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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1958-03-01 · 3 (Marzo, 1958) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XX (1958)
Issue
3 (Marzo, 1958)
Date
1958-03-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M. rURIWWMh ■I» l&U 9909* CASHXA S487. MHmOO-CH.il MITTEILUNGSBLATT BOLETIN INFORMATIVO SO Cv IE DAD CULTURAL ISRAELITA " B ' N E JISROEL" AÑO XX N° 3 SANTIAGO DE CHILE Marzo 1958 Gegenwartsnahe Geschichte von Jehudo Gott he inter Am Ende des vergangenen Jahrhunderts setzte der Regenerationsprozess des jüdischen Volkes als eine in der Geschichte aktiv wirkende Kraft ein. Seit dieser Zeit hat Pessach als das Fest der Befreiung aus der Knechtschaft eine neue, gegenwartsnahe Bedeutung erhalten. Die Juden, zerstreut über alle Länder der Erde, haben sich zu einer einheitlichen Aktion zusammengeschlossen, um ihr Schicksal wieder selbst in die Hand zu nehmen und ihr Recht auf Leben zu verteidigen. Jahrhunderte lang waren Juden gewöhnt, anderen ihren Schutz zu überlassen. Der Zaun, den sie um ihre Lehre gezogen hatten, um sie zu erhalten, war zugleich eine Mauer, die ihre Existenz von den anderen trennte. Mit der Emanzipation der westeuropäischen Judenheiten brach diese Wand zusammen. Hierdurch wurde den einzelnen Individuen die Möglichkeit geboten, ihre Freiheit auf Kosten ihres Judeseins zu erringen; als Gesamtheit aber blieben die Juden machtlos und ohne Rechte. Herzl hat dem Volk nicht nur die alte, tief verwurzelte Idee der Wiedererrichtung eines jüdischen Staates ins Gedächtnis gerufen, er wies auch den Weg, auf welchem dieser schlummernde Gedanke Wirklichkeit werden könne. Herzl hat verstanden, dass nicht andere Völker den von ihm erträumten Judenstaat schaffen werden .auch nicht diejenigen, die hierzu besten Willens gewesen wären. Seine Forderung der Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland bedeutete nicht allein eine kulturelle und sprachliche Renaissance, sondern die Formierung eines einheitlichen politischen Willens. Denn im 19. und 20. Jahrhundert müssen geistige Bewegungen, die sich durchsetzen wollen, zugleich den Formen der politischen Umwelt angepasst sein, um mit Aussicht auf Erfolg vertreten zu werden. Nicht mehr Spielball der Geschichte zu sein, sondern das eigene Schicksal zu formen, das war das in der Welt der Wirklichkeit wirkende politische Moment, was Herzls Bestrebungen gegenüber allen anderen Versuchen der Wiederherstellung des jüdischen Staates ausgezeichnet hat. Tausendfach waren die Schwierigkeiten, die unserem Volke auf dem Wege zur Freiheit begegneten. Innere Wider- PESSACH—FEST DER FREIHEIT f ¡fcN.T'-hk. - [¿tew«»-!.,- ln alten Zeiten wurden, am Tag vor Pessach, unter Tanz und Gesang die ersten Getreide als “Omer” von einem freien Volk auf seinem freien Boden geschnitten Heute, in Israel, wurde die Zeremonie des “Omer-Schnitts” erneuert und die Siedler ziehen, zusammen mit ihren Kindern auf die Felder,,wo das erste Getreide geschnitten wird. Bei Sonnenuntergang kehrt man singend und tanzend zurueck, zum Lesen der Hagada. (Photo Kluger) stände mussten überwunden werden, die es selbst heute noch gibt. Die einen lachten, die anderen höhnten, die meisten beriefen sich auf ihre Rechte, die sie nach den Verfassungen der westereupäischen Länder besassen. Langsam verstanden die Juden, dass der Satz der Hagada “Dieses