Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVIII (1956)
- Issue
- 8 (Agosto, 1956)
- Date
- 1956-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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REDACCION« S.C.I. B’NE JISROEL AV. PORTUGAL 810. TKU 8*0»S [ CASILLA 3487. SANT3AOO ‘CHIUS BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT I S O C 1 EDAD CULTURAL ISRAELI TA " B 1 N E JISROEL"! Año XVII — N.o 8 SANTIAGO DE CHILE Agosto, 1956 BLITZLICHTER AUS ISRAEL von Rafob» Egon I. Loewenstein In Nachfolgendem beabsichtigen wir in einer Serie von “Blitzlichtern” einiges aus Israel zu erzaehlen. Wir hoffen damit unseren Freunden kurz gefasste Berichte ueber persoenliche Erlebnisse und Momentschilderungen zu geben, die dem durchschnittlichen Leser oft unbekannt sind. ANKUNFT IN ISRAEL In Rom besteigen wir das stolze herrliche Flugzeug der El - Al und sofort umgibt uns eine vollkommen neue, beglueckende heimische Atmosphaere. Alles sind Juden wie wir. Viele setzen sich ein Kaeppchen auf. Man glaubt sich in einem Sprachenbabel zu befinden. Man hoert franzoesisch, arabisch, englisch, hebraeisch, deutsch usw. Zum ersten Mal sehen wir, was wir Kibuz Galujoth .— die Vereinigung der Diaspora — nennen. Es ist tiefe Nacht. Wir fliegen in Richtung auf Israel. Man verrichtet das Abendgebet. Man unterhaelt sich mit nicht gerade gedaempfter Stimme. Wird sind vollkommen unter uns. Da die Passagiere des Flugzeugs in staendiger Bewegung sind, haben die beiden Hostesses es nicht leicht sich durch den schmalen Gang hindurchzuschlaengeln. Langsam wird es ruhiger, die Lichter gehen aus. Es schlaeft, wer kann. Schliesslich fahren wir dem Land entgegen, von dem wir erwarten, dass es uns zum groessten Erlebpis unseres Lebens werden wird. (Rueckblickend hat sich diese Hoffnung fuer uns erfuellt). Gegen 5.1|2 Uhr wird Fruehstueck gereicht. Viele legen Teffilin, vor allem die nordafrikanischen Passagiere. Ploetzlich, es ist 7 Uhr morgens, hellerlichter Tag und .wir erblicken von weitem die Gestade unserer Medinat Israel. Elegant landet das Flugzeug auf dem Flugplatz von Lod. Zum ersten Mal sind wir auf israelischem Boden. Wer muss da nicht den Segensspruch “Schehechejanu” sprechen? Wen durchwuehlen nicht traurige Gedanken nd Erinnerungenan alle ie schweren Opfer, mit denen dieses Gefuehl des Stolzes, das uns erfuellt, erkauft worden ist? Man reicht uns zur Erfrischung einen Apfelsinensaft. Jeder setzt sich ruhig in einen (Sessel. Wir werden durch Mikrophon zur Pass -Devisen-, und Zollkontrolle aufgerufen. Alles wikkelt sich reibungslos ab. (Wer denkt da nicht an andere Lufthaefen mit viel aelterer Verwaltung, in denen ein unkontrolliertes Durcheinander herrschte). Jeder Passagier kann mit den Beamten in seiner Landessprache verhandeln. Und wenige Minuten spaeter sind wir auf dem Platz vor dem Flughafen. Gute Freunde aus Chile erwarten uns. Wer hat in diesem Moment nicht Traenen in den Augen? Er muss schon ein sehr blasierter Weltenbummler sein. Wir sind zu Haus. Das spueren wir sofort. YOM HAAZMAUT Zum 1. Male feiern wir diesen Festtag in unserem Land. Hier erfuellt er fuer zwei Tage das Leben der Medinat. Die Unabhaengigkeit Israels wird nicht nur in mehr oder weniger akademischen Festakten gefeiert. Sie ist ein Stueck des Lebens dieses Landes. Sie zieht alle in ihren Bann. In diesem Jahr fiel der Jom Haazmaut auf einen Montag. Sonntag frueh um 7 Uhr ertoente im ganzen Land zwei Minuten lang die Sirene. Das ist der Auftakt fuer den Beginn des