Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 10 (Octubre, 1958)
- Date
- 1958-10-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Octubre 1958 BOLETIN INFORMATIVO 7 Freunde des Leo Baeck Professor Dr. Ernst Simon Institut war unser Gast Aus Anlass der Anwesenheit von Herrn Prof. Dr. Ernst Akiba Simon konstituierte sich am Montag, d. 1. September der Kreis der Freunde des Leo Baeck Institutes, dem folgende Mitglieder angehoeren: die Herren Rabbiner M. Lubliner, E. I. Loewenstein, E. Back, Dr. E. Bry, L. Haymann, Dr. M. Joel, C. Gugenheim, Dr. B. Kiwi und E. Reichmann. In seinen Begruessungsworten dankt der Vorsitzende Rabb. E. Loewenstein Herrn Prof. Simon fuer seine Anwesenheit und desgleichen Herrn Carlos Gugenheim fuer die bisher von ihm im Interesse des Leo Baeck Institutes in Santiago de Chile geleistete Arbeit. Herr Prof. Simon berichtet zunaechst ueber die bisher vom Leo Baeck - Institut in seinen drei Zentren in Jerusalem, New York und London entwickelten Taetigkeiten, ueber die beiden schon in englischer Sprache erschienenen Jahrbuecher und ueber die in der Zukunft zu leistenden Aufgaben. Das 1. Jahrbuch war dem gewidmet, was er den geistigen Widerstand des deutschen Judentums in den Jahren 1933 - 39 nannte, das 2. Jahrbuch der deutschjuedischen Synthese. Ihr Herausgeber ist der bekannte fruehere Redakteur der “Juedischen Rundschau” Herr Robert Weltsch. Weiterhin werden Monographien geschrieben, von denen als erstes ein Werk von Hanna Arendt ueber “Rahel Varnhagen” erschienen ist. Wichtige Werke deutsch-juedischer Denker und Schriftsteller werden in die hebraeische Sprache uebersetzt, so z.B. eine verkuerzte Ausgabe des Wesens des Judentums von L. Baeck, eine Auswahl der kleinen Schriften von Fr. Rosenzweig und seines Hauptwerkes “Der Stern der Erloesung” u.a. Es wird auch an Publikationen in deutscher Sprache gedacht und Uebersetzungen in spanisch werden geplant. Gegenwaertig erscheint in deutscher Sprache ein Bulletin, in dem die wichtigsten Beitraege der Jahrbue eher veroeff entlieht werden, und informierendes Material bekannt gegeben wird. bjO EXPOSICION PERMANENTE PE CUAPROS-OLEOS-ACUARELAS CLASES DE DIBUJO Y PINTURA VARA NIÑOS Y ADULTOS DIBU JOS*TEXT! LES Y PE PROPAGANDA BELLAVtSTA 5I‘DEP6 TELEPONO 370¿m Das Zentrum des Leo Baeck- Institutes befindet sich unter Leitung von Dr. Siegfried Moses in Jerusalem, wo sich der wissenschaftliche und Verwa'ltungstechnische Mittelpunkt befindet. London arbeitet unter Leitung von Dr. R. Weltsch vor allem an den Problemen der Wirtschaftsgeschichte und New York widmet sich unter Leitung von Dr. M. Kreuzberger der Personengeschichte und der Sammlung von Selbstbiographien. Ausserdem werden von dem Institut auch wissenschaftliche Arbeiten unterstuetzt, die fuer den kuenftigen Geschichtsschreiber wichtig sein koennen. Die Finanzierung aller dieser Taetigkeit ist im gegenwaertigen Moment durch Zuwendungen von der Claims- Konferenz gesichert. Aber es muessen schon jetzt Mittel und Wege gefunden werden, um die Arbeit des Leo-Baeck Institutes, auch in Zukunft zu sichern. Zweck der von Prof. Simon unternommenen Reise auf den Suedamerikanischen Kontinent sei die in den letzten Jahrzehnten entstandenen zentraleuropaeischen Gemeinden kennenzulernen und um darueber dem Leo Baeck Institut zu berichten. Weiterhin soll das Interesse dieser Gemeinden fuer das Institut wachgerufen werden. In der sich anschliessenden Unterhaltung wurden Meinungen darueber ausgetauscht, durch welche Mittel und Wege die Idee des Leo Baeck Institutes unter den Mitgliedern unserer Gemeinde propagiert werden kann. Von besonderer Bedeutung ist die Sammlung des noch in Haenden von Mitgliedern befindlichen Materials zur Geschichte des einstmaligen Judentums in Deutschland. Die Kommission richtet an alle die Bitte ihr dieses Material zur Verfuegung zu stellen. Jeder der eingangsgenannten Herren steht zwecks Auskünften gern zur Verfuegung. E. L. fajas y sostenes, portaligas calzones SAN ANTONIO 5H IFRENTE AL CAÍRI) In der nunmehr 20 jaehrigen Geschichte unserer Gemeinde haben uns oftmals Persoenlichkeiten besucht, die unter unseren Mitgliedern ein weites Echo gefunden haben. Aber der