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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1958-12-01 · 12 (Diciembre, 1958) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XX (1958)
Issue
12 (Diciembre, 1958)
Date
1958-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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REOACCIONi S. C I. B’NE JISROtt. AV. FORTUOAb 810. CASILLA 0487. 8AMTIAOO*CHILC BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT 1 SOCIEDAD CULTURAL IS R A ELITA "B* NE J 1 S R O E L " | AÑO XX N° 12 SANTIAGO DE CHILE Diciembre 1958 Irgendwo in dem gewaltigen Epos von Boris Leonidowitsch Pasternaks “Dr. Schiwago” fällt das beklemmende Wort von der “schrecklichen Schönheit der Welt”. Das ist Verliebtsein in und Auflehnung gegen die Welt zugleich,und allzu oft will es scheinen, als setzte der Autor den Akzent bewusst auf das Dunkle, denn — “was für eine schreckliche Sache ist doch das Leben!” Dennoch schlägt bei Pasternak die Liebe zur Welt und dem Schönen in ihr bei der Konfrontierung mit dem Schrecklichen weder literarisch noch existentiell in jene abgründige Verzweiflung um, die etwa Pasternaks Freunde Jesenin und Majakowskij in den Selbstmord trieb: der Name “Schiwago” weist zurück auf “schiwoj”, und das bedeutet “lebendig”! So enthält schon der Name des Mannes, dessen Odyssee durch das Russland der ersten Jahrhunderthälfte Pasternak erzählt, und der dem ganzen Werk den Titel gab, ein Bekenntnis zum Leben — zu einem Leben allerdings, das sein mutiges Ausharren im Angesicht des Schrecklichen mit dem Verlust des Frohseins bezahlt: Es gibt kein Lachen in diesem (Roman. Seine Grundstimmung ist heroische Traurigkeit, ja beinahe so etwas wie ein “vivere quia absurdum est”. Das Wort “Glück” kommt selten vor, hervorgehoben eigentlich erst auf der letzten Prosaseite. Und auch hier ist es ein Glück, das seine Existenzberechtigung aus der Hoffnung auf die Zukunft und aus der Versöhnung mit der Vergangenheit zieht. Im Gegenwärtigen wurzelt es nicht. Damit ist schon gesagt, dass man sich durch die erbärmliche politische Fehde, deren Opfer Pasternak und gein Werk heute dank der Verleihung des Nobelpreises geworden sind, nicht dazu verführen lassen darf, Pasternak und seinen “Dr. Schiwago” nur mit dem Vokabular des Kalten Krieges deuten zu wollen. Wohl geht es dem Autor wesentlich auch um eine Auseinandersetzung mit der sowjetischen Wirklichkeit, aber — und darin unterscheidet “Dr. Schiwago” sich zutiefst von Ehrenburgs “Tauwetter” und von Dudinzews “Der Mensch lebt nicht vom Brot allein” — diese sowjetische Wirklichkeit ist ihm Paradigma für die Problematik des Menschen in unserer Zeit schlechthin. Wo Ehrenburg und Dudinzew Auswüchse, Irrtümer, Verbrechen eines Systems blosstellen, dringt Pasternak durch diese “System - Problematik” hindurch, auf der Suche nach den menschlichen Ursprüngen, aus denen sie erwuchs. So wie er selbst in ei¬ 4 4 t * Von Arnold Kilnzli nem Gedichte aus dem Jahre 1954 gesagt (wir benutzen die Uebersetzung von Heddy Pross- Weerth): In allem möchte ich gehen bis zum Grunde: in der Arbeit, auf der Suche [nach Wegen, im Wirrwarr des Herzens. Bis zum Kern der eilenden [Tage, bis zum Ursprung, zu den [Wurzeln, bis zu ihrer Ursache, bis ins Mark... Solch unbedingtes Suchen nach dem letzten Grunde verrät einen philosophischen Geist. Doch wenn je die Musen einem Erdensohne Paten standen, dann hier: Pasternaks Vater war Maler, seine Mutter Pianistin, und zu den Freunden der Familie gehörten Dichter wie Leo Tolstoi und Rainer Maria Rilke. Den Knaben — Pasternak wurde 1890 geboren — zog es zunächst zum mütterlichen Genius: “Ich liebte die Musik über alles in der Welt” schreibt er in seinem soeben in deutscher Sprache erschienenen, 1935 in Russland veröffentlichten “Geleitbrief. Entwurf zu einem Selbstbildnis” (Kiepenheuer und Witsch-Verlag, Köln) und bekennt, dass damals “ein Leben ausserhalb der Musik für mich