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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1956-04-01 · 4 (Abril, 1956) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVIII (1956)
Issue
4 (Abril, 1956)
Date
1956-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Abril, 1956 7 BOLETIN INFORMATIVO KUNST, LITERATUR... MIGUEL SEIDEL: »El Pueblo Judío” Editorial Universitaria (Colección ‘‘Saber”). 154 Seiten Der Titel waere selbst fuer ein Buch von zehnfacher Seitenanzahl und Grossformat zumindest anspruchsvoll. Um wieviel mehr ist er es bei dieser Resma —und etwas mehr— im heute schon unfehlbaren “Taschen” -Format! Keine Rede von “Betrachtungen zur Geschichte...” oder “Abriss”; nein: “El Pueblo Judio”, nicht mehr und nicht weniger. Und trotzdem: der Autor war nicht unbescheiden. Was dem Stoff an Ausdehnung abgeht, liefert er uns an Dichte der Webart. Wir kannten Miguel Saidel nicht nur in seiner doppelten akademischen Eigenschaft als Anwalt und Lehrer, oder als Globetrotter, Polemist und Journalist und sogar als Mensch, sondern auch durch seine zwei bisher wichtigsten Veroef fentlichungen: “El Trabajo y el Hombre” (1946) und “Oración del Esclavo” (Gedichtband, 1952). Ueber letztere zu urteilen fuehlen wir uns nicht berufen; die Abhandlung ueber die Arbeit und den Menschen jedoch liess uns fest an die vieiversprechende Laufbahn glauben, die ein damals noch sehr junger Mensch als Denker und Schriftsteller einzuschlagen versprach. Umso schoener, heute festzustellen, dass er auf diesem schweren Weg nicht nur als nunmehr reifer Mensch beharrt und dass er ihn entschieden aufwaerts geht, sondern dass ihn derselbe auch juedischen Interessen zugefuehrt hat. Das Buechlein enthaelt Gedanken —sehr viele und sehr gute Gedanken— ueber die Geschichte des juedischen Volkes und den Sinn dieser Geschichte. Die Knappheit, mit der es verfasst ist, weit davon entfernt, ihm zum Mangel zu gereichen, macht seine wahre Staerke aus, da Saidel sich als wahrer Meister der Synthese zeigt. Ohne seine marxistische Scnulung verleugnen zu koennen— und sicher auch, ohne es zu wollen—, beweist er, frei von dogmatischen oder dialektischen Verzerrungen urteilen zu koennen. So gehoert er zweifellos zu denjenigen, die glauben, dass die Menschen Gott nach ihrem Ebenbilde gemacht haben und doch gelingt es ihm, das heikle Thema der Rolle der juedischen Religion in der Geschichte unseres Volkes sicher zur Zufriedenheit weitester Kreise zu behandeln. Es handelt sich nicht um eine “philosophische Abhandlung” im hergebrachten Sinne, da Saidel es vorgezogen hat, die Problematik des juedischen Volkes im Spiegel seiner Geschichte, also sozusagen vertikal, auf zuro'len. Seine knappen geschichtlichen Hinweise, besonders aufschlussreich durch die falt, mit der er die geopolitischen und ausserj uecuacuen zeitgeschichtlichen Zusammenhaenge berücksichtigt,, lockern den Text auf und liefern ihm das Geruest seiner Arbeit. Wir werden sicher noch Gelegenheit haben, auf dieses Buch, in dem wir einen vielversprechenden Anfang, aber auch eine Erfuellung sehen, zurueckzukommen. Einstweilen empfehlen wir es waermstens allen unseren Lesern und vor allem den Jugendlichen (oder deren Eltern), von denen wir glauben, dass es ihnen eine Hilfe sein kann, als moderne und aufgeklaerte Menschen einen Sinn im jahrtausendelangen Kampf unseres Volkes zu finden. Es ist erfreulich, die allzu spaerliche Literatur, die es in spanischer Sprache ueber juedische Themen gibt, durch ein Werk bereichert zu sehen, das endlich einmal nicht uebersetzt ist, sondern selbst der Uebersetzung wert. MARIA MATHI “Wenn nur der Sperber nicht