Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 4 (Abril, 1958)
- Date
- 1958-04-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Abril 1958 BOLETIN INFORMATIVO 11 BEDEUTUNG UND WIRKEN DER NATIONALEN FONDS FUER DEN AUFBAU DES STAATES ISRAEL von Herbert Freeden Zum zehnten Jahrestag des Staates ist es angebracht der Eltern zu gedenken, die das Kind Israel zur Welt gebracht haben — der beiden Nationalen Fonds — Keren Hajessod und Keren Kayemeth Leisrael. Hatten sie ihre Holle ausgespielt, als im Jahre 1948 der Staat proklamiert wurde oder bilden sie einen integralen Bestandteil der Entwicklung dieses Staates? Es war von jeher eine zionistische Forderung, das juedische Volk zu normalisieren. Vielen muss es daher “anormal” erscheinen, dass ein grosser Teil der oeffentlichen Arbeiten in Israel, wie Einwanderung, landwirtschaftliche Siedlung, Bodenentwicklung und Aufforstung von den Nationalen Institutionen durchgefuehrt werden, die zwar mit dem Staat eng kooperieren, aber keine staatlichen Behoerden sondern Instrumente der Zionistischen Organisation sind. Aber was heisst eigentlich Normalisierung? Die Souveraenitaet des Staates Israel und die Schaffung eines Staatsvolkes innerhalb seiner Grenzen hat Israel zu einem Land gemacht “wie die anderen auch” und fast zwei Millionen Juden innerhalb seiner Grenzen fuehren, was ihre Stellung dem Staate gegenueber anbelangt, ein “normales” Leben. Aber es waere weit gefehlt zu behaupten, dass mit der Schaffung des Staates Israel das gesamte juedische Volk “normalisiert” worden waere. Politische, soziologische, historische und andere Gruende lassen die Mehrheit des juedischen Volkes nicht nur heute, sondern fuer unabsehbare Zeit ausserhalb der Grenzen des Staates. Der Status der russischen Judenheit ist trotz der Existenz von Israel nicht “normal”, und wenn wir das Vorhandensein einer Diaspora, gleichgiltig unter welchem politischen Vorzeichen als eine Ausnahme- Erscheinung im Leben eines Volkes betrachten, so duerfte auch in diesem Sinne die Existenz der amerikanischen und anderen westlichen Judenheiten nicht “normal” sein. Es ist deshalb klar, dass Israel Institutionen bewahren muss, die bei anderen Voelkern keine Lebensberechtigung haben. Die Psychologische Aufgabe jener Instrumente besteht darin, den Zusammenhang zwischen der Nation in Israel und dem juedischen Volke ausserhalb seiner Grenzen zu bewahren, und zwar gerade auf dem Gebiet, das heute im Brennpunkt der gesamten juedischen Arbeit steht — dem Aufbau Israels. Und auch hier beginnt die historische Mission der Nationalen Fonds seit der Staatswerdung. Die Zeit vor 1948 braucht hier nicht ausführlich behandelt zu werden. Niemand wird dem Keren Kayemeth und dem Keren Hajessod absprechen, dass sie in jenen Jahrzehnten die Traeger der Verwirklichung des “Juedischen Staates Unterwegs” gewesen sind. Wie diese beiden Fonds Palaestina durch praktische Arbeit so entwickelt hatten, dass die politische Moeglichkeit den Staat auszurufen gegeben war, gehoert heute zum allgemeinen Geschichtsgut. Seit fast 50 Jahren vor der Staatswerdung hatte der Keren Kayemeth durch Bodenkauf in fast allen Teilen des Landes die praktische Voraussetzung fuer einen Judenstaat geschaffen, — der KKL wurde 1901 und der Keren Hajessod 1920 gegruendet — und es ist kein Zufall, dass im November 1947 als die Vereinten Nationen die Teilung Palaestinas in einen arabischen und juedischen Sektor beschlossen, die Grenze des juedischen Sektors fast identisch mit den Laendereien des KKL gezogen wurde. Und ohne den Keren Ha- 'jessod waeren jene Laendereien nicht besiedelt worden, und der neue chaluzische Typ, der gegen die Wueste kaempfte und sein Leben fuer die Verteidigung des Jischuws zu geben bereit war, entstand in neuen gesellschaftlichen Gemeinschaften und Formen, die nur auf nationalem Boden moeglich waren. Es ist von Menschen, die die historische Perspektive nicht sehen koennen behauptet worden, dass die Nationalen Fonds “Schnorrerinstitutionen” und ein Ueberbleibsel der Galuth sind. Es gibt nichts, was man nicht mit haemischen Bemerkungen in den Schmutz ziehen kann. Das, was manche im echten juedischen Selbsthass als Schnorrerei bezeichnen, ist nichts