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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1958-11-01 · 11 (Noviembre, 1958) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XX (1958)
Issue
11 (Noviembre, 1958)
Date
1958-11-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Noviembre 1958 BOLETIN INFORMATIVO 5 Die spezifische Funktion Zusammenfassung des Referats gehalten von Rabbiner E. I. Loewensteln auf der Tagung der Arbeitsgemeinschaft der zentraleuropaeischen Gemeinden, in La-„ teinamerika in Buenos Aires vorn 19. - 21. August ueber das Thema: Die spezifische Funktion unserer Gemeinden auf diesem Kontinent. unserer Gemeinden auf diesem Kontinent Es ist nicht meine Absicht, hier heute Nachmittag, eine Predigt zu halten. Aber ich will ein Wort unserer Weisen zitieren, das uns als Rahmen fuer unsere Ausfuehrungen dienen kann. Es wurde einmal gefragt, “wann kommt der Maschiach”? Drei Antworten werden gegeben. “Durch das Verdienst unserer Vaeter”, “durch unser eigenes Verdienst” “und drittens”, “wenn Elijahu kommt”. Wir sehen in der Frage, “Wann kommt der Maschiach?”... in diesem Augenblick das Symbol des Ringens des Judentums um staendige Entwicklung, um staendiges Weitertreiben bis zur Vollendung. Das ist der Sinn unserer Tagung. Wir spueren und wir wissen, dass es Vieles gibt, was in unserer Arbeit problematisch ist. Dieser Wunsch, immer vorwaerts zu gehen und zu verbessern, ist typisch fuer einen Kreis von Menschen, die Juden und darueber hinaus noch aus Europa gekommen sind. Mir ist die Aufgabe gestellt worden, “Ueber die spezifische Funktion der juedischen Gemeinden zentraleuropaeischen Ursprungs auf diesem Kontinent”, zu sprechen. Unsere Arbeit beruht also zunaechst auf dem Verdienst unserer Väeter. Wir duerfen uns mit Stolz als Soehne und Toechter des deutschen Judentums bekennen. Hinter uns liegt eine Tradition, die uns mit erhebendem Bewusstsein erfuellt. Im Laufe dieser Tage hoerten wir die Rechenschaftsberichte einer etwa 20 jaehrigen Arbeit unserer Gemeinden auf diesem Kontinent. Wir duerfen gluecklich darueber sein, in diesen 20 Jahren Menschen, die ihre Heimat verloren hatten, seelisch eine neue Heimat gegeben zu haben. Wir bauten und bauen in der Ueberzeugung, dass es sich lohnt, die Werte des Judentums unserer Vaeter, auch auf diesem Kontinent, zu bewahren und fortzusetzen. Aber in den 20 Jahren, die nunmehr vergangen sind, ist eine neue Generation herangewachsen. Unsere Jugend, die hier geboren ist, hat keine natuerlichen Beziehungen mehr zu einem spezifisch zentraleuropaeischen Judentum. Unsere Art zu denken, unser Weg, die Probleme zu loesen, ist ihnen oft schon fremd. Sie sprechen nicht mehr unsere Sprache im weitesten Sinne des Wortes. Mit Schmerz wird uns bewusst, dass Namen und Begriffe, die wir mit Liebe und Ehrfurcht aussprechen, ihnen nur wenig bedeuten. Wir stehen vor einer Gefahr, die ich in einer Anekdote ausdruecken moechte: “Eine Dame, nach der ersten Jugend, fragte in einem Warenhaus einen jungen Angestellten mit leiser Stimme: “Haben Sie nichts fuer graue Haare?”, der Angestellte blickte umher und fluesterte: “Nichts”, meine Dame, “nur groessten Respekt”. Das, meine Freunde, ist die Gefahr, vor der wir stehen. Unsere Jugend wird vor dem in Ehren ergrauten zentraleuropaeischen Judentum nichts Anderes als Respekt haben. Damit kann sie nicht leben. Seine Bewahrung allein kann nicht unsere Aufgabe sein. Das Verdienst der Vaeter ist kein Programm fuer Morgen. Und wir stehen vor der schweren Frage, wie die Zukunft unserer Gemeinden, die uns so am Herzen liegt, zu sichern ist. Es gibt keine Patentloesung. Wir werden, jeder an seinem Platz, und hoffentlich noch viele Male gemeinsam, um die Loesung ringen. Aber es bedarf unseres “eigenen Verdienstes”. Wir duerfen die Dinge nicht in vorgefasste Programme kleiden. Wir muessen ihnen ihre Entwicklungsmoeglichkeit lassen. Wir fragen nach unserer spezifischen Funktion. Was ist eine spezifische Funktion? In einem Organismus oder auch in einer Maschine hat jedes Glied und jedes Teilchen seine spezifische Funktion. Es hat seine Aufgabe, die es im Rahmen des Ganzen zu erfuellen hat. Wir muessen den Weg finden, durch den wir mit unserer Arbeit nicht nur uns, sondern dem gesamten lateinamerikanischen Judentum dienen. Wir muessen