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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1958-06-01 · 6 (Junio, 1958) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XX (1958)
Issue
6 (Junio, 1958)
Date
1958-06-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Junio 1958 BOLETIN INFORMATIVO 5 DAS ZWEITE JAHRZEHNT Von Alfred Feldmann “Die Teilnahme am Leben der Gemeinde gilt nicht dem Ich, sondern dem Wir, nicht dem Interesse der Stunde, sondern der bleibenden Aufgabe, nicht dem Heute nur, sondern der Zeit, welche kommen soll, diesem Wege der Generation, welche heranwaechst” Diese Worte schrieb uns Leo Baeck vor 10 Jahren. Aus der Begruessung anlaesslich unseres 10-jaehrigen Bestehens ist ein Vermaechtnis geworden. Deshalb duerfen wir uns nicht damit begnuegen, heute einen historischen Rückblick auf die Ereignisse und die Arbeit des zweiten Jahrzehnts unserer Geschichte zu werfen, sondern wir werden uns fragen muessen, ob wir der bleibenden Aufgabe, die uns Leo Baeck aufgezeichnet hat, gerecht werden konnten. Vor 10 Jahren herrschte reges Leben in unserer B’ne Jisroel. Israel war wieder erstanden, die Nachrichten vom Befreiungskrieg hielten uns alle in Atem. Die Raeume in der Monjitas waren zu eng, um all die interessierten Gemeindemitglieder aufzunehmen, die die Kulturveranstaltungen der Gemeinde, die Vortraege der damals .sehr ruehrigen Union Sionista, der Wizo, der Bne Brithloge besuchen wollten. Die Verwaltungsarbeiten waren besonders umfangreich, denn wir waren noch mitten im Bau des neuen Gemeindehauses und Vorstand und Repraesentanten, ebenso wie alle ehrenamtlichen Mitarbeiter und unsere Beamten und Angestellten arbeiteten mit Eifer und Hingabe in den wirklich unzulaenglichen Raeumen. Kaum waren die Tage der bescheidenen Feier unseres zehnten Geburtstages vorueber, da erreichte uns die Botschaft vom Heldentod drei junger chilenischer Chaluzim, die als Soldaten der Hagana gefallen waren. Dann folgten immer mehr Nachrichten aus Israel, die uns in Spannung hielten. Im Februar 1949 hat Chile den neuen Staat Israel anerkannt, im Maerz wird Chaim Weizmann zum ersten Praesidenten Israels gewaehlt. Dann erhalten wir den ersten unmittelbaren, tiefen Eindruck von dem welthistorischen Geschehen im Vorderen Orient durch den unvergesslichen Besuch, den David Shaltiel im Juli 1949 abstattete. Oberst der Hagana, beruehmt als Verteidiger von Jerusalem, in der schmucklosen Uniform seiner Truppe, war er der erste Israeli, der im Beisein von Vertretern der chilenischen Armee einen Kranz am Denkmal O’Higgins niederlegte. Unter den Klaengen der Hatikwa salutierte die Ehrenkompagnie des Heeres die Fahne Israels. In dem bis zum letzten Winkel gefuellten Saale des Gemeindehauses gab Oberst Shaltiel einen ausfuehrlichen Bericht ueber die Verteidigung Jerusalems. Frei von jedem Pathos sprach er von den Heldentaten nicht nur der Hagana, sondern auch der Maenner und Frauen, der Greise und Kinder, die in Jerusalem eingeschlossen waren. Selten hat ein Vortragender einen so tiefen Eindruck hinterlassen wie er. Im November 1949 konnten wir mit der teilweisen Uebersiedlung in das neue Gemeindehaus in der Portugal beginnen. Noch war vieles unvollendet, aber der Anfang war gemacht. Im Maerz verliess uns unser beliebter Kantor, Herr Schneier, um nach Israel auszuwandern. Am ersten Jahrzeitstag unseres verdienten Freundes Bernhard Pincus wurde das schoene Pincuszimmer eingeweiht, das eine Spende der Freunde des Verstorbenen an unsere Gemeinde ist. Ein grosses Erlebnis trat im Mai 1950 ein. Der erste Israeli-Botschafter, Jacob Tzur, traf in Santiago ein, um dem damaligen Praesidenten Gabriel Gonzales Videla sein Beglaubigungsschreiben zu ueberreichen. Die Fahne Israels wehte am Hotel Carrera und zum ersten Male stieg ein Israelischer Botschafter in die Galakarosse der chilenischen Regierung, um eskortiert von Kavalleristen in die Moneda zu gelangen. Botschafter Jacob Tzur, der mit seiner liebenswerten Gattin nach Chile gekommen war, besuchte uns in unserem Gemeindehaus und