Gedenktages an die Gefallenen des Freiheitskrieges. In Stadt und Land, Doerfern und Kibbuzim unterbrechen Autos ihre Fahrt, Buerger ihre Arbeit und ehren in aufrechter Haltung das Gedaechtnis der Gefallenen. Auf 15 Krieger-Friedhoefen und in den Abteilungen fuer Soldatengraeber auf den zivilen Friedhoefen und vor allem auf dem Herzl-Berg werden Jahrzeitlichter entzuendet. Die Fahnen sind auf Halbmast. Man besucht die Friedhoefe. Gegen 13 Uhr haelt man auf verschiedenen Friedhoefen unter Teilnahme der Regierung, des Militaers, von Delegationen der Jugend und Schuelerverbaende und Hinterbliebenen Trauerfeiern ab mit Gebeten, Reden und Kranzniederlegungen, Auf dem Zionsberg wird beim David-Grab die achte Thora- Krone (es ist der achte Jom Haazmaut) niedergelegt und eine Feier zum Gedenken an die Gefallenen von Gusch Etzion abgehalten. Gegen 6.28 Uhr ist der Gedenktag zu. Ende und die Feiern des Unabhaengigkeitstages beginnen. Wieder zwei Minuten Sirenen. Die Fahnen werden hochgezogen Sondergottesdienste werden abgehalten. Unuebersehbare Menschenmassen draengen auf : die grossen Plaetze, wo die Jugend singt und tanzt. Auf grossen Tribuenen werden folkloristische Darbietungen von Kuenstlern vorgefuehrt. Ueberall sieht man Fahnen. Die Schaufenster der Geschaefte sind festlich dekoriert und bleiben nachtsueber erleuchtet. 8,25 Uhr entzuendet der Vorsitzende der Knesset am Grabe Herzls des grossen Visionaers des Judenstaates - die Freiheitsfakkel und verkuendet den Beginn des Jom Haazmaut. Eine militaerische Ehrenwache nimmt an seinem Grab Aufstellung. Vertreter des Jischuw entzuenden 12 Lichter, die den 12 Staemmen entsprechen. Man spricht Schehechejanu. Ein riesiger Fackelzug zieht ins Tal hinunter und ein praechtiges Feuerwerk erleuchtet den naechtlichen Himmel Jerusalems. 25 in Israel akreditierte Diplomaten ueberbringen dem Presidenten die Glueckwuensche des Diplomatischen Corps. Am naechsten Tage fahren wir zur Parade nach Haifa. Ein strahlender Sonnentag, Eine ungeheure Menschenschlange bewegt sich aus allen Richtungen zur Chaussee und zu den am Meere acht Kilometer lang errichteten Tribuenen hin. Polizisten sorgen fuer Ordnung und freundliche Ordner weisen die Plaetze an. Die Organisation ist vorbildlich Alles funktioniert reibungslos. Die 250.000 Zuschauer sind in 10.000 Fahrzeugen transportiert worden. Jeder Gast erhaelt Apfelsinen mit einem Gruss zum Jom Haazmaut. Auf den Tribuenen sieht man viele Auslaender, Kongressdelegierte, Geistliche der orthodoxen Kirche im Ornat, Drusen, Araber usw. Um 10,50 Uhr ertoenen die Trompeten und die Israelfahne wird gehisst. Die Parade beginnt wie angesetzt puenktlich um 11 Uhr. (In Israel fangen alle offiziellen Akte puenktlich an). Das Auto von Ben Gurion, Jizchak Ben Zwi, des Generalstabschef Mosche Dajan usw. erscheint. Sie nehmen auf der Praesidententribuene Platz. Die National-, Praesidenten- und Generalstabschef-Fahnen werden gehisst. Eine Militaerkapelle spielt die Hatikwa. Vom Meer her gruessen Schiffe. Vier Dreierformationen von Flugzeugen werden mit grossem I Jubel begruesst, der sich zur Begeisterung steigert, als die letzte Staffel von den gerade aus Frankreich angekommenen Duesen - Flugzeugen am Himmel erscheint. In diesem Augenblick kann wohl auch der staerkste Mann die Traenen nicht zurueckhalten. Um 11,15 Uhr beginnt die eigentliche Parade. Der Reihe nach sieht man motorisierte Einheiten, Fahnen der verschiedenen Formationen, die sich vor dem Staatspraesidenten salutierend