undenkbar gewesen wäre”. Doch bald bricht er mit der Musik und verfällt dem Zauber der Poesie. Wesentlich mitschuldig daran sind die Gedichtbände Rilkes, die ihm in der Bibliothek seines Vaters in die Hände fallen. (Der Vater hatte Rilke porträtiert, der Dichter ihm dafür mit eigener Hand seine Werke gewidmet). Der junge Pasternak zog Rilke damals allen anderen zeitgenössischen Dichtern vor. So ist auch noch sein “Geleitbrief” dem Gedächtnis Rainer Maria Rilkes gewidmet. Von der Musik über die Dichtkunst zur Philosophie. Pasternak immatrikuliert sich an der Moskauer Universität, vergräbt sich in Kant und Hegel und wird schliesslich ein begeisterter Anhänger des von der Marburger Schule — Hermann Cohen und Paul Natorp — gelehrten Neukantianismus, Ersparnisse seiner Mutter ermöglichen ihm die Verwirklichung seines sehnlichsten Wunsches: in Marburg Cohen und Natorp persönlich zu hören. Die Auseinandersetzung vor allem mit dem “genialen Cohen” wird dann zu einem sein Leben und sein Werk bestimmenden Erlebnis: “Die Marburger Schule... zog mich wegen zweier Besonderheiten an. Erstens war sie unabhängig, sie riss alles bis auf die Grundfesten nieder und baute auf einem freien, weiten Platz auf. Sie hatte nichts mit der trägen Routine aller möglichen ‘Ismen’ gemein...” Sie habe ihr Augenmerk auf die Ursprünge gerichtet und ihre zweite Besonderheit habe “in ihrem gewissenhaft forschenden, anspruchsvollen Verhalten gegenüber dem historischen Erbe” bestanden. So habe die Marburger Schule zum Beispiel nicht von den Entwicklungsstadien des “Weltgeists” gesprochen, “sondern etwa von der Korrespondenz der Familie Bernoulli”. Mit einem Worte; Pasternak hatte beim radikalen Neukantianer Cohen gelernt, die historische Wahrheit mit der Methode der exakten Naturwissenschaften zu erforschen . Doch hier muss noch von einer dritten “Marburger Besonderheit” die Rede sein. Pasternak tönt sie selbst nicht an, und vielleicht handelt es sich um eine von ihm selbst kaum bewusst erfasste schicksalshafte Koinzidenz: die Bedeutung des Judentums für das Leben Cohens und Pasternaks. Der deutsche Jude Hermann Cohen hatte — man lese dazu H. L. (Fortsetzung Seite 17). BOTSCHAFTER DORON IN SANTIAGO Am Freitag, den 21. November, ueberreichte Herr Elieser Doron, der erste israelische Botschafter in Chile mit Amtssitz in Santiago, dem Praesidenten der Republik, Excmo. Sr. Jorge Alessandri, seine Beglaubigungsschreiben. Botschafter Doron erschien in Begleitung des Botschaftsrats a. h., Herrn Samuel Goren und wurde vom Praesidenten in Begleitung des Aussenministers, Sr. Germán Vergara Donoso, des Chef des Protokolls, Sr. Hernán Cuevas und anderer hoher Beamter empfangen. Die Zeremonie dauerte eine Viertelstunde und In den beiderseitigen Ansprachen wurden die guten Beziehungen zwischen Chile und Israel sowie der Wunsch, sie weiter zu pflegen und auszubauen, unterstrichen. Nach dem Empfang in der Moneda hielt Herr Doron eine Pressekonferenz ab, in der er besonders auf das Aufbauwerk und den Friedenswillen Israels hinwies. In der Oeffentlichkeit wurde der neue Botschafter zum ersten Male durch das “Instituto Chileno-Israelí de Cultura” am Donnerstag, den 27. November, begruesst, das zu seinen Ehren einen Empfang in der Aula der “Universidad de Chile” veranstaltete. Der Praesident der S. C. I. B’ne Jfsroel hat seinerseits den Botschafter Israels im Namen unserer Gemeinde begruesst, ihm die besten Wuensche zum Erfolg seiner Mission ueberbracht und der Hoffnung Ausdruck verliehen, ihn bald als Gast in unserem Hause begruessen zu duerfen. Herr Doron versprach, dieser Einladung so bald wie moeglich Folge zu leisten. Von links nach rechts: Subdirektor del Protocolo Aurelio Fernandez. Marine-Adjudant des Praesidenten der Republik Kapitaen Warmalt, S.E. Botschafter Dr. Eliezer Doron, Joel Doron, Frau Judith Doron, Esther Doron, Frau Sira Goren, Herr Samuel Goren.

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