Besuch von Dr. Akiba Simon, Professor der Hebraeischen Universitaet fuer Erziehung aus Jerusalem, bleibt auf lange Zeit hinaus im Gedaechtnis derer, die ihn gehoert haben, als eines der wenigen grossen Ereignisse haften. Das Leo Baeck Institut in New York hat ihn auf diesen Kontinent entsandt, wo er die hauptsaechlichsten Gemeinden zentraleuropaeischen Ursprungs besuchte. Und wir haben Berichte, dass er, wo immer er hinkam, die Zuhoerer in seinen Bann zwang. So weilte er auch unter uns von Mittwoch, d. 27. August bis Dienstag d. 2 September. Vier Tage waren es nur. Aber in diesen vier Tagen, von denen er noch einen Tag unserer Schwestern- Gemeinde in Valparaiso widmete, zeigte er sich bereit, ueberall zu sprechen, wo man ihn darum bat und jedem Menschen sein Ohr zu schenken, der ihn darum ersuchte. Am Donnerstag, d. 28. August vormittag besuchte Prof. Simon unsere juedische Schule und sprach am Abend in unserer Gemeinde ueber Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Juden aus Deutschland, am Freitag d. 29. August im Rahmen eines Oneg Schabbat zu jungen Ehepaaren ueber die Bedeutung der religioesen Tradition im juedischen Leben. Am Schabbat Morgen deutete er das Wort der Thora in unserem Vormittags - Gottesdienst und wurde am Abend im Kreise des Direktoriums der Freunde der hebraeischen Universitaet empfangen. Am Sonntag d. 31. August sprach er in Valparaiso ueber sein Leben und am Montag d. 1. September in einer oeff entliehen Veranstaltung der B’ne Berith Loge ueber das Thema: “Martin Buber der 80 jaehrige” und am Tage seiner Abreise machte er dem Rektor der Universidad de Chile seinen Besuch. Nur der, der dabei war, kann etwas von dem Erlebnis spueren, das dieser Gelehrte und, Wegweiser, der das Beste der Weltkultur mit dem tiefsten der juedischen Kultur in blendender menschlicher und wissenschaftlicher Synthese in sich vereint, zu vermitteln vermag. An dieser Stelle ist ueber seinen Vortrag in der Gemeinde zu berichten, der vor einem ausnahmsweise zahlreichen Publikum gehalten wurde. Der Vorsitzende der Kultur-Kommissian Herr Dr. Benno Kiwi, begruesste den Redner des Abends mit herzlichen Worten und stellte ihn als einen Juden vor, der unserer Gemeinde /lurch sein Wirken und Rednertalent bestens bekannt ist. Er sprach dem Leo Baeck Institut den Dank dafuer aus, dass es den Gast zu uns entsandt hat. Dabei wurde ausgefuehrt, dass es Aufgabe dieses Leo Baeck Instituts ist, die Werte des deutschen Judentums zu erhalten. Daran wird auch unsere Gemeinde mitarbeiten. Der Redner forderte unsere Mitglieder auf, dem Leo Baeck Institut das verfuegbare Material zur Verfuegung zu stellen. Professor Simon, der anschliessend das Wort nahm, gab zunaechst eine blendende Analyse des einstmaligen Judentums in Deutschland, die wir leider nicht in allen Teilen wiedergeben koennen. Wenn wir den Versuch machen, es als ein Phänomen der Vergangenheit zu sehen, so muss mit Moses Mendelsohn begonnen werden, der als erster den deutsch - juedischen Konflikt gesehen hat. Unter denen, die nach ihm kamen, wurde die juedische Erbschaft immer kleiner, weil die Bedeutung der auf sie eindringenden Umwelt immer groesser wurde. Und doch hat man sich immer wieder um die Erhaltung der Substanz bemueht, wobei der Einfluss der ostjuedischen Bestandteile mit ihrem volkstuemlichen Charakter nicht zu unterschaetzen ist. Es gab auch bei uns fraglose Juden, deren Zugehoerigkeit zum Judentum fuer sie selbstverstaendlich war und die trotzdem in guten Beziehungen zur nicht-juedischen Umwelt standen. Ja, wir koennen das merkwuerdige Phaenomen feststellen, das mit fortschreitender Assimilation auch der Antisemitismus staerker wurde. Wenn auch nicht alle orthodox waren, so hatte die Mehrheit doch einen gewissen Zusammenhang mit der juedischen Tradition. Wenn es auch fuer manche nur drei Tage im Jahre waren und drei Tage zu wenig sind, nichts war es nicht. Das Nationalgefuehl war unter ihnen nicht sehr stark ausgepraegt. Die Zionisten, die in der Minderheit waren, kaempften um die Volksgemeinde. Und doch hat die deutsch - juedische Gemeinde eine Fuelle von Funktionen gehabt, die ueber den Charakter der rein religioesen Gemeinde hinausgeht. Daneben