Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1956-06-01 · 6 (Junio, 1956) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVIII (1956)
Issue
6 (Junio, 1956)
Date
1956-06-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/8553624-8556986-9194186--1801-8557063
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

S.C. I. 8’NE JISROCL I AV. PORTUGAL RIO. TKU »ROM ’ CARn.UA I4Í7. SANTIAGO* CH IUI BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT ■ SO CI EDAD CULT U R AL KS RAEAITA ” B ' N E J 1 SR OEL" | Año XVIII — N.o 6 SANTIAGO DE CHILE Junio, 1956 STARK SEIEN DIE HAENDE UNSERER BRUEDER (Werni Hirschberg, in der Erfnellung der Pflicht gefallen, zum Gedenken). Von LEO FLATAU Wenige, hastig hingeworfene Zeilen, haben die tragische Botschaft gebracht. Unser' Augen, gewohnt von Aufbau und Leben zu lesen, von Freude und von Traeumen, haben ein und das andere Mal die schicksalsschweren Worte gesehen, ohne sie verstehen zu .wollen. Und dennoch: da is* die Nachricht, bitter und kurz. Werni, unser lieber Werni, ist nicht mehr. In dem Bild, das wir uns vom Leben gemalt haben, voll von Hoffnungen und reich an Erfüllungen, ist kein Platz fuer die Schatten des Todes. Der brodelnden Kraft unserer Jugend ist das Nicht-Sein fremd und ihre Seele ist jenseits des Unbesehen. Unser ganzer Lebensweg ist voll von schoepferischer Bewegung, atmet Liebe und Optimismus und Wernis Leben war ein Beispiel fuer diesen Weg. Aber die grossen Maechte und ihre kleinen Vasallen sprechen eine andere Sprache und entwickeln andere Gedanken. Blei und Sprengstoff sind die Werkzeuge, mit denen sie ihre Ideale verwirklichen. Verrat und Meuchelmord sind die Erfuellung ihrer Versprechen. Und gegen solche Waffen waren Werni Hirschberg mit dem Spaten, Ernst Mueller mit dem Lastwagen, Jascha Ginessin mit der-Zange machtlos. Auf den Wegen blieben sie dahingestreckt, mit starren Koerpern und nur der Hoffnung in den Augen. Sie waren ausgezogen, um eine Zufluchtstaette zu bauen, damit nie wieder der Mensch die Hand, gegen ' seinesgleichen erhebe, um ein Ideal von Arbeit und Aufbau zu verwirklichen, aber sie fielen ermordet, weil da ein Widerstand ist gegen die Wiedergeburt eines Volkes, gegen den Triumph des Friedens, gegen die Freiheit des Menschen. Mit dem Aufkommen der Jugendbewegung “Kidm a” reihte sich Werni, damals noch nicht im Juenglingsalter, in den neuen Strom der Chaluziuth ein. Von da an widmete er sein Leben der "erwirklichung seiner Ideen. Als die “Kidma" sich der Weltbewegung “H a s chomer Hazair” anschloss, begann auch Werni. verantwortliche erzieherische Arbeit in der Organisation zu leisten und Schritt um Schritt alle Etappen zu durchlaufen, immer als unermuedlicher Chaluz seiner Idee. Auf der Hachschara konnte man ihn bei harter Arbeit finden und spaeter ’uehrte er seine Alij ah zuammen mit seiner Gruppe ‘Irgun Hachschara Gimel” lurch, um sich im Kibbü; ’amoth Menasche anzusie» teln. Kurz darauf musste der Kibbuz sein Kontingent fuer iie Reihen der Zva Hagana Leisrael stellen und Wern: wurde, im Hinblick auf seine Tntegritaet und Treue, zu der Gruppe gewaehlt, die der Kibbuz ins Heer schickte. Zwei und ein halbes Jahr ’ang war Werni Soldat Waehrend wir im Kibbuz arbeiteten, neue Haeuser auf- "ichteten und nach der Arbeit im Kreise von Freunden. Eltern, Kindern und Enkeln uns des Gluecks und der eigenen Fortschritte erfreuen durften, hielt Werni in seiner Rekrutenkleidung auf irgend - Einern Punkt des Negew oder des Galil Wacht. Und er beendete mit Glanz seine Laufbahn im Heer. Am Ende meiner Dienstzeit war er Sargeant und Instrukteur der Tank-Division, einer der gefa ehrlichsten und daher auch wichtigsten Abteilungen des Heeres. Aber damit war seine milifaerische Laufbahn noch nicht beendet. Zurueck im Kibbuz und Vater bereits einer schoenen Tochter, wurde er von der landwirtschaftlichen und organisatorischen Arbeit, der er sich voll widmete, immer wieder fuer kurze Zeit weggerufen, um fuer eine kurze Periode in der Zava zu dienen. Oft genuegte das Auftauchen einer, neuen Bedrohung an irgendeiner Grenze und der ganze Kibbuz wusste, dass Werni zu den Reihen gerufen werden musste. Nie trog uns diese Ahnung und Elieser Hirschberg, wie er auf Hebraeisch hiess, war immer zur Stelle, wenn er gebraucht wurde. In den Tagen, in denen er Lei war Werni Lehrer einer Gruppe von Jansens, die ih-e Erziehung im Kibbuz absehliesst. Man hatte ihm diese Arbeit ploetzlich anvertrauen muessen, ohne ihm Zeit geben zu koennen, sich in Ruhe vorzubereiten. Aber man vertraute auf ihn, auf seine Faehigkeit und seinen Enthusiasmus. Und wie immer bewies er, dass man mit Recht auf ihn vertraut hatte. Aber die niemals ruhigen G r e nzen Israels laeuteten wieder einmal Sturm, gerade als man auf neue Friedenshoffnungen vertraute. Und Werni ging an die Front und auf irgendeinem Weg im Nejew verunglueckte das Mili- '-.aerauto, in dem er fuhr. Man -velss noch. nicht wieso, aber n Wirklichkeit ist das auch nicht mehr wichtig. Fuer Verni sind die Gruende schon alle gleich. Wichtig sind nur die, die ins angehen. Fuer uns fiel 'Verni in der Uniform des Vaterlands, das er auf baute. Euer uns fiel er als der liebe Verni- Hirschberg, der mit 'einer Familie erst aus Nazi- Deutschland geflohen war. der sich dann in Chile, zusammen mit seinen Eltern und Schwestern keine Ruhe goennte im Kampf um das zionistische Ideal und der dann, wieder zusammen mit der ganzen Familie, eine schwer .erkaempfte Situation!n Chile auf gab, um sich in Tsrael niederzulassen. Fuer uns fiel er, ermordet von einer Welt, die die Reinheit seiner Seele nicht versteht. Ermordet von Interessengruppen, die nicht sehen wol- 'en, dass die Insel, an der er baute, eine Insel des Friedens 'n einem Ozean des Hasses ist. Dein Tod, Werni, wird geraecht werden. Neue Pioniere werden deinen Platz einnehmen. Wir werden die Baeume pflanzen, die du nicht mehr pflanzen kannst. Wir werden die Steine wegraeumen, die du noch auf den Feldern gelassen hast. Wir werden deine Tochter hueten und ihr den Odern des Friedens einhauchen. Wir werden dich nicht beweinen, Werni. Wir haben keine Zeit fuer Traenen. Aber die Erinnerung an dich wird fuer immer in den jungen Waeldem sein, die heute Wuehen. Und der Moertel der Waende wird an dich erinnern. Unsere Haende, muessen sich noch enger Zusammenschlüssen und staerker werden, um den Platz auszufuellen, den du offen gelassen hast. Unsere Haende, Arbeiterhaende —Haende, die den Kopf eines Kindes streicheln und den FflUg oder das Gewehr umklammern— muessen stark sein in solchen Augenblicken. Stark seien die Haende unserer Brueder. Techesakna jede kol achenu... (Uebere. B. I.) ELIESER (WERNI) HIRSCHBERG S. L. (Foto: Nossen) tÄj'; llllttltl V '*■' «; tfPill' ¡¡¡■Sil -; INItfIí *i LETZTE BOTSCHAFT “... Ich bin nicht alt, sollte nicht sterben, und doch scheint mir alles einfach und selbstverstaendlich. Nur die jaehe Art des Scheidens erschreckt mich im ersten Augenblick. Die Zeit ist kurz, die Gedanken zahlreich. Ich verstehe nicht, warum, aber meine Seele ist ruhig “ ■ Bei euch, unter euch werde ich sein, mit euch werde ich auf der Bank im Garten sitzen, mein Geist wird immer mit euch sein... Euch werde ich mit der Morgenroete zulaecheln, euch mit der Daemmerung kuessen. Moege die Liebe und nicht der Hass die Welt beherrschen... Mein Name wird bald vergessen werden, aber der Gedanke, das Leben und das Gefuehl, die mich durchdraengen, werden weiterleben. Du wirst ihnen ueberall begegnen, auf den Baeumen im Fruehling, in den Menschen auf Deinem Weg, in einem fluechtigen und suessen Laecheln. Dem wirst Du begegnen, was fuer mich Wert hatte, Du wirst es Heben und mich nicht vergessen. Ich werde wachsen und reifen, in euch werde ich leben, deren Herzen ich einnahm, und ihr werdet weiterleben, da ihr wisst, dass ich vor euch bin und nicht hinter euch, wie Du vielleicht geneigt warst zu glauben...** Ausn “Und die Flamme soll euch nicht versengen", letzte Briefe zum Tode Verurteilter aus dem europaeischen Widerstand; Steinberg-Verlag, Zuerich).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.