Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 4 (Abril, 1958)
- Date
- 1958-04-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Abril 1958 BOLETIN INFORMATIVO 25 KONZERT - FEUILLETON Die meteorenhafte Karriere dieses Wunderkindes, das in Kuerze mit den New Yorker Philharmonikern in Chile gastieren wird, ist schon deshalb einer naeheren Betrachtung wuerdig, weil er der erste, in Nordamerika geborene, Dirigent ist, der internationalen Ruf erlangt hat. Sein Aufstieg begann vor knapp 13 Jahren mit dem legendaeren Zwischenfall, als er als vollkommen unbekannter Hilfsdirigent fuer den krank gewordenen Bruno Walter einspringen musste. Ohne jegliche Vorprobe erschien es erstaunlich, dass dieser junge Mann den grossen Meister nicht nur ersetzte, sondern ihn fast vergessen liess. Keiner der Anwesenden ahnte allerdings, dass Bernstein von Bruno Walters Krankheit wusste, sich diese einmalige Chance ausgerechnet und im Stillen darauf vorbereitet hatte. Mit 38 Jahren ist er nunmehr staendiger Dirigent der N. Y. Philharmonie, Gastdirigent auf saemtl i c h e n internationalen Podien und-last not least-Dirigent N? 1 der Festkonzerte dieses Jahres in Israel. Wenn sein Vater ihn “ruach elohim” nachrief und sein langjaehriger Lehrer Arthur Rodzinsky sein Wesen mit dem einen Wort “chuzpe” definieren will, dann ist damit schon ein Teil seiner Persoenlichkeit bezeichnet. Und doch ist dieser aussergewoehnliche Mensch komplexer und nicht nur mit einigen Worten zu umschreiben. Phaenomenal begabt, extravagant, dynamisch, charmant und doch all seine Waerme auf die Musik und auf alles was mit ihr zusammenhaengt konzentrierend, beruehrt er so verschiedenartige Gebiete des musikalischen Schaffens, dass man versucht ihn einen Akrobaten der Musik zu nennen. Ruecksichtslos, manchmal taktlos, kritikhassend, liebt er doch die Wahrheit und ist treu seinen Freunden und seiner Familie. Bernstein spricht, ausser englisch, fuenf Sprachen perfekt (deutsch, franzoesisch, spanisch, hebraeisch, italienisch), komponiert in Taxis, im Flugzeug, auf dem Bahnhof, in Hotelhallen und studiert Partituren groessten Umfanges innerhalb weniger Tage. Er macht sich lustig bei seinen Freunden ueber seine scheinbar knappen Vorstudien, und zerrt an ihren Nerven in ihrer Angst, dass er auf dem Podium seiner Aufgabe nicht gerecht werden koennte. Neben seiner Dirigententaetigkeit hat er als Komponist einige der versprechendsten Kompositionen der letzten 10 Jahre geschaffen (2 Symphonien, 1 Violinwerk, 1 Kurzoper, 3 musicals, 2 Ballets) . Daneben verliert sich fast seine Begabung als Klaviervirtuose und er koennte wahrscheinlich ein grosser Solist sein, wenn er sich dazu genuegend Zeit nehmen koennte. (Ravels- Klavierkonzert in G-Dur brachte er in der Carnegie Hall in New York nach 5-monatlichem Aussetzen und 5-stuendiger Uebung, das Or- LEONARD BERNSTEIN ehester vom Klavier aus dirigierend) . Damit nicht genug, lehrt er Musik an der Brandeis-Universitaet, haelt musikalische Vorlesungen fuer die Ford- Foundation, welche auch auf Platten aufgenommen werden, und veranstaltet Konzerte fuer die Jugend mit musikalischen Er laeuterungen. Musik war nicht sein einziges Talent, denn er war brilliant in jedem Schulfach. Stundenlang spielte er ohne aufzuhoeren am Klavier alles von Bach bis Ravel bis zum einfachsten Schlager. Als Bernstein als 16-jaehriger zum ersten Mal ein Symphoniekonzert von Serge Koussevitzky hoerte, war sein einzigster Kommentar: “Ich beneide ihn so sehr”. Sein Vater sah ein, dass dieser Junge ein geborener Musiker sei, doch als in seiner Erinnerung die ihm wohlbekannten aermlichen Gestalten juedischer Musikanten in den russischen Ghettos auftauchten, ueberkam ihm ein Schaudern vor der Zukunft seines Sohnes. Trotzdem sollte es ihm nicht gelingen, seinen Jungen davon abzubringen. Nach einem allgemeinen Akademie-Studium in Harvard konnte er sich nur durch Stundengeben aufrecht