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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1958-06-01 · 6 (Junio, 1958) · p. Seite 17

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XX (1958)
Issue
6 (Junio, 1958)
Date
1958-06-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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Junio 1958 BOLETIN INFORMATIVO 17 20 JAHRE ZIONISMUS Erst kuerzlich haben wir Rueckblick gehalten auf die 10 Jahre des Bestehens unserer Medinath Israel. Heute wollen wir noch weiter zurueckschauen: bis in das Jahr 1938. Es ist kein willkuerliches Datum und nicht zufaeliig ist die Gemeinde der aus Deutschland kommenden Juden in Santiago gerade in jener Zeit entstanden. 1938 ist das Jahr des Muenchener Abkommens, das Jahr, an dessen Ende die Novemberverhaftungen und Synagogenbraende erfolgten, Ereignisse, die ihre duesteren Schatten schon lange vorauswarfen. Das war keine Zeit fuer Ideologie. Die Tage, da es tiefschuerfender Analysen des juedischen Wesens im Rahmen der Deutschen Umwelt seitens des Blumenfeld’schen Zionismus bedurfte, waren laengst vorbei. Sogar fuer die zionistische Propaganda der Jahre 31- 32: “Die einzige Loesung” war jetzt weder Platz noch Notwendigkeit. Die einzige Loesung hatte sich auf andere Weise Anerkennung im Bewusstsein weitester Kreise der deutschen Judenheit verschafft. Das juedische Volk musste sich zu einem Kampf um seine physische Existenz ruesten und wenn wir von einigen Faellen absehen in denen die juedische Solidaritaet durchbrochen wurde, so stellten sich jetzt fuer die gesamte Judenheit Aufgaben, die so konkret, so dringend waren, das sie alle Gruebeleien ueber das Wesen des Judentums und des juedischen Volkstums hintenanstellten. Ja, sogar das russische Judentum, das bis dahin abgeschlossen vom Weltjudentum gehalten worden war, wurde durch die Ereignisse des folgenden Krieges in die jued i s c h e Schicksalsgemeinschaft wieder hineingerissen und von dort gelangten zu uns die Worte: “Lo amuth, ki echjeh”— Ich werde nicht sterben, ich werde leben. In dem unter Britischem Mandat stehenden Erez Israel waren die Unruhen, die 1936 begonnen hatten, noch nich ueberwunden. Die Englaender hatten wieder einmal ein Weissbuch veroeffentlieht, diesmal mit dem klaren Ziel, den Status der Juden als Minderheit in Erez Israel zu verewigen, die zudem nur in einem kleinen Teil des Landes das Recht zum Bodenerwerb erhalten sollten. 2 Wochen vor dem Ausbruch des Weltkrieges trat der Zionistenkongress in Genf zusammen, in einer Zeit, fuer die Weizmanns Wort galt: Die Welt teilt sich fuer den Juden in zwei Teile, in Laender aus denen er heraus muss und in Laender, die ihn nicht hineinlassen wollen. Und zu den letzteren gehoerte nunmehr auch die feierlich zugesicherte Heimstaette des juedischen Volkes. Zum ersten Male sah sich die Zionistische Bewegung in so scharfer Form vor eine neue Frage gestellt. Auf diesem Kongresse ging es nicht um Budgetdebatten, nicht um die Frage, woher das Geld zur Konolisation zu nehmen, es wurde nicht gestritten um die Verteilung der Aemter. Es ging darum, ob man angesichts der neuen englischen Politik daran denken koenne, den alten Weg fortzusetzen, den Weg friedlicher Kolonisation, Punkt nach Punkt zu besiedeln und durch harte Arbeit Position nach Position zu erobern. Das war der Weg von Chajim Weizmann und das war das Geheimnis seines Buendnisses mit der Arbeiterschaft Erez Israels gewesen. Jetzt aber verlangten weite Teile dieser selben Arbeiterschaft, der Pioniere des Aufbaus, eine Revision des Weges. Ben Gurion erhob die Forderung, die Alijah und die Kolonisation auch gegen das “Gesetz” der Englaender durchzufuehren, gestuetzt auf die den Juden von den Voelkern zugesicherten Rechte, und, falls es sich als notwendig erweisen sollte —und das war das Neue fuer die Zionistische Bewegung— diese Rechte mit der Waffe zu verteidigen. ’’Bedeutet