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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1958-07-01 · 7 (Julio, 1958) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XX (1958)
Issue
7 (Julio, 1958)
Date
1958-07-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Il REDACCION* S.C. I. B’NE JISROEL AV. PORTUGAL. 610. CASILLA 2487. SANT1AOO-CHIL« S O CM E ,D A BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT CULTURAL ISRAELITA J I SROEL" AÑO XX N? 7 SANTIAGO DE CHILE Julio 1958 DAS GEISTIGE ERBE DES DEUTSCHEN JUDENTUMS Von ERNST SIMON Im Folgenden bringen wir einen Auszug aus der Rede, die Prof. Simon anlaesslich der Eroeffnung des “Leo Baeck-Institute of Jews from Germany” in Jerusalem gehalten hat. I. Die Wissenschaft des Judentums deutsch-jüdischen Ursprungs ist viel verkannt und ungerecht kritisiert worden. Gewiss: oft war sie apologetisch, aber man darf fragen, ob denn wirklich die defensive Apologie des Zeitalters der Emanzipation unwissenschaftlicher war als die offensive des Zeitalters der Autoemanzipation. Sei dem, wie es sei; an tiefem jüdischen Gefühl hat es jedenfalls der ersten Generation dieser grossen Gelehrten wahrlich nicht gefehlt. Dies soll uns ein letztes Zitat von Zunz bezeugen: “So wachsen aus einer religioesnationalen Wurzel die drei Staemme empor, um die die Literatur jener Laender sich rankt: Arbeit, Gottesdienst, Erkenntnis.” (Seite 159). Obwohl Zunz unter “Arbeit” hier “das Leben, als Aufgabe eines gottgefaelligen Wirkens selbst” versteht und es damit auf die Halacha, im Sinne des “das Leben durchdringenden, jüdischen Gesetzes”, reduziert, dürfen wir uns der Führung seiner drei Kategorien anvertrauen, wenn wir die erste weiter fassen, als er es tat. So fragen wir: was hat die Gestalt des deutschen Judentums der Neuzeit in Arbeit, Gottesdienst und Erkenntnis bestimmt? 1) Arbeit ist der Versuch, das reale Leben zu bewaeltigen. Er ist dem deutschen Judentum gelungen, und fast nur in einseitiger Weise. Die Emanzipation vollzog sich nicht in einem gesellschaftlich leeren Raum, sondern in Begleitung des aufsteigenden Bürgertums. Mit ihm stieg und mit ihm fiel die westeuropaeische. Judenheit, vor allem die in Deutschland ansaessige. Wie oft dargestellt, war sie wenig an der Urproduktion beteiligt. Nicht nur die landwirtschaftliche und industrielle Handarbeit war kaum vertreten auch Handwerk und Gewerbe waren unter ihrem allgemeinen Prozentsatz besetzt, und sogar die Wirtschaft, soweit sie von Juden beeinflusst oder geführt wurde, wandle sich mehr der verarbeitenden als der Schwerindustrie zu, vor allem aber dem Handel und dem Bankwesen. Trotzdem fehlt es nicht an jüdischen Pionierleistungen, wie z. B. der Albert Ballins. Er hat aus dem Personenverkehr über See einen grossen und angesehenen Wirtschaftszweig gemacht, und konnte das tun, weil dieser, im Unterschied zur Warenfracht, den alteingesessenen hanseatischen Patrizierfirmen urspruenglich als ein minderwertiges Geschaeft erschien. So ging es auch auf anderen Gebieten, die aber, einmal von den hier weniger traditionsbeschwerten Juden entdeckt und ausgebaut, von nichtjüdischen Konkurrenten aufgenommen wurden, bis schliesslich des spezifisch jüdische Beitrag immer unsichtbarer wurde. So setzte sich der Norddeutsche Lloyd neben die Hamburg-Amerika Linie, und auch Rudolf Mosses Annoncen-Expedition, aus der das “Berliner Tageblatt” entstand, fand Nachahmer und Nebenbuhler. Trotzdem trug die Welle des Kapitalismus alle, die auf und mit ihr schwammen, nach oben, so lange sie anhielt. Das deutsche Judentum teilte die meisten typischen Vorzüge und Fehler einer bürgerlichen Klasse. Seine Erfolge waren gross, deren Gefahren nicht gering. Besonders vom Beginn des 20. Jahrhunderts an begann ein gefaehrlicher Materialismus sich auszubreiten, der die beiden anderen “Staemme”, Gottesdienst und Erkenntnis, zeitweise überschattete. Trotzdem behielten sie ihre eigentümliche Formung. 