erhalten bis ihn eines Tages zufaellig Fritz Reiner, damals Lehrer in Philadelphia, am Klavier hoerte und ihn als Musikstudent in seine Dirigentenklasse aufnahm. Es war jedoch der verstorbene, grosse Dirigent der Bostoner Philharmoniker Serge Koussevitzky, der danach sein musikalischer Beschuetzer werden sollte und ihn nach Tanglewood nahm, wo er schon im gleichen Jahr Sensation erregte. Koussevitzky, selbst ein Jude, bat Bernstein, seinen “unwirksamen” Namen zu veraendern, damit sein Erfolgsweg nicht durch Antisemitismus gestoert werden koennte. “Ich gehe meinen Weg als Bernstein, oder ueberhaupt nicht” war seine knappe Antwort. Drei Jahre spaeter ereignete sich der anfangs geschilderte Zwischenfall mit Bruno Walter, es folgten Einladungen zum Dirigieren aller grosser Orchester der Welt und seine Ernennung zum “Outstanding Young Man of The Year” durch die nordamerikanische Handelskammer. 30-jaehrig war er schon ein grosser Name in der nordamerikanischen Musikwelt. Er gab in Israel 40 Konzerte in 60 Tagen und wurde als musikalischer Messias gefeiert. Danach raste er durch USA, gab 25 Konzerte in 28 Tagen, als es ploetzlich mit seinen Kraeften und Nerven zu Ende war. Bernstein setzte viele Monate aus und zog sich nach Mexico zurueck, wo er eine Chilenin, Felicia Montealegre heiratete. Trotzdem er einmal schon unter den Folgen einer Ueberarbeitung zu leiden hatte, laesst ihm seine Energie keine Ruhe und er hat bis zum heutigen Tage weder sein Arbeitstempo noch seine weitverzweigten Taetigkeiten verringert. Erst die kuerzlich erfolgte Ernennung zum Nachfolger von Dimitri Mitropoulus als Leiter und erster Dirigent der N. Y. Philharmonie koennte eine groessere Konzentration seiner Talente auf einem speziellen Gebiet zur Folge haben. Unzweifelhaft wird seine hervorragende . Orchesterfuehrung oft durch gewisse Podiumallueren ueberschattet. Er gebraucht nie einen Stock, verlaesst sich allein auf den Ausdruck seiner Hände und Vibration seines Koerpers. Nach einem Aufsehen erregenden Konzert bemerkte ein Zuschauer trocken: “Es war heute Abend wirklich eine Schande, denn der Komponist war unfaehig die Absichten des Dirigenten Bernstein auszufuehren”. Wahrscheinlich aber folgt er doch getreuer den Absichten der Komponisten als sein etwas theatralisches Auftreten vermuten laesst. Sein Stil ist besonders effektiv in moderner Musik, deren komplexen Rythmus er tiefer fuehlt als die ernstere Linie der Klassiker. Sein Schicksal als Komponist ist kurios, denn wenn der Dirigent Bernstein nicht dem Komponisten Bernstein zu Hilfe kommen wuerde, wuerden seine ernsten Kompositionen nicht gespielt werden. Immer wieder draengen seine Freunde auf ihn ein, dass er sich fuer eine seiner Karrieren entscheiden soll und da keiner ihn als Konkurrenten haben will, reden ihm die Komponisten zum Dirigieren und die Dirigenten zum Komponieren zu. Bernstein jedoch erklaerte, dass er zwischen seinen Lieblingsbeschaeftigungen nicht auswaehlen will und seinen Weg als kuenstlerischer Poly g a m i s t aufrecht zu erhalten gedenke. Es wuerde ihn zu Tod langweilen, wenn er, wie es Toscanini tat, den Rest seines Lebens verbringen muesste, die im Grossen und Ganzen immer Wiederkehr enden Partituren von Neuem zu studieren. Dies ist der bisherige Weg Leonard Bernsteins, der, nach dem durch Flugzeugabsturz verursachten Tod des Toscanini- Schuetzlings Guido Cantelli wohl der vielversprechendste junge Dirigent unserer Zeit ist. HELMUT HERZFELD. de w. /. z. o. Wir haben kaum unsere Winterarbeit aufgenommen und stehen schon inmitten einer Fuelle von Arbeit, die die Mithilfe aller Wizoschwestern erfordert. Dieses Mal gilt es, den 10. Jom Haazmauth wuerdig zu gestalten. Wir sind bemueht, alle Chaweroth an der Freude teilnehmen zu lassen, die unsere Medinath erfuellt und ihnen das stolze Gefuehl zu vermitteln, das uns alle in dieser Zeit bewegt. In Gemeinschaft mit unserer Gemeinde, der