gab es Gleichgueltigkeit und was noch schlimmer ist Abfall. Waehrend im oestlichen Judentum an der Spitze der Gesellschaft der Talmid Chachamder Gelehrte—stand, so trat an seine Stelle in Deutschland der Akademiker. Glaubte der ungebrochene juedische Mensch im Osten an das moeglicherweise sofortige Kommen des Maschiach; war der Westjude vom der Zwangslaeufigkeit des Fortschrittes ueberzeugt und glaubte an die Realisierbarkeit der buergerlichen Emanzipation. Damit zeigte der Redner, das Judentum in Deutschland als ein Judentum der Uebersetzung juedisch N klassischer Begriffe in modernes Lebensgefuehl. Vor allem hat dieses Judentum in Deutschland das Verdienst, von Moses Mendelsohn an ueber Franz Rosenzweig bis zu Leo Baeck den systematischen Lehrinhalt des Judentums aufgezeigt zu haben. Nicht zu unterschaetzen ist auch die Bedeutung der deutschen Juden als Wirtschaftspioniere, wobei simptomatisch ist, dass sie sich in ihren Mussestunden oft rein geistigen Dingen widmeten. So wollte Albert Ballin, dessen Lebensschicksal als charakteristisch gekennzeichnet wurde, ein Buch schreiben. Auch in diesen oft entfremdeten Juden bleibt das Geistige ein Ferment ihres Lebens. Nicht viele dieser Juden haben die Niederlage jeberwinden koennen. Sie glaubten an Deutschland. Wir sollen darueber nicht lachen auch die Zionisten nicht. Trotz allem waere die Bilanz des Judentums in Deutschland negativ, wenn nicht die Stunde der Umkehr gekommen waere, die seine grosse Stunde war. Der Erste war Herzl. Warum entdeckte gerade er den politischen Zionismus? Dieser Zionismus ist das Geschenk Europas an das Judentum. Und nur, wer so weit weg war, wie Theodor Herzl und andere, kann auch wieder so zurueckkehren. Der andere war Franz Rosenzweig, der der groesste Rueckkehrer unserer Zeit war und der diesen Weg aus religioesen Gruenden fand. In dieser Epoche wurde der Weg zum Martyrium vorbereitet. In solchen Menschen wurden, die groessten und schwersten Stunden vorbereitet, die ihren Hoehepunkt in der Person Leo Baeck fanden, der bereit war, dass was er am Ende seines Buches “Das Wesen des Judentums” ueber das Martyrium schreibt, auch zu leben. Was kann von alldem Gegenwart und Zukunft sein? Die Juden haetten allein Israel niemals aufgebaut. Aus dem Osten gingen nur wenige nach Palaestina und die deutschen Juden kamen zuletzt. Wir brauchen uns dessen nicht zu schaemen. Es gibt kein Beispiel in der Geschichte, dass Massen sich freiwillig in Bewegung setzen. Aber wir haben viel dazu getan, dass in das gesellschaftliche Leben Israels Ordnung kam. Wir sind das Volk des moralischen Gefuehls. Und darum haben wir das Problem des Zusammenlebens mit den Arabern als ein moralisches Problem von besonderer Wichtigkeit anzuerkennen. In der Golah ist die Befestigung unserer Gemeinden ein Problem erster Ordnung. Denn von der Synagoge soll ein volles juedisches Leben ausgehen. Der Redner zeigte in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung der juedischen Tagesschule auf. Leider hat er nicht viele Kinder unseres Kreises in dieser so hervorragend geleiteten Schule gesehen. Wir sollen unsere Kinder in diese Schule auch angesichts der Gefahr einer moeglichen Chaluziuth und Alijah schikken. In einem Wort der ernsten Kritik wurde gezeigt, dass bei vielen schon wieder der Weg einer neuen Assimilation gesucht wird. Abschliessend wurde die Frage gestellt, warum es nicht moeglich sein wird, deutsches Judentum zu bewahren, so wie sich das sefardische Judentum durch die Jahrhunderte hin durch erhalten hat. Sefardisches Judentum ist etwas in sich stares. Wir machen zu viel Bewegung, sind zu ostjuedisch. Unsere Kinder sprechen nicht mehr deutsch. Sie sollen hebraeisch lernen, das die Sprache der juedischen Zukunft ist. Deutsch ist die Sprache, in der unsere Gedanken Ausdruck gefunden haben. Hebraeisch ist die ewige Sprache. Und was von uns Juden lebendig bleiben soll, wird es in der Sprache der Ewigkeit bleiben.. Es ist ueberfluessig zu erwaehnen, dass diesen Auszehrungen ein aussergewoehnlich lebhafter Ausdruck des Bei- 'falles folgte. In seinem Dank an Professor Simon, brachte Herr Dr. Benno Kiwi die Gefuehle aller Anwesenden zum Ausdruck. LOEWENSTEIN.