die Bestimmung finden, deren Groesse und Bedeutung auch ueber unseren engeren Kreis hinaus erfasst werden kann. Immer vorausgesetzt, dass wir ueber die naechste Generation hinaus bestehen wollen. Als wir vor 20 Jahren die Gestade dieser Laender betraten, fanden wir ein juedisches Leben vor, das in religioeser Beziehung die tragische Konsequenz jener zerstoerenden Al- 'ernative ist: Alles oder Nichts. Es ist ohne Zweifel das Verdienst dieses romantischen Zionismus, der die Massen beseelte, sie als Juden gerettet zu haben. Ohne den Bestand der zionistischen Bewegung waeren tausende von Juden auf diesem Kontinent fuer das Judentum verloren gewesen. Ihr religioeses Leben bot aber weithin ein eher abschreckendes Bild. Sie blieben Juden, weil sie nationaldenkende Juden, juedische Volksmenschen, waren. Wir hingegen kamen auf diesen Kontinent in unserer Mehrheit mit keiner sehr bewusst-zionistischen und nationalen Ueberzeugung. Aber wir sind mehr oder weniger alle in sie in schmerzensreichen, tragischen Jahren hineingewachsen. Wir lieben Medinath Israel ebenso wie unsere Brueder und Schwestern auf diesem Kontinent. Aber diese zionistische Bewegung befindet sich in einer schweren Krise. Heute erweist es sich, dass nach den Schockwirkungen, die das Ergebnis der Jahre der Verfolgung und der Jahre des Gluecks durch Medinath Israel gewesen sind, Ermuedungserscheinungen sichtbar werden. Man kann ein Volk nicht ununterbrochen durch schwere Emotionen auf Hoehepunkten erhalten. Wir sehen heute, dass Magbit, Respekt vor der Fahne Israels, Massenveranstaltungen, in denen keine Massen anwesend sind, juedisches Leben nicht aufrecht erhalten koennen. Unser juedisches Dasein wird immer inhaltsaermer. Zum zweiten Male versammeln wir uns in diesen Tagen, um zu proklamieren, dass fuer uns Juden aus Deutschland Religion und Nation eine Einheit sind. Darin liegt das Charakteristische unserer Arbeit. Und auf einem Kontinent, der bisher nur zionistische und saekulare Kongresse kannte, proklamieren wir nicht nur fuer uns, sondern fuer alle Juden auf diesem Kontinent die Einheit der Nation und Religion. In diesem Geist fuehren wir unsere Arbeit in Chile. Und ich will Ihnen an einigen wenigen Beispielen zeigen, dass beides nicht nur fuer uns, sondern auch fuer eine weitere All gemeinheit durchgefuehrt werden kann. Wir sind in diesem Augenblick im Begriff, in Santiago die vierte Gruppe junger Ehepaare zu schaffen, an der nicht nur Menschen unserer Gemeinde teilnehmen, und in denen wir alles das behandeln, was zur praktischen Durchfuehrung eines juedischen Hauses notwendig ist. haben Jugendgottesdienste, in denen alle Funktionen, von der Ansprache, Vorbeten, Leinen bis zum Dienste des Gabbai von Jugendlichen durchgefuehrt werden, Wir versammeln uns am Freitag Abend einmal im Monat mit unseren Jugendlichen, in denen immer von verschiedenen Kindern Kiddusch gemacht, gebenscht und eine Wochenabschnittbesprechung gegeben wird. Wir sprechen auch regelmaessig in unseren Gottesdiensten in der Sprache des Landes zu ihnen. Es geht uns in erster Linie darum, mit unseren Kindern zu beginnen und mit ihnen zu arbeiten. Aber ich muss noch eine Bemerkung zu dem machen, wovon Prof. Simon sprach, und was er die Zerstoerung der Familien auf diesem Kontinent nannte. Unsere Familien haben eine schwere Krise durchgemacht. Es gab Zeiten, in denen unser Lebenskampf sehr schwer war. Wir vergessen nur zu gern daran. Damals arbeiteten Vater und Mutter, unsere Wohnungen waren noch klein, unsere Kinder hatten oft im wahrsten Sinne des Wortes keine “Kinderstube”. Das religioese Leben wurde immer schwaecher. Es fehlten Viele in der Familie, vor denen man Respekt hatte, und um deretwillen man frueher viele Traditionen aufrecht erhalten hatte. Es bewahrheitete sich wieder einmal das Wort, dass, wer Vater und Mutter nicht ehren kann, das fuenfte Gebot, oft auch nicht die vier vorangehenden Gebote erfuellt, die von der Ehre Gottes sprechen. Inzwischen hat in vielen Haeusern die Not aufgehoert. Heute ist es so, dass viele Kinder als Soehne und Toechter reicher Eltern erzogen werden. Wir brauchen nur an die Form unserer Barmizwahfeiern zu denken, die oft keinen religioesen Mittelpunkt haben, sondern nur dazu dienen, sich sozialer Verpflichtungen zu entledigen, oder auch an die oft schon