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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1958-11-01 · 11 (Noviembre, 1958) · p. Seite 15

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XX (1958)
Issue
11 (Noviembre, 1958)
Date
1958-11-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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Noviembre 1958 BOLETIN INFORMATIVO 15 Hitlerjunge Hans Nüssen trat zum Judentum über Eine Geschichte aus unserer Zeit Erzaehlt von PEER GUENTHER Es hat nach der Befreiung für mich kein Erlebnis von grösserer Eindruckkraft gegeben als jene noch improvisierte und fast schon legendäre Anne - Frank - Feier in Belsen vom März 1957. Und Höhepunkt dieses Erlebnisses wiederum — mir wird immer so sein, als wäre es gerade erst gestern geschehen — bildete das Auftreten eines jungen Juden, der einst Hitlerjunge gewesen und später zu einem Israeli geworden war. In der Zwischenzeit war hier und da in der Presse einiges über diesen jungen Juden zu lesen gewesen — dass er Hanoch Nissan heisst, neun Jahre, von 1948 bis 1957, in Israel gelebt hat, bei der militärischen Befreiungs-Aktion des Negew verwundet worden war und nun hier in Deutschland das journalistische Handwerk erlernt. Mich hielt dieses Erlebnis in Belsen ständig beunruhigt aber was ich aus der Presse über Hanoch Nissan erfuhr, waren äussere Stationen, war die blosse Erscheinung, nicht das Wesen. Wo lag der Kern, der rote Faden für eine Entwicklung wie diese? Ich wollte es in Erfahrung bringen und trug Hanoch Nissan meine Absicht vor. Er sagte zögernd: “Ja, bitte, kommen Sie... ”, und als ich dann vor ihm stand, sagte er: “Eigentlich möchte ich gar nicht, dass...” Ich unterbrach ihn: “Ich möchte eigentlich auch gar nicht, dass...” Wir lachten beide, denn was wir beide gar nicht mochten, war, uns um eine Lebenschronik mit den äusseren Stationen und Merkmalen, geographischen und Berufswechseln zu bemühen. “Wir müssen versuchen”, sagte ich, “an den Nerv zu kommen”. ‘“Das wird nicht leicht sein”, wurde mir geantwortet, “weil Empfindungen nur schwer wiederzugeben sind”. “Ich gebe Ihnen mein Wort, dass sich Ihr “Fall” nicht als vereinzelt, sondern in vielem als typisch für eine ganze Anzahl von Menschen in Deutschland herausstellen wird — ich bin ganz sicher. Ich meine das nicht, was Ihre Konsequenz, Ihr Resultat angeht, wohl aber die innere Strecke, die Sie durchliefen, ehe Sie den Entschluss fassten, nach Israel zu fahren. Erzählen Sie mir, bitte, vielleicht gelingt es uns doch”. In dem kleinen Ort bei Dortmund, in dem Hans Nuessen (so lautet sein deutscher Name) aufwuchs, gab es vor 1938 nur vier oder fünf jüdische Familien. Die “Kristallnacht” bleibt dem Jungen verschwommen in der Erinnerung. Er zählt zum Jahrgang 1929, war ein begabter Schüler, der Vater seit 1934 in der NSDAP. In der Klasse des Jungen sass ein einziger jüdischer Mitschüler, körperbehindert und von dem Lehrer öffentlich als ein charakteristischer Fall jüdischphysischer Degeneration hingestellt. Der Schüler Hans Nuessen wird “ausgelesen” und kommt auf eine sogenannte “Lehrerbildungsanstalt” bei Minden, wird Jungvolkführer, ist viel von zu Hause weg und befindet sich innerlich und äusserlich in völliger Uebereinstimmung mit dem Staat und seiner Herrschaft. In der Nähe der Schule liegt ein Straflager für russische Kriegsgefangene. Die Gefangenen arbeiten am Weser-Abkürzungskanal. Die Toten dieses Lagers fügen dem Friedhof