anderes als der erste grosse Akt juedischer Selbstemanzipation — die freiwillige Selbstbesteuerung fuer einen Staat, der noch nicht existierte, von Judenheiten, die geographisch weit von jenem potentialen Staat entfernt waren. Auch heute, wo dieser Staat existiert, ist diese freiwillige Steuer, die die Juden der Welt auf sich nehmen, um Israel weiter zu entwickeln, eins der drei festen Bande, die die Gola mit Israel verbinden. Das erste Band ist religioes-historisch — die zentrale Stellung Israels im Leben jeder juedischen Gemeinschaft; das zweite ist die Verbundenheit durch Familie und Freunde — d. h. die vielen naechsten Menschen, die heutzutage fast ein jeder Jude in Israel zaehlt; und das dritte Band ist das Geld in Form von Schenkungen, d. h. die Investierung der Fruechte seiner eigenen Arbeit in einem Lande, das ihm keinen persoenlichen Gewinn bringt, sondern diesen Profit der grossen Gemeinschaft und der Geschichte ueberlaesst. Im dritten dieser Punkte spielen die Nationalen Fonds eine entscheidende Rolle. Von wirtschaftlichem Standpunkt gesehen, geschah und geschieht in Israel viel was sich nicht rentiert. Hunderttausende von Armen und ungeschulten Menschen in ein Land zu nehmen, das zum groessten Teil Wueste ist, ist oekonomisch gesehen unrentabel. Siedlungen auf kahlen Bergen zu bauen und ihre Erde aus den Felsen gewinnen zu muessen, damit sie ueberhaupt Landwirtschaft betreiben koennen, ist kostspielig und wahrscheinlich ueberteuert. Aber jene hunderttausendevon Menschen waeren zugrunde gegangen, waeren sie nicht nach Israel gekommen und jene Berge, bleiben sie leer des Juedischen Staates 14. Mai 1948 und unbebaut, wuerden die Sicherheit des Staates gefaehrden und ein ideales Gebiet fuer Infiltranten von der nahen Grenze bilden. In anderen Worten — fuer den Aufbau Israels ist nicht nur der oekonomische Faktor massgebend — historische, psychologische, politische und Sicherheitsfaktoren sind nicht weniger entscheidend. Kein privater Unternehmer haette sich leisten koennen, Doerfer in der Wueste aufzustellen, einfach weil er nicht zehn und zwanzig Jahre warten kann bis die Felder Ernte geben und die Gaerten Fruechte tragen. Nur die Nationalen Fonds, die diesen Rentabilitaetsfaktor nicht kurzfristig, sondern langfristig sehen, koennen an diese Investitionen auf geschichtliche Perioden hinaus, herangehen. Es sind gerade solche Investitionen, die das juedische Volk von den Nationalen Fonds erwartet und verlangt. Es ist oft gefragt worden, warum der Staat nicht die Aufgabe der Nationalen Fonds uebernimmt. Selbst Kreise, die die historischen Leistungen des Keren Kayemeth und des Keren Hajessod nicht leugnen, geben zu bedenken, ob deren weitere Existenz nach der Staatswerdung notwendig war und ist. Wenn schon das Argument nicht allein ausreicht, dass jene Fonds eine der festesten Bruecken zwischen der Gola und dem Staat bilden, wenn es nicht genuegt, dass sie von der Diaspora aus gesehen, die Instrumente des juedischen Volkes in aller Welt sind, um jeden einzelnen Juden die Moeglichkeit zu geben, am Aufbau Israels beizutragen, so gibt es vom Staat aus gesehen andere Gruende fuer ihre Weiterexistenz. Der Staat ist verantwortlich fuer die Sicherheit und das Wohlergehen seiner Buerger. Kann er verantwortlich sein fuer eine staendig steigende Menschenzahl, die doppelt und dreifach die Zahl seiner ursprünglichen Bevoelkerung uebersteigt? Was waere in den Vereinigten Staaten geschehen, wenn im Laufe der letzten 10 Jahre seine Einwohnerschaft von 150 Millionen auf 400 Millionen angewachsen waere? Was fuer wirtschaftliche Konsequenzen haetten sich daraus fuer die ganze Welt ergeben? Und Amerika ist reich, seine Bodenschaetze sind voll ausgenutzt, seine Landwirtschaft ist in der Bluete und Industrie hoch entwickelt. Was waeren die Folgen gewesen, fuer jeden anderen Staat, wenn sich proportioneil eine solche Flut in ein Land ergossen haette, in dem nur ein Fuenftel der Bodenflaeche kultiviert ist, ein Land, das sozusagen nur mit 20% der Kapazitaet seiner Kraft arbeiten kann? Genau diese Situation besteht in Israel, wo auch heute noch % des Bodens brach untefr Sand und Steinen liegt, und wo die Bevoelkerung von 600.000 auf fast 2 Millionen angewachsen ist. Der Transport jener Menschen nach Israel und ihre Absorbierung im Lande kann nicht allein eine Aufgabe des Staates sein. Wenn es in Nordafrika Pogrome gibt oder wenn eine orientalische Judenheit gefaehrdet ist, und Juden aus Aegypten oder Ungarn fluechten muessen, so geht es die Juden in Amerika, Europa und Australien genau so an, wie die Israelis, und jeder Teil des juedischen Volkes in der Diaspora hat genau so fuer dieses Rettungswerk und Rehabilitierungswerk aufzukommen wie die Buerger Israels — ja mehr noch. Denn die Buerger Israels teilen mit den Einwanderern die Erziehung ihrer Kinder und ihre Arbeitsplaetze, und sie zahlen mit ihren Steuern fuer die Erziehung ihrer Kinder und fuer ihre aerztliche Versorgung. Die Nationalen Fonds geben den Juden in der Welt das Recht und die Pflicht ihren selbstverstaendlichen Anteil an diesem Rettungswerk und Aufbauwerk zu leisten. Diese Konzeption hat nichts mit Wohltaetigkeit zu tun, sondern mit nationaler Solidaritaet. So jedenfalls fassen sie die Buerger Israels auf. Allerdings fragen sie sich — und andere, in wie weit es berechtigt ist, dass auch von Israelis erwartet wird, sich finanziell an der Geldaufbringung fuer die Fonds zu beteiligen. Hier gibt es Stimmen, die sagen, dass die Israelis durch direkte und indirekte Steuern und andere Abgaben fuer den Staat das ihre — und mehr als das — zum Aufbau des Landes beitragen und dass die Geldaufbringung der Fonds auf das juedische Volk ausserhalb der Staatsgrenzen beschraenkt sein muessten. In dieser Auffassung steckt zweifellos sehr viel Logik. Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, dass diese Fonds die finanziellen Instrumente der zionistischen Bewegung sind, und dass man Israelis nicht das Recht absprechen kann, aktive Mitglieder dieser Bewegung zu bleiben. Die Arbeitsteilung zwischen dem Keren Kayemeth und Keren Hayessod ist klar und unmissverstaendlich. Der KKL kauft das Land, bereitet es fuer Siedlung durch Urbarmachungs-und andere Landgewin nungsarbeiten vor und der Keren Hayessod bringt die Menschen hin und errichtet die Wirtschaften, Farmen und Doerfer. Was haben die Fonds seit 1948 geleistet? Der Keren Hayessod hat seit 1948 den Magbith 520 Millionen Dollar aufgebracht, waehrend durch die Jewish Agency, deren Finanzinstrument er ist, fuer Einwanderung und Siedlung in der gleichen Zeit 830 Millionen' Dollar ausgegeben wurde. U e b e r 950.000 Einwanderer sind seit Staatsgruendung ins Land gekommen, 450 landwirtschaftliche Siedlungen sind gegruendet worden, die bebaute Flaeche ist von 1 Million auf 4 Millionen Dunam angewachsen, und der Realwert von Israels landwirtschaftlicher Produktion ist um 300% gestiegen. Judenheiten aus 47 Laendern haben finanziell zu diesem Ergebnis beigetragen. Nicht weniger dramatisch sind die Leistungen des KKL im ersten Jahrzehnt von Israels Staatswerdung. Um die richtige Perspektive zu deren Beurteilung zu finden, muessen wir uns vor Augen halten, dass saemtliche landwirtschaftliche Boeden in Israel jetzt bereits voll ausgenutzt sind und dass, um die landwirtschaftliche Produktion fuer die immer groesser werdende Bevoelkerung zu steigern, Boden neu “geschaffen” werden muss. Darin liegt die Bedeutung der Landurbarmachungsarbeiten des KKL. Ein Fuenftel der gesamten Flaeche, die gegenwaertig bestellt und bebaut wird, ist seit 1948 dufch verschiedene Landverbesserungsarbeiten des Fonds neu gewonnen worden — sei es durch Entsteinung und Terrassierung, sei es durch Entsumpfung und andere Ameliorierungswerke. Allein im Huletal sind 60,000 Dunam aus einem malaiaverseuchten Sumpf in landwirtchaftlichen Boden verwandelt worden. In den Bergen, und zwar in besonders exponierten Grenzgebieten sind fast 200,000 Dunam urbar gemacht und somit die Moeglichkeit geschaffen worden, diese bisher leeren Laendereien zu besiedeln. Ueber 300 Millionen Baeume sind seit Staatsgruendung gepflanzt worden und zwar nicht nur als Waeider in den Bergen, sondern auch im Negev als Schutz - guertel um Felder, als Alleen an den Strassen, als “Anker” fuer wandernde Duenen usw. Ueber 5 Millionen Arbeitstage (Fortsetzung Seite 12) Der Proklamierungsakt 5. Ijar 5708 - ti f fi ia