kommt” Durch kuerzlich erschienene Besprechungen in schweizer Zeitungen erfahren wir von der Veroeffentlichung eines Romans unter obengenanntem Titel, Das Buch ist von einer deutschen Christin verfasst, einem israelischen Juden in Freundschaft gewidmet, und handelt von der Geschichte der Beziehungen beider Voelker, insbesondere waehrend der Zeit der Massenausrottung unter den Nazis. Den Pressestimmen zufolge, soll dieses auesserst heikle Thema mit ebensoviel Wuerde und anstaendiger Gesinnung wie auch literarischem Geschmack behandelt worden sein, Nicht minder aufschlussreich als die Botschaft einer solch Immer nocn vereinzelten Stimme ist aber wohl die Tatsache, dass rund fuenfzig deutsche Verlagshaeuser das Manuskript zurueckgewiesen hatten. Die meisten davon taten es, ohne es ueberhaupt gelesen zu haben; einige wenige erklaerten sich mit dem Inhalt solidarisch, ohne jedoch eine Veroeffentlichung riskieren zu wollen. Der deutsche Verleger, der es schliesslich doch wagte, gegen den Strom zu schwimmen, ist der C. Bertelsmann- Verlag, Guetersloh. GERSON STERN gestorben In Jerusalem ist im Alter von 81 Jahren Gerson Stern dahingegangen. Der damals bereits 60-jaehrige erregte im Jahre 1934 mit seir^m Erstlingswerk “Weg ohne Ende” groesstes Aufsehen unter den Juden Deutschlands. In diesem Buch schilderte er das Schicksal einer auf die Wanderung getriebenen juedischen Familie im 18. Jahrhundert und verfasste damit einen Schluesselroman zum Schicksal der deutschen Juden, das sich damals bereits mit schwaerzesten Farben abzuzeichnen begann. Die zuversichtliche Bejahung einer immer wieder bestaetigten juedischen Zukunft brachte tausenden von Lesern damals Trost und Zuversicht, aehnlich wie dies Robert Aus einem Aufsatz von Dr. Hilde Liehertz ueber SOZIOLOGIE DER .NEU - EINWANDERER Die Arbeit und das Funktionieren der einzelnen Forschungsinstitute im Rahmen der Hebraeischen Universitaet, wie z. B. des “Departaments of Soclology” ist wohl nur wenig bekannt. Es duerfte klar sein, dass der Staat Israel gerade vom Standpunkt des Soziologen aus als eine besonders ergiebige unerschoepfliche und auch einzigartige Quelle fuer die Forschung angesehen wer den kann. Die Soziologie untersucht die zwischenmenschlichen Beziehungen unter den jeweils gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen. Die “Staatsgesellschaft” Israel zeigt dem Soziologen einen in der Welt einzigartigen Aufbau: sowohl infolge seiner sechstausendj aehrigen Vergangenheit als auch durch die Gegenwart, die auf Grund goettlicher, d. h. biblischer Ueberlieferung an die Vergangenheit anknuepft. Ein Volk wurde vor 2000 Jahren von dem Grund und Boden seiner Vaeter vertrieben und zerstreute sich in alle Welt, erhielt sich trotz aller grausamen und blutigen Verfolgungen durch religioese und blutmaessige Tradition und kehrt, nachdem eine moderne Weltorganisation ihm den zwangsgeraeumten Boden als “Staat” wiederum zugesprochem hat, gruppen— und stossweise, in kleineren und groesseren Wellen aufs Neue von diesem Boden Besitz ergreifend, einwandernd in seinen alten, im Geiste nie aufgegebenen Staat zurueck. Den soziologischen Problemen, die sich bei der Formung des neuen jungen Staates und der neuen jungen Gesellschaft ergeben, geht das “Department of Sociology” der HEBRAEISCHEN UNIVERSITAET in JERUSA¬ LEM -im Einzelnen in Form wissenschaftlicher Untersuchung nach und erforscht die Entwicklung dieser “Uebergangsgeneration”, die sich hier in unserer Zeit und unseren modernen wirtschaftlichen Bedingungen heranbildet; Menschen, die, problem- und erlebnisbeladen aus ihrer Vergangenheit, ins Land stroemen, dort am