2) Das deutsche Judentum hat die moderne Synagoge, wenn nicht geschaffen —es gibt z. B. gewisse norditalienische Vorgaenger—, so jedenfalls befestigt und ausgebreitet. Die moderne Gemeinde aber ist seine ureigenste Schoepfung. Die moderne Synagoge unterscheidet sich von der mittelalterlichen (nicht unbedingt von der antiken: Alexandria!) zunaechst einmal durch ihre Groesse. Sie ist kein “Minjan” und keine “Klaus”; ihr fehlt die Heimischkeit und Heimlichkeit des eng begrenzten Kreises. Dafür zeigt sie, auch architektonisch Auftrumpfen der nun endlich, und scheinbar dauernd, erworbenen Gleichberechtigung, sogar für die “maurische” Stilfremdheit. Sie kann ihre wenigstens an einzelnen Festtagen, massenhaft erscheinenden Beter nur mehr durch Ordnung und auch aeussere Würde in den gemeinsamen Gottesdienst einfügen. Aus der ekstatischen oder nachlaessigen Inbrunst der Einzelnen und Wenigen wird die feierlich organisierte und aesthetisch unterstützte “Andacht”, Dies alles waren Forderungen der Reform, aber sie haben sich eigentlich, wie Franz Rosenzweig einmal bemerkt hat, nur im konservativen Gottesdienst wirklich durchgesetzt, denn nur dort gab es eine genügende Daueranzahl von Besuchern. Dies gilt besonders für die deutsche Predigt, die zwar religionsgesetzlich keineswegs eine Neuerung war (auch dies hat Zunz nachgewiesen), aber tatsaechlich eben doch. Die Wiedergeburt der jüdischen Kanzelberedsamkeit ging von Deutschland aus: in ihren groessten Traegern erreichte sie eine eigentümliche Verknüpfung von uraltem Erbgut mit modernen Gedanken. Es blieb freilich fast immer bei einzelnen “Gedanken”, denn zum systematischen Denken bot die Predigt keinen Raum, zumal sie in keiner Diskussion geklaert werden konnte. Die moderne jüdische Gemeinde war im Grunde laengst “Volksgemeinde”, bevor die zionistische Bewegung sie auch programmatisch in eine solche verwandeln wollte. Sie wurde zu einer nationalen Institution durch die blosse Tatsache, dass sie in der Regel Synagogen organisatorisch zusammenfasste und ausserdem zentral für Wohlfahrt, Krankenpflege, Begraebniswesen und religioese Erziehung sorgte. Diese freilich wurde quantitativ immer geringer, qualitativ immer dünner, ausser etwa in den wenigen Gross-Gemeinden, die jüdische Tagesschulen unterhielten oder neu gründeten. Die eigentliche Problematik der modernen jüdischen Gemeinde aber kam in dem neuen Menschent5'pus zum Ausdruck, der an ihrer Spitze stand. Der mittelalterliche “Schtadlan”, also derjenige, der sich bei den nichtjüdischen Behoerden in Staat und Stadt für die Juden "bemühte”, war, wie z. B. Josselmann von Rosheim, in der Regel zugleich ein jüdischer Gelehrter hohen Ranges, oft der Raw selbst, und repraesentierte das Judentum von dessen lebendigem Zentrum her. Anders sein moderner Nachfolger, der Justiz¬ oder Kommerzienrat. Er stand nicht nur dann an der Peripherie, wenn er die jüdische Gemeinde (Fortsetzung Seite 16). PROF. ERNST SIMON KOMMT ZU BESUCH NACH CHILE ..Das “Boletín Informativo” ist in der Lage, unseren Gemeindemitgliedern die hocherfreuliche Mitteilung zu machen, dass im kommenden Monat August Herr Prof. Ernst Simon von der Hebraeischen Universitaet Jerusalem zu Besuch nach Santiago kommen wird. Wer von Ernst Simon und von seiner Bedeutung als Persoenlichkeit, von seinem Denken und Wirken weiss, wird ermessen koennen, welch geistiges und kulturelles Erlebnis mit seinem bevorstehenden Besuch verbunden sein wird. Im Jahre 1899 in Berlin geboren, schloss er sich schon frueh der Zionistischen Bewegung an. 1928 wurde er zum Presidenten der Zionistischen Vereinigung fuer Deutschland gewaehlt. Nach seiner Alljah erhielt er einen Lehrstuhl an der Hebraeischen Universitaet; in der Zeit vor der Staatsgruendung gehoerte er der Assefat Hanichvarim (Deputierten - Versammlung des Jischuw) an. Seine politische Taetigkeit war stets im Sinne der Verstaendigung mit den Arabern orientiert und er ist einer der bedeutendsten Exponenten der Gruppe, die inspiriert von dem verstorbenen Rektor Magres und von Martin Buber unter dem Namen “Brith Schalom” (Friedensbund) in diesem Sinne wirkte. Von seinen Werken wurden u. a. veroeffentlicht; Ranke und Hegel (1928), Lehrkurs fuer M odernes Hebraeisch (1934), Bialik (1935), Henriette Szold (1945), Krise im Zionismus und in der Erziehung (1947). An der Gruendung des Leo-Baeck-Instituts (1955) nahm er fuehrenden Anteil und hielt bei diesem Anlass in Jerusalem die bedeutende Rede, die wir in diesen Spalten hiermit zum Abdruck bringen. Naehere Einzelheiten ueber die Veranstaltungen, die unsere S. C. I. zu Ehren ihres Gastes durchfuehren wird, erscheinen in der August- Ausgabe des Mitteilungsblattes. ifc OEFFNETME TORE FUER 100.000 OLIM /

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