Jahr Knechte, im nächsten Jahr freie Männer” vielleicht doch nicht allein ein frommer Wunsch, ein blinder Traum, eine täuschende Hoffnung oder eben ein alter Satz der Hagada ist, der uns Heutigen nichts mehr zu sagen vermag, und den wir sprechen, weil es so nun einmal geschrieben steht und von der Tradition verlangt wird. Hineingezerrt in den Todesstrudel der Zeit mussten Millionen sterben, nur weil sie Juden waren, weil sie Knechte eines neuen, bluthungrigen Pharaos wurden, weil sie noch ein Spielball fremder Launen, brutaler Willkür und rechtlos gewesen sind. Sie haben den Ruf des eigenen Landes nicht gehört oder nicht verstanden, sie haben aus mannigfachen Gründen sich nicht zu retten vermocht und mussten untergehen, wie so viele jüdische Märtyrer gestorben waren, nur weil sie Fremde gewesen sind im weiten Aegypten, in den Ländern der Zerstreuung, in der Galut. Heute stehen wir vor einer völlig veränderten Situation. Bis vor wenigen Jahren war der Satz “Dieses Jahr hier, im nächsten Jahr im Lande Israel — dieses Jahr Knechte, im nächsten Jahr freie Männer” eine religiöse Hoffnung oder ein politisches Programm. Denn es gab die Möglichkeit nicht oder nur in geringem Masse, von einem “Lande Israel” zu sprechen. Selbst als durch die Balfour-Deklaration das Recht unseres Volkes auf Errichtung einer Heimstätte in Palästina anerkannt war, blieben die Möglichkeiten einer Uebersiedlung begrenzt. Heute dagegen stünde den Juden der Weg offen, der sie nach dem Lande Israel führt; denn Israel ist ein unabhängiger, souveräner Staat, der kraft seiner eigenen Konstitution jedem Juden in der Welt, wo immer er auch lebt, das Recht zuerkannt hat, in diesen Staat einwandern zu dürfen. Während also früher die technische Voraussetzung zur Realisierung der Forderung oder Hoffnung des “im nächsten Jahre im Lande Israel” nicht oder nicht in vollem Umfang gegeben waren, haben die Juden jetzt, erstmalig nach beinahe zweitausend Jahren, sogar ein Recht darauf, in Israel zu leben. Bei diesen Erwägungen handelt es sich durchaus nicht um theoretische Spekula t i o n e n, sondern um konkrete Fakten von einer erstrangigen politischen Bedeutung, die sofort mit der Proklamation Israels evident geworden sind. Nur wenige Wochen nach der Staatsgründung machten Hunderttausende von diesem Recht Gebrauch. Jahre hindurch war die reiche, weite Welt nicht imstande, den entwurzelten Opfern der nazistischen Hassbewegung auch nur ein Asyl zu gewähren; sie wusste keine andere Lösung, als diese Menschen in neue Lager einzusperren, sie erneut hinter Stacheldraht zu setzen und mit Maschinenpistolen bewachen zu lassen. Als die Verfolgungen im Irak einsetzten, verliessen die Juden das Land und gingen nach Israel, um am eigenen Leib zu erleben, dass sie nun freie Männer geworden waren. Ihnen waren die Juden aus dem Yemen vorangegangen und sind die aus Aegypten gefolgt. Ist damit die Weisheit und die Wahrheit jenes kleinen Hagada-Satzes erschöpft? Ist die Geschichte des Auszuges aus Aegypten nur deshalb gegenwartsnah, weil wiederum dieses Land der ärgste Feind Israels ist? Wenn wir die Tage des Pessach nutzen, um wenigstens einen kleinen Augenblick über unser Schicksal nachzudenken, werden wir finden, dass der tiefere Sinn jenes fernen Geschehens viel stärker in der (Fortsetzung Seite 13) OEEFNET DIE TORE FUER 100.000 OLIM /

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