Neu-Aufbau mitarbeiten und eine zweite Generation zeugen, die dann erst selbst wirkliche “ISRAELIS” ihres eigenen Staates sein werden. So entstand eine interessante Arbeit dieser soziologischen Forschungsabteilung, die der ELIEZER KAPLAN- Schule fuer Wirtschafts und Sozialwissenscheften der HE¬ BRAEISCHEN U NIV ERSI- TAET angegliedert ist, und erst seit 1949-50 voll funktioniert durch die finanzielle Grosszuegigkeit des Dr. Georg S. Wise mit einer jaehrlichen Weltsch in seinem unvergesslichen “Tragt ihn mit Stolz, den gelben Fleck” gelungen war. 1939 trat Stern seine Alijah an; waehrend des Befreiungskrieges verlor er seinen einzigen Sohn bei den Kaempfen um Jerusalem. Ausser dem obengenannten Buch hinterlaesst er einen Gedichtband “Stille Wege”, die Novelle “Auf drei Dingen steht die Welt” und die bisher nur in hebraeischer Sprache erschienene Fortsetzung seines Hauptwerks: “Die Wage der Welt”. IN ISRAEL Garantiesumme von 5000 Dollars fuer soziologische For schung. Nach der Emeretierung des anfaenglichen Direktors Martin B UBER steht das Institut heute unter der wissenschaftlichen Leitung des Dr. EISENSTADT, der mittels der modernen Methoden der sogen. “Feldforschung” seit 1951 grosszuegig e Massenuntersuchungen nach amerikanischem Muster durchfuehren liess; einige der Ergebnisse wurden in der Haupt-Fach-Z eitschrift fuer Soziologie, im “AMERI¬ CAN JOURNAL of SOCIOLO- GY” abgedruckt unter dem Titel: “Die Stellung von Fuehrern und Primaer-Gruppen oder Gruppen gemeinschaften bei der Absorbierung neuer Einwanderer in ISRAEL”. Die “Feldforscher” Hessen sich an gewissen Untersuchungsorten, staedtischen und laendlichen Ansiedlungen der Neueinwanderer, nieder und arbeiteten in drei Arten von Methoden mit ihnenwaehrend eines Jahres (Oktober 1949 bis Nov. 1950); die Einwanderer wurde systematisch bei all ihren Taetigkeiten beobachtet, ausserdem eingehend “interviewt”, um auf diese Weise festzustellen, in welcher Art und Weise sich die neuen Einwanderer in den neuen sozialen Aufbau des Landes einordneten, wo ihnen alles so fremd und verschieden, erscheinen musste im Gegensatz zu ihrem frueheren gewohnten Leben, den Sitten und Gebraeuclien der alten Heimat. Die Gruppen, die man vor Allem zu untersuchen hatte, nennt man “rnmaer-Gruppen”, aas sind soiche, die umeremander inxolge von Verwanatscnait una irueherer oder gegenwaertiger nachbarlicher Bezienungen zusammennaengen und ein “Wir” geiuehi haoen, auf Grund dessen sie Zusammenhalten. Es zeigt sich, dass; Anschauungen, die in der; Gruppe herrschen zu der er gehoert; in der Gruppe selbst wiederum haben diejenigen Schichten den Haupteinifluss, aus welchen-die “rueh- I rer” hervorgehen, die soge-! nannte “Ente”. Bei den von Dr. ElSENsTADT untersuch- ' ten Einwanderer handelte es 1 sich nur um soiche, die 18-19 Monate im Lande waren; hier zeigte es sich, dass 7d%; von ihnen ihre Betaetigung | auf bem gleichen Gegiet : ausuebten wie ihre Fuehrer- ] Schicht. Als besonders interessant bezeichnet der Autor bei I dieser Untersuchung die so- 1 gen “mobilen”, Familien das i sind diejenigen unter den I Neueinwanderern, die fuer 1 sich selbst den Fuehrungsstatus anstreben und glauben, dass sie durch ihre modernere Einstellung und Anpassungsfaehigkeit im Gegensatz zur < alten traditionellen geeigne- 1 ter seien, fuehrende Rollen im modernen Staatsleben zu uebernehmen als die frueheren Fuehrer. Dr. EISEN¬ STADT hebt hervor, dass besonders dies Problem mit 1 den daraus hervorgehenden I Konfliktsituationen weiterer eingehender Studien zukünftiger Forschung bedarf. STRASSENBILD IN JAFFA

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