senken. Jeeps mit Standarden der Militaereinheiten fahren vorbei, motorisierte Funker, Luftabwehrkanonen, Radiowagen, Geschuetze kleineren Kalibers, Feldkanonen, schwere Haubitzen, Wagen mit grossen Wassertorpedos, kleine Panzerwagen, Raupenschlepper mit leichter Bestueckung und schliesslich schwere Sherman-Tanks, die begeistert begruesst werden. Dann kommt die Infanterie, wieder Autos mit Standarten der Einheiten, Fuss-Soldaten in ihren neuen Uniformen mit geschultertem Gewehr, Militaerpolizei, Marinesoldaten und zwischen den Gruppen Trommler, Minensucher, Funker, Reservisten, Soldatinnen, Soldaten der Minderheiten, Polizei, Gruppen der Grenzwache. Abschliessend marschieren die Fallschirmabspringer in ihren roten Kappen vorbei, die das Publikum mit Jubel empfaengt. Taubenschwaerme werden losgelassen. 11,45 Uhr ist die Parade beendet. Der Staats-Praesident und sein Gefolge fahren gruessend in Richtung Tel-Aviv. Nach einer kurzen Pause sehen wir unsere Jugend in Kostuemen und Trachten orientalischer Juden, andere in bunten und stilechten Kostuemen, die an den Tribuenen vorbei tanzen. Dieser schoene Abschluss scheint uns fuer Israel charakteristisch zu sein, das den Krieg nicht will, aber zeigt, dass es vorbereitet ist, wenn man es zum Krieg herausfordert. Die mustergueltige Disziplin dieser Parade beweist, dass kein einziger Unfall zu verzeichnen ist. Sie hat nur 45 Minuten gedauert - kuerzer als fruehere Paraden - da man wohl in der augenblikklichen schwierigen politischen Situation keine Truppen und Geschuetze von anderen Punkten abziehen wollte. Aber sie erfuellt uns mit Stolz auf unser junges Israel, das der Welt zeigt, dass in ihm eine neue Jugend seinen Staat zu beschuetzen wissen wird. Wir haben das neue Gesicht Israels im wahrsten Sinne des Wortes-gesehen. Junge Menschen mit scharf geschnittenen Gesichtern von hell bis dunkel, die mit geballter Faust auf den Knieen streng nach vorn schauen. Darunter auch bei den schweren Geschuetzen Maedchen, die sich an Straffheit in nichts von den Soldaten unterscheiden. Eltern rufen von dem Tribuenen ihre Kinder mit Namen, die keine Bewegung zeigen. Sie ruehren sich nicht. Eisern ist ihre Haltung. Das ist das neue Israel. Unter den Turisten sind viele Amerikaner mit ihren grossen photographischen Aparaten und sie geraten vor Begeisterung in Ekstase. Die Polizei hat viel zu tun, um zu verhindern, dass sie nicht beim photographieren von einem der Tanks ueberfahren werden. Fuer den Nachmittag des Jom Haazmaut sind wir zum offiziellen Empfang beim Buergermeister von Tel Aviv im Gan Newiim eingeladen. Wir kennen nur wenige. Mitglieder des diplomatischen Corps (der Ost-und Westmaechte), Regierungsmitglieder, Rabbinat, Knesset- Abgeordnete, Stadtverordnete sprechen ihre Glueckwuensche aus. Ein Feuerwehr-Orchester spielt in dem herrlichen Garten, in dem das sehr distingierte Publikum in ruhiger Unterhaltung auf und ab geht. Elegante Frauen, gut angezogene Maenner, Juden mit Bart, andere in Uniform. An den Seiten sind Tische mit Erfrischungen vorbereitet. Man spuert nichts von jener Distanzlosigkeit, die man draussen manchmal empfindet. Auch die Vertreter der anderen Religionen, Typen des alten Jischufs, unterhalten sich mit vornehm aussehenden Diplomaten. Hier sehe ich: Israel weiss seine Gaeste in seinem neuen Heim zu empfangen. Damit hat dieser grosse und einmalige Tag fuer uns seinen Abschluss gefunden. (In der naechsten Nummer erzaehlen wir von der Feier des 1. Mai - von Danny Kaye und vom Kongress).