Kampf denn stets Kampf mit der Waffe?”, rief jemand Ben Gurion zu und er erhielt die Antwort, dass dies ab jetzt die neue Bedeutung des Wortes Kampf sein muesse. Durch die Parteien hindurch ging die Auseinandersetzung. Ein grosser Teil der Bewegung, gewoehnt an die Methoden friedlichen Aufbaus war innerlich nicht bereit zu solch ploetzlicher Umstellung. Von der Buehne des Kongresses hoerte man den Namen des Rabbi Jochanan ben Sakkai. Das war der Schriftgelehrte, der sich waehrend der Verteidigung des von den Roemern belagerten Jerusalems in einem Sarge aus der Stadt tragen lies, um von ihnen das Recht zu erbitten, in Jawneh eine Staette juedischen Geistes zu schaffen. Im Namen von Rabbi Jochanan ben Sakkai glaubten die einen, vor der Gefahr warnen zu muessen, die im Verlassen des legalen Weges laege. Im Namen von Rabbi Akiba, der den Aufstand des Bar Kochba geistig unterstuetzt hatte, riefen die anderen zur aktiven Zerstoerung der Englischen Weissbuchpolitik auf. Es war nicht blosse Rethorik, dass dieser beiden Schriftgelehrten gedacht wurde. Die Diskussion in dieser ernsten Stunde schloss in sich den Versuch, das Fazit aus der Geschichte des juedischen Volkes im Ablauf der Jahrtausende zu ziehen. Weizmann selbst erklaerte in einer Sitzung der Permanenzkommission: “Vertieft nicht die Gegensaetze. Ich glaube nicht an einen rettenden Weg. Wollt Ihr aber einen voellig neuen Weg beschreiten, so waehlt Euch einen anderen Praesidenten. Jahrelang bin ich einen anderen Weg gegangen und bin zu alt dazu, um ihn zu aendern”. Die Zeit hatte sich geändert und erforderte neue Entscheidung. Im Kongressaal erwartete man gespannt die Meinung des Leiters der Auswaertigen Politik, Moshe Sharett. Dieser gedachte der Zeit, als er noch Sekretaer des jungen zionistischen Fuehrers Arlosoroff war. In einer Stunde, da alle Wege versperrt erschienen, hatte Arlosoroff ihn gefragt: “Was tun, wenn sich vor uns eine steile Wand erhebt?” Sharett hatte damals geantwortet: “Ich werde stehen mit der Stirn zur Wand, bis die Wand faellt, und wenn ich es nicht erlebe, werden meine Kinder und Kindeskinder es fortsetzen, bis die Wand schliesslich fallen wird”. “Du bist vielleicht ein guter Jude”, hatte Arlosoroff geantwortet, “aber kein Zionist. Jahrzehntelang stehen wir be- Von Max Z/meIs reits mit der Stirn zur Wand und die Wand stuerzt nicht ein. Es gilt, die Wand zu zerstoeren”. Und Sharett fuegte hinzu: “Heute gebe ich es zu, Arlosoroff hatte recht und nicht ich”. Die Nachrichten von dem Abkommen Molotov - Ribbentrop machten der Diskussion auf dem Kongress ein schnelles Ende. Die Delegierten eilten in ihre Laender, die Fuehrer auf ihre Posten. Die aufgeworfenen Fragen selbst aber blieben unentschieden: Was lehrt uns die Geschichte des juedischen Volkes fuer unsere Wege in der Zukunft? Diese Fragen wurden aber bald an anderer Stelle wieder aufgeworfen, von juedischen Partisanen und den Kaempfern in den Ghettos. Die zionistische Leitung entschied unterdessen: Wir bekaempfen Hitler, als gaebe es kein Weissbuch und das Weissbuch, als gaebe es keinen Krieg. Auf der einen Seite bildete sich die juedische Brigade im Rahmen der Englischen Armee, andererseits formte sich die Palmach, das illegale Heer, das zusammen mit der Haganah, dem juedischen Selbstschutz, ausschliesslich juedischem Befehl unterstellt war und gehorchte. Nach diesem Krieg muss das juedische Volk seinen Staat erhalten; das war das neue Programm der zionistischen Bewegung, das sogenannte Biltmoreprogramm, nach dem Platz benannt, wo es beschlossen wurde. Das Programm von Jeruschalajim so nannte es Ben Gurion. Was uns heute, 10 Jahre nach Bestehen des Staates, so selbstverstaendlich erscheint, war ein fast umwaelzender Programmpunkt damals. Seit Herzls “Ju.denstaat” hatte der offizielle Zionismus kaum dieses Wort erwaehnt. Weizmann, der ein Feind der Endzieldebatten war, weil er nicht glaubte, dass sie