wir duerfen sagen, dass ein besonders inniger Kontakt zwischen diesem hervorragenden Diplomaten und uns vom Tage seines ersten Aufenthalts in Chile bis heute besteht. Am 3. September 1950 fand die festliche Einweihung unseres jetzigen Heims in der Portugal statt. Alle Schwierigkeiten waren ueberwunden, alle Hindernisse waren genommen. Dr. Hirschberg und seine Helfer konnten mit Stolz und Befriedigung auf viele Monate schwerster Arbeit zurueckblicken. Als Ehrengast weilte Dr. Joseph Burg, seinerzeit Vizepraesident der Knesseth, unter uns. Er trug die erste Thorarolle beim Einzug in den neuen Synagogensaal, als bei festlichem Gottesdienst die feierliche Einweihung des Hauses stattfand. Ein Bankett vereinigte am Abend den groessten Teil unserer Mitglieder in dem neuen Hause. Im Maerz des Jahres 1951 traf unser neuer Kantor Herr Ruschin ein. Dr. JOSEPH HIRSCHBERG WmWm mmmt Ein ganz grosses Ereignis war der Besuch, den uns im August 1950 Dr. Joachim Prinz machte. Vor einem ueberfuellten Saale sprach der uns von Deutschland so gut bekannte Redner, der jetzt als Rabbiner in NEWARK amtiert, ueber “Die augenblickliche Krise des Judentums”. Am 2. September fand eine ausserordentliche Generalversammlung statt, die sich mit dem Problem befasste, einen eigenen Friedhof zu schaffen. Der Plan hat sich leider nicht verwirklichen lassen. Im Oktober hatten wir die grosse Freude, Dr. Nahum Goldmann als Gast bei uns zu sehen. Er kam nach Sukkoth zu uns und einen schoeneren Schluss der Feiertage, als einen Tag in der Gesellschaft dieses Grossen zu verbringen, kann man sich nicht vorstellen. In einer gewaltigen Gemeindeversammlung hoerten “wir seine klaren und eindringlichen Ausfuehrungen und bei einem Mittagessen im kleinen Kreise, das in der Sukka eingenommen wurde, wurden interessante Gespraeche gefuehrt. In der Generalversammlung vom 20. April 1952 hielt Dr. Joseph Hirschberg seine Schlussansprache. Nach 14-jaehriger unermuedlicher Taetigkeit im Vorstand der Gemeinde gab er zum letzten Male Bericht ueber seine Taetigkeit als Praesident unserer B’ne Jisroel. Unvergessen bleibt das Wirken dieses Mannes, der zum Ehrenpraesidenten der Gemeinde ernannt wurde. Der Kapitaen ging von Bord, aber das Schiff wurde nicht fuehrerlos. In Dr. Siegfried Landau gewannen wir einen neuen Praesidenten, nicht weniger dynamisch als sein hervorragender Vorgaenger, nicht weniger arbeitsfreudig, nicht weniger begeistert als dieser es war. Sein grosses juedisches Wissen, sein gutes juedisches Herz, seine Erfahrung und Klugheit und nicht zuletzt seine Energie machen ihn nicht nur zu einem vorbildlichen Praesidenten sondern auch zum geeignetsten Vertreter unserer Gemeinde gegenueber dem uebrigen Jischuw. In Oktober trat Dr. Hirschberg seine Alija an. Die dankbare Gemeinde veranstaltete ein Abschiedsbankett, an dem der israelische Botschafter Dr. Tzur teilnahm. Im November fand in unserem Synagogensaal ein Trauergottesdienst anlaesslich des Hinscheidens von Chaim Weizmann statt. An diesem sehr feierlich gestalteten Gottesdienst nahmen die Botschafter und Gesandten der fremden Maechte und Vertreter des chilenischen Staatspraesidenten und der Regierung teil. Im April 1953 hatten wir wieder grosse Tage. Der israelische Aussenminister Sharett machte einen Staatsbesuch und wir hatten Gelegenheit, ihn in einer Grossveranstaltung im Teatro Municipal zu hoeren. Im Januar 1954 traf der Nachfolger von Botschafter Tzur, der nach Paris versetzt worden war, Dr. Kubowy, in Santiago ein. Dr. Kubowy und Gattin besuchten unser Haus und waren im Laufe der Jahre noch einige Male bei uns. Im April wiederholte Dr. Joseph Burg, jetzt Israels Postminister seinen Besuch. Es hatte sich eine deutliche Freundschaft des Ministers mit unserer Gemeinde gezeigt. Im Mai erreichte uns ueberraschend die Trauerbotschaft vom Ableben unseres Dr. Joseph Hirschberg. Wenige Monate vorher hatte ich mich viel mit ihm unterhalten. In Ramot Menasche, in seinem von Blumenbeeten umgebenen Hause und mehrmals in Tel Aviv. Er war so lebhaft, wie ich ihn hier