Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVIII (1956)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1956)
- Date
- 1956-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ftCOACCIOM* 5.C. I. »'NE JfSROSX. AV. PORTUGAL» «IO. TIL 330»« CASILLA 34»T. «ANTJäGO-CHIL* S O C I P A Año XVIII — N*? 12 BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT CULTURAL ISRAELITA SANTIAGO DE CHILE B ' N I S R O E L Diciembre, 1956 GEDENKEN AN LEO B AEC K T on V Dr. * e- -Lvrtrmn Ernst Reicu,..— Waehrend unsere sorgenden GedäftUelt V®Ti dem Gescfi£- "iien f'hn und um Israel gepackt und gebundert ’waren, kam aus i-ondor die Nachricht vom Ableben Leo Ir ist am Freit»), ®!en 2. November, fuer immer von uns Man «darf und wird niemals im Judentum einen seiner -Maenner iwit “dem Manne” vergleichen, dem Begruender sei- >nes VoHcstums und seiner Lehre, dem ersten der Propheten, tmlt MoscEheih Rabbenu. Aber wie “unser Lehrer Moses” vom Berge -Nebo ihnweggenommen wurde in jenem geschichtlichen Augenblick, als sich das Volk unter der Fuehrung Josuahs zur Besitzergreifung des Landes anschickte, zum Kampfe mit der ■Waffe, so verloeschte das koerperliche Leben Leo Baecks zu •einer aehnlichen Stunde. Eine Parallele, die Jahrtausende umspannt und um die zu wissen doch nur ein Teil jener Weisheit ist, die Leo Baeck uns lehrte: dass naemlich juedisches Leben immerdar, zu allen Zeiten und an alten Orten, biblisches Leben ist, juedische Geschichte biblische Geschichte, dass die Bibel mur die Urformen ausgebildet hat der juedischen Lebensform und der juedische Mensch — bewusst oder unbewusst, frei oder gezwungen — nach diesem Gesetze zu leben hat, nach dem er angetreten Ist. Aus dem Stoffe jener biblischen Gestalten gemacht, so (erschien er uns oft. Ob dem so 'war, weil der Kern seiner Persönlichkeit sich in den; Menschen der Eibe1, wiedsrer-j liSännie und bestaetigt fuehlte j oder Cb die innige Verschir.el- ■ zung mit clr rn “Buche” ihm | diese eigerittremliche Praägupg | •verlieh, bleibt unerheblich.; Fest steht, -dass er seinen Ge- ( spraechspartner zu einer Be-! wegung zwang, die nur Worte j der “Schrift” kennzeichnen! ■und nicht der Umgangssprache,; Worte wie: Verehrung und j Ehrfurcht, Erhebung und Weii lie. i Mit den Augen des nuechternen Biographen gesehen, war er ein Rabbiner in Deutsch land, Sohn und Enkel von Rabbinern, der am 23. Mai; 1873 in Lissa in Posen geboj ren wurde, 1897, sein erstes ■ Rabbinat in Oppeln in Oberj Schlesien bezog, von dort nach , zehn Jahren, 1907, einem Rui ie der Gemeinde in Duessel- I dorf folgte und 1912 Rabbiner; in Berlin wurde, einer der vielen Rabbinern der Gross-Ge- | 'meinde Berlin. Seit diesem i Jahre lehrte er an der “Lehr-! unstalt fuSr die Wissenschaft: des Judentums”, dem Rabbi- -nerseminar, aus dem er selbst 'hervorgegangen. Der Biograph notiert, dass im Jahre 1905, noch in Oppeln, ein Buch von ihm erschien, “Das Wesen des Judentums”, und er stellt fest, ■dass dieses Buch neben vielen anderen zu Buechern zusammengefassten Veroeffentlichun- ■gen durch 50 Jahre hindurch immer wieder Neu-Auflagen •erlebte und im Jahre 1936 in London und 1948 in New York ln englischer Sprache erschien. 1922 war Baeck Vorsitzender ■des “Allgemeinen Rabbiner- Verbandes in Deutschland”, 1924 Grosspraesideht des deutschen Distriktes von B’ne Brith, 1933 Vorsitzender der Reichsvertretung der Juden ln Deutschland. ' gersohn nach London, und hier! waehlten ihn die aus Deutschland emigrierten Juden, zusammengeschlossen in den drei , Organisationen “A m e i i c a n i Federation of Jews from Central Europe” in New York,; “Association of Jewish Refugees from Germany” in Lonj don und “Irgun Olej Merkas Europa” in Jerusalem zum ■ Praesidenten ihres damals ent- 1 standenen Dachverbandes, dem i “Council of Jews from Germai ny”, dem er bis zu seinem To-! de Vorstand. Aber auch seine 1 Lehrtaetigkeit nahm er wie- ' der auf. Sechs Monate eines jeden Jahres verbrachte er in den Vereinigten Staaten von Nordamerika als Dozent am i “Hebrew Union College” in Rabbiner LEO BAECK s.A. J Am 28. Januar 1943 ging Leo Baeck den Weg nach Theresienstadt. Er, der fuer sich eine Auswanderungsmoeglichkeit von sich wies, solange Juden in Nazi-Deutschland verblieben, teilte deren Schicksal. Am 23. Mai desselben Jahres wurde er dort 70 Jahre alt. Am 8. Mai 1945 wurde er befreit. Er uebersiedelte zu seiner Tochter und zu seinem Schwie- Cincinnati. Fuenfzig Jahre lang war Leo Baeck der Erzieher von Generationen von Rabbinern. Wo heute in der Welt ueber Judentum, und nicht nur ueber liberales Judentum, gedacht, gesprochen wird, da denkt, schreibt und spricht Leo Baeck. Wo heute ein Rabbiner, und nicht nur ein liberaler Rabbiner, vor seiner Gemeinde auf der Kanzel steht, da predigt er im Geiste, im Sinne von Leo Besck. “Predigen heisst Lernen und Lehren”, so schloss er seine Antrittsvorlesung von 1912 in Berlin. Und so predigte er selbst. Niemals populaer, niemals den Menschen zu Gefallen, niemals “hinuntersteigend” zu ihnen, sondern immer sie emporhebend. Die Aufgabe der Religion — so sagt er einmal — ist nicht die, dass sie suche mit dem Tage in Uebereinstimmung zu kommen, um Menschen von heute anzuziehen, sondern sie habe umgekehrt jeden Tag, das ganze Leben durch jeden seiner Tage mit sich in Uebereinstimmung zu bringen, “die Welt zu ordnen durch das Gottesreich und nicht das Gottesreich anzupassen an die heute bestehende Welt”. Er war nicht immer leicht zu hoeren, der Stil seiner Schriften ist nicht immer leicht zu lessen, aber wem sich einmal seine Gedankenwelt aufgetan, der spuert das Ringen, das der Eroberung dieser geistigen Welt voraus gegangen. Das Wesen des Judentums — so hoert er da — ueberhaupt das Wesen der Religion, sei nicht die Annahme von dogmatischen Glaubenssaetzen. Es sei die lebendige und nie endende Auseinandersetzung mit Widerspruechen, mit Paradoxien, Spannungen, in denen der Mensch sich zu bewaehren habe. So die Spannung zwischen Gott und Mensch, zwischen Gott und Welt. Gott ist der Allerfernste, der Gott des Universums, viel zu hoch erhaben ueber einem kleinen Einzelschicksal; und ist doch der Gott meines Herzens, mein Gott, an den sich die Angst und die Qual wendet und dessen Namen sie ruft als den des immer Gegenwaertigen. Er ist der Unergruendliche und Unnennbare und doch “der Grund meines Lebens, der Name meiner Gewissheit”. Ich bin durch meine Geburt in diese Welt, in dieses mein Leben, das ich mir nicht gewaehlt habe, hineingestellt; ich bin durch meine (Fortsetzung Seite 10) BEGEGNUNGEN Freitag Abend, den 21. September 1934. Es lagen Monate schwerster weltanschaulicher Krisis hinter uns. Wir waren noch sehr jung. Die Ereignisse der letzten Zeit durchwuehlten uns tief. Grosse Teile der juedischen Jugend in Deutschland suchten einen neuen Weg, nachdem die Bindungen zu dem Land, das unserer Heimat und die unserer Eltern gewesen war, im Begriff waren zu zerreissen. Da fand sich im Logenheim in Berlin, Kleiststrasse, eine kleine Schar junger Juden, die zusammenkamen, um ueber ihre geistige und seelische Situation nachzudenken. Mit uns, um uns zu helfen, ist der Berliner Rabbiner Dr. Leo Baeck. Fuer uns, die wir aus der Provinz kommen, ist er noch kein Begriff. Schabbatlichter, Schabbatmahl schaffen die Schabbatstimmung. Dann von RÀB&lNËR è. LÔEWENSTEIN Am Schabbat nach déc SchTw’a u.71 Rabbiner Dr. Leo Baeck wurde der Thoraabschnitt “Jacob zog aus,r Tri bei', ßethaeusern Israels VèNeSÇn. Der Abschnitt beginnt mit den Worten: "Jaöotrzog aus von Beêf Schewa und wanderte nach Charan”. Zu dem Wort “zog auä” sagt Raschi: Es' war picht noetig, dies zu schreiben, sondern nur “und wanderte nach Charan”. Warum wird des Auszuges gedacht? Weil dies lehrt, dass der Auszug eines Gerechten aus dem Ort ein Merkmal schafft. So lange der Gerechte in der Stadt weilt, ist er ihr Glanz, ihre Zierde, Ihre Pracht; zieht er von dort weg, dann schwindet Ihr Glanz, ihre Zierde, ihre Pracht”. Leo Baeck gehoerte nicht einer Stadt und nicht einem Land. Er gehoerte dem juedischen Volk. Er ist mit seinem Leben zum Symbol des Geschichtsweg Israels geworden. Er durchlebte Krisis, Zerstoerung, Wiederaufbau. Zweimal durften wir In seiner Naehe sein, ln der Stunde der Krisis und in der Stunde des Wiederaufbaus. steht er auf und spricht in der ihm eigentümlichen Weise. Bedaechtig, Satz fuer Satz praegend. Man spuert, jeder Gedanke, jede Formulierung ist das Ergebnis eines langen Ringens. Nichts ist dogmatisch, nichts fertig. Da spricht einer, der gewohnt ist, zu jungen Menschen zu reden und der bereit ist, ihnen in ihrer Not zu helfen. Das Wort fliesst nicht leicht von den Lippen. Er spricht nicht in Schlagworten. Er ist gleich uns ein Suchender. Und doch ein Mensch, der aus der Fuelle eines universalen Wissens schoepft. Ihm steht das Ziel schon vor Augen. Das ewige Ziel des ewigen Israels. Aber der Weg muss erst gefunden werden. Von ihm hat ein anderer Weiser in Israel - Ismar Ellbogen s.A.-gesagt: “Er ist der gebildetste Mann in Europa”. Mir ist nicht mehr viel ge- (Fortsetzung Seite 7)