des Ortes in zweieinhalb Jahren hundertfünfzig neue Gräber hinzu. “Wir haben darüber gesprochen. Wir haben auch mit dem Lehrer darüber gesprochen. Er sagte, die hohe Totenzahl sei nur natürlich angesichts der schweren Arbeit und der allgemeinen Verfassung von Unterernährung, in dem sich die Russen gewöhnlich befänden ..." Und dann dieses kleine Ereignis, anscheinend am Rande, aber doch schon keimhaft den Schlüssel in sich bergend für vieles, was später geschehen wird, und gleichzeitig den Beweis liefernd, dass das Ziel, die absolute Verrohung und Entmenschlichung, nicht erreicht worden war. Der Schüler der NS-Lehrerbildungsanstalt Hans Nuessen, auf einem Spaziergang, in der Hand unterwegs gepflückte Blumen, legt die Blüten im Vorübergehen auf irgendeines dieser vielen neuen Gräber! Eine Frage dazwischen, bitte: Haben Ihre Eltern und Ihre Bekannten von KZ’s gewusst und gesprochen?” “Natürlich haben sie davon gewusst und auch davon gesprochen. Sie wussten auch, was mit den Juden geschah. Was nicht bekannt war, das war das Ausmass, die Zahl”. 1945, in Gefangenschaft und als Lazarettinsasse, begegnete Hans Nuessen zum erstenmal bewusst einem Juden, dem Arzt, der aus Deutschland emigriert und mit der nordamerikanischen Armee zurückgekehrt war. Zuerst hatte der Verwundete Angst vor ihm, aber das oktroyierte “Stürmer”- Bild von dem rachedürstenden und mordlüsternen Juden zerschellte an der freundlichen Teilnahme des Arztes, an seinen stillen Anstrengungen, dem ehemaligen Schüler Hitlers beizubringen, wem er geglaubt und wem er gedient hatte. Damals hörte er zum erstenmal solche Namen wie Belsen und Dachau. Aber noch zeigt sich keine echte Wirkung. Auch die Verbringung nach Nordfrankreich in ein sogenanntes Umerziehungslager bei Cherbourg bleibt ohne Erfolg —zumal nebenan ein Lager von deutschen Generalstabsoffizieren lag, mit denen sie durch Sport und Küchendienst in Verbindung standen. .. Die Wende kommt von einer anderen, sie kommt von der “eigenen” Seite her. Nach der Rückkehr trifft Hans Nuessen viele ehemalige Bekannte wieder, die er nur als begeisterte Anhänger des Hitlerregimes kannte. Jetzt leugnen sie alles ab! Dieselbe Haltung auch in Nürnberg dann, bei den Hauptkriegsverbrechern, die einst Abgötter gewesen waren für ihn. Plötzlich wollte keiner dabei gewesen sein, keiner etwas gewusst haben. Dann der Film “Die Tudesmühlen”, die lebenden Beweise der Verbrechen in der persönlichen Umgebung: aus den KZ’s zurückgekehrte Demokraten, Sozialisten, Christen. Dann die Zeitungen. Immer kleiner wird der Spielraum, in den sich die Thesen des schlechten und feigen Gewissens von der “Feindpropaganda” noch schleichen könnten. Den Ausschlag, die Entscheidung aber bringt die Begegnung mit einem jüdischen Schauspieler aus seinem Heimatort, Eric Schildkraut, der 1934 von dort nach Frankreich geflohen war. Hans Nuessen erfährt nun auch von der Flucht der Mutter Schildkrauts nach Brüssel, wo sie nach dem deutschen Einmarsch von der Gestapo abgeholt und im Osten vergast worden war. Als der Schauspieler spürt, dass sein Schicksal diesen jungen Menschen echt interessiert, macht er ihn mit anderen Juden bekannt. “Jetzt lernte ich Einzelschicksale kennen. Und dann war da die Narbe...” In Dortmund sah er eine junge jüdische Frau, bildhübsch die eine Hälfte des Gesichts, die andere aber von einer Narbe furchtbar entstellt, vom Munde bis zum Ohr. Er erfuhr, dass dieser Jüdin im KZ ein Zahn vereitert war. Und