kannte, und ich ahnte nicht, dass ihn eine schwere Krankheit befallen hatte, der er so bald erliegen musste. Dr. Hirschberg wird aufrichtig von uns betrauert. Wir beklagen es tief, dass er das Glueck, mit seinen Kindern in Israel leben zu koennen, nur so kurze Zeit geniessen durfte. Die Gemeinde hat, ihn zu ehren, 1000 Baeume, den GAN HIRSCHBERG, anlegen lassen. Im Jahre 1955 befassten wir uns erstmals mit dem Plan eines Neubaus, um Platz fuer die Jugendlichen zu schaffen und den grossen Saal unseres Hauses fuer Veranstaltungen frei zu machen. Wir sind nicht weiter gekommen, weil die unumgaenglich erforderliche finanzielle Mitwirkung der Claims Conference bisher nicht zu erreichen war. In diesem Jahr schufen unsere Rabbiner eine begruessenswerte Neuerung, Sie bildeten Gruppen junger Ehepaare, die in regelmaessigen Zusammenkuenften ueber juedischen Brauch unterrichtet werden. Grossen Beifall hatte im November Dr. Landau, der vor vollem Gemeindehaus ausfuehrlich ueber seine Israelreise berichtete. Im April 1956 starb der verdiente langjaehrige Sekretaer unserer Gemeinde Herr Dr. Max Gruenbaum. Er hatte seine Erfahrung und seine Kraefte der Gemeinde von ihrer Gruendung an zur Verlegung gestellt. Im August erstattete Herr Rabbiner Loewenstein seinen Bericht ueber seine Teilnahme am 24. Zionistischen Weltkongress in Israel. Im September sollten die Feierlichkeiten aus Anlass des 50-jaehrigen Bestehens des chilenischen Jischuws beginnen. Sie unterblieben, weil die Sinaikampagne begonnen hatte und alle Kraefte angespannt werden mussten, um unseren Bruedern in Israel zur Seite zu sein. Die grossartigen militaerischen Leistungen der Israelitruppen wurden mit groesster Begeisterung beobachtet. In Rio de Janeiro wurde die CENTRA gegruendet, die Vereinigung aller suedamerikanischen Gemeinden, die aus Mitgliedern des deutschen Sprachkreises besteht. Unsere Gemeinde war durch eine Delegation vertreten, die Arbeiten der Centra sind noch in der Entwicklung. 1957 begann mit einer grossen Sorge. Unser Freund Leon Rosenthal erkrankte. Seit 1939 gehoerte er dem Gemeindevorstand an. Er war unermuedlich, seine Hilfsbereitschaft war allgemein bekannt, es verging kaum ein Tag, an dem er nicht in der Gemeinde anzutreffen war. Im Juni ist er der schweren Krankheit erlegen. Die Liebe und Wertschaetzung, die ihm mit Recht entgegengebracht wurden, fanden bei seiner Beisetzung allseitigen Ausdruck. Im November war unser verehrter Botschafter Dr. Tzur wieder unter uns und im Januar dieses Jahres sprach in sehr gut besuchter Gemeindeveranstaltung, Herr Oberrabbiner Dr. Wilhelm aus Stockholm ueber das Leben der Juden in den skandinavischen Laendern, das so ganz anders ist als unser juedisches Leben in Chile. Der April stand im Zeichen der Feiern des 10. Geburtstages von Israel. Ein Festgottesdienst unter Beteiligung des diplomatischen Korps, Regierungsvertretern und Behoerden fand in unserem Hause statt. Ein gelungener Ball, zusammen mit der Wizo Henriette Szold veranstaltet, war der Ausdruck unserer freudigen Beteiligung an dem grossen Ereignis. Anfang Mai hatten wir den Vorzug, wieder einen verdienten Kaempfer aus den Kriegen, die Israel zu fuehren gezwungen war, kennenzulernen: General Moshe Carmel, jetzt Verkehrsminister Israels, traf zu kurzem Besuch hier ein Dieser Rueckblick auf 10 Jahre Gemeindegeschichte waere nicht vollstaendig wenn nicht der Mitarbeiter gedacht wuerde, die der unerbittliche Tod aus unserer Mitte gerissen hat. Dankbar gedenken wir der Herren: Bernhard Pincus — Jacob Gruenebaum — Aron Ehrlich — Siegmund Freudenthal — Ludwig Haase — Professor Rosenfeld — Alfred May — Mauricio Stern — Dr. Joseph Hirschberg — Erich Lyon — Dr. Max Gruenbaum — Emst Dossmar — Alfred Pereies — Leon Rosenthal — Professor Walter Simon. Vor 10 Jahren herrschte reges Leben in unserer B’ne Jisroel. Mit diesen Worten habe ich meine Ausfuehrungen begonnen. Wie sieht es heute aus? Zweifellos sind beachtliche Fortschritte zu ver- (Fortsetzung siehe Seite 33)

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