uns dem Ziele naeher braechten, war 1931 gestuerzt worden, als er in der Hitze der Diskussion, das Ziel, den Judenstaat, verleugnete. Es war den Denkenden klar gewesen: Einen Staat gibt man einem Volke, das die Mehrheit im Lande bildet, daher galt es erst bauen, kolonisieren, wachsen. Allerdings hatte die sogenannte Peel Kommission, die von den Englaendem eingesetzt war, 1937 die Schaffung eines juedischen Staates empfohlen, aber ganz logischerweise auf Grund eines Teilungsplanes, laut dem grosse Gebiete mit arabischer Siedlung ausgeschlossen wurden, ebenso wie der unbevoelkerte Negev, in dem die Juden damals keinerlei Stuetzpunkte hatten. Der Kampf um Annahme oder Ablehnung dieses Planes drohte beinahe die Formen der Auseinandersetzung in der Ugandafrage zu Zeiten Herzls anzunehmen. Sowohl Weizmann als auch Ben Gurion sahen in ihm damals eine Basis zur Verhandlung, aber England entsandte eine neue Kommission, die ihrerseits einen Plan vorschlug, der von allen Zionisten einmuetig abgelehnt wurde. Es war die Karikatur eines Staates, die vorgeschlagen war, ein Staat mit Tel-Aviv als Zentrum und einem schmalen Kuestenstreifen, der sich nicht einmal bis Haifa erstreckte. Die Furcht war daher berechtigt, dass auch dieses Mal die Grenzen eines neu entstehenden juedischen Staates so festgesetzt wuerden, dass man mit der Unabhaengigkeit die Juden aller Entwicklungsmoeglichkeiten beraubte. Die politischen und kriegerischen Ereignisse nach den Beschluessen der UNO am 29. November 1947, die zur Flucht der Mehrzahl der Araber fuehrte, und zu einer wesentlichen Korrektur der Grenzen, konnte damals niemand in Rechnung ziehen. Die Erkenntnis aber, dass die Grenzen eines Staates davon abhaengen, wo Juden kolonisiert haben und die Mehrheit bilden, ist bis heute eine politische Wahrheit geblieben und hat angesichts aller Plaene, die auf eine Korrektur der Grenzen hinzielen, noch nicht an Bedeutung verloren. Der Schaffung des Staates voraus ging aber ein schwerer Kampf des- Jischuw um die Rechte der Kolonisation in allen Teilen des Landes und besonders um das Recht, die Ueberlebenden der juedischen Katastrophe ins Land zu bringen. Es war ein Kampf gegen die Englische Herrschaft auch mit der Waffe, aber im Bewusstsein, dass besonders nach dem Kriege das moralische Recht auf unserer Seite sei. Das europaeische Judentum war vernichtet. Nach der Alijah der Ueberlebenden aus den Laegern uebernahm das orientalische Judentum die alte Rolle des osteuropäischen und mitteleuropaeischen Judentums als Faktor in der Alijah. Das wichtigste Zentrum juedischen Lebens ausserhalb Israels wurde aber nunmehr Amerika. Nach dem 1. Weltkrieg verlor die zionistische Bewegung das russische Judentum, das bis dahin eine so grosse Rolle im Zionismus gespielt hatte. Der 2. Weltkrieg brachte den physischen Untergang der Judenheit Ost— und Mitteleuropas. Der Erbe war nunmehr vor allem der grosse Jischuw Nordamerikas. Noch eben hatte er Anteil genommen an dem politischen Kampf um die juedischen Rechte in Erez Israel. Jetzt, nachdem der Staat schon bestand, begann man wieder die Fragen nach dem Wesen des Judentums, des Juedischen Volkes und des Zionismus aufzuwerfen. In Osteuropa hatten Juden als nationale Minderheiten gelebt. Fuer die neue Welt, in der sich junge Nationen aus verschiedenen Volksteilen gebildet hatten, galten andere Gesetze. Die zionistische Ideologie ausserhalb Amerikas hatte niemals mit diesen anderen Gegebenheiten gerechnet. Dies aber sind Dinge, die noch nicht zur Geschichte gehoeren, es sind die Probleme von heute und sie beschaeftigen die zionistische Bewegung und die Judenheit der Galut staendig aufs Neue. Wie wir aber auch die Fragen beantworten moegen, die Zionistische Bewegung war und muss es auch weiterhin bleiben: Die Renaissancebewegung des juedischen Volkes. K OEFFNETDIE TORE FUER 100.000 OLIM /

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