wieder durch Karrieresucht bestimmte Berufswahl. Es war schon vom Beten unserer Kinder die Rede. Es wird nur wenige Kinder geben, die beten werden, wenn der Vater nicht betet. Wir beobachten, dass nur dort Kinder noch Teffilin legen, wo auch der Vater sie im Gebet begleitet. Es ist so, wie mir ein junger Mensch einmal sagte: “In unserer Jugend gehen wir um unserer Eltern willen in die Synagoge, und spaeter als Eltern um unserer Kinder willen”. Nur da, wo diese Gemeinsamkeit der Generationen noch vorhanden ist, besteht die Moeglichkeit zur Fortsetzung der juedischen Tradition. Darum darf nicht nur an den Kindern gearbeitet werden, sondern muessen auch die jungen Ehepaare vorbereitet werden, die noch bereit sind, um ihrer Kinder willen zu lernen. Dieses Lernen sollte nur in kleinen Gruppen stattfinden. Aber Lernen allein fuehrt nicht zum Ziel. Wir sollen auch versuchen, die Tat, die aus dem Lernen hervorgehen soll, die Mizwah, so zu gestalten, dass sie das Kind und den Aelteren begeistert. Wir koennen dabei viel von unseren nordamerikanischen Bruedern lernen. Wir haben z. B. eine Kinderzeitschrift, “Am Olam” in englischer Sprache gesehen, die wert waere, auch von uns ins Spanische uebersetzt zu werden. Und in Israel erscheint eine Zeitschrift, die die Geschichte unseres Volkes wunderbar aktualisiert und gegenwartsnah macht. Wir muessen ueberhaupt unseren Unterricht modernisieren, aber dazu muessen wir die Mittel zur Hand haben. Und nicht nur den Unterricht. Vor wenigen Tagen hat in Santiago de Chile ein zionistischer Landeskongress stattgefunden, der mit einem ideologischen Forum der zionistischen Parteien verbunden war. Dort wurde versucht, unsere Probleme zu analysieren. Selten habe ich so viel Jugend gesehen, vor allem Jugend der Universitaeten, als versucht wurde, unsere Fragen mit modernen und wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen. Das scheint mir ein Weg zu sein, um an die Jugend heranzukommen. Die Eltern der Jugend, die ihren geistigen Ursprung in Osteuropa haben, sind in einer Welt gross geworden, in der Judentum gelebter Alltag und Feiertag war. Sie brauchten nicht nach dem Sinn des Judeseins zu fragen. Sie koennen es aber darum heute ihren Kindern auch nicht erklaeren. Wir jedoch koennen es. Uns haben unsere Lehrer gelehrt, uns das Judentum bewusst zu machen, mit den Mitteln der Wissenschaft Judentum zu verstehen. Das muss uns auch in der Sprache dieser Laender gelingen. Das kann nicht die Aufgabe des Leo Baeck Instituts sein. Es muss unser Werk werden. Die Jugend, und nicht nur sie, ist heute der dauernden Propaganda muede und sie will wieder etwas von den echten Werten des Judentums hoeren. Dabei koennen und sollen wir ihr helfen. Nicht als Fuehrer, denn dann wird sie uns nicht hoeren, aber als Ratgeber ihr zur Seite stehen, und ihr helfen, den Weg zu finden, den sie sucht. Das koennen wir. Und sie sucht eine Verbindung der modernen Welt mit der ewigen Welt des Judentums. Wir koennen ihr den Weg zeigen, der dahin fuehrt, dass sie nicht nur bewusste Juden sind. Der nur bewusste Jude ist keine legitime Figur in Israel, sondern der, der es auch lebt und durchdenkt. Wir kommen zu der dritten Antwort, wenn Elijahu kommt. Das ist der Weg zur Vollendung hin, den wir suchen. Er fuehrt zum Kommen des Maschiach. Dann werden unsere Gemeinden keine spezifischen Funktionen mehr haben, denn dann werden sie sich in das allgemeine Meer eines lateinamerikanischen Judentums ergiessen. Die Thora beginnt mit Bereschit, sie endet mit Leene kol Jisroel, vor den Augen ganz Israels. Der letzte Buchstabe der Thora und ihr erster schliessen sich zu dem Wort Lew-Herz zusammen. Wir stehen noch bei Bereschit, am Anfang. Es wird noch vieler Muehe und vielen Nachdenkens beduerfen, um zu jenem letzten Kapitel zu kommen. Aber was wir leisten und was wir tun, weihen wir und widmen wir ganz Israel. Und wir leben vor den Augen ganz Israels. Um das zu verwirklichen, was unsere Hoffnung und unser Ziel ist, dazu bedarf es unserer Herzen, unserer Begeisterung und unseres Enthusiasmus. Nicht die Routine, sondern unsere Liebe, die dem Herzen entstroemt, wird uns zu dem Ziel fuehren, das Maschiach, das Vollendung heisst. Und wir sind seine Boten. 71/VTGBIT timtSis/m Mt V J

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