da hatte der Arzt ihr die Wange aufgeschnitten, mit einem Rasiermesser, ohne Betäubung. “Sehen Sie, das hatte mir endgültig Augen und Herz geöffnet. Sechs Millionen ermordete Juden — das ist eine ungeheuerliche, aber doch für ein Menschenhirn abstrakte Zahl, eine nicht mehr fassbare Kategorie. Diese Narbe aber, die war da, die sah ich...” Bleibt der letzte Abschnitt übrig — und die interessanteste Frage, die ich mir aufsparte, auch weil sie ein wenig heikel ist. Noch vor der Staatsgründung Israels im Mai 1948, teilte Eric Schildkraut ihm mit, dass er nach Israel wolle, dort Theater zu spielen. “Etwa zu gleicher Zeit startete die Jugendorganisation “Falken” eine Aktion zum Aufbau der von der SS. zerstörten französischen Stadt Oradour. Ich meldete mich sofort. Zwar lehnten die französischen Behörden damals die Aktion ab, aber ich hatte jetzt endlich meinen Weg gefunden. Ich sagte zu meinen jüdischen Freunden: “Nehmt mich mit nach Israel!” Hans Nuessen trat zum Judentum über und wurde Hanoch Nissan, kam im August 1948 in Haifa an und wurde zwei Tage später Soldat. Einen Tag vor der Aktion zur Befreiung des Negew sieht er den ersten Kibbutz: “Da lag in der Einöde ein grünes Dorf!” Dann traf ihn eine arabische Kugel am Kopfe. Lazarett in Jaffa. Im Mai 1950 Entlassung aus dem Militär. Die Hochzeitsreise — er hatte seine junge hübsche Frau im Lazarett kennengelernt — geht in den Negeb Kibbutz Doroth. Ursprünglich .wollte Hanoch Nissan vier Jahre in Israel bleiben. “Keiner wusste in dem Kibbutz von meiner Geschichte. Nach vier Jahren erzählte ich sie ihnen, vor dem Abschied. Sie antworteten: Bleib bei uns. Du bist einer der unseren”. Aus den vier Jahren wurden fast neun. “Wir sind jetzt aber bei äusseren Stationen”, warnt er mich. “Nur scheinbar”, sage ich, “denn ich möchte auf die Frage zusteuern, als was Sie sich fühlen?” “Sehen Sie”, sagt er, “viele von den Leuten, die verstanden; begriffen und befürworteten, dass ich nach Israel gegangen bin und dort am Aufbau des Staates mitgeholfen habe, konnten aber meinen Uebertritt zum Judentum nicht verstehen. Was soll ich sagen? Ich war kein religiöser Christ, und ich bin auch kein religiöser Jude. Ich glaube nicht, dass sich meine Motive religiös oder national erklären Hessen. Ich bin stolz auf den Staat Israel! Immer, wenn ich etwas von Israel höre, bin ich bewegt, ganz innen. Natürlich, in Israel habe ich auch viel an Deutschland gedacht. Ist das verwunderlich? Worum es mir geht, ist das deutsch - jüdische Verständnis. Dort, wo ich ihm am besten dienen kann, möchte ich sein! (“Argentinisches Tageblatt”) WER MACHT MIT? Das erste Foto - Preisausschreiben fuer Amateure. Es werden die drei besten Ferienfotos praemiiert. Die Fotos sind im Mindestformat von 9x12 auf glaenzendem Papier in schwarzweiss oder farbig bis zum 15. Maerz 1959 einzureichen. Das zu erwaehlende Motiv ist jedem Teilnehmer ueberlassen. Wir bitten hoeflichst, auf der Rueckseite eines jeden Bildes Namen und Anschrift des Einsenders und bei Jugendlichen unter 16 Jahren auch das Alter anzugeben. Die praemierten Bilder werden wir in unserem Boletín Informativo veroeffentlichen und bei entsprechend grosser Beteiligung saemtliche Einsendungen in einem Zimmer unseres Gemeindehauses ausstellen. |# Preis: Ein Geschenk im Werte von $ 6.000,— 2. Preis: Ein Geschenk im Werte von $ 10.000,— 5 Trostpreise: Wir bitten um rege Beteiligung.

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