und der schnelle Wechsel bedingt ein noch schnelleres Vergessen. Deshalb lesen wir den bedeutsamen Satz .in der Hagada und beginnen ihn zu verstehen, dass jede Generation sich so betrachten muesse, als ob sie selbst aus Ae- In den poetischen Einschaltungen der Liturgie an den beiden Schlussfeiertagen des Pessachfestes findet sich u. a. eine besonders schoene Dichtung des Rabbi Joseph ben Jaakob aus Frankreich, der im 12. Jahrhundert lebte. Jeder ihrer Verse endet —in wechselnder Folge— mit den Worten “Pessach Mizrajim” bezw. “Pessach in ferner Zeit”. Aus der glorreichen juedischen Vergangenheit, aus der wunderreichen Volksgeschichte Israels, weist der poetische Autor ueber eine sorgenvolle' Gegenwart hinweg in eine glueckliche Zukunft. Indem er sich an die Verheissungen der Propheten und des Psalmisten anlehnt, laesst er die Bilder vom Auszug aus Aegypten und der Volkwerdung Israels erstehen. In einem gewissen Sinne illustriert der fromme Dichter den Bericht der Thora, und das “kommende Pessach”, das grosse Freiheitsfest der Zukunft, soll einmal verwirklichen, was der gypten ausgezogen sei. Geschichte ist nun einmal nur dann eine wirksame lebendige Kraft, wenn sie dem Menschen immer wieder aufs neue in Erinnerung gebracht wird. Wir geben zu, dass auesserer Druck, nationales Bewusstsein, Treue zur Schicksalsgemeinschaft, Phaenomene sind, die auch zu unserer Erhaltung beigetragen haben. Aber das, was einer Gemeinschaft, “unserer Gemeinschaft”, diese Lebensdauer verliehen hat, ist eine tragende Idee, ist das religioese Bewusstsein, jene Urquelle, aus der alles Andere gespeist wird. Moegen die Formen der Gottesverehrung gewisse Veraenderungen in unserem Volk im Laufe seiner jahrtausendalten Existenz erfahren haben, aber das, was eben bewusste Juden wahrhaft eint, von Curt Wille endgueltigen Befreiung des juedischen Volkes noch entgegensteht. Dies ist der letzte Sinn der schoenen Dichtung. Und fuer unsere Menschen von heute, fast elf Jahre nach Wiedererrichtung eines unabhängigen juedischen Staates, ist es besonders reizvoll, die Worte zu vernehmen: “In Zion einst singen sie Dem, der sie befreit; der Herr regiert in Ewigkeit, am Pessach in fernen Tagen”. Nach juedischer Auffassung ist eine jede Staatsform gut, wenn sie die hoechsten sittlichen Ideale zu verwirklichen sich bemueht, wenn in ihr die Herrschaft von Recht und Freiheit gesichert sind. Der Staat soll die Gleichheit aller seiner Bewohner vor dem Recht garantieren. Deshalb fordert unsere Heilige Schrift die Aufhebung der Sklaverei, und der Phophet Jirmijahu droht im ihnen die Kraft zum Ueberleben gegeben hat, ist das tiefe religioese Bewusstsein, ist der Blick auf jenen gefuellten, aber unberuehrten Becher, der uns in allen Zeiten Glaube, Vertrauen, Hoffnung auf eine bessere Zeit gegeben hat. Wenn wir in diesem Jahr im trauten Familienkreis oder in einer groesseren Gemeinschaft uns am Sedertisch versammeln, dann wird die leichte Bangigkeit um die Zukunft aus unserem Herzen weichen, denn der unsichtbare Gast der Sedernaechte wird uns so stark machen, wie er unsere Vaeter gestaerkt hat, und uns auch jene Kraft der Ueberzeugung geben, dass es wert ist, um des hohen Ideales, um des Friedens Willen die Tage des Lebens zu bestehen. Namen Gottes mit schwerem Strafgerichte Allen, die ihren Volksgenossen das Recht auf Freiheit missgoennen. Das Ziel des Wirkens der israelitischjuedischen Propheten war der soziale, Gerechtigkeit uebende Staat und das rechtlich - denkende juedische Volk. Die Wiederherstellung eines souveraenen juedischen Staates bedeutet deshalb einen entscheidenden Schritt nach vorwaerts zur Befreiung des gesamten Volkes. Dieses hoechste, zionistische, Ideal ist solange nicht erreicht, als noch immer Teile des Volkes nicht die Moeglichkeit haben, ihrer Eigenart, ihrer Weltanschauung gemaess, zu leben. In wunderbarer Weise verbindet deshalb die Tradition den Ausklang von Pessach mit dem Hinweis auf das “Pessach in ferner Zukunft”. “In der Vision des Propheten Jesajah vom 8. Pessachtage wird die kuenftige Befreiung (Fortsetzung Seite 7) Von Pessach in kommenden Tagen Generalversammlung Wir machen nochmals darauf aufmerksam, dass am Sonntag, den 26. April vormittags 9 Uhr unsere diasjaehrige Generalversammlung mit Wahl stattfindet. Wir bitten um zahlreiches Erscheinen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.