Sociedad Cultural Israelita, und der Liga de Damas bereiten wir einen grossen Ball fuer den 26. April vor, zu dem viele Darbietungen und Ueberraschungen vorbereitet werden. Der ausserordentlich bescheidene Eintrittspreis wird es Jedem ermoeglichen, an diesem Ball teilzunehmen, der uns fuer einige frohe Stunden zusammenfuehren soll, in denen wir diesen bedeutungsvollen Jom Haazmauth feiern werden. Eine zweite Veranstaltung aus diesem Anlass wird ein Teenachmittag am 8. Mai sein, fuer den sich liebenswuerdigerweise Herr Dori als Redner zur Verfuegung gestellt hat. Zu diesem Tee laden wir die Chaweroth aller Gruppen ein und hoffen, dass ein solches Treffen auch dazu beitragen wird, die Chaweroth der verschiedenen Gruppen zusammen zu fuehren. Nur in gemeinsamer Arbeit koennen wir wirklich Grosses leisten. Wir muessen in diesem Jahr unsere Anstrengungen verdoppeln, und wir freuen uns, allen Wizoschwestern und Wizofreunden ueber unsere Aufgabe einige wichtige Mitteilungen machen zu koennen. Die Federación Wizo de Chile hat die Verantwortung fuer das neubegruendete Babyheim in Shikun Gimel im oberen Galil uebernommen. Der Bau ist beendet, es fehlen aber noch einige Inneneinrichtungen und bis diese nicht beendet sind, soll das Heim nicht bezogen werden. Man hofft, dass diese, sowohl wie die Fertigstellung der Moebel, in Kuerze vollendet sind, um die Babys, die heute noch in der alten Maabarah untergebracht sind, in dieses neue und moderne Heim ueberfuehren zu koennen. So wird der Name der Wizo in Chile mit einem Zentrum verbunden sein, in dem Kinder aus Familien, die heute noch in den bescheidensten Verhaeltnissen leben, heranwachsen sollen. Zu den orientalischen Familien in Shikun Gimel sind in letzter Zeit auch europaeische Familien hinzu gekommen die in groesserer Zahl ins Land gekommen sind und die Notwendigkeit, die Beduerftigsten unter ihnen zu betreuen, waechst von Tag zu Tag. Mit der Uebernahme der Sorge fuer dieses Heim beteiligt sich die Federación Wizo intensivst an der umfassenden Arbeit unserer grossen Organisation in Medinath Israel. Jede juedische Frau muss stolz sein, an diesem schoenen Werk mitarbeiten zu koennen und jede Chawerah wird uns beipflichten, dass wir unserer Aufgabe nur gerecht werden koennen, wenn jede juedische Mutter, die ihrem eigenen Kind die bestmoeglichste Pflege angedeihen laesst, daran denkt, dass unsere Kinder in der Medinath Israel ebenfalls dieser Pflege beduerfen. Das Centro Henrietta Szold bemueht sich, durch Fertigstellung huebscher Handarbeiten, ihren Chaweroth Gelegenheit zu geben, schoene Geschenke zu erwerben. Flor de la Wizo ist eine Freude fuer den Gebenden und Empfangenden. Und lasst Wizo teilnehmen, wenn es in Euren Familien Veranlassung zur Freude gibt. Helft uns Helfen! PROGRAMM Gruppe Henrieta Szold. Donnerstag, 24 April 58. nachm 5 Uhr. Donnerstag, 8. Mai 58. nachm 5 Uhr. Gruppe Golda Meir. Montag, 28. April 58. abends 9 Uhr. Montag, 12. Mai 58. abends 9 Uhr. Gruppe Hanna Melsel. Dienstag. 29. April 58. nachm 5 Uhr. Dienstag, 13. Mai 58. nachm 5 Uhr. Gruppe Vera Weizmann. Dienstag, 22. April 58. nachm 5 Uhr. Dienstag, 6. Mai 58. nachm 5 Uhr. Gruppe Ahawah. Mittwoch, 23. April 58. nachm 5 Uhr. Mittwoch, 7 Mai 58 nachm 5 Uhr. Gruppe Hanna Steiner. Montag, 21. April 58. nachm 5 Uhr. Montag, 12. Mai 58. nachm 5 Uhr. Israels Musik im Wandel der Zeiten. Frau Margot Lande. Tee fuer alle Gruppen. ¡Es spricht Herr Matatjahu Dory: 10 Jahre Israel. Kopernikus und seine Welt. Frau Herta Tichauer. Mein Besuch beim amerikanischen Judentum. Herr Rabbiner Egon Loewenstein. Plauderei ueber Spionage. Frau Hilde Sachs. Chilenidades. Frau Lene Back. Ueber die Kleidung. Frau Else Rothschild. Die spanische Ballade. Frau Else Gans. Erinnerungen aus Israel: Tel-Aviv, Haifa, Jerusalem. Israel, einst und jetzt. Frau Ella Rabinowitsch. Rund um unseren Staatsfeiertag. Die Mikroben und wir. Dra. Irma Mainzer.