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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1956-04-01 · 4 (Abril, 1956) · p. Seite 15

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVIII (1956)
Issue
4 (Abril, 1956)
Date
1956-04-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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Abril, 1958 BOLETIN INFORMATIVO 15 ¡Ein Leben des Ruhmes und den Groesse (Fortsetzung von Seite M) Albert Einstein war ein Pazifist aus tiefster Ueberzeugung. Er ist sich ueber die Schuldverteilung am Ausbruche des ersten Weltkrieges frueher als die meisten Menschen seines deutschen Geburtslandes im klaren gewesen, Glaube an den “persoenlichen Gott” lag dem Gelehrten ferner. Dass der gleiche, das Weltall umfassende Gott, von dem es heisst, dass “die Himmel und die Himmel der Himmel Ihn nicht zu fassen vermoegen”, dass der Weltenkoe- und es erfasste ihn geradezu; nig und-Lenker zugleich der Entsetzen, als er von jener! persoenliche Gott eines jeden Botschaft der 93 deutschen: Menschen ist, der liebende Intellektuelen erfuhr, die in | und sich erbarmende Vater den ersten Augusttagen des! aller Menschen, diesem jue- Jahres 1914 mit unbeschreib-; d i s c h-religioesen Weltbilde lich-anmassenden Worten den verbrecherischen deutschen Ueberfall auf Belgien, der den Abscheu der gesamten Kulturwelt gefunden hatte, nicht nur gebilligt, sondern mit Enthusiasmus begruesst hatten. Seither war dem Gelehrten nichts in der Welt so verhasst als der in Preussen-Deutschland besonders ausgepraegte Militarismus, dessen Wiedererstehen er angesichts des nationalistisch-antisemitischen T r e i vermochte Einstein nicht naeherzukommen, und doch hat er wiederholt seinen tiefen Sinn und sein Gefuehl fuer eine mehrtausend-jaeh- Bertrand Rüssel ueber Albert Einstein Der beruehmte englische Philosoph Bertrand Russell schrieb im “Observer” ueber Albert Einste’«: war meiner Ansicht nach der je ren^eHierchte^musste^lß^d &^b.T.ta!£n£ Maenner verschiedener Art ÄrtoeÄtt lnBerlin (seit gekannt -“ Staatsmänner, dem Jahre 1913) einer Front gegenueber, die von der Aeussersten Rechten bis zur Mitte reichte, also fast den groessten Teil des deutschen Buergertums umfasste, und die wie Gladstone, Lenin und Winston Churchill, Dichter, wie Browning, Tennyson, Mallarme, T. S. Eliot, und die meisten Philosophen der letzten sechzig Jahre. Aber keiner von ihnen hat mir einen Jw6n ®instein, weder derartigen Eindruck d-ch seine Gediegenheit und Einsicht, seine Einfachheit und Freundlichkeit, gemacht wie Einstein... Er war zutiefst interessiert am Weltgeschehen, und waehrend seiner Laufbahn hatten wir oft die gleichen Sympathien miteinander gemeinsam. Wir waren beide Gegner des leidenschaftliche a n t itotali t a e r e, antinationalistische, Haltung und schon garnicht sein rueckhaltloses Bekenntnis zum Frieden und zur Demokratie verzeihen konnte. Man hat viel ueber das Judentum Prof. Einsteins geschrieben, und er selbst hat haeufig seinen Standpunkt eindeutig hervorgehoben. Er, der z. B. waehrend der Prager Epoche (1911 und 12), als er an der deutschen Karlsuniversitaet Physik lehrte, vor uebergehend der juedischen “Religionsgemeinschaft” den Ruecken gekehrt hatte, fand aber dann, nachdem er diesen Schritt mit Bedauern wieder rueckgaengig gemacht, eine voellig neue Einstellung zum juedischen Volke, zur juedischen Kultur und auch bald zum altneuen Heimatboden von Erez Israel, sodass ihm von diesem Augenblicke an Ziel und Richtung fuer sein ganzes kuenftiges Leben neu gewiesen ward. War Albert Einstein ein religioeser Jude? Man darf diese Frage absolut bejahen: Zeitlebens war er um Erkenntnis bemueht und mit Goethe erblickte er in der “ewig-waltenden Natur” die Schoepferkraft des ewigen Gottes. Vor dem juedisch-religioesen Begriffe, dem “Koenig der Koenige“, dem “einen Gotte” als, dem letzten Ursprung alles Sittlichen, beugte sich dieser Weltweise in Ehrfurcht. Sein Denken ueber jene “letzten Dinge” kann man am besten mit den unsterblichen Dichterworten wieder geben: “Wenn im Unendlichen dasselbe sich wiederholend ewig fliesst, das tausendfältige Gewoelbe j^^Än^richteto sich kraeftig ineinander- Ielzten Jallren ncntete (schliesst, stroemt Lebenslust aus allen (Dingen, dem kleinsten wie dem groess- (ten Stern, und alles. Draengen, alles (Ringen, ist ewige Ruh in Gott, dem (Herrn.” Doch jener andere Teil jüe- ... _ dlsch-religioesen Denkens, der! derjenige Newtons”. BERTRAND RÜSSEL Der aufsehenerregende Friedens-Aufruf, von dem grossen englischen Philosophen und Einstein gemeinsam unterzeichnet, wurde erst nach dem Tode des letzteren in der Weltpresse veroeffentlicht. (Foto: Time) ersten Weltkrieges, und wir waren beide ueberzeugt von der Notwendigkeit des Krieges gegen Hitler. Einstein hat nie aufgehoert, einen liberalen Standpunkt einzunehmen, und in seinen er heftige Proteste gegen Mc¬ Carthys Hetzjagd... Einsteins wissenschaftliches Werk wird, wie jedes wissenschaftliche Werk”, so schliesst Russell, “mit der Zeit Moi;- fikationen erfahren, aber es wird in der Welt immer einen bedeutenden Platz einnehmen, und sein Ruhm wird ebenso lange dauern wie rige Tradition zum Ausdruck gebracht. Letzten Endes ist es der juedische Geist, das Erbe der .Propheten und Weisen gewesen, war es das unermess- , lieh reiche juedische Schrift-! tum, das ihn zum begeisterten Pazifisten, zum unerschrockenen Kaempfer fuer Recht, Frieden und Fortschritt werden liess. Juedische Ethik, die juedische Lehre von der Naechstenliebe und der Menschlichkeit, waren in Einstein lebendig, und so konnte sich jene harmonische, in sich geschlossene Persoenlichkeit entwickeln, welcher die gesamte zivilisierte Welt Ehrerbietung und Bewunderung entgegenbrachte. Es ist kein Zufall gewesen, dass die Epoche von 1919 bis 1922 etwa, in der man den Gelehrten sein Judesein recht unangenehm empfinden liess, als er sich in deutschen Landen als Fremder fuehlen musste, zugleich derjenige Zeitabschnitt werden sollte, in welchem Einstein in eine engere Verbindung mit den deutschen Juden und darueber hinaus, mit der Weltjudenheit kommen sollte. Maenner wie Martin Buber und Leo Baeck, Kurt Blumenfeld, Richard Lichtheim u. a. machten ihn mit gesamt juedischen Aufgaben vertraut, und sein starkes Interesse an einem juedischen Palaestina ist in iener Zeit geweckt worden. Die damalige Fuehlungnahme mit Chaim Weizmann ging spaeter in eine Freundschaft ueber, die erst mit dem Tode des ersten Praesidenten Israels erlosch. Ihm, dem damaligen Praesidenten der Zionistischen Weltorganisation, gelang es, Prof. Einstein fuer eine Werbereise nach Amerika zugunsten der in Vorbereitung befindlichen Hebraeischen Universitaet zu gewinnen, die im Sommer des Jahres 1921 stattfand, ein voller Erfolg wurde und Einstein fortan zu einem begeisterten Foerderer des geistigen Zentrums des juedischen Volkes machte. Dort, auf dem Scopusberge, hielt Einstein, auf der Rueckreise von Japan zu Anfang des Jahres 1923, eine Vorlesung im Namen der erst zwei Jahre' spaeter feierlich eingeweihten Universitaet, in deren Besitz sich auch das Manuskript der “Allgemeinen Relativitaetstheorie” befindet. Der zum Zionisten gewordene Einstein begeisterte sich auch fuer die Idee der Zusammenarbeit zwischen Zionisten und nichtzionistischen Freunden fuer das allen gemeinsame und heilige Palaestinawerk, und daher war es auch fuer ihn ein Gipfelpunkt seines Lebens, als er im August 1929 als Delegierter der deutschen Zionisten auf der Gruendungsversammlung der “Erweiterten Jewisch Agency” in Zuerich erscheinen und, unter begeistertem Beifall aller Anwesenden sprechen, und ein leidenschaftliches B e k enntnls zur Herzl’schen Idee und zu der Leistung ablegen konnte, die Maenner wie Sokolow und Weizmann, Schmarja Lewin u. a. in Weiterfuehrung des Werkes von Theodor Herzl vollbracht hatten. An den einmal kommenden “Judenstaat” glaubte er mit ganzer Seele, und deshalb durfte er es sich erlauben, die Britische Regierung und die Verwaltung von Palaestina heftig zu tadeln, als diese damals, 1945- 48, das einst gegebene Versprechen in unverant wörtlicher Weise brach. “Medinath Jisrael”, das er leider nicht wiedersah, bedeutete fuer Albert Einstein Erfuellung und Aufgabe zugleich; er nahm sie ernst und hielt mit Kritik nicht zurueck, wo er eine solche^ fuer noetig hielt. Es entbehrt nicht der Tragik, dass der grosse Friedensfreund dazu ausersehen war, | jenen denkwuerdigen Brief an den Praesidenten Roosevelt zu richten (August 1939), welcher die Moeglichkeit der Benutzung der Atomkraft in einem kommenden Kriege erwaehnt. Er war sich darueber im Klaren, dass sich verhaengnisvolle Folgen aus der Anwendung jener Entdeckung ergeben koennten* sah aber weitblickend auch die segens reiche Kraft voraus, die eine Verwendung der Atomspaltung zu friedlichen Zwecken haben muesste. So wurde er auch hier zum grossen Warner, vor allen in seinen letzten Lebensjahren, als er feststellen musste, wie weit die Menschheit durch politische Machenschaften auseinander-gerissen worden war. Wenn wir Juden am ersten Jahrzeittage das Andenken von Prof. Dr. Albert Einstein ehren, so koennen wir dies, alle Gedanken und Empfindüngen zusammengefasst, nicht schoener tun als mit den Worten, die Israels Aussenminister Mosche Sharett beim Empfang der Todesnachricht, aus Jerusalem, der ewigen und heiligen Stadt, durch das Radio sprach: “Das gewaltige Feuer des menschlichen Geistes das mit seinen Strahlen die Finsternis des Unbekannten durchdrang, ist erloschen. Die Welt hat eines ihrer groessten Genies verloren und das juedische Volk den beruehmtesten Sohn dieser Generation. Israel zollt, dem Gedaechtnis Einstein’s in tiefer Trauer und mit ewigem Stolz seinen Tribut”. AUS DEM GEMEINDELEBEN Antrag au£ Beltragserhoehung (Fortsetzung von Seite 3) gen Mittel innerhalb eines ordnungsgemaessen Etats zur Verfuegung gestellt werden. Jeder wird dafuer Verstaendnis haben, dass die Mitgliedsbeitraege angemessen erhoeht werden muessen, damit die Gemeinde in die Lage versetzt wird, trotz der wesentlich hoeheren finanziellen Anforderungen ihre umfangreichen Aufgaben auf religioesem, sozialem, nationalem und kulturellem Gebiete zu erfuellen. Wir sind sicher, dass unsere, Mitglieder in Wuerdigung der zwangslaeufig gegebenen Umstaende dem Antrag auf Beitragserhoehung ihre Zustimmung geben werden. RELIGIONSCHULE Mit dem Beginn des Schuljahres setzt auch wieder der Unterricht in unserer Religionschule ein. In unserem Gemeindehaus werden wieder allsonntaeglich die Stimmen unserer lernenden und singenden Kinder gehoert werde. Fuer die Kinder, die schon im vergangenen Jahre an unserem Unterricht teilgenommen haben, haben die Kurse schon vor Pessach begonnen, um sie fuer die bevorstehenden Jamim towin vorzubereiten. Gleichzeitig haben wir die Eltern aller der Kinder, die im schulpflichtigen Alter sind und deren Adressen uns erreichbar waren, aufgefordert, am Sonntag den 18. bzw. 25 Maerz die Anmeldung fuer das kommende Schuljahr in unserem Gemeindebuero vorzunehmen. Leider stellen wir immer wieder Luecken in unserer Karthotek dadurch fest, dass Eltern entweder die Geburt eines Kindes nicht angemeldet oder Wohnungsumzug nicht mitgeteilt haben Wir bitten also auch alle jene Eltern, die von uns keine Aufforderung erhielten und die Kinder im schulpflichtigen Alter haben, die Anmeldung sofort vorzunehmen, damit wir moeglichst bald mit einem geregelten Unterricht beginnen koennen. Unser Ziel ist, dafuer zu sorgen, dass kein Kind ohne juedischen Unterricht bleibt. Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass das hier herrschende Schulsystem gewisse Schwie- - rigkeiten fuer die Teilnahme an unserem Religionsunterricht mit sich bringt. Wir unsererseits bemuehen u n s: durch Dezentralisierung der Unterrichtslokale unseren Kindern und ihren Eltern die. Teilnahme zu erleichtern. Feierstunden und Gesangsunterricht dienen dazu, dem Lernen einen froehlicheren Charakter zu geben. Wir werden uns auch im kommenden Jahre bemuehen, den Unterricht so zu gestalten, dass unsere Schueler gern an ihm teilnehmen. Es zeugt fuer den in unserer Gemeinde herrschenden positiven juedischen Geist, dass die ueberwiegende Mehrheit aller Kinder Schueler unserer Religionschule sind. Aber noch fehlen einige und wir bitten auch deren Eltern, uns zu helfen, ihre Kinder zu aufrechten Juden ■ zu erziehen, die auch etwas von unserer Geschichte und unserer Tradition wissen. Wir begruessen zu Beginn des neuen Schuljahres unsere Schueler und Schuelerinnen und hoffen, dass die Arbeit des kommenden Jahres-so wie auch in den vergangenen von Erfolg gekroent sein wird. Das wird weitgehendst von dem Pflichteifer und der Puenktlichkeit, mit der unsere Schueler am Unterricht teilnehmen, abhaengen.

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