Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVIII (1956)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1956)
- Date
- 1956-09-01
- Page
- Seite 16 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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10 BOLETIN INFORMATIVO Septiembre, 1956 ZEITGENOESSISCHE PARALLELEN Seit den Tagen des Untergangs der Schickelgruber und Djugaschwili hat die Welt nicht mehr solch “schlagartig” sich ueberstuerzende Ereignisse mitgemacht wie jetzt. Fast jeder Tag bringt Ueberraschungen mit der Morgenzeitung an den Fruehstueckstisch. Ueberraschungen nicht nur fuer den Zeitungsleser, sondern, wie dieser oft mit Staunen feststellen muss, vor allem fuer die westlichen Staatsmaenner. Sie haben einen Zauberkuenstler belebt, diesmal nicht an der Spree, sondern am Nil und er ist auch kein grosser Gangster, sondern nur ein kleiner Gangster, aber es sieht ganz so aus, als sei ihnen das “in die Ecke Besen, Besen, seids gewesen” wiederum entfallen. Im Moment, da diese Zeilen geschrieben werden, schleppt er fleissig Wasser und Wasser herbei, der Suez-Kanal schlaegt Wellen, er droht, es bei Aswan zu stauen, ganz Oberaegypten zu ueberschwemmen, vielleicht den gesamten Mittleren Osten, vielleicht ganz Afrika. Niemand scheint ihm Einhalt zu gebieten. Kuebel, Stroeme. Stauseen von Wasser schleppt er an, kehrt wieder und wieder zurueck, unbeirrbar, hoechstens noch etwas... Nasser. SCHICKELGRUBER — NASSER An der Tatsache, dass der kleine Gangster den grossen Gangster imitiert und zwar hoechst erfolgreich, zweifelt heute kein Kenner der Weltpolitik mehr, mit Ausnahme von Eisenhower und Dulles. Neuerlich wird es dem Urteil der Nachwelt Vorbehalten sein, wie weit man sie in Wirklichkeit zu den Kennern rechnen darf. Worin Kopiert der kleine Schnurrbart den grossen Schnurrbart? In der absolutistischen Diktatur? In deren Tarnung durch Wahlbetrug? Dem Verbot der politischen Parteien? Der nihilistischen Programmlosigkeit der eigenen? In der Hochzuechtung des primitivsten Nationalismus? In dem Expansionsdrang und der staendigen Bedrohung der Nachbarlaender? In den Hegemonie-Anspruechen ueber angeblich voelkisch oder linguistisch oder rassisch verwandte Gebiete? In seiner hemmungslosen rednerischen Demagogie? In seiner Missachtung internationaler Verpflichtungen? In der Hetze gegen die Juden bezw. deren Staat? In den bauernschlauen Schachzuegen der Aussenpolitik: der “Achsen” - Bildung, der Ruekkendeckung in Moskau, des schrittweisen Vorgehens, der Vernebelungs-Mannoever? Jedes dieser Themen wuerde eine Abhandlung fuer sich rechtfertigen, die wir uns mit Ruecksicht auf die Geduld der Leser sowie auf das eigene Unvermoegen ersparen wollen. Die Parallele in all ihren Di. mensionen verfolgen zu wollen, wuerde natuerlich auch erfordern, die offensichtlichen Unterschiede zu berücksichtigen. So lag, rein charakterologisch, Schickelgrubers Staerke -und Schwaeche-in seiner daemonisch - hysterischen Besessenheit, an deren Stelle Nässere orientalische Verschlagenheit zu setzen ist. Machtpolitisch, und das ist wichtig, war z.B. die Rheinlandbesetzung von Maerz 1936 ebenso wie die SO SIEHT DIE WELT SEIN EDLES ANTLITZ, Antonio Komera, in “El Mercurio” “Nationalisierung” des Suez- Kanals von Juli 1956 nicht mehr als ein gewaltiger Bluff. Keiner der beiden Diktatoren hatte auch nur einen Bruchteil der notwendigen Streitkraefte, um seine widerrechtliche Massnahme gegen eine entschlossene Reaktion zu behaupten. Aber Deutschland war schliesslich selbst im Jahre 1936 zumindest potentiell eine Macht, eine Position im Herzen Europas, ein 66-Millionenvolk, ein hochindustrialisiertes Land, eine Tradition von Arbeit, Fleiss, Disziplin und Soldatentum. Was ist dagegen Aegypten? Die Antwort eruebrigt sich und erspart uns dadurch, ausfallend zu werden. Es hat jedoch den Anschein, als sollten diese himmelweiten Unterschiede nicht den Einfluss haben, um zu verhindern, dass, wie schon Rabbi Akiba dies voraussah, alles schon einmal dagewesen ist. Es genuegt, dass der listige Levantiner einen Faktor ebenso richtig einschaetzt wie dies dank seiner vielgeruehmten “Intuition” bereits der Hysteriker von Braunau tat.: die Psychologie seiner westlichen Gegner in ihrer ganzen Borniertheit, Feigheit, Unfaehigkeit und Dekadenz. Als er am 26. Juli von Alexandrien aus den Fehdehandschuh nach Westen schleuderte. wusste er bereits, welches die Reaktion sein wuerde: Proteste verschiedener Tonart, Konferenzen mit Kommissionen und Unter-Kommissionen, wirtschaftliche Sanktionen der Art. die Mussolini den Krieg gegen Abessinien gewinnen halfen und schlimmstenfalls, ein “Auslaufen” der britischen Flotte zu Mannoeverzwecken. Alles war einkalkuliert, einschliesslich der darauffolgenden Massnahmen, die den Gegner zur Ueberzeugung bringen muessen, man habe die bewusste Tuer noch nicht ganz zugeschlagen. , TRUMAN - EISENHOWER Es gibt einen Regierungschef, der Nassers Spiel seit geraumer Zeit durchschaut. Das ist Frankreichs Premier Guy Mollet. Bereits vor vielen Wochen bezeichnete Ir ihn als einen Groessenwahnsinnigen, dessen Hegemonie - Plaene ueber Mittelost und Afrika jeder realen Grundlage entbehren. Sei es die Unterstuetzung, die Kairo den algerischen Guerilla-Kriegen angedeihen laesst, sei es die bittere historische Erfahrung mit dessen Vorbild jenseits des Rheins oder auch die Tatsache, dass die Regierung Mollet-Pineau von Sozialisten gefuehrt wird, oder alle drei Faktoren zusammen: es steht fest, dass heute der Hauptwiderstand gegen den Gangster von Kairo von Paris ausgeht. Nun hat aber Frankreich in den zwanzig Jahren seit den Tagen der Rheinlandbesetzung seine Grossmachtstellung eingebuesst und das legt folgende tragische Ueberlegung nah: Damals war Frankreich stark genug, um dem nazistischen Spuk in wenigen Tagen ein Ende zu machen, aber wurde von einem Laval, einem Flandin oder einem Chautemps regiert. Dagegen sass im Weissen Haus ein Staatsmann weltgeschichtlichen Formats, Franklin Delano Roosevelt, der als erster und lange Zeit als einziger in einer Europa abgewandten Nation die Gefahr des braunen Totalitarismus durchschaute, bekaempfte und anprangerte, der sein Volk und die Welt warnte, erzieherisch auf sie einwirkte, als Prophet aufstand, als Retter, Helfer, Kaempfer... bis zum Endsieg, dessen letzte Bestaetigung ihm die Vorsehung nicht mehr vergoennte, zu schauen. MAJOR LAWRENCE Der Beginn einer Legende (Foto: “Time”) Heute sind Champs Elysees und Quai d’Orsay das Hauptquartier von Maennern, die klar zu erkennen scheinen, wie die aus den Suempfen der Nilueberschwemmungen aufbrodelnde Gefahr zu bannen ist. Sie haben die Einsicht, die Moral und den Mut, ihr mit aller Gewalt entgegenzutreten. Nur die Kraft haben sie nicht. Um sie zu sammeln, beduerfen sie der Hilfe und der Unterstuetzung ihres maechtigen “Alliierten”, der U.S.A. Doch der Praesident der U.S.A. ist der General Dwight D. Eisenhower.. “AMERIKANISCHE AERZTE BE¬ WEISEN, DASS KRANKHEIT BES¬ SER IST ALS GESUNDHEIT“ Vicky, in “The London Daily News’’ Als 1950 die Kommunisten Korea invadierten, war Harry Truman Praesident der Vereinigten Staaten. Er war ein Mann, Klein von Statur, der schwer am Erbe seines gewaltigen und visionaeren Vorgaengers trug. Bis zu jener Sternstunde wusste die Welt eigentlich kaum etwas von ihm: ein Kaufmann, gar nicht immer erfolgreich, absolut nicht von dem Format des Unternehmer- Typus, der sein Land angeblich so gross gemacht hat, fast zufaellig zum Politiker geworden, hatte ihm das Schicksal ploetzlich die Aufgabe gestellt, die Unterjochung Asiens durch Djugaschwili aufzuhalten. Seine Landsleute hatten ihn wiedergewaehlt, weil sein Gegner im Wahlkampf von 1948 ein schlechter Kandidat war, aber fuer den “right man on the right place” schienen sie ihn nicht zu halten. Im Gegenteil, man hielt “time for a change” fuer gekommen und waehlte 1952 den grossen General, den Retter Europas, praedestiniert zum Retter der Welt. Und dennoch: der kleine Kaufmann von Independence war— und ist — eine grosse Persoenlichkeit und traf im Juni 1950, allein mit seinem Gott und seinem Gewissen, eine gewaltige Entscheidung: rotes Licht fuer Djugaschwili in Korea. Dieser Entscheidung verdanken wir heute, dass noch nicht ganz Asien, einschliesslich Indiens und Japans, unter russische Herrschaft oder “Einfluss” geraten ist. Sechs Jahre spaeter erreichte seinen Nachfolger irgendwo —vielleicht auf dem Golfplatz von Gettysburg—die Nachricht von dem Verlust des Suez-Kanals fuer die westliche Welt. Sein Aussenminister, Aktionaer und besoldeter Rechtsanwalt einer der grossen Erdoelgesellschaften des Mittleren Ostens, weilte gerade in Lima und sein Botschafter in London war auf Ferien. Wer die weltpolitische Strategie seiner Administration im allgemeinen gutheisst, und dies scheint die ueberwiegende Mehrheit des amerikanischen Volkes zu sein, das ihn im November hoechstwahrscheinlich wiederwaehlen wird, muss auch seine Suez-Politik billi- ' gen. Denn es ist eine Strategie I des geordneten Rueckzugs. Die Geschichte dieses Rueckzugs wird sicher einmal geschrieben werden, vorausgesetzt dass sein Nachfolger es noch verhindern kann, dass die Kreml- Weltherrschaft, der er und sein Aussenminister Vorschub leisten, nicht Geschichtsschreibung als reaktionaeres Unterfangen verbieten wird. Im Augenblick erfordert dieser Rueckzug eine neue und beschaemende Kapitulation des Westens vor dem von ihm selbst auf die Beine gestellten arabischen Zauberlehrling und Eisenhower-Dulles versuchen, ihre westlichen Alliierten zu zwingen, in diese Kapitulation einzuwilligen. Trumans heldenhafter Entschluss wurde in einem Moment gefasst, da Djugaschwilis Vormarsch bereits unaufhaltsam schien. Der russische Machtzuwachs schien keine Grenzen zu kennen. Korea war ein neuralgischer Punkt, strategisch guenstig gelegen fuer Russland - China, unguenstig fuer U.S.A. und die freie Welt. Und trotz allem hielt er ihn auf. Von seinem Nachfolger, dem kranken Mann am Potomac, wurde nun ein aehnlicher Entschluss erwartet. In einem Moment, da die Epigonen im Kreml selbst den Mythos Djugaschwili zertruemmern, da die Arbeiter Posens klirrend an ihren Ketten zerren, an einem neuralgischen Punkt, der strategisch guenstig fuer den Westen und denkbar unguenstig fuer Russland liegt, in einem Land, unfaehig, dem kleinen Israel in offener Fehde zu widerstehen. Die Welt haelt den Atem an und ein Prestigegewinn, der dem Glauben an die Zukunft der Menschheit gleichkommt, steht auf dem Spiel. Und was geschieht? Wie Arthur Koestler dies in einem aehnlichen Sinn einmal warnend aussprach: “Gottes Thron steht leer”. , EDEN - EDEN Fuer Frankreich bedeutet die Nationalisierung von Suez Gefaehrdung seiner Oelversorgung und einen imponderabilen Prestige-Verlust im umstrittenen Algier. Fuer England eine direkte Gefaehrdung dessen, was heute noch als Schatten-Empire existiert, sowie den