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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1958-03-01 · 3 (Marzo, 1958) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XX (1958)
Issue
3 (Marzo, 1958)
Date
1958-03-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Marzo 1958 BOLETIN INFORMATIVO 7 Aufschluss ueber den Anschluss von Hans Kaufmann “Europa: Zusammenschluss oder zusammen Schluss!”, mit diesen Worten umriss bereits nach Kriegsende der geistreiche Conferencier Werner Fink die dramatische Alternative des alten Kontinents, waehrend die fuer sein Schicksal verantwortlichen Staatsmaenner erst 1949, mit der Einberufung des Europarates in Strassburg den ersten, recht zaghaften Schritt in dieser Richtung gingen. Unwillkuerlich draengt sich bei der Erinnerung daran eine Paraphrase zum Goethe-Wort auf: “Ich hab' es oefters ruehmen [hoeren, Ein Komoediant koennt’ einen [Staatsmann lehren”. “Ja, wenn der Staatsmann ein Komoediant ist, Wie das denn wohl zu Zeiten [kommen mag". Betrachtet man aber einmal allen Ernstes die tatsaechlichen Schwierigkeiten, die sich dem freiwilligen und freien Zusammenschluss mehrerer Staaten mit verschiedener Wirtschaft, sozialer Schichtung, Tradition, Sprache, Verfassung, Mentalitaet und Interessen widersetzen, so versteht man natuerlich ohne Weiteres, warum der Prozess der Integration eines Kontinents wie im Falle Europas nur im Schneckentempo vorangeht oder wie bei Lateina m e r i k a ueberhaupt noch nicht aus dem Stadium der frommen Wwensche heraustreten konnte. In beiden Faellen handelt es sich um eine kategorische Notwendigkeit: fuer Europa, um die Reste einer grossen Vergangenheit zu retten, die vor dem Ansturm der beiden jungen Kolosse noch zu retten sind; fuer Lateinamerika, um fuer die “unterentwikkelten” Voelker des Kontinents den grossen Platz am gedeckten Tisch zu reservieren, an dem keine zwanzig kleinen Plaetze mehr frei sind. Aber wie lange es dauern wird, bis dieser Imperativ erfuellt sein wird, das vermag niemand vorauszusagen. Jahre? Generationen? Diktatoren haben es darin einfacher. Denn schliesslich faselten schon der Braunauer und sein roemischer Spiessgeselle von “Neuordnung im Europaeischen Raum” und von der “Einigung Europas”, wenn auch nur, um ihre jeweiligen Angriffshandlungen zu beschoenigen und zu bemaenteln. Tatsaechlich war es ihnen so gelungen, in dem Moment, als die deutschen Heere an den Pyrenaeen und vor Stalingrad, bei Narvik und auf Kreta standen, Europa zu “einigen”. Auf ihre Art. Es ist daher gut, den manchmal in Vergessenheit geratenden Unterschied zwischen “Einigung” und “Einigung”, zwischen “Zusammenschluss” und Anschluss” zu klaeren, bevor man an die Betrachtung der Integration von Aegypten und Syrien in die neue “Vereinigte Arabische Republik” (VAR), der sich nun auch der Jemen angeschlossen hat und der Verbindung von Irak und Jordanien in die “Arabische Foederation” (AF) herantritt. Dies hat wohl auch die “New York Times” getan, als sie vor einigen Tagen in einem Leitartikel, ihren ansonsten sehr gemessenen Formulierungen und Gepflogenheiten zum Trotz, eine Parallele zwischen Hitler und Nasser zog. Der Gedankengang ist zwar nicht neu, aber wert, aufgenommen und vervollstaendigt zu werden; im Uebrigen erfordern es die letzten Ereignisse Fehlbeurteilung des Diktators berlain und Halifax Die Geschichte wiederholt sich zwar nicht, aber wenn nicht alles truegt, befindet sich hier jemand auf dem Wege nach seinem Danzig. An und fuer sich haette es gamicht notwendig sein sollen, den Ungeist des braunen Moerders heraufzubeschwoeren, um den wahren Hintergrund der Bildung der VAR zu enthuellen. Eine Analyse der Nahost-Probleme und Machtverhaeltnisse, von N a s s e r s Machtrausch, russischen Quertreibereien und nordamerikanischen Oelintrigen, von der Polaritaet der Araber in einem pro-westlichen und einem prosowjetischen Kraftfeld; all dies haette fuer sich allein genuegt, um aufzuzeigen, dass es sich bei der Gruendung der VAR um einen Anschluss Syriens durch Aegypten und bei dem westlichen Gegenzug, der Gruendung der AF, zu einem Anschluss Jordaniens durch den Irak handelt. Das Wort “Zusammenschluss” fuehrt zu einem Trugschluss, oder gleich zu mehreren. Trotzdem akzeptiert die grosse demokratische Presse geduldig und allen Ernstes die offiziellen Versionen. Demokratische Staatsoberhaeupter entsenden die protokollarischen Glueckwunschkabel an Nasser. Und in den bewussten “gut informierten” Kreisen in Washington verlautet, man verspreche sich unter Umstaenden von Nassers Herrschaft ueber Syrien eine Abbremsung der radikalsten prodirekt. Eine stichwortartige Gegenueberstellung der beiden finsteren Gestalten wuerde “nach dem heutigen Stande der Wissenschaft” ungefaehr folgendermassen aussehen: Und es sollte auch nicht der geringste Zweifel bestehen, dass er zum gegebenen Zeitsowjetischen Offiziere und Politiker. Und einstweilen ist man natuerlich geneigt, abzuwarten. Jawohl: abzuwarten, denn die Dinge sind ja noch nicht schlimm genug. Andererseits ist in ausgesprochen gutgesinnten Kreisen, so u. a. von demokratischen Senatoren in Washington und selbst in Israel die etwas leichtfertige Hoffnung ausgesprochen worden, die aegyptisch-syrische Union sei nicht fuer lange Zeit. Nun ist es zwar gewiss moeglich, dass ein Staatsstreich in Damaskus oder sonst ein innerer oder aeusserer Anlass das neugekittete Staatengebilde wieder auseinanderbrechen laesst. Aber auf welche Unterlagen diese frommen Hoffnungen begruendet sind, ist von ihren Autoren im Allgemeinen nicht vorgebracht worden. Sie haben bestenfalls angefuehrt, dass es dem wohlhabenderen Syrien nicht konvenieren kann, seine Wirtschaft mit der des elenden Aegypten zu vereinen. Das ist wohl richtig, braucht aber noch lange nicht ausschlaggebend zu sein, besonders da die Schichten, die von diesem relativen Wohlstand hauptsaechlich pro fitieren (Industrielle, Kaufleute, u. s. w.) politisch nicht sehr «influssreich sind, wenn sie auch mehr als 0,1% der Stimmen aufbringen duerften, die ihnen die Fachleute fuer “Volksaufklaerung und Propaganda” grosszuegig zugestehen. punkt fuer seine diesbezueglichen Ansprueche auf Verstaendnis stoesen wird, bei Foster Dulles, der alles versteht, bei Hammarskjold, der alles verzeiht und bei Selwyn Lloyd, fuer den der Teilungsplan der NU von 1947 noch heute ein Bibelwort darstellt. Naguib Ein weiteres Argument zielt auf die territoriale Zerrissenheit der VAR. Seine Autoren ■vergessen dabei zwei Um- 'staende. Der eine ist das Vorbild Pakistan, ein Staat, dessen zwei Provinzen und zwei Hauptstaedte noch weiter voneinander entfernt sind und obendrein getrennt durch das maechtigere und feindselige Indien. Oder dass viele Staaten entscheidenden Einfluss und selbst Oberhoheit ueber ferne Gebiete ausueben, soweit es sich um Kolonien handelt und dass es sich ja schliesslich erst heraussteilen wird, ob nicht Syrien das Schicksal einer aegyptischen Kolonie erwartet. Denn eine Sache hat Syrien in den knappen anderthalb Jahrzehnten seit dem durch die Englaender erzwungenen Abzug der Franzosen (oh, wie bitter, ironisch und schnell raechen sich manche Suenden), zwischen Putsch und Staatsstreich und zwischen Staatsstreich und Putsch bewiesen: die Unfaehigkeit, sich selbst zu regieren. Wichtiger noch ist aber der zweite Umstand, der den Nachteil der gebietsmaessigen Zerrissenheit in einen Vorteil, die Schwaeche in einen Trumpf verwandeln kann. Er besteht naemlich in dem Argument, den dieselbe fuer Nasser zugunsten der Errichtung einer Landbruecke abgeben wird. Er hat Israel und Jordan zu seinem “polnischen Korridor” gemacht und irgendwo in Jordan oder Israel liegt sein Danzig. Die Vorsicht scheint also zu gebieten, besser mit einer gewissen Dauer der VAR zu rechnen als mit ihrem baldigen Zusammbruch. Gewiss, eines Tages wird sich Nasser das Genick brechen, so sicher wie zwei mal zwei vier ist. Aber bis dahin stellt er eine gewaltige Bedrohung des Friedens in der Region und in der ganzen Welt dar. Zu dieser Bedrohung gehoert unter anderem, dass er nunmehr durch die Kontrolle des Suez-Kanals und der Oellinie nach Baniyas und Tripoli praktisch die gesamte Treibstoffversorgung Europas unterbinden kann. Wann er will oder wann man ihm dies —aus Moskau befiehlt. Er hat Europa an der Gurgel. Wenn man das eigentlich dort auch nur mit einer gewissen Gleichgueltigkeit zur Kenntnis genommen hat; einer Gleichgültigkeit, die fuer sich allein eine weitere Bedrohung der freien Welt darstellt. Mit der einzigen bisher erfolgten Gegenmassnahme, der Bildung der koeniglichen AF, hat der Westen der aegyptischsyrischen Verbindung zu Lande einen Riegel vorgeschoben. Wenngleich unerfreulich fuer Israel, so muss doch zugegeben werden, dass der Schachzug richtig war und einer Einbeziehung des ohnehin nicht lebensfaehigen Jordanien in die VAR Nassers bei weitem vorzuziehen. So kommt es, dass man in Jerusalem gegen das Einruecken irakischer Truppen ins Jordanland, das man noch vor einem Jahr durch ein Ultimatum vereitelte, sich mit einer nordamerikanischen Garantie begnuegt haben soll, die, falls sie ueberhaupt existiert, nicht mehr wert sein kann als das Papier, auf dem sie geschrieben ist. So wenig sicher fuehlt man sich naemlich in Washington und London der Treue und Anhaenglichkeit der beiden Koeniglein von Bagdad und Amman, dass man anlaesslich der Foederation den Austritt Iraks aus dem Bagdad-Pakt nicht nur befuerchtete, sondern auch bereit war, in Kauf zu nehmen. Dass er trotzdem noch nicht erfolgt ist, duerfte weniger auf die Verteidigungsbereitschaft des Irak zurueckzufuehren sein, als auf den Wunsch, im Rahmen des Paktes unter den Verbuendeten weiter gegen Israel zu hetzen. Nach dem klaeglichen Schauspiel der Angora - Konferenz darf man annehmen, dass der ganze Pakt fuer nicht viel mehr gut ist; zumindest, was den Irak anbetrifft. Abschliessend muss trotz allem festgestellt werden, dass sich bei dem ganzen Theater von Vereinigungen und Foederationen das Kraefteverhaeltnis im allgemeinen und die Sicherheitslage Israels im besonderen nicht grundlegend und radikal geändert hat. Denn schliesslich waren die jetzt zusammengeschlossenen Staaten auch vorher engste Verbündete untereinander und weltpolitisch im Schlepptau Russlands die einen bezw. der Westmaechte die anderen. Man hat also jetzt mit einer Summe statt mit zwei Posten zu rechnen; der Wert ist jedenfalls fuers Erste sich gleich geblieben. Ausschaltung der “gemaessigten” Elemente (Deutschnationale, Stahlhelm) Reichstagsbrand Verbot der Opposition in Politik, Presse und Radio; Einheitspartei, Schattenparlament, Totalitaere Staatsform; Hitler, “Fuehrer und Reichskanzler” Konzentrationslager Aussenpolitische Provokationen zur Ablenkung von innenpolitischen Schwierigkeiten Pakt Ribbentrop-Molotow Rheinland-Besetzung Boykott internationaler Konferenzen (Nichteinmischungs-Ausschuss, Voelkerbund) Intensivierung der Judenverfolgung unter Vorwand der Affaire von Rath Enteignung juedischen und “feindlichen” Eigentums Hetzerische Sprache der “gleichgeschalteten" Presse; “Kochende Volksseele” in delirierenden Massenkundgebungen “Hitler-Jugend” und “BDM” Intervention in Spanien Anschluss von Oesterreich; Seyss-Inquart 99,9% Ja-Sager in den Wahlen und Volksbefragungen Druck auf die Tschechoslowakei Hegemonieplaene im Namen des “Pangermanismus” durch Cham- Absetzung von “Attentat” der moslem. Bruderschaft auf Nasser Verbot der Opposition in Politik, Presse und Radio; Einheitspartei, Schattenparlament, Totalitaere Staatsform; Nasser, Praesident und Premierminister Konzentrationslager in Unteraegypten Provokationen gegen Israel zwecks Ablenkung von Hunger, Analphabetismus, Korruption Waffenabkommen mit der Tschechoslowakei Besetzung de6 Suez-Kanals Boykott internationaler Konferenzen ueber die Suez-Krise Intensivierung der Juden - Verfolgung unter Vorwand der Sinai-Kampagne Enteignung juedischen und “feindlichen” Eigentums Hetzerische Sprache der offiziellen Presse; Paroxystische Massenkundgebungen Paramilitaerische Verbaende der maennl. und weibl. Jugend Intervention in Algerien Anschluss von Syrien; 8hukry-el - Kwatly 99,9% Ja-Sager in den Wahlen und Volksbefragungen Druck auf den Sudan Hegemonieplaene im Namen des “Panarabismus” Fehlbeurteilung